Beim Bewerten von Texten im schulischen Kontext treten für den Bewertenden Schwierigkeiten auf, zu denen sowohl Probleme der Textlinguistik als auch äußere Umstände in der Praxis der Textbewertung gehören. Aus diesen vielfältigen Schwierigkeiten ergibt sich die Notwendigkeit zuverlässiger Bewertungssysteme wie beispielsweise eines Kriterienkatalogs für die Aufsatzbewertung. Peter Birkel zufolge läge „mit dem Züricher Textanalyseraster […] ein Instrumentarium vor, das nicht nur empirisch gefunden wurde, sondern auch fachdidaktischen Kriterien genügt.“ Deshalb ist es das Ziel dieser Untersuchung, zu ermitteln, ob und inwiefern das Zürcher Textanalyseraster als Instrument zur Bewertung von Schülertexten geeignet ist.
Wie bereits dargelegt, weist diese Fragestellung eine Relevanz für die schulische Praxis auf, da die Anwendbarkeit des Kriterienrasters bei der Bewertung der sprachlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern im freien Schreiben festgestellt werden soll. Hierfür werden zunächst die Probleme bei der Bewertung von Texten wie beispielsweise die Schwierigkeit, die Qualität eines Textes zu erfassen, dargelegt. Weiterhin werden die Rahmenbedingungen in der Praxis der Textbewertung und Faktoren, die Einfluss auf die Bewertung haben können, erläutert. Um die Begrifflichkeiten zu klären, wird zudem auf die Unterscheidung von fördernder und prüfend-bewertender Beurteilung eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit wird das Zürcher Textanalyseraster vorgestellt und dessen Rezeption in der Forschungsliteratur dargestellt. Anschließend werden die Anforderungen an einen Kriterienkatalog zur Textbewertung abgesteckt und dessen Verwendungsmöglichkeiten im Unterricht aufgezeigt. Diese der Forschungsliteratur entnommenen Ansichten sollen daraufhin mit einer eigenen Schülertextanalyse untermauert beziehungsweise hinterfragt werden. Hierzu wird das Zürcher Textanalyseraster exemplarisch auf einige Texte aus dem Ludwigsburger Aufsatzkorpus angewendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Probleme der Textbewertung
2.1 Das Problem der Textqualität
2.2 Praxis der Textbewertung
2.3 Fördernde oder prüfend-bewertende Beurteilung
3. Kriterien für die Textbewertung
3.1 Das Zürcher Textanalyseraster
3.2 Anforderungen an einen Kriterienkatalog für den Unterricht
4. Analyse von Schülertexten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Zürcher Textanalyseraster (ZTAR) als Instrument zur Bewertung von Schülertexten im schulischen Kontext geeignet ist und welche Möglichkeiten sowie Grenzen sich dabei für die Praxis ergeben.
- Problematiken und Herausforderungen der schulischen Textbewertung
- Eigenschaften und wissenschaftliche Fundierung des Zürcher Textanalyserasters
- Kriterien für eine gerechte und transparente Leistungsbeurteilung
- Praktische Anwendung des ZTAR anhand von Schülertexten aus dem Ludwigsburger Aufsatzkorpus
- Diskussion über die Übertragbarkeit wissenschaftlicher Analyseinstrumente in den Schulalltag
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Zürcher Textanalyseraster
Das Zürcher Textanalyseraster ist eine „systematische Zusammenstellung von einzelnen Fragen an einen Text“. Es wurde von 1988 bis 1992 im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Zürich entwickelt und ist daher für wissenschaftliche Zwecke vorgesehen.
Die Kriterien sind zu einer Art Check-Liste angeordnet, mit deren Hilfe Auffälligkeiten der zu überprüfenden Texte gesammelt und eingeordnet werden können. Der Fragenkatalog umfasst drei Bereiche, die die Textqualität ausmachen sollen: Der „Null-Teil“ erfasst die Grundgrößen, also allgemeine Charakteristika eines Textes wie den Umfang und die Varianz. In diesem Teil wird jeweils die Ausprägung der Merkmale überprüft und eingestuft. Im „A-Teil“ geht es um die sprachliche und orthographische Richtigkeit und es wird nach „richtig“ oder „falsch“ bewertet. Dieser Teil ist demnach traditionell fehlerorientiert. Der „B-Teil“ umfasst drei Unterkategorien: Die „Funktionale Angemessenheit“ analysiert, wie verständlich und kohärent ein Text ist, die „Ästhetische Angemessenheit“ erfasst besondere formale Qualitäten des Textes und die „Inhaltliche Relevanz“ stellt besondere inhaltliche Qualitäten heraus. Da es im „B-Teil“ um die „Angemessenheit“ eines Textes geht, werden die Fragen mit „angemessen“ oder „unangemessen“ beantwortet.
Das ZTAR hat zum Ziel, nicht nur Fehler und Mängel an einem Text, sondern auch Vorzüge und besondere positive Qualitäten zu erfassen. Es wurde anhand von guten Schülertexten entwickelt, damit es nicht nur auf die Mängel fokussiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Textbewertung im Schulalltag ein und formuliert das Ziel, das Zürcher Textanalyseraster auf seine Eignung für die schulische Praxis zu prüfen.
2. Probleme der Textbewertung: Hier werden die Schwierigkeiten bei der Erfassung von Textqualität, die Praxis der Notengebung sowie die Unterscheidung zwischen fördernder und prüfender Beurteilung beleuchtet.
3. Kriterien für die Textbewertung: Dieses Kapitel stellt das Zürcher Textanalyseraster sowie allgemeine Anforderungen an Kriterienkataloge für den Unterricht vor.
4. Analyse von Schülertexten: Anhand ausgewählter Texte aus dem Ludwigsburger Aufsatzkorpus wird das ZTAR in der Praxis erprobt und die Eignung des Instruments analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das ZTAR in seiner ursprünglichen Form primär für die wissenschaftliche Analyse geeignet ist und für den Schulalltag einer Modifikation bedarf.
Schlüsselwörter
Textbewertung, Zürcher Textanalyseraster, ZTAR, Schülertexte, Aufsatzbeurteilung, Textqualität, Schreibdidaktik, Leistungsbeurteilung, Fördernde Beurteilung, Prüfende Beurteilung, Kriterienkatalog, Sprachliche Leistung, Schulunterricht, Textlinguistik, Notengebung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bewertung von Schülertexten und untersucht, wie wissenschaftlich fundierte Instrumente, speziell das Zürcher Textanalyseraster, in der schulischen Praxis genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die fachdidaktischen Anforderungen an die Textbeurteilung, das Spannungsfeld zwischen fördernder und prüfender Bewertung sowie die praktische Anwendbarkeit von Kriterienrastern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Ermittlung, ob das Zürcher Textanalyseraster als Instrument zur Bewertung von Schülertexten für Lehrkräfte geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur sowie einer exemplarischen praktischen Anwendung des Zürcher Textanalyserasters auf Texte des Ludwigsburger Aufsatzkorpus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Bewertungsproblematik, die Vorstellung des ZTAR als Analyseinstrument sowie die praktische Analyse von Schülertexten anhand dieses Rasters.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Textbewertung, ZTAR, Aufsatzbeurteilung, Textqualität, Fördernde Beurteilung und Schreibdidaktik.
Ist das Zürcher Textanalyseraster sofort in der Schule einsetzbar?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Raster in seiner ursprünglichen, sehr detaillierten wissenschaftlichen Form für den täglichen, zeitkritischen Schulalltag noch zu aufwendig ist und modifiziert werden müsste.
Welche Rolle spielt die Fehlerorientierung bei der Anwendung des Rasters?
Obwohl das ZTAR auch positive Qualitäten erfassen soll, zeigt die Analyse, dass bei der Anwendung in der Praxis oft das „Unangemessene“ und somit Fehler schneller auffallen als die Vorzüge eines Textes.
- Citar trabajo
- Valerie Till (Autor), 2017, Das Zürcher Textanalyseraster als Instrument zur Bewertung von Schülertexten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383580