Mehrsprachige Schulmodelle und Unterrichtsmodelle. Theoretischer Überblick und praktisches Beispiel anhand der Vienna International School


Ausarbeitung, 2016
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung: Mehrsprachigkeit in der Schule

1. Mehrsprachige Schul- und Unterrichtsmodelle
1.1 Bilinguale vs. mehrsprachige Schulen
1.2 Arbeitssprachen, unterrichtete Sprachen und ihre Auswahl
1.2.1 Heritage languages
1.2.2. Community languages
1.2.3. Élite multilingualism
1.3 Förderung der Erstsprache
1.3.1. Förderung direkt im Unterricht
1.3.2. Förderung außerhalb des Regelunterrichts
1.4 Methoden des Unterrichts
1.4.1 CLIL (Content and Language Integrated Learning)
1.4.2 Canadian Immersion Programme
1.4.3 Bilingual Poster Production

2. Ein praktisches Beispiel - VIENNA INTERNATIONAL SCHOOL
2.1 Unterrichtssprachen, Fremdsprachen und ihre Auswahl
2.2 Förderung der Unterrichtssprache
2.3 Erstsprachen
2.4 Fazit

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Einleitung: Mehrsprachigkeit in der Schule

Die Europäische Union erklärte Fremdsprachenlernen zu einem der wichtigsten Ziele im Rahmen der Förderung von Mobilität und interkultureller Verständigung. Jede/r EuropäerIn sollte außer seiner Erstsprache zwei andere Fremdsprachen auf kommunikativem Niveau beherrschen (Györffi 2015: 5). Da die Erziehung zur Mehrsprachigkeit so früh wie möglich beginnen sollte, spielen Schulen eine der wichtigsten Rollen in der Förderung von Mehrsprachigkeit. Fremde Sprachen und Kulturen gleichmäßig wertschätzen, die inspirierende Umgebung für kontinuierliches Fremdsprachenlernen schaffen und den Erhalt der Erstsprache beim plurilingualen Spracherwerb unterstützen (vgl. Williams Fortune & Tedick 2008: XIV-XV) - das alles sind grundlegende Prinzipien, die schon im Kindergarten oder Primarbereich beigebracht werden können und die Teilnahme an einer modernen, mehrsprachigen Gesellschaft wesentlich vereinfachen.

Methoden und Prinzipien des mehrsprachigen Unterrichts werden bereits in traditionell mehrsprachigen Ländern und Regionen angewandt. Dort werden sie als natürliche Konsequenz der sprachlichen und kulturellen Diversität gesehen, egal, ob ihr Ursprung in Autochthonität oder in Globalisierung liegt. In solchen Schulsystemen gilt die Sprachenvielfalt als „kreative Herausforderung, Bereicherung und pädagogische Verpflichtung“ (Schader 2004: 9). Es gibt aber auch Länder oder Regionen, die sich selbst traditionell einsprachig sehen oder sich für sprachlich homogen halten. Die „tun einfach so, als gäbe es sie (die Mehrsprachigkeit) nicht, als wäre alles beim Alten.“ (Schader 2004: 9) Dieses Denken spiegelt sich dann natürlich auch in ihren Schulsystemen und teilweise auch in (fehlenden) sprachenpolitischen Maßnahmen wieder, die zeigen, dass der monolinguale Habitus immer noch tief eingewurzelt ist.

Aufgrund der genannten Einstellungen zum Thema lassen sich die sprachenpolitischen Ziele in Europa folgend interpretieren: Allen Europäern sollte es ermöglicht werden, Kenntnisse in ihrer L1 sowie in weiteren Fremdsprachen zu gewinnen, zu bewahren und zu erweitern, und zwar im Rahmen von differenzierten und komplexen Bildungsprogrammen, in denen eine Fremdsprache nicht als Barriere gilt. In der Referatsausarbeitung werden die Möglichkeiten vorgestellt, wie sich Schulen mit dieser Herausforderung auseinandersetzen können. Am Beispiel der Vienna International School wird die praktische Anwendung von Prinzipien und theoretischen Thesen des mehrsprachigen Unterrichts gezeigt.

1. Mehrsprachige Schul- und Unterrichtsmodelle

Obwohl sich Experten über die eindeutige Definition des mehrsprachigen Unterrichts immer noch nicht einig sind (Jessner 2008: 33-34; Jessner & Cenoz 2007: 160), lässt dieser sich als ein Unterricht mit einer anderen Arbeitssprache als L1 der (meisten) SchülerInnen definieren, der kommunikative Kompetenz in mehr als zwei Sprachen fördert. Die Entscheidung über Arbeitssprachen, unterrichteten Sprachen, Formen und Methoden des Unterrichts und weiteren Aspekten der schulischen Sprachenpolitik wird allerdings den einzelnen Bildungseinrichtungen überlassen. Im Folgenden wird theoretisch dargestellt, durch welche Merkmale sich jede mehrsprachige Schule kennzeichnet.

1. 1 Bilinguale vs. mehrsprachige Schulen

Noch einmal zur Problematik der Definition: Damit sich die Schule als mehrsprachig bezeichnen kann, muss der Unterricht mindestens in zwei Sprachen geschehen und die kommunikative Kompetenz mindestens in einer weiteren Sprache intensiv gefördert werden. (Jessner 2008: 33-34). Genau in dieser intensiven Förderung der L3 (und eventuell weiteren Sprachen) sehe ich den Unterschied zwischen bilingualen und mehrsprachigen Unterrichtsmodellen. Wird nur die Erst- und Zweitsprache an den bilingualen Schulen täglich gesprochen, wobei weitere Fremdsprachen eher im Hintergrund stehen, neigt das Konzept eindeutig nur zur Förderung von Zweisprachigkeit/Bilingualität, nicht Mehrsprachigkeit. Die einzige Ausnahme bilden in diesem Konzept die SchülerInnen, deren Erstsprache mit keiner der beiden Unterrichtssprachen übereinstimmt.

1. 2 Arbeitssprachen, unterrichtete Sprachen und ihre Auswahl

1. 2. 1 Heritage languages

Es gibt verschiedene Motivationen, um eine Unterrichtssprache auszuwählen. Eine dieser Möglichkeiten stellt das Konzept der heritage languages (Helfrich & Riehl 1994: 2) dar, die von autochthonen Minderheiten gesprochen werden und die mithilfe von multilingualen Schulprogrammen wieder ins Leben gerufen werden. Im Angebot der unterrichteten Fremdsprachen (L3 und weitere) findet man dann in den meisten Fällen Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Russisch (EACEA P9 Eurydice 2008:18).

1. 2. 2. Community languages

Ein anderes Konzept orientiert sich an community languages, also an Sprachen, die von allochthonen Minderheiten (Helfrich & Riehl 1994: 2) gesprochen werden. Diese SchülerInnen bekommen die Ausbildung auf Deutsch in Kombination mit ihrer Erstsprache. Das Angebot an weiteren Fremdsprachen ist mehr oder weniger gleich wie im erstgenannten Sprachenkonzept.

1. 2. 3. Élite multilingualism

Die letzte Gruppe der Unterrichtssprachen bilden diejenigen, die üblich als L2 oder L3 im jeweiligen Schulsystem unterrichtet werden. Im deutschsprachigen Raum sind es meistens Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch (Christ 2007: 450), im europäischen Maßstab wird Italienisch durch Russisch ersetzt (EACEA P9 Eurydice 2008:18). Eine Auswahl an weiteren Fremdsprachen kann eventuell um heritage- oder community languages bereichert werden. Oben genannte Unterrichtssprachen genießen ziemlich hohes gesellschaftliches Prestige und die SchülerInnen gewinnen durch ihre multilinguale und interkulturelle Kompetenz nicht nur gute Arbeits- und Weiterbildungsmöglichkeiten, sondern auch einen besseren sozialen Status, den sie mit Serbisch oder Ukrainisch als Zweitsprache wahrscheinlich schwieriger erzielt hätten. Darum wird dieses Konzept als élite multilingualism bezeichnet (Jessner 2008: 28).

1. 3 Förderung der Erstsprache

1. 3. 1. Förderung direkt im Unterricht

Es gibt Schulkonzepte, die die L1 ihrer SchülerInnen als Ausgangspunkt für die Entscheidung über eine der Unterrichtssprachen berücksichtigen. Im solchen Fall können die SchülerInnen in kleineren Gruppen direkt in ihrer Erstsprache unterrichtet werden. Vorkenntnisse dieser Unterrichtssprache, die in meisten Fällen mit der Landessprache oder mit Englisch kombiniert wird, sind dann erforderlich. Die Förderung im Unterricht genießen lediglich die am stärksten vertretenen Erstsprachen.

1. 3. 2. Förderung außerhalb des Regelunterrichts

In mehrsprachigen Schulen gibt es je nach ihren Konzepten einen unterschiedlichen Anteil an SchülerInnen, deren L1 mit keiner der Unterrichtssprachen identisch ist. Diesen SchülerInnen kann der Unterricht in ihrer Erstsprache im Rahmen der Schulcurricula als Wahlfach angeboten werden. Falls diese Möglichkeit nicht besteht, kann die Schule kostenlose, aber in den meisten Fällen eher kostenpflichtige Förderung der Erstsprache außerhalb der üblichen Unterrichtszeiten ermöglichen. Die Schule stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und vermittelt den Kontakt mit einem qualifizierten Sprachentrainer.

1.4 Methoden des Unterrichts

Für dieses Unterkapitel wurden drei Methodenbeispiele ausgewählt, die verschiedene Einstellungen zum mehrsprachigen Unterricht repräsentieren. Die Methoden sollten andeuten, in welchem Verhältnis die Arbeitssprachen, Erstsprachen und Fremdsprachen während des Unterrichts stehen können und welche Vorteile oder Nachteile damit verbunden sind.

1.4.1 CLIL (Content and Language Integrated Learning)

Die CLIL-Methode setzt die Darstellung der Unterrichtsinhalte in einer Fremdsprache voraus und wird im Rahmen von Sach- und/oder Fachunterricht eingesetzt. Während der Einheiten spielt nur der Gegenstand des Unterrichts eine Rolle (Geographie, Geschichte, Wirtschaft, usw.). Zur Thematisierung der sprachlichen Probleme dient der klassische Fremdsprachenunterricht, in dem CLIL-Sprachen als Subjekt beigebracht werden (Wolff 2011: 76). Von Vorteil ist die geringe Gefahr der sprachlichen Überforderung; auf die rein sprachlichen Schwierigkeiten wird im Rahmen des regulären Sprachunterrichts eingegangen. Vielleicht ist dies der Grund, warum die CLIL-Methode auch in einsprachigen Schulen an Popularität gewinnt und in fast allen Ländern Europas ein Teil des regulären Bildungsangebotes ist (EACEA P9 Eurydice 2008: 11).

1.4.2 Canadian Immersion Programme

Ähnlich wie im CLIL-Unterricht, auch im Immersionssystem, steht der Inhalt des Sachfaches im Vordergrund. In One-Way-Immersion werden je nach dem Immersionsgrad dreißig (partielle Immersion) bis hundert Prozent (totale Immersion) der Lerninhalte in der Zweitsprache der meisten Schüler vermittelt. Falls an der Schule eine homogene Minderheitsgruppe mit der gemeinsamen Sprache präsent ist, kann auch Two-Way-Immersion zum Einsatz kommen. Es wird dann wechselseitig (50 zu 50 Prozent) in der Mehrheits- und in der Minderheitssprache unterrichtet.

[...]

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Details

Titel
Mehrsprachige Schulmodelle und Unterrichtsmodelle. Theoretischer Überblick und praktisches Beispiel anhand der Vienna International School
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Plurilingualer Spracherwerb im Kontext von DaF/DaZ
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V319108
ISBN (eBook)
9783668183971
ISBN (Buch)
9783668183988
Dateigröße
690 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrsprachigkeit, Schulmodelle, Unterrichtsmodelle, Immersion, elite multilingualism
Arbeit zitieren
Anna Grohová (Autor), 2016, Mehrsprachige Schulmodelle und Unterrichtsmodelle. Theoretischer Überblick und praktisches Beispiel anhand der Vienna International School, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319108

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