Gegenüberstellung der Lerntheorien nach Skinner und Bandura

Eine pädagogische Untersuchung zu kindlichen Lernprozessen


Hausarbeit, 2018

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Lerntheorien
2.1 Behaviorismus
2.2 Kognitivismus

3 Operante Konditionierung nach Skinner
3.1 Verhaltensänderung durch Verstärker
3.2 Verhaltensänderung durch Bestrafung

4 Sozial-Kognitive Lerntheorie nach Bandura
4.1 Anregung durch Lerneffekte
4 .1.1 Modellierender Effekt
4 .1.2 Enthemmender/hemmender Effekt
4 .1.3 Auslösender Effekt
4.2 Modelllernen
4 .2.1 Aufmerksamkeitsprozesse
4 .2.2 Behaltensprozesse
4 .2.3 Motorische Reproduktionsprozesse
4 .2.4 Motivationale Prozesse

5 Gegenüberstellung beider Lerntheorien

6 Anwendbarkeit und kritische Betrachtung

7 Resümee

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Lerntheorien von Skinner und Bandura Quelle: Eigene Darstellung

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit werden die operante Konditionierung von Skinner, Psycho- loge und einer der führenden Vertreter des Behaviorismus, sowie das Modeller- nen von Bandura, ebenfalls Psychologe und bekanntester Vertreter des Kogniti- vismus, gegenübergestellt. Um einen groben Überblick zu den beiden Lerntheo- rien zu erhalten, werden zuerst die Themen Lernen und Lerntheorien kurz be- handelt. Im Anschluss daran werden die einzelnen Komponenten des Behavio- rismus sowie des Kognitivismus herausgearbeitet, um im Folgenden die operante Konditionierung von Skinner sowie die Sozial-Kognitive Lerntheorie von Bandura (Modelllernen) zu durchleuchten. Weiter erfolgt eine Gegenüberstellung beider Lerntheorien. Dabei wird geprüft, ob und wo diese heutzutage noch Anwendung bei der Arbeit mit Kindern bzw. bei kindlichen Lernprozessen finden. Zuletzt er- folgt eine kritische Betrachtung hinsichtlich der Frage, welche Details dieser bei- den Lerntheorien heutzutage noch mehr oder weniger zeitgemäß in der Erzie- hung sind.

2 Lerntheorien

Lernen ist ein Prozess der Veränderung, woraus sich eine Veränderung des Ver- haltenspotentials ergibt. Dabei wird allerdings als Lernen nur eine langfristige Veränderung des letzteren bezeichnet (vgl. Kiesel und Koch 2012, S. 11). Beim Lernen werden Informationen aufgenommen, gespeichert sowie zum Zweck der Verhaltenssteuerung abgerufen und eingesetzt (vgl. Konrad 2014, S. 13).

Diese Verhaltensveränderungen sollen mit möglichst einfachen Prinzipien und Regeln erläutert werden. Lerntheorien sind daher Modelle und Hypothesen, mit- hilfe derer versucht wird, Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären (vgl. Nissen und Bartscher 2018).

Ein Beispiel zu einem Lernprozess und zur Veränderung eines Verhaltens könnte sein, dass sich ein Kind an einer Herdplatte die Hände verbrennt, obwohl die Eltern sagen, dass diese Herdplatte heiß ist. Es lernt dadurch, was „heiß“ bedeu- tet, und wird zukünftig nichts mehr anfassen, bei dem die Eltern das Wort „heiß“ benutzen.

„Je nachdem, welcher methodische Zugang zur Erforschung des Lernens bevor- zugt wird, werden behavioristische, also am Verhalten orientierte, und kognitive Lerntheorien, die sich mit mentalen Prozessen befassen, unterschieden. Daher stehen auch unterschiedliche Definitionen von Lernen nebeneinander." (Imhof und Langfeldt 2011, S. 57)

2.1 Behaviorismus

Behaviorismus ist von dem englischen Wort „behavior“ abgeleitet, welches „Ver- halten“ bedeutet.

Die Grundidee des Behaviorismus definiert, dass in der wissenschaftlichen Psy- chologie vorrangig das Verhalten des Menschen untersucht werden sollte.

Hierbei gilt als wesentliches Lernprinzip die Assoziation zwischen Reizen und/o- der zwischen Reizen und Reaktionen bzw. Verhaltenskonsequenzen (vgl. Imhof et al. 2011, S. 58).

Zwei Arten des Behaviorismus werden unterschieden: zum einen das klassische Konditionieren nach Pawlow und Watson, die als Pioniere gelten, und zum ande- ren das operante Konditionieren nach Thorndike und Skinner.

„Grundsätzlich ist Konditionierung ein Mechanismus, der sich auf eine bereits existierende, reflexartige Reiz-Reaktions-Kette bezieht, wie sie sich beispiels- weise durch den Lidschlagreflex bei einem auf das Auge treffenden Staubkorn darstellt. Diese reflexartigen Reaktionen wurden nicht erlernt und werden nur durch spezifische Reize (z. B. Flugkörper in Augennahe) hervorgerufen.“ (Ahnert 2014, S. 333)

Pawlow stellte erstmals Untersuchungen zu konditionierten Reizen und den Re- aktionen darauf mithilfe des sogenannten Pawlowschen Hundes dar. Vor der Konditionierung wurde dem Hund sein Futter überreicht, was zu einem erhöhten Speichelfluss führte, sobald dieser sein Futter sah. Als weiterer Schritt vor der Konditionierung wurde eine Glocke (ohne Futterzugabe) geläutet, woraufhin bei dem Hund kein erhöhter Speichelfluss festzustellen war. Während der Konditio- nierung wurde dem Hund das Futter nur in Verbindung mit dem Läuten der Glo- cke überreicht. Beim Anblick des Futters kam es ebenfalls wieder zu einem er- höhten Speichelfluss. Nach der Konditionierung reichte das Klingeln der Glocke aus (ohne Futterzugabe), um die Reaktion des erhöhten Speichelflusses hervor- zurufen. Dabei wurde entdeckt, dass auf der Grundlage einer veränderten Kop- pelung einer Reaktion mit externen Reizen ein Lernprozess durch Verhaltensän- derung stattfindet (vgl. ebd., S. 333).

Weiter wurde davon ausgegangen, dass diese Abfolge auch auf das menschliche Lernen übertragbar ist. Watson und Rayner gingen sogar davon aus, dass selbst Emotionen manipuliert werden können (vgl. ebd., S. 334).

Die operante Konditionierung beschreibt, welche Konsequenzen aus Verstärkun- gen oder Bestrafungen entstehen können. Es soll ein gewünschtes Verhalten durch Belohnung oder Bestrafung herbeigeführt werden (vgl. ebd., S. 334-335). Diese Art des Lernens wurde insbesondere von den drei amerikanischen Psychologen Thorndike, Watson und Skinner untersucht und zu einer Theorie des Lernens ausgebaut (vgl. Becker-Carus und Wendt 2017, S. 317).

Vor allem Skinner popularisierte mit seiner Methode der Skinner-Box die Theorie der operanten Konditionierung. Er veranschaulichte durch dieses Experiment vor allem die Wirkungsweise seiner Verstärker Belohnung sowie Bestrafung. Dabei wurde untersucht, wie bestimmte Verhaltensmuster durch die daraus folgenden Konsequenzen kontrolliert werden können.

2.2 Kognitivismus

Im Gegensatz zum Behaviorismus, bei dem von einer Manipulierbarkeit der Lern- prozesse ausgegangen wird, definiert die kognitivistische Sichtweise ein Indivi- duum als ein Wesen, das denken, wahrnehmen, verstehen und sich erinnern kann. Das Lernen wird als ein Wechselspiel zwischen personeninternen und um- weltbezogenen Elementen begriffen (vgl. Konrad 2014, S. 15-16). Allerdings blei- ben das Alter sowie die eigene Motivation zuerst einmal unberücksichtigt, was sicherlich bedacht werden sollte.

Nehmen wir an, ein dreizehnjähriges Kind sieht seiner Mutter beim Backen eines einfachen Kuchens zu. Die Mutter erklärt dabei, welche Zutaten warum und in welcher Reihenfolge benutzt werden. Allein durch das Beobachten nimmt es viele Dinge wahr; durch die Erklärung versteht das Kind den Ablauf und die Erin- nerung sorgt dafür, dass es den Kuchen im Anschluss nachbacken könnte. Ein fünfjähriges Kind wird demnach noch nicht in der Lage sein, den Kuchen rein durch Beobachtung nachzubacken, da es gewisse Dinge noch nicht in Zusam- menhang bringen kann. Bei einem unmotivierten Kind stellt sich die Frage, ob genug Aufmerksamkeit vorhanden wäre, um den Kuchen nachbacken zu kön- nen.

„Externe Informationen werden gefiltert und aufgenommen, im Kurzzeitgedächt- nis verarbeitet und ins Langzeitgedächtnis eingespeist, dort mit bereits vorhan- denem Wissen in Zusammenhang gesetzt, evtl. ergänzt und schließlich nachhal- tig gespeichert.“ (Ahnert 2014, S. 335)

Wenn wir bei dem Kuchenexperiment bleiben, ist es wahrscheinlicher, dass das dreizehnjährige Kind den Kuchen im Anschluss sofort nachbacken könnte, es aber eine Woche später vermutlich wieder einiges im Ablauf vergessen haben und der Kuchen nicht mehr so gut gelingen wird. Hat es jedoch schon öfter Ku- chen gebacken, können Komponenten im Langzeitgedächtnis verknüpft werden, sodass ein Gelingen des Kuchens wahrscheinlicher wird.

Dabei ist es auch möglich, durch Imitation zu lernen, was durchaus instrumentell eingesetzt werden kann. Diese Form des Lernens wird auch Lernen am Modell bezeichnet (vgl. Kiesel und Koch, S. 75).

Vor allem Bandura ist bekannt für das Lernen am Modell bzw. Imitationslernen. „Das beobachtete Verhalten wird schließlich entsprechend der Lerntheorie von Bandura nicht automatisch imitiert, sondern nur dann, wenn eine entsprechende Motivation vorliegt, dieses Verhalten auszuführen. Motivation für ein Verhalten erklärt Bandura durch operantes Konditionieren, also durch die Erwartung, dass das Verhalten verstärkt wird.“ (ebd., S. 77)

Ausgehend vom Kuchenexperiment ist es dem Kind gemäß Bandura nur dann möglich zu lernen, wenn eine Motivation vorliegt, Kuchenbacken lernen zu wol- len. Dabei kann als Verstärker ein Lob helfen.

3 Operante Konditionierung nach Skinner

Zunächst wird Skinner mit seiner Theorie der operanten Konditionierung, oder auch instrumentelles Lernen bzw. Lernen am Erfolg genannt, betrachtet. Dabei hängt das Verhalten sehr stark von den jeweiligen zu erwartenden Konsequen- zen ab, d. h. eine spontan aufgetretene Verhaltensweise wird durch den gezielten Einsatz von Verstärkern (z. B. Belohnung) bekräftigt oder durch entsprechende Bestrafung unterdrückt. Durch die positive oder negative Konsequenz ist die Auf- tretenswahrscheinlichkeit des vorausgehenden, operanten Verhaltens erhöht bzw. verstärkt (vgl. Imhof und Langfeldt 2011, S. 67-68).

Ein Beispiel: Ein Mädchen räumt ihr Zimmer auf und bekommt dafür von den Eltern zwei Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Mädchen in Kürze wieder das Zimmer aufräumt, ist, in Erwartung der Belohnung, erhöht. Ein spontanes Ver- halten wird belohnt und durch die zwei Euro verstärkt.

Skinner entwickelte sein Konzept des operanten Konditionierens auf der Grund- lage von Bedingungen, die für eine Veränderung der Auftretenswahrscheinlich- keit eines Verhaltens erfasst werden, und unterscheidet dabei zwischen Antwort- und Wirkverhalten (vgl. Zirfas und Göhlich 2007, S. 21).

Das Antwortverhalten wäre, wenn wir das soeben genannte Beispiel betrachten, die zwei Euro Belohnung. Das Wirkverhalten wäre, dass das Mädchen bald wie- der das Zimmer aufräumen wird.

Damit eine genaue Analyse erfolgen kann, muss nach Skinner eine Abgrenzung zum Reflexverhalten erfolgen. Unterschieden werden das operante Verhalten und das Reflexverhalten dadurch, dass ein operantes Verhalten willkürlich ist und einer Kontrolle unterliegt, dagegen ist ein Reflexverhalten unwillkürlich und keiner Kontrolle unterlegen (z.B. Schluckauf). Bei der operanten Konditionierung wird daher immer eine neue Umwelt durch eine Person beherrscht (vgl. Skinner 1978, S. 49-50).

Eines seiner bekanntesten Experimente ist die Skinner-Box. Hierbei handelte es sich um einen Kasten, in dem sich eine Ratte befand. In dem Kasten war ein Hebel. Sobald das Tier den Hebel betätigte, erhielt es Futter, Wasser oder eine andere Form der Belohnung. Durch eine Vorrichtung wurde jede Reaktion regis- triert. Anfangs handelte es sich eher um eine zufällige Betätigung, aber nach einer Zeit wurde beobachtet, dass bei der Ratte ein Lerneffekt auftrat und das Hebeldrücken drastisch anstieg (vgl. Becker-Carus und Wendt 2017, S. 319).

Resümierend kann man sagen, dass Skinners Lerntheorie darauf aufbaut, dass durch das Hinzufügen oder Weglassen von angenehmen oder unangenehmen Reizen eine bestimmte Reaktion des Verhaltens verstärkt oder unterdrückt wer-den kann und es somit zu einer gewünschten Verhaltensänderung kommt.

3.1 Verhaltensänderung durch Verstärker

Ein positiver Verstärker fördert jedes Verhalten, das er hervorruft, z.B. ist ein Glas Wasser positiv verstärkend, wenn wir Durst haben und es bei dieser Gelegenheit trinken. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es bei einer ähnlichen Gelegenheit er-neut tun ist sehr hoch. Ein negativer Verstärker fördert jedes Verhalten, das es in seiner Wirkung einschränkt oder herabsetzt. Wenn wir einen Schuh anhaben, der drückt, ziehen wir ihn aus. Ein unangenehmer Reiz wird abgeschwächt, indem wir mit einem bestimmten Verhalten dazu beitragen. Eine unangenehme Konse-quenz bleibt aus. Auch dieses Verhalten animiert dazu, dies bei einem ähnlichen Vorfall zu wiederholen. Gefühle spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle. Vielmehr handelt es sich hierbei um Handlungsmechanismen, die im Verlauf der Evolution selektiert worden sind (vgl. Skinner 1978, S. 57).

Ein weiteres Beispiel für einen positiven Verstärker ist: Wenn eine Grundschüle-rin aufgrund ihrer besonders sorgfältig erledigten Hausaufgabe ein Fleißbildchen erhält, entsteht ein angenehmer Reiz. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das nächste Mal die Hausaufgabe wieder besonders gut bearbeitet, ist erhöht, da sie wieder auf ein Fleißbildchen hofft.

[...]

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Details

Titel
Gegenüberstellung der Lerntheorien nach Skinner und Bandura
Untertitel
Eine pädagogische Untersuchung zu kindlichen Lernprozessen
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Veranstaltung
Pädagogische Vertiefung
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V463118
ISBN (eBook)
9783668922006
ISBN (Buch)
9783668922013
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinner, Bandura, Lerntheorien, vergleich
Arbeit zitieren
Tanja Ederer (Autor), 2018, Gegenüberstellung der Lerntheorien nach Skinner und Bandura, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463118

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