Sport begeistert und fasziniert die Menschen. Sportliche Erfolge werden auch immer wieder zum Anlass genommen, um vermutete Erfolgsprinzipien des Sports in Ratgeberliteratur für die Wirtschaft zu übertragen. Diese Arbeit geht den entgegengesetzten Weg.
Sport wird im Rahmen dieser Arbeit als ein soziales Konstrukt betrachtet. Sie fokussiert dabei auf den Spitzensport als einem gesellschaftlichen Teilbereich. Die gesellschaftliche Relevanz des Spitzensports zeigt sich auch in der Forderung des Bundesinnenministers nach einem Platz Deutschlands in der Spitzengruppe der Nationenwertung.
Dieser Wettstreit im Medaillenspiegel ist somit auch ein Wettstreit der Sportsysteme, innerhalb derer den Trainern eine Schlüsselrolle zukommt. Diese Untersuchung konzentriert sich auf hauptamtliche Trainer, die als Arbeitnehmer in einem Sportverband tätig sind. Das findet seine Begründung in der Zuständigkeit der Sportvereine und Sportverbände für den Spitzensport in Deutschland.
Im Wettstreit der Sportsysteme streben Verbände also nach sportlichem Erfolg. Obwohl effektive Leitungssysteme als bedeutsam angesehen werden, wurden bislang Phänomene der Organisation und der Führung im Sport wenig untersucht. Da Trainer für die angestrebten Spitzenleistungen von Sportlern zentral sind, wird die Führung von Trainern in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt. Im Spitzensport gibt es dazu bislang allerdings wenig Forschung. Der Mehrwert dieser Untersuchung liegt darin, einen Beitrag zu leisten, diese Erkenntnislücke weiter zu schliessen. Diese Arbeit baut auf den Erkenntnissen der betriebswirtschaftlichen Führungsforschung auf und untersucht die Anwendung auf die Führung von Trainern in Spitzensportverbänden.
Folgender Forschungsfrage wird nachgegangen: Welche Handlungsempfehlungen sowie Möglichkeiten und Grenzen lassen sich für die Führung von Trainern in deutschen Spitzensportverbänden anhand des Leader-Member Exchange Ansatzes und des Followership-Ansatzes ableiten?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Determinanten der Führungsaufgabe in Spitzensportverbänden
2.1 Merkmale des Kontexts
2.2 Merkmale der Person
2.3 Resümee
3 Ausgewählte theoretische Perspektiven zur Führung von Trainern
3.1 Leader-Member Exchange Ansatz
3.1.1 Theoretische Grundlagen
3.1.2 Handlungsempfehlungen
3.2 Followership-Ansatz
3.2.1 Theoretische Grundlagen
3.2.2 Handlungsempfehlungen
3.3 Resümee
4 Möglichkeiten und Grenzen der Führung in Spitzensportverbänden
4.1 Leader-Member Exchange Ansatz
4.2 Followership-Ansatz
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen der Führung von hauptamtlichen Trainern in deutschen Spitzensportverbänden. Ziel ist es, unter Anwendung des Leader-Member Exchange Ansatzes sowie des Followership-Ansatzes Handlungsempfehlungen für die Praxis der Führung zu entwickeln, um bestehende Erkenntnislücken in diesem spezifischen organisationswissenschaftlichen Kontext zu schließen.
- Führung von Trainern im deutschen Spitzensport
- Anwendung des Leader-Member Exchange (LMX) Ansatzes
- Integration des Followership-Ansatzes
- Organisationale Besonderheiten von Sportverbänden
- Identifikation von Möglichkeiten und Grenzen der Personalführung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Theoretische Grundlagen
Der LMX-Ansatz zählt zu den beziehungsorientierten Führungstheorien (vgl. Uhl-Bien 2006, S. 672) und wurde ursprünglich als Vertical Dyad Linkage Theory präsentiert (Dansereau et al. 1975). Die Weiterentwicklungen wurden und werden unter der Bezeichnung Leader-Member Exchange Theory veröffentlicht (vgl. Graen/Uhl-Bien 1995b).
Ausgehend von der Norm der Reziprozität (Gouldner 1960) und einem struktur-funktionalistischen Rollenverständnis (Graen/Cashman 1975) baut der LMX-Ansatz auf der sozialen Austauschtheorie (vgl. Smriti et al. 2011, S. 311) auf. Bei der sozialen Austauschtheorie (vgl. Blau 1964) wird angenommen, dass Menschen einzig diejenigen sozialen Beziehungen eingehen, von denen sie Belohnungen erwarten (vgl. Homans 1958). Belohnte Aktivitäten werden wiederholt. Dieses Verhaltensmuster erklärt die Aufrechterhaltung einer Beziehung. Ferner werden bei dieser Theorie begrenzte Ressourcen sowie ein rationales Menschenbild zugrunde gelegt. Personen gehen auf Basis individueller Kosten-Nutzen-Kalküle Austauschbeziehungen mit anderen Personen ein, um eigene Ziele zu realisieren und damit ihren Nutzen zu maximieren (vgl. Thibaut/Kelley 1959). Dieser freiwillige Austausch ist durch die mangelhafte individuelle Ausstattung mit Ressourcen motiviert, denn Austauschpartner erhalten durch die Austauschbeziehung Zugang zu spezifischen und benötigten Ressourcen (vgl. Lang/Rybnikova 2014, S. 122ff.).
Ein Leader unterhält also gemäß dem LMX-Ansatz mit jedem einzelnen Member eine derartige Austauschbeziehung, die sich hinsichtlich ihrer Qualität voneinander unterscheiden (vgl. Zalesny/Graen 1995, S. 865f.). Die unterschiedlichen Beziehungsqualitäten werden dabei in einem gemeinsamen Differenzierungsprozess geformt (vgl. Graen/Uhl-Bien 1995b). Jedoch ist trotz gegenseitiger Abhängigkeit in der Arbeitsbeziehung (vgl. Cropanzano/Mitchell 2005) von einer Dominanz des Leader in der Gestaltung der Beziehungsqualität auszugehen (vgl. Dulebohn et al. 2012, S. 1718).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Spitzensports und die Rolle von Trainern ein und formuliert die Forschungsfrage zur Führung von Trainern unter Einbeziehung des LMX- und Followership-Ansatzes.
2 Determinanten der Führungsaufgabe in Spitzensportverbänden: Das Kapitel analysiert die spezifischen Kontextbedingungen des Spitzensports sowie die Rollenmerkmale von Trainern, um die Notwendigkeit direkter Führung zu begründen.
3 Ausgewählte theoretische Perspektiven zur Führung von Trainern: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Leader-Member Exchange (LMX) Ansatzes und des Followership-Ansatzes detailliert dargestellt und erste Handlungsempfehlungen daraus abgeleitet.
4 Möglichkeiten und Grenzen der Führung in Spitzensportverbänden: Dieses Kapitel erörtert kritisch die Anwendbarkeit des LMX- und des Followership-Ansatzes und diskutiert die spezifischen Potenziale sowie Hindernisse für die Praxis in deutschen Sportverbänden.
5 Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und würdigt die Arbeit kritisch.
Schlüsselwörter
Spitzensport, Trainer, Führung, Leader-Member Exchange (LMX), Followership, Sportverband, Personalmanagement, Austauschbeziehung, Führungsbeziehung, Organisationsstruktur, Leistungsdruck, Trainerrolle, direkte Führung, Führungsforschung, Arbeitsbeziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Führung von hauptamtlichen Trainern in deutschen Spitzensportverbänden auf Basis betriebswirtschaftlicher Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Führungsaufgabe im Spitzensport, die theoretische Fundierung durch den LMX- und Followership-Ansatz sowie deren praktische Implikationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für die Führung von Trainern zu formulieren und die Möglichkeiten sowie Grenzen der gewählten Führungsansätze im spezifischen Sportkontext aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die bestehende betriebswirtschaftliche Führungsforschung auf den Kontext von Spitzensportverbänden überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Determinanten der Führungsaufgabe, die theoretische Herleitung der LMX- und Followership-Konzepte sowie die kritische Diskussion ihrer Anwendbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spitzensport, Führung, LMX-Ansatz, Followership, Trainerrolle und Personalmanagement charakterisiert.
Warum reicht der LMX-Ansatz allein für die Führung von Trainern nicht aus?
Der LMX-Ansatz konzentriert sich primär auf die dyadische Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, vernachlässigt aber teilweise den komplexen Kontext und die Fachexpertise von Trainern im Sport.
Was ist der wesentliche Mehrwert des Followership-Ansatzes in diesem Kontext?
Der Followership-Ansatz erweitert die Perspektive, indem er Trainer als aktive Mitgestalter des Führungsprozesses betrachtet und somit hierarchisches Positionsdenken zugunsten einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit aufbricht.
- Citar trabajo
- Danny Winkelmann (Autor), 2015, Führung von hauptamtlichen Trainern in deutschen Spitzensportverbänden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313438