In dieser Hausarbeit werden die operante Konditionierung von Skinner, Psychologe und einer der führenden Vertreter des Behaviorismus, sowie das Modellernen von Bandura, ebenfalls Psychologe und bekanntester Vertreter des Kognitivismus, gegenübergestellt.
Um einen groben Überblick zu den beiden Lerntheorien zu erhalten, werden zuerst die Themen Lernen und Lerntheorien kurz behandelt. Im Anschluss daran werden die einzelnen Komponenten des Behaviorismus sowie des Kognitivismus herausgearbeitet, um im Folgenden die operante Konditionierung von Skinner sowie die Sozial-Kognitive Lerntheorie von Bandura (Modelllernen) zu durchleuchten. Weiter erfolgt eine Gegenüberstellung beider Lerntheorien. Dabei wird geprüft, ob und wo diese heutzutage noch Anwendung bei der Arbeit mit Kindern beziehungsweise bei kindlichen Lernprozessen finden. Zuletzt er-folgt eine kritische Betrachtung hinsichtlich der Frage, welche Details dieser bei-den Lerntheorien heutzutage noch mehr oder weniger zeitgemäß in der Erziehung sind.
Lernen ist ein Prozess der Veränderung, woraus sich eine Veränderung des Verhaltenspotentials ergibt. Dabei wird allerdings als Lernen nur eine langfristige Veränderung des letzteren bezeichnet. Beim Lernen werden Informationen aufgenommen, gespeichert sowie zum Zweck der Verhaltenssteuerung abgerufen und eingesetzt. Diese Verhaltensveränderungen sollen mit möglichst einfachen Prinzipien und Regeln erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lerntheorien
2.1 Behaviorismus
2.2 Kognitivismus
3 Operante Konditionierung nach Skinner
3.1 Verhaltensänderung durch Verstärker
3.2 Verhaltensänderung durch Bestrafung
4 Sozial-Kognitive Lerntheorie nach Bandura
4.1 Anregung durch Lerneffekte
4.1.1 Modellierender Effekt
4.1.2 Enthemmender/hemmender Effekt
4.1.3 Auslösender Effekt
4.2 Modelllernen
4.2.1 Aufmerksamkeitsprozesse
4.2.2 Behaltensprozesse
4.2.3 Motorische Reproduktionsprozesse
4.2.4 Motivationale Prozesse
5 Gegenüberstellung beider Lerntheorien
6 Anwendbarkeit und kritische Betrachtung
7 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Lerntheorien von B. F. Skinner (operante Konditionierung) und Albert Bandura (sozial-kognitive Lerntheorie) theoretisch fundiert einander gegenüberzustellen und deren heutige Anwendbarkeit in pädagogischen Kontexten, insbesondere bei der Erziehung von Kindern, kritisch zu prüfen.
- Grundlagen des Behaviorismus und Kognitivismus
- Mechanismen der operanten Konditionierung (Verstärkung und Bestrafung)
- Prozesse des Modelllernens nach Bandura
- Vergleichende Analyse der Lernansätze von Skinner und Bandura
- Kritische Reflexion der Praxistauglichkeit und Aktualität beider Modelle
Auszug aus dem Buch
3.1 Verhaltensänderung durch Verstärker
Ein positiver Verstärker fördert jedes Verhalten, das er hervorruft, z.B. ist ein Glas Wasser positiv verstärkend, wenn wir Durst haben und es bei dieser Gelegenheit trinken. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es bei einer ähnlichen Gelegenheit erneut tun ist sehr hoch. Ein negativer Verstärker fördert jedes Verhalten, das es in seiner Wirkung einschränkt oder herabsetzt. Wenn wir einen Schuh anhaben, der drückt, ziehen wir ihn aus. Ein unangenehmer Reiz wird abgeschwächt, indem wir mit einem bestimmten Verhalten dazu beitragen. Eine unangenehme Konsequenz bleibt aus. Auch dieses Verhalten animiert dazu, dies bei einem ähnlichen Vorfall zu wiederholen. Gefühle spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle. Vielmehr handelt es sich hierbei um Handlungsmechanismen, die im Verlauf der Evolution selektiert worden sind (vgl. Skinner 1978, S. 57).
Ein weiteres Beispiel für einen positiven Verstärker ist: Wenn eine Grundschülerin aufgrund ihrer besonders sorgfältig erledigten Hausaufgabe ein Fleißbildchen erhält, entsteht ein angenehmer Reiz. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das nächste Mal die Hausaufgabe wieder besonders gut bearbeitet, ist erhöht, da sie wieder auf ein Fleißbildchen hofft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Lerntheorien von Skinner und Bandura ein und umreißt die kritische Untersuchung ihrer Anwendbarkeit in der kindlichen Erziehung.
2 Lerntheorien: Dieses Kapitel definiert Lernen als Veränderungsprozess und unterscheidet grundlegend zwischen behavioristischen und kognitiven Ansätzen.
3 Operante Konditionierung nach Skinner: Der Fokus liegt auf der Verhaltenssteuerung durch externe Konsequenzen, insbesondere durch Belohnung und Bestrafung.
3.1 Verhaltensänderung durch Verstärker: Es wird erläutert, wie positive und negative Verstärkung die Auftretenswahrscheinlichkeit von Verhalten erhöhen.
3.2 Verhaltensänderung durch Bestrafung: Das Kapitel erklärt, wie Bestrafung dazu dient, unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken.
4 Sozial-Kognitive Lerntheorie nach Bandura: Banduras Theorie des Beobachtungslernens und Imitationsverhaltens wird als kognitiv geprägter Lernprozess vorgestellt.
4.1 Anregung durch Lerneffekte: Es werden die Wirkweisen des Modellierens sowie hemmender und auslösender Effekte detailliert beschrieben.
4.1.1 Modellierender Effekt: Erläutert das Erlernen komplett neuer Verhaltensweisen durch Beobachtung.
4.1.2 Enthemmender/hemmender Effekt: Analysiert, wie die Beobachtung von Konsequenzen beim Modell die eigene Hemmschwelle beeinflusst.
4.1.3 Auslösender Effekt: Beschreibt die kurzfristige Aktivierung bereits vorhandener Verhaltensweisen durch Vorbilder.
4.2 Modelllernen: Dieser Abschnitt untergliedert das Lernen am Modell in vier zentrale Teilprozesse.
4.2.1 Aufmerksamkeitsprozesse: Betont die Notwendigkeit der selektiven Wahrnehmung relevanter Modellmerkmale.
4.2.2 Behaltensprozesse: Erklärt die Bedeutung von Sprache und Vorstellung bei der Speicherung beobachteter Handlungen.
4.2.3 Motorische Reproduktionsprozesse: Behandelt die notwendigen Schritte von der kognitiven Organisation bis zur praktischen Ausführung.
4.2.4 Motivationale Prozesse: Erörtert, warum ein Beobachter nur bei entsprechender Motivation das Verhalten des Modells zeigt.
5 Gegenüberstellung beider Lerntheorien: Die Unterschiede zwischen Skinners fremdgesteuertem Behaviorismus und Banduras kognitiv-selbstgesteuertem Ansatz werden systematisch verglichen.
6 Anwendbarkeit und kritische Betrachtung: Die praktische Relevanz beider Modelle in der heutigen Erziehung wird hinterfragt und ihre jeweilige Unvollständigkeit diskutiert.
7 Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass beide Theorien trotz ihrer Unvollständigkeit in spezifischen Bereichen der Bildung und Erziehung nach wie vor ihren Wert haben.
Schlüsselwörter
Behaviorismus, Kognitivismus, Operante Konditionierung, Sozial-kognitive Lerntheorie, Skinner-Box, Bobo-Doll-Study, Verstärker, Bestrafung, Modelllernen, Imitationslernen, Beobachtungslernen, Verhaltensänderung, Erziehung, Motivation, Selbstreflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem theoretischen Vergleich der Lerntheorien von B. F. Skinner und Albert Bandura, um deren Mechanismen zu verdeutlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind der Behaviorismus (Skinner) und der Kognitivismus (Bandura) sowie deren praktische Anwendung in pädagogischen Situationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Gegenüberstellung der beiden Lerntheorien und die kritische Prüfung, inwieweit diese in der modernen Erziehung von Kindern noch zeitgemäß sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer vergleichenden Darstellung der Modelle von Skinner und Bandura.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Komponenten der operanten Konditionierung (Verstärkung/Bestrafung) und die Teilprozesse des Modelllernens (Aufmerksamkeit, Behalten, Reproduktion, Motivation).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie operante Konditionierung, Modelllernen, Verstärker, Kognitivismus, Behaviorismus und pädagogische Erziehung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Lernenden bei Skinner und Bandura?
Bei Skinner wird der Lernende primär durch Umweltreize fremdgesteuert, während der Lernende bei Bandura als aktives Subjekt verstanden wird, das Informationen kognitiv verarbeitet und selbst reflektiert.
Was ist das Hauptkritikpunkt an Skinners Theorie?
Kritisiert wird die Vernachlässigung innerer kognitiver Prozesse wie Denken, Fühlen oder Problemlösen, wodurch das Modell als unvollständig für komplexes menschliches Verhalten gilt.
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- Tanja Ederer (Author), 2018, Gegenüberstellung der Lerntheorien nach Skinner und Bandura, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463118