Deutschland macht sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen stark, die selbstverständlich zu einer Gesellschaft gehören, „die die gleichberechtigte Teilhabe, Selbstbestimmung und Entfaltung aller anstrebt und verwirklicht.“ Die Implementierung der Inklusion an allgemeinen Schulen soll allen Kindern dieselben Bildungschancen eröffnen, ungeachtet ihrer individuellen Voraussetzungen und aktuellen Lebenslagen. Dabei kann Inklusion aber nur gelingen, wenn sie von allen am Ort Schule beteiligten Professionen praktiziert und gelebt wird. Die kollegiale Zusammenarbeit von Lehrkräften und Sonderpädagogen im gemeinsamen Unterricht ist dabei ein bedeutendes Thema und bringt neue Anforderungen und Herausforderungen mit sich, denn bislang waren Lehrkräfte für die Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht vorwiegend allein verantwortlich. Das von der Landesregierung angestrebte Zwei-Pädagogen-Prinzip hinsichtlich der Organisation inklusiver Bildungsangebote sieht vor, Lern- und Entwicklungsschritte aller Kinder gemeinsam zu verantworten und zu würdigen und möglichst keine Ausschlussprozesse oder soziale Isolation stattfinden zu lassen.
Aufgrund der Aktualität dieser Thematik und den damit verbundenen Veränderungen für Lehrkräfte und Sonderpädagogen befasst sich diese Seminararbeit mit der Zusammenarbeit beider Professionen in inklusiven Unterrichtssettings. Das theoretisch geplante Forschungsprojekt geht den zentralen Fragen nach, welche grundlegenden Formen von Team-Teaching im gemeinsamen Unterricht in inklusiven Klassen bevorzugt Anwendung finden und wie sich die Präsenz beider Professionen im Unterricht darstellt.
Struktur der Arbeit
A Einleitung
B Theorieteil
1 Bestimmung und Abgrenzung des Begriffs Inklusion
2 Begründung für inklusiven Unterricht an Regelschulen
3 Inklusion – eine rechtlich verbindliche Aufgabe
4 Auswirkungen auf die Rolle von Lehrkräften und Sonderpädagogen
4.1 Anforderungen an Lehrkräfte und Sonderpädagogen
4.2 Kompetenzen für die Zusammenarbeit
5 Team-Teaching als kooperative Lehrmethode
6 Überlegungen zum aktuellen Forschungsstand
C Praxisteil
1 Forschungsdesign
1.1 Qualitativ-empirischer Forschungszugang
1.2 Überlegungen zum methodischen Vorgehen
1.2.1 Die wissenschaftliche Beobachtung zur Datengewinnung
1.2.2 Überlegungen zur Datenaufbereitung und Datenauswertung
2 Ausblick und Diskussion möglicher Ergebnisse
D Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kollegiale Zusammenarbeit von Lehrkräften und Sonderpädagogen in inklusiven Unterrichtssettings mit einem Fokus auf Formen des Team-Teachings. Das Ziel ist es, ein theoretisch fundiertes Forschungsvorhaben zu entwerfen, das aufzeigt, wie die Präsenz beider Professionen genutzt wird und welche Formen der Zusammenarbeit in der Praxis bevorzugt Anwendung finden.
- Rechtliche und theoretische Grundlagen der Inklusion
- Rollenveränderungen und Kompetenzanforderungen an Lehrkräfte
- Team-Teaching als Strategie für inklusives Lehren
- Qualitativ-empirisches Forschungsdesign zur Analyse der Unterrichtspraxis
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Die wissenschaftliche Beobachtung zur Datengewinnung
Um eine Antwort auf die Fragestellung zu erhalten werden Daten mittels einer wissenschaftlichen Beobachtung erfasst. Darunter versteht man „die zielgerichtete, systematische und regelgeleitete Erfassung, Dokumentation und Interpretation von Merkmalen, Ereignissen oder Verhaltensweisen mithilfe menschlicher Sinnesorgane […] zum Zeitpunkt ihres Auftretens.“ [Döring et al., 2016, S. 324] Im Gegensatz zur Alltagsbeobachtung ist die wissenschaftliche Beobachtung stärker zielgerichtet, methodisch kontrolliert und intersubjektiv. [Vgl. ebd., 2016, S. 323] Sie eröffnet dem Forscher über eine induktive Zugangsweise die Möglichkeit, sich unvoreingenommen auf den Forschungsgegenstand einzulassen und Zusammenhänge und Phänomene zu entdecken, welche über deduktive Erhebungsverfahren auf diese Weise nicht zugänglich wären. Die Beobachtungsmethode ist immer dann von Vorteil, wenn Forscher in einem neuen Untersuchungsgebiet erste Eindrücke und Informationen sammeln möchten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen der inklusiven Beschulung und die notwendige kollegiale Zusammenarbeit von Lehrkräften und Sonderpädagogen.
Theorieteil: Dieses Kapitel erläutert den Inklusionsbegriff, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die daraus resultierenden Anforderungen an die pädagogische Professionalität sowie Team-Teaching-Methoden.
Praxisteil: Der Teil beschreibt das explorative Forschungsdesign zur Analyse von Team-Teaching in der Praxis durch wissenschaftliche Beobachtung und Inhaltsanalyse.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass Team-Teaching als Bereicherung empfunden wird, jedoch eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe eine wesentliche Bedingung für den Erfolg darstellt.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sonderpädagogik, Team-Teaching, Regelschule, inklusive Bildung, Lehrkräfte, Kooperation, Unterrichtsgestaltung, Qualitative Forschung, Beobachtungsmethode, Schulgesetz, Heterogenität, Lehrerprofessionalität, Inklusionspädagogik, Förderbedarf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Zusammenarbeit von Regelschullehrkräften und Sonderpädagogen im Kontext des inklusiven Unterrichts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind inklusive Didaktik, die Rollendefinition der beteiligten Professionen sowie Team-Teaching als kooperative Organisationsform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist der Entwurf eines Forschungsdesigns, das mittels qualitativer Beobachtung analysiert, welche Formen des Team-Teachings in inklusiven Klassen an Grundschulen auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativ-empirischen Forschungsansatz, basierend auf der wissenschaftlichen Feldbeobachtung und einer anschließenden inhaltsanalytischen Auswertung nach Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Inklusion und Kooperation sowie einen Praxisteil, der das methodische Vorgehen und die Forschungsplanung detailliert beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, Team-Teaching, Kooperation, Lehrerprofessionalität und qualitative Forschung charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das „Zwei-Pädagogen-Prinzip“ in der Arbeit?
Es wird als entscheidende organisatorische Maßnahme der Landesregierung zur Sicherung der Qualität inklusiver Bildungsangebote und zur Entlastung der Lehrkräfte hervorgehoben.
Warum wird eine „offene Beobachtung“ angestrebt?
Da die Erhebung im natürlichen Arbeitsumfeld stattfindet, ist Transparenz erforderlich, wobei davon ausgegangen wird, dass die Beobachteten die Anwesenheit der Forscher mit der Zeit „vergessen“.
- Citation du texte
- Barbara Michaela Kirsner (Auteur), 2016, Die Zusammenarbeit von Lehrkräften und Sonderpädagogen in inklusiven Unterrichtssettings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336185