Diese Arbeit setzt sich vertiefend mit bildungsökonomischen Tendenzen in der Weiterbildung auseinander und geht der Frage nach, inwiefern diese eine Zurückdrängung pädagogischer Prinzipien und Ansprüche zugunsten der Etablierung einer ökonomischen Handlungsrationalität bedingen und inwieweit in diesem Zusammenhang das aus der Wirtschaft stammende Qualitätsmanagement die spezifisch pädagogischen Aspekte der „Dienstleistung“ Weiterbildung erfassen kann. Dabei sollen im Verlauf der Arbeit folgende Teilfragen beantwortet werden:
1. Welche Auswirkungen haben die zunehmenden Ökonomisierungstendenzen im erwachsenenpädagogischen Feld auf Weiterbildungsorganisationen? Inwieweit konstruieren sie ein Spannungsfeld zwischen einer pädagogischen und einer bildungsökonomischen Handlungsrationalität? Welchen Einfluss haben in diesem Zusammenhang auch rechtliche Vorgaben für die Erwachsenen- und Weiterbildung?
2. In welchem Maße ist ein Qualitätsmanagementkonzept aus dem wirtschaftsnahen Bereich in der Lage, eine an pädagogische Prinzipien gekoppelte Bildungsqualität zu erfassen, zu sichern und zu entwickeln und kann in diesem Sinne als anschlussfähig für den Weiterbildungsbereich gelten?
3. Könnte ein integratives Qualitätsmanagement (IQM) vor diesem Hintergrund zu einer Relativierung des pädagogischen und ökonomischen Bezugssystems bei-tragen? Welche Kriterien und Anforderungen sollte es im Ansatz verfolgen?
Basierend auf diesen zentralen Fragestellungen ist es das Ziel der vorliegenden Arbeit, eine umfassende Einführung in das bedeutende Feld der Weiterbildung im Kontext aktueller bildungsökonomischer Tendenzen zu geben, einschließlich eines Überblickes über ihre Auswirkungen auf das organisationale und pädagogisch professionelle Handeln in Weiterbildungsorganisationen. Vor diesem Hintergrund soll darüber hinaus der Versuch unternommen werden, den neuen Umgang der Weiterbildungseinrichtungen mit dem Qualitätsthema herauszuarbeiten, der anschließend auf seine Vereinbarkeit mit pädagogischen Qualitätsansprüchen untersucht wird, um daraus weitere Konsequenzen für die Entwicklung eines integrativen Qualitätsmanagements abzuleiten. Somit soll nicht nur ein Beitrag zu mehr Transparenz in der aktuellen Diskussion um die Ökonomisierungstendenzen und ihrer Notwendigkeiten in der Weiterbildung, sondern auch zu mehr Qualität im Bereich der Weiterbildung im Sinne einer Sensibilisierung für spezifisch pädagogische Aspekte dieser „Dienstleistung“ geleistet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Beschreibung der methodischen Vorgehensweise
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen der Bildungsökonomie
2.1 Inhaltliche Entwicklungslinien im historischen Kontext
2.1.1 Die Anfänge bildungsökonomischer Überlegungen (18. Jahrhundert bis Mitte 20. Jahrhundert)
2.1.2 Die bildungsökonomische Renaissance und die Anfänge der Disziplin (1950-1970)
2.1.3 Brüche, Turbulenzen und Neuorientierungen (1970er - 1980er Jahre)
2.1.4 Die pragmatische Renaissance (1990er Jahre bis heute)
2.1.5 Fazit
2.2 Bildung versus Ökonomie – ein Spannungsverhältnis
2.2.1 Unvereinbarkeit von Bildung und Ökonomie
2.2.2 Vereinbarkeit von Bildung und Ökonomie
2.2.3 Bildung – Zweck oder Mittel
2.3 Bildungsökonomie: Ziele, Forschungsfelder, Definition
2.4 Bildung unter ökonomischen Aspekten
2.4.1 Bildungsökonomie als Verwalterin eines knappen Gutes
2.4.2 Finanzierung und Bereitstellung von Bildung
2.4.2.1 Nichtrivalität und Nichtausschließbarkeit
2.4.2.2 Externe Effekte
2.4.3 Bildung zwischen Staat und Markt
3. Weiterbildung als Erkenntnisobjekt der Bildungsökonomie
3.1 Aktualität und bildungsökonomische Relevanz der Weiterbildung
3.2 Von der Erwachsenenbildung zur Weiterbildung als vierte Säule des Bildungswesens
3.3 Versuch einer Typologisierung und theoretischen Abgrenzung
3.4 Fokus Weiterbildungsorganisation
4. Aktuelle ökonomische Tendenzen in der Weiterbildung
4.1 Das Phänomen der „Ökonomisierung“ in der Weiterbildung
4.2 Weiterbildungsorganisationen mit speziellem Kerngeschäft
4.3 Weiterbildungsorganisationen im Einflussbereich der Ökonomie
4.3.1 Tendenzen der Ökonomisierung auf der Makroebene
4.3.2 Konsequenzen der Ökonomisierung für die Mesoebene
4.3.3 Konsequenzen der Ökonomisierung für die Mikroebene
4.4 Die Bedeutung weiterbildungsrechtlicher Aspekte im Kontext der Ökonomisierung
4.4.1 Die Weiterbildungsgesetze der Länder
4.4.2 Drittes Buch im Sozialgesetzbuch (SGB III)
4.5 Weiterbildungsorganisationen zwischen interner Effizienzsteigerung und pädagogischem Leitmaßstab
5. Qualitätsmanagement – ein Wirtschaftskonzept in der Weiterbildung
5.1 Interessengerichtet, viereckig und mehrdimensional – eine Annäherung an den Qualitätsbegriff
5.2 Qualitätsmanagement in der Weiterbildung
5.2.1 Neuer Umgang mit einem vertrauten Thema: Verlauf und aktuelle Entwicklung der Qualitätssicherung in der Weiterbildung
5.2.2 Qualitätsmanagement – Begriff, Funktionslogik, Ziel
5.3 Wirtschaftsnahes Qualitätsmanagement für Weiterbildungsorganisationen – eine Analyse
5.3.1 Die Normenreihe DIN EN ISO 9000ff.
5.3.1.1 Beschreibung des Modells
5.3.1.2 Diskussion des Modells
5.3.2 Das EFQM-Modell
5.3.2.1 Beschreibung des Modells
5.3.2.2 Diskussion des Modells
5.3.3 Zusammenfassung der Analyse
5.4 Implikationen für das Qualitätsmanagement in Weiterbildungsorganisationen
5.4.1 Entwicklung eines integrativen Qualitätsmanagements
5.4.2 Anforderungen an ein integratives Qualitätsmanagement
6. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, eine umfassende Untersuchung der Weiterbildung im Kontext aktueller bildungsökonomischer Tendenzen durchzuführen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der zunehmende ökonomische Druck zur Zurückdrängung pädagogischer Prinzipien führt und inwieweit das aus der Wirtschaft stammende Qualitätsmanagement zur Erfassung und Sicherung spezifisch pädagogischer Bildungsqualität anschlussfähig ist.
- Bildungsökonomie als theoretischer Rahmen
- Ökonomisierungstendenzen in der deutschen Weiterbildungslandschaft
- Spannungsfeld zwischen pädagogischem Leitmaßstab und wirtschaftlicher Effizienz
- Rechtliche Rahmenbedingungen (Weiterbildungsgesetze, SGB III)
- Analyse und Kritik bestehender Qualitätsmanagementmodelle (ISO 9000ff., EFQM)
- Konzeptentwicklung eines integrativen Qualitätsmanagements
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Anfänge bildungsökonomischer Überlegungen (18. Jahrhundert bis Mitte 20. Jahrhundert)
Seit mehreren Jahrhunderten erbringt die Bildungsökonomie nun schon den Nachweis über den Zusammenhang von Bildung und Erziehung einerseits und nationaler Wirtschaftskraft und individuellen Wohlstand andererseits. Identität stiftender Ansatz (vgl. Dewe/Weber 2007, S. 112) ist dabei der des Humankapitals „als Summe aller Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die der Mensch in den Produktionsprozeß einfließen lassen kann“ (Zacher 2005, S. 42). Erste Überlegungen zum Humankapital eines Menschen gab es schon in den Schriften der Merkantilisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese rekurrieren auf die Qualität menschlicher Arbeit, in welcher sie (u.a. Johann J. Becher, 1635-1682; Johann P. Süssmilch, 1707-1767 oder H.G. Justi, 1705-1771) einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der Wirtschaftskraft eines Staates vermuten. Ziel der merkantilistischen Erziehung ist es demnach, Produktivitätssteigerungen durch die Qualität des Humankapitals zu erreichen, wofür der Schulbesuch möglichst aller Volksschichten und damit eine eklatante Verbesserung des Bildungssystems vonnöten ist (vgl. ebd., S. 43).
Adam Smith (1723-1790) baut auf den merkantilistischen Erkenntnissen über das produktive Potential des Menschen als Motor wirtschaftlicher Entwicklungen auf. Smith wird in der einschlägigen Literatur zur Bildungsökonomie oft als ihr eigentlicher „Urvater“ bezeichnet. Daher soll an dieser Stelle kurz auf seine Überlegungen, die bereits die Grundideen der späteren bildungsökonomischen Fachdisziplin enthalten, eingegangen werden. Seine theoretische Analyse zum Humankapital stützt sich dabei auf die Werttheorie, die sowohl die Quantität als auch die Qualität des Produktionsfaktors Arbeit bewertet. Zur Arbeit zählt er dabei alle menschlichen Fähigkeiten, die die Produktivität bestimmen. Bildung nimmt dabei zur Qualitätssteigerung und damit zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit eine Schlüsselposition ein. Da der Bildungserwerb immer mit Aufwendungen verbunden ist, lässt dieser, Smith zufolge, auch einen Ertrag erwarten. Dieser ist jedoch nicht nur von Quantität, sondern auch immer von der Qualität der investierten Bildungsinhalte abhängig. Smith konstatiert hierzu, dass bei gleichem Zeitaufwand zur Herstellung zweier Produkte unterschiedliche Werte der geschaffenen Güter erbracht werden können (vgl. ebd., S. 43f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Ökonomisierung der Weiterbildung und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Vereinbarkeit von ökonomischer Effizienz und pädagogischer Qualität.
2. Grundlagen der Bildungsökonomie: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Bildungsökonomie nach und analysiert das grundlegende Spannungsverhältnis zwischen ökonomischen Rationalitätsansprüchen und bildungstheoretischen Prinzipien.
3. Weiterbildung als Erkenntnisobjekt der Bildungsökonomie: Hier wird der Weiterbildungssektor als spezifisches Feld definiert, seine Relevanz im Bildungssystem hergeleitet und eine Typologisierung vorgenommen, die als Grundlage für die weitere Analyse dient.
4. Aktuelle ökonomische Tendenzen in der Weiterbildung: Das Kapitel untersucht die praktischen Auswirkungen ökonomischer Steuerungskonzepte auf verschiedenen Organisationsebenen und deren Konsequenzen für die pädagogische Arbeit.
5. Qualitätsmanagement – ein Wirtschaftskonzept in der Weiterbildung: Hier werden gängige Qualitätsmanagementansätze (ISO 9000ff., EFQM) auf ihre Eignung für den Bildungsbereich hin analysiert und ein integrativer Ansatz zur Qualitätsentwicklung erörtert.
6. Resümee und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Möglichkeiten, pädagogische Handlungsrationalität in eine zunehmend ökonomisch geprägte Organisationsstruktur zu integrieren.
Schlüsselwörter
Weiterbildung, Bildungsökonomie, Ökonomisierung, Qualitätsmanagement, Humankapital, pädagogische Professionalität, Weiterbildungsorganisation, Effizienz, Lernprozesse, Bildungsmanagement, Bildungspolitik, Dienstleistung, Evaluation, integrative Qualität, Steuerungskonzepte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Ökonomisierung der Weiterbildung und analysiert, wie Weiterbildungsorganisationen den Balanceakt zwischen wirtschaftlichem Druck und ihrem pädagogischen Bildungsauftrag bewältigen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Bildungsökonomie als theoretischem Fundament, der Analyse ökonomischer Tendenzen in der Weiterbildungspraxis sowie der kritischen Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Qualitätsmanagementmodellen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern ökonomische Handlungsrationalitäten pädagogische Prinzipien verdrängen und ob ein integratives Qualitätsmanagement dazu beitragen kann, beide Bezugssysteme miteinander zu versöhnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin wendet primär eine deskriptiv-analytische Methode an, die auf der Auswertung wissenschaftlicher Fachliteratur sowie statistischer Daten basiert und deduktiv vom Allgemeinen zum Spezifischen vorgeht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Bildungsökonomie, eine Systematisierung des Weiterbildungssektors, die Analyse aktueller ökonomischer Steuerungseinflüsse und eine detaillierte Prüfung von QM-Systemen wie ISO 9000ff. und EFQM.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Weiterbildung, Ökonomisierung, Qualitätsmanagement, Bildungsökonomie, Humankapital, pädagogische Professionalität und das Konzept des integrativen Qualitätsmanagements.
Inwiefern beeinflusst das SGB III die Arbeit von Weiterbildungsorganisationen?
Das SGB III zwingt Organisationen durch marktförmige Beschaffungsinstrumente wie Ausschreibungen dazu, den Preis zur wettbewerbsentscheidenden Komponente zu machen, was häufig zu Lasten der pädagogischen Qualität geht.
Was bedeutet der Begriff "Integratives Qualitätsmanagement" im Kontext dieser Arbeit?
Ein integratives Qualitätsmanagement versucht, über rein organisatorische Effizienz hinaus auch pädagogische Prozesse systematisch zu erfassen und zu steuern, um so die pädagogische Handlungsrationalität wieder stärker in den Fokus der Organisation zu rücken.
- Citation du texte
- Bernadette Proske (Auteur), 2010, Weiterbildung und aktuelle bildungsökonomische Tendenzen. Folgen für das Qualitätsmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276786