Um die Lernenden in der Pflegeausbildung bei der Entwicklung ihrer beruflichen Handlungskompetenz zu unterstützen, bedarf es des Einsatzes von geeigneten Lernmethoden. Eine Möglichkeit stellt das Lerntagebuch dar. Es ermöglicht zum einen die Förderung der Selbstreflexion der Lernenden in der praktischen und auch in der theoretischen Ausbildung. Zum anderen hilft es die Selbststeuerung von Lernprozessen positiv zu beeinflussen. Im Lerntagebuch kann der persönliche Lernbedarf festgelegt werden, über Leitfragen werden Verknüpfungen zum bisherigen Wissen und zur beruflichen Praxis hergestellt. Der Einsatz des Lerntagebuches im Rahmen eines geeigneten fachdidaktischen Modells sowie eine klare und zielorientierte Gestaltung unterstützen den Erfolg des Einsatzes im Verlauf der Pflegeausbildung.
Das Ergebnis der Literaturrecherche zeigt, dass ein wertvoller Beitrag zur Kompetenzentwicklung geleistet werden kann, jedoch hängt es sehr davon ab, wie die Lernenden dieses Angebot annehmen, denn in der Durchführung sind sie selbstverantwortlich für ihren Lernprozess. Aus diesem Grunde gilt es, die Gestaltung des Lerntagebuches so zu wählen, dass bei den Lernenden das Interesse für diese Lernmethode geweckt wird und so nachhaltiges Lernen ermöglicht werden kann.
Exemplarisch wird dies durch eine konzeptuelle Darstellung eines Lerntagebuches für die Pflegeausbildung dargelegt. Vorgesehen ist der Einsatz dieses Lerntagebuches zu Beginn eines Ausbildungsjahrgangs in dem ersten siebenwöchigen Praxiseinsatz. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung orientiert sich an dem theoretischen Lehrplan einer Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegeschule in Anlehnung an das Curriculum für die theoretische Ausbildung in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege von Oelke und Menke(2005).
Inhalt
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
1.3 Aufbau und Struktur der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen
2.1 Der Kompetenzbegriff
2.1.1 Berufliche Handlungskompetenz
2.1.2 Berufliche Handlungskompetenz in der Pflege
2.2 Das Lerntagebuch
2.2.1 Die Stärke der schriftlichen Reflexion
2.2.2 Reflexion über das Lernen mit dem Lerntagebuch
2.2.3 Reflexion über die eigene Person mit dem Lerntagebuch
2.2.4 Die Auswirkungen des Lerntagebuches auf die Lernenden
2.2.5 Selbstregulierendes Lernen
2.2.6 Strukturierung von Lerntagebüchern
2.2.7 Einführung von Lerntagebüchern
2.2.8 Das Lerntagebuch in der Pflege
2.3 Einbettung des Lerntagebuches als Reflexionsinstrument in ausgewählte pflegefachdidaktische Modelle
2.3.1 „Pflege gestalten lernen“ nach Fichtmüller und Walter
2.3.2 Interaktionistische Pflegedidaktik nach Darmann-Finck
2.3.3 „Selbstständigwerden in der Pflegepraxis“ von Bohrer
2.3.4 Kompetenztheoretisches Modell nach Olbrich
3 Empfehlungen zur konzeptionellen Umsetzung des Lerntagebuches in der Pflegeausbildung
3.1 Verortung im Dienstplan
3.2 Verortung im Lehrplan
3.3 Information und Begleitung der Teilnehmer
3.4 Freiräume zur Bearbeitung des Lerntagebuches
3.5 Beispielhafte Gestaltung eines Lerntagebuches
3.5.1 Auswahl der Themenschwerpunkte
3.5.2 Erstellung der Leitfragen
3.6 Die Auswertung des Lerntagebuches
4 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz des Lerntagebuchs in der praktischen Pflegeausbildung, um die Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz durch gezielte Selbstreflexion zu fördern und ein beispielhaftes Umsetzungskonzept für den ersten Praxiseinsatz zu entwickeln.
- Förderung der Selbstreflexion in der praktischen Pflegeausbildung.
- Unterstützung des selbstgesteuerten Lernens und der beruflichen Kompetenzentwicklung.
- Einbettung des Instruments in pflegefachdidaktische Modelle.
- Konzeption eines Lerntagebuchs für den ersten Praxiseinsatz.
- Optimierung der Lernprozessbegleitung durch strukturierte Leitfragen.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Stärke der schriftlichen Reflexion
Die Reflexion mit Hilfe eines Lerntagebuches erfolgt schriftlich. Dies ermögliche den Lernenden, ihre Gefühle und Gedanken beim Schreiben zu verlangsamen (Ruf, Gallin, 1991, S. 18ff.). Das Aufschreiben der Gedanken zwinge den Schreibenden zu konkretisieren, was er „wirklich“ meine. Eigenes Wissen bzw. eigene Erfahrungen würden aufgeschrieben und in eine Form gebracht. Der Text sei dann als eine „externe Repräsentation“ verfügbar, die beliebig oft gelesen und überarbeitet werden könne (Nückles et al., 2010, S. 41). Außerdem helfe das Schreiben in Form eines Tagebuches „sich frei zu schreiben“ und sich Erlebtes mit all den persönlichen Widersprüchen bewusst zu machen und zu ordnen. „Eine Situation oder ein Erlebnis zu benennen, ist der erste Schritt Richtung Veränderung“ (Wächter, Käser 2005, S. 679).
Neben der Reflexion über den Lernprozess, so Rambow und Nückles (2002, S. 114), würden weitere Zielsetzungen erreicht werden können, z. B. könne die Schreibleistung, die Kreativität und die Ausdrucksweise der Lernenden, sowie das kritische Denken verbessert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Ausgangssituation in der praktischen Pflegeausbildung, der Forschungsfragen sowie der Zielsetzung und Struktur der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen: Theoretische Herleitung des Kompetenzbegriffs, der Bedeutung des Lerntagebuchs und Einbettung in pflegefachdidaktische Modelle.
3 Empfehlungen zur konzeptionellen Umsetzung des Lerntagebuches in der Pflegeausbildung: Praktische Empfehlungen für die Implementierung, Gestaltung und Auswertung des Lerntagebuchs im pflegerischen Ausbildungsalltag.
4 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion des Nutzens für die Pflegeausbildung.
Schlüsselwörter
Kompetenz, Lernprozess, Lerntagebuch, Selbstgesteuertes Lernen, Reflexion, Pflegeausbildung, Praxisanleitung, Handlungskompetenz, Didaktik, Selbstreflexion, Auszubildende, Pflegepraxis, Wissensvermittlung, Lernjournal, Ausbildungsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und Gestaltung eines Lerntagebuchs als reflexives Instrument zur Förderung der beruflichen Handlungskompetenz von Auszubildenden in der praktischen Pflege.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst den Kompetenzbegriff in der Pflege, die theoretische Basis des selbstregulierten Lernens, Reflexionsmethoden sowie die didaktische Einbettung in pflegerische Ausbildungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, Chancen des Lerntagebuches für die Kompetenzentwicklung aufzuzeigen und Kriterien zu definieren, welche die Gestaltung eines solchen Instruments unterstützen müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche zu den Themen Kompetenzentwicklung, Reflexion und pflegefachdidaktischen Modellen, die in ein beispielhaftes Konzept überführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Voraussetzungen, stellt verschiedene fachdidaktische Modelle vor und leitet konkrete Umsetzungsempfehlungen für das Lerntagebuch in der praktischen Pflegeausbildung ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Pflegeausbildung, Handlungskompetenz, Reflexion, Lerntagebuch, Selbstgesteuertes Lernen und fachdidaktische Modellbildung.
Warum ist die Verortung im Dienstplan wichtig?
Die Verortung signalisiert den Lernenden die Bedeutung des Instruments als echte Arbeitszeit und verhindert, dass das Lerntagebuch lediglich als zusätzliche, ungeliebte Belastung in der Freizeit wahrgenommen wird.
Welche Rolle spielt die Person „Ralf“ in diesem Konzept?
Ralf fungiert als motivierender Begleiter und Mottogeber, der das Lerntagebuch auflockern soll und den Lernenden durch verschiedene Gesichtsausdrücke ermöglicht, ihre Emotionen während der Bearbeitung visuell auszudrücken.
- Citation du texte
- Maren Lüdemann-Hein (Auteur), 2016, Einsatz des Lerntagebuches in der praktischen Pflegeausbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353584