Wie wird das Thema Religionskritik in wertebildenden Schulbüchern verarbeitet?

Eine Analyse ausgewählter Schulbücher der Jahrgangstufe 9/10


Projektarbeit, 2017

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Projektarbeit zur Schulbuchanalyse
2.1 Analyse der ausgewählten Schulbücher
2.1.1 Analyse „Leben leben“ (2012)
2.1.2 Analyse „Leben und Verantwortung“ (2001)
2.2 Kritik einer Schulbuchseite
2.3 Modifizierung einer Schulbuchseite

3. Projektergebnisse

4. Vier zentrale Lernerfahrungsebenen
4.1 kognitive Lernerfahrungsebene
4.2 soziale Lernerfahrungsebene
4.3 personale Lernerfahrungsebene
4.4 methodische Lernerfahrungsebene

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

Anhang

Liste der ausgewählten Schulbücher für den Jahrgang 9/10

Autoren- und Themenliste

Statistik

Diagramme

Lerntagebuch

Kritisierte Schulbuchseite

Modifizierte Schulbuchseite

1. Einleitung

Dieses Portfolio ist ein Beitrag für das interdisziplinäre Projekt für Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde1, in dessen Fokus die Themen Religion und Religionskritik stehen. In diesem Zusammenhang wählten ich und alle anderen Gruppenmitglieder, zu denen M. Y., B. Ö. und B.

K. gehören, das Thema „Religionskritik in wertebildenden Schulbüchern“. Die Fragestellung lautet: „Wie wird das Thema Religionskritik in wertebildenden Schulbüchern der Jahrgangstufe 9/10 verarbeitet?“. Die hierfür verwendete Methode ist die Schulbuchanalyse, deren Untersuchungskriterien unsere Gruppe eigenständig festgelegt hat.

Die von uns bearbeitete Materie ist nicht nur für uns als angehende LER-Lehrerinnen von großer Bedeutung, sondern auch für alle anderen angehenden Lehrer/innen. Das Schulbuch steht häufig im Zentrum des Unterrichts. Größenteils werden bestimmte Themen unreflektiert in den Unterricht integriert und zusammen mit den Schülern/innen bearbeitet. Die im Schulbuch vorgeschriebenen Aufgabenstellungen, Themen, Artikel, Textbeiträge werden von der Lehrkraft übernommen und angewendet. Dabei wird die Fehlbarkeit von Schulbüchern häufig außer Acht gelassen, die schlimmstenfalls den Erkenntniszuwachs der Schüler/innen im Unterricht einschränkt oder gar nicht erst zulässt. Eine negative Komponente von Schulbüchern besteht darin, dass sie einerseits die Bequemlichkeit der Lehrkraft fördern könnten und sie dadurch in ihrer/seiner didaktischen Phantasie einschränken. Andererseits besteht die Gefahr, dass Themen im Unterricht behandelt werden, mit denen sich die Lehrkraft noch nicht auseinandergesetzt hat und sie somit die Verantwortung für den Unterricht an das Schulbuch abgibt.2

Deshalb haben wir es uns als Gruppe zur Aufgabe gemacht, angehende Lehrer/innen mit unserer Projektarbeit für den Umgang mit Schulbüchern zu sensibilisieren und diese wichtigen, von uns gewonnen Erkenntnisse für unseren späteren Beruf zu nutzen.

Das Projekt wird in den folgenden Kapiteln näher erläutert, zusammengefasst und reflektiert. Zunächst werde ich auf die von uns gewählte Methode der Schulbuchanalyse eingehen und sie hinsichtlich unseres Themas verdeutlichen. Hierbei stehen die von uns gewählten Untersuchungskriterien im Fokus.

2. Projektarbeit zur Schulbuchanalyse

Das Projekt Schulbuchanalyse hat sich als sehr umfangreich herausgestellt. Zunächst wollten wir als Gruppe untersuchen, inwiefern sich LER- und Ethikschulbücher in Bezug auf das Thema Religionskritik in unterscheiden. Diese Untersuchung war jedoch nicht erforderlich, da sich die LER- und Ethikschulbücher in ihrem Aufbau sehr viele Überschneidungen haben und es bereits Schulbücher gibt, die auf beide Fächer ausgelegt sind. Somit haben wir uns entschlossen zu untersuchen, wie das Thema Religionskritik allgemein in wertebildenden Schulbüchern verarbeitet wird. Diese Problematik ist auch im Lerntagebuch, Kapitel 7.5 unter dem Punkt „Thematische Eingrenzung der Schulbuchanalyse“ vermerkt.

Ein weiterer Aspekt der Untersuchung war die Jahrgangsstufe. Nach eingehender Betrachtung mehrerer Schulbücher unterschiedlicher Jahrgangsstufen entschieden wir uns als Gruppe dafür, uns ausschließlich auf Schulbücher der Jahrgangsstufe 9/10 zu beschränken. Diese Entscheidung beruhte darauf, dass in den vorhergehenden Schulbüchern der Klassenstufe 5/6 und 7/8 die Thematik Religionskritik nicht oder unzureichend bearbeitet wird.

Des Weiteren beschränkten wir uns auf die Auswahl von acht Schulbüchern, von denen jedes Gruppenmitglied eigenständig zwei analysieren hatte.

2.1 Analyse der ausgewählten Schulbücher

Die Liste der von uns ausgewählten Schulbücher befindet sich im Anhang (8.1). Es handelt sich in der getroffenen Auswahl sowohl um LER- als auch Ethikschulbücher und ein LER/Ethikschulbuch, die die wertebildenden Schulbücher für unsere Fragestellung repräsentieren. Ich untersuchte die Bücher „Leben leben“ (2012) und „Leben und Verantwortung“ (2001). Die Analyse erfolgte unter den folgenden Gesichtspunkten: Wie groß ist der religionskritische Anteil im Schulbuch? Welche Themen werden im religionskritischen Teil untersucht? Welche Autoren werden in den einzelnen Abschnitten benannt und einbezogen? Werden religionskritische Fragen gestellt und wenn ja wie viele? Gibt es Fragen mit Bild- oder Textbezug? Wie werden bestimmte Themen dargestellt und was fehlt in den Darstellungen? Wie könnte man bestimmte Themen in Schulbüchern besser abhandeln?

Diese Fragestellungen zu den ausgewählten Schulbüchern sind innerhalb der Gruppe nach der ersten Konsultation mit unserem zuständigen Dozenten Herrn S.am 18.05.2017 besprochen worden. Die Informationen dazu sind aus dem Lerntagebuch unter dem Aspekt „Konsultation 1 mit Herrn S.“ zu entnehmen. Zunächst möchte ich auf die Analyse des Schulbuches „Leben leben“ (2012) eingehen.

2.1.1 Analyse „Leben leben“ (2012)

Auf die einzelnen Aspekte wird analog zu den vorgestellten Fragestellungen eingegangen.

Der religionskritische Teil im Schulbuch „Leben leben“ ist auf den ersten Blick relativ klein (6 Seiten3 ). Es erweist sich inhaltlich jedoch als durchaus umfangreich dadurch, dass das Thema Religionskritik nicht nur im ausdrücklich religionskritischen Teil des Schulbuches erwähnt wird, sondern auch im Unterpunkt „Religion“ stark vertreten ist. Damit ist der religionskritische Teil deutlich größer (insgesamt über 30 Seiten).

Es werden Themen wie Atheismus, Fundamentalismus (in Religionen) und Kopftuch-Debatte behandelt. Außerdem gibt es zahlreiche Vergleiche von Religionen mit bspw. Fußball, einer Teekanne oder Marken gezogen. Diese interessante Sichtweise auf Religionen und Religionskritik ermöglichen dem/der Schüler/Schülerin eine völlig neue Perspektive auf das Thema. Die für diesen Abschnitt im Schulbuch ausgewählten Autoren stammen weitestgehend aus dem 20. Jahrhundert. Bekannte Religionskritiker wie Bertrand Russell und Richard Dawkins sind vertreten aber auch Literaten und Soziobiologen wie Bertolt Brecht und Hans Christian Müller. Weitere Autoren sind der Autoren-und Themenliste aus dem Anhang (8.2) zu entnehmen.

Das Buch ist nicht nur in der Auswahl von Themen und Autoren, sondern auch in Bezug auf religionskritische Fragen sehr vielfältig. Zu den interessanten Themen und Fragen gehören u.a. „Gott ein Hirngespinst? Diskutiert mithilfe der Vier-Ecken-Methode: Gottesmodul ist ein Beweis, dass es Gott nicht gibt – Vorstellung von Gott als Hirngespinst diskriminiert Gläubige – Erkenntnisse der Neurologie erklären, warum es überall auf der Welt Religionen gibt – Gott hat uns inklusive Gottesmodul geschaffen“ 4 und „Die Teekanne ist für Russell ein Bild für Gott. Begründe diesen Vergleich [und] nimm zu diesem Vergleich Stellung. Begründe, warum es sich bei Russells Teekanne um eine Religionsparodie handelt und erläutere, gegen wen sich die Kritik richtet“5 .

Viele dieser Fragen ermutigen den/die Schüler/Schülerin, sich intensiver mit dem Thema Religionskritik auseinanderzusetzen, zu diskutieren, zu begründen und eine eigene Stellung zu beziehen. Die hierbei zu erwerbenden Kompetenzen sind im Rahmenlehrplan für LER enthalten: „Die Schülerinnen und Schüler analysieren (inter-)religiöse Fragen und Probleme und nehmen zu ihnen einen reflektierten Standpunkt ein“ 6 sowie „Die Schülerinnen und Schüler formulieren ihre Position zu ethnisch-moralischen Problemen […] und erkennen weltanschauliche und religiöse Differenzen an.“7

Sehr häufig sind die Fragen bezogen auf einen Text (zu 30%) und deutlich weniger auf Veranschaulichungen (ca. 6%). Insgesamt macht das Schulbuch einen sehr guten Eindruck. Die Seiten sind sehr übersichtlich für Schüler/innen aufgebaut, die Aufgabenstellungen präzise formuliert und die ausgewählten Texte und Themen sehr differenziert dargestellt. Besonders gut gelungen ist die „Teste dich-Seite“ am Ende eines jeden Kapitels. Hier können die Schüler/innen behandelte Themen wiederholen und ihren eigenen Wissenszuwachs testen.

2.1.2 Analyse „Leben und Verantwortung“ (2001)

Das Schulbuch „Leben und Verantwortung“ (2001) für den LER-Unterricht unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem in Kapitel 2.1.1 vorgestellten Buch für den Ethikunterricht. Der religionskritische Teil dieses Buches ist mit 27 Seiten8 der umfangreichste von allen untersuchten Schulbüchern.

Es wird auf viele unterschiedliche Themen innerhalb des religionskritischen Teils eingegangen, dazu gehören: Säkularisierung und Aufklärung, Atheismus, Glaubensfreiheit, die Kopftuch-Debatte und Kritik am Machtmissbrauch der Kirche.9

Im Gegensatz zum Schulbuch „Leben leben“ (2012) sind in diesem Buch nicht die Autoren des 20. Jahrhunderts vorrangig, sondern Autoren wie Gotthold Ephraim Lessing, Martin Luther, Bertolt Brecht, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang Goethe und andere.

Von allen analysierten Schulbüchern ist „Leben und Verantwortung“ (2001) das Schulbuch mit den meisten religionskritischen Fragen (insgesamt 40 Fragen)10. In Bezug auf die Kopftuch-Debatte werden sehr anregende Fragen an die Schüler/Schülerinnen gestellt: „Verstoßen Kruzifixe in staatlichen Schulen gegen Religionsfreiheit? Ist es intolerant, wenn sich wenige daran stoßen, oder muss sich eine Mehrheit (wie in Bayern) einer solchen Minderheit beugen? Wie wäre in diesem Zusammenhang eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch zu [bewerten]? Sind beide Sachverhalte vergleichbar oder gibt es Unterschiede?“11 Obwohl das Schulbuch vor 16 Jahren erschienen ist und seitdem im LER-Unterricht verwendet wird, sind es trotzdem brandaktuelle Themen wie das Tragen von Kopftüchern im Unterricht (zulässig oder nicht?), die von den Schüler/innen diskutiert werden sollten. Auch bezüglich des Anbringens von religiösen Symbolen in öffentlichen Räumen werden die Schüler/innen kreativ angeregt die Wirkung auf andere zu untersuchen: „Gestalten Sie Ihren Klassenraum durch das Anbringen religiöser Symbole, z.B. eines großen Kreuzes. Wirkt der Raum anders auf Sie? Beobachten Sie die Reaktionen anderer Schüler der Schule auf Ihre Umgestaltung. Befragen Sie sie nach ihrer Meinung, Werten Sie die Ergebnisse aus.“12 Durch die Auseinandersetzung und das Hinterfragen solcher Problematiken können die im Rahmenlehrplan für LER festgeschriebenen Kompetenzen erreicht werden.

Zum einen können die Schüler/innen religiöse Phänomene erkennen und beschreiben und zum anderen (inter-) religiöse Fragen und Probleme analysieren.13 Leider gibt es nur wenige Fragestellungen, in denen sich die Schüler/Schülerinnen reflektiert in die Lage eines anderen versetzen müssen.

Insgesamt wirkt der religionskritische Teil durch die eingefügten Bilder und die Textauswahl des Buches „Leben und Verantwortung“ (2001) leicht veraltet. Obwohl die Schulbuchseiten übersichtlich gestaltet sind, treten lange Texte in den Vordergrund und machen das Lesen mühsam. Es wäre wünschenswert, die Aufgabenstellungen stärker zu akzentuieren (Einfügung von Symbolen, differenzierte Farbgebungen) und vereinzelt, anstatt blockhaft, in die Schulbuchseiten einzufügen. Diese Korrekturen könnten viele Schüler/Schülerinnen ermutigen, sich motivierter mit dem behandelten Stoff auseinanderzusetzen.

2.2 Kritik einer Schulbuchseite

In unserem Projekt ging es nicht nur um die Analyse des religionskritischen Teils der ausgewählten Schulbücher. Nach der zweiten Konsultation mit unserem zuständigen Dozenten Herrn S. am 29.06.2017 haben wir als Gruppe in Vorbereitung auf die Präsentation zwei Schulbuchseiten („Verantwortung Leben“, 2010 und „Leben leben“, 2012) kritisiert, die sich mit dem Thema Kopftuch-Debatte auseinandersetzen.14 Die Schulbuchseite aus dem Buch „Leben leben“ (2012) ist innerhalb der Gruppe in vielerlei Hinsicht als positiv bewertet worden. Deshalb bezieht sich die folgende Kritik ausschließlich auf die Schulbuchseite der Publikation „Verantwortung Leben“ (2010), siehe Kapitel 8.6. Der Einstiegstext, der sich dem Thema „Muslime in Deutschland“ widmet, ist meiner Auffassung nach unglücklich formuliert. Es wird darauf verwiesen, dass die nachfolgend beschriebene Lebenseinstellung einer Schülerin namens Reyhan von türkischen Jugendlichen, die in Deutschland geboren sind, akzeptiert wird oder sie sich sogar mit ihr identifizieren.15

Dadurch könnten Schüler/Schülerinnen davon ausgehen, dass alle Jugendlichen türkischer Abstammung diese Sichtweise vertreten.

Positiv zu bewerten ist der nachfolgend ausgewählte Text, der aus einer Shell-Jugendstudie stammt. Allerdings wirkt der Text durch die kompakte Aufmachung eher abschreckend. Verstärkt wird dies zusätzlich durch das eingefügte Bild eines muslimischen Mädchens mit traurigem Gesichtsausdruck und gesenktem Kopf. Das Bild macht auf den/die Leser/Leserin einen eher negativen Eindruck. Es entspricht somit nicht der im Text vorgestellten Lebenseinstellung von Reyhan: „Ich bin stolz auf mein Kopftuch“.

Am Ende der Seite werden den Schüler/Schülerinnen zwei Aufgaben gestellt. Sie sollen beurteilen, wie Reyhans Verhältnis zum Islam ist und ihr einen Brief schreiben, in dem sie sich mit der von ihr aufgestellten Behauptung, dass alle anderen Religionen falsch seien, auseinandersetzen.16

Diese Aufgaben sollten stärker für den/die Schüler/Schülerin hervorgehoben werden und unterschiedliche Kompetenzebenen beinhalten. Hierbei wird ein/eine Schüler/Schülerin weder dazu angeregt über seine/ihre Position mit anderen Schülern/Schülerinnen zu diskutieren, noch sich in ihre Situation hineinzuversetzen.

2.3 Modifizierung einer Schulbuchseite

Die in der Gruppe modifizierte Schulbuchseite ist dem Anhang (Kapitel 8.7) zu entnehmen. Wir haben versucht die Seite anders aufzuteilen. Der Text ist nun nicht mehr gebündelt, sondern in mehrere Abschnitte unterteilt und mit Zeilenangaben versehen. Den Einstiegstext haben wir verändert, sodass bei dem Schüler/der Schülerin nicht mehr der Eindruck entstehen kann, dass alle türkischen Jugendlichen Reyhans Meinung vertreten. An der linken Seite ist mit unterschiedlichen Symbolen gekennzeichnet worden, um welchen Aufgabentyp es sich handelt (Lesen/Aufgaben bearbeiten). Das Bild im Mittelpunkt zeigt jetzt ein muslimisches Mädchen mit Kopftuch, das eine sehr positive Ausstrahlung hat. Somit wird ihre Einstellung, dass sie stolz auf ihr Kopftuch ist, besser visualisiert. Auch die Fragestellungen sind verändert worden. Es wurde verstärkt mit Operatoren gearbeitet (gestalten, vermuten, diskutieren, überlegen), die den/die Schüler/Schülerin zum Mitarbeiten auffordern und gleichzeitig verlangen, sich in die Rolle von Reyhan hineinzuversetzen. Außerdem können sie dadurch zu künstlerischen Aktivitäten (ein Bild gestalten) angeregt werden.

3. Projektergebnisse

Die Ergebnisse unseres Projekts sind größtenteils der Statistik im Anhang (Kapitel 8.3) zu entnehmen. Demnach ist der allgemeine religiöse Teil eines Schulbuches mindestens doppelt so groß wie der religionskritische Teil. Insgesamt nimmt der religionskritische Teil eines wertebildenden Schulbuches nur einen Anteil von ca. 4% ein, während 96% andere Themen wie „Gewissen und Verantwortung“, „Gewalt“, „Tod“, „Beziehungen“ u.v.m. umfassen.17 Es gibt auch Schulbücher, die das Thema Religionskritik nicht aufgreifen. Zwei von zehn Schulbüchern haben keinen explizit ausgeschriebenen religionskritischen Teil.18 Demnach wäre es Schülern/Schülerinnen verwehrt sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn eine Lehrkraft ihren gesamten Unterricht auf ein einziges Schulbuch aufbaut. Den Büchern ist außerdem zu entnehmen, dass unterschiedlich viele Fragen an den/die Schüler/Schülerin gestellt werden. Die Zahlen bewegen sich zwischen 16 und 107 Fragen. Das ist eine große Differenz, die ebenfalls Auswirkung auf den Unterricht haben kann.

Außerdem ist festzuhalten, dass sich deutlich mehr Fragen auf einen Text beziehen als auf ein Bild.

Hinsichtlich der Anzahl von religionskritischen Fragen gibt es große Abweichungen. Die Ergebnisse sind im Diagramm (Anhang - Kapitel 8.4) dargestellt. Hieraus wird ersichtlich, dass es Schulbücher gibt, die großen Wert auf kritische Fragen legen. Sie fordern die Schüler/Schülerinnen auf, sich intensiver mit der zu erlernenden Materie zu befassen, indem sie Diskussionen provozieren, andere Perspektiven einnehmen, kritisch bestimmte Sachverhalte hinterfragen u.v.m. Eines dieser Bücher ist bspw. „Verantwortung Leben“, welches mit insgesamt 40 religionskritischen Fragen die meisten Fragen von allen Schulbüchern aufweist. Andererseits gibt es auch, wie erwähnt, Schulbücher, die keine kritischen Fragen an die Schüler/Schülerinnen stellen wie bspw. „Abenteuer Ethik 2“.

[...]


1 wie folgt mit LER abgekürzt Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung: Das Schulbuch – Ärgernis oder Hilfe?

2 Kommission „Anwalt des Kindes“, Empfehlung 9, S. 3.

3 siehe Anhang 8.3 – Statistik

4 Leben leben (2012), S. 217.

5 Leben leben (2012), S. 227.

6 Rahmenlehrplan für LER – Teil C – Jahrgangstufe 5-10, S.5.

7 Rahmenlehrplan für LER – Teil C – Jahrgangstufe 5-10, S.5.

8 siehe Anhang 8.3 - Statistik

9 siehe Anhang 8.2 – Autoren- und Themenliste

10 siehe Anhang 8.3 – Statistik

11 Leben und Verantwortung (2001), S. 88.

12 Leben und Verantwortung (2001). S. 88.

13 Rahmenlehrplan für LER – Teil C – Jahrgangstufe 5-10, S. 5.

14 Lerntagebuch: Konsultation 2 mit Herr S. (29.06.2017) und Gruppenarbeit (02.07.2017)

15 Verantwortung Leben (2010), S. 186.

16 Verantwortung Leben, S. 186.

17 Siehe Anhang – 8.4 Diagramme

18 Siehe Anhang – 8.3 Statisik

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wie wird das Thema Religionskritik in wertebildenden Schulbüchern verarbeitet?
Untertitel
Eine Analyse ausgewählter Schulbücher der Jahrgangstufe 9/10
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für LER)
Veranstaltung
Religion und Religionskritik - Interdisziplinäres Projekt für LER
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V914806
ISBN (eBook)
9783346214164
ISBN (Buch)
9783346214171
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion Religionskritik Schulbücher
Arbeit zitieren
Julia Kobán (Autor), 2017, Wie wird das Thema Religionskritik in wertebildenden Schulbüchern verarbeitet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914806

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