CDP Data and the Incentivation of GHG Emissions. Management von Klima- und Umweltrisiken


Bachelorarbeit, 2018
49 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Finanzielle Auswirkungen
2.1 Unternehmenswert und Marktkapitalisierung
2.2 Kapitalkosten

3 Determinanten der Teilnahme und Veroffentlichung

4 Systematische Analyse ausgewahlter Governance Fragenstellungen
4.1 Diskussion der Fragestellungen CC1.1 und CC
4.2 Bewertungsschema fur die Fragenstellungen CC1.1 und CC 1.2a

5 Resumee

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auswertung Summary Data GRI

Tabelle 2: Auswertung Summary Data Incorporated Country

Tabelle 3: Auswertung CC

Tabelle 4: Auswertung CC

Tabelle 5: Auswertung CC1.2a C

Tabelle 6: Auswertung CC1.2a C

Tabelle 7: Auswertung CC1.2a C

Tabelle 8: Bewertungsschema Gesamtubersicht

Tabelle 9: Bewertung CC

Tabelle 10: Bewertungsskala CC1.1a.(1)

Tabelle 11: Bewertungsskala CC1.1a.(2)

Tabelle 12: Bewertungsskala CC1.1a.(3)

Tabelle 13: Bewertungsskala CC1.1a.(4)

Tabelle 14: Bewertung CC1.2a C

Tabelle 15: Bewertung CC1.2a C

Tabelle 16: Bewertung CC1.2a C

Tabelle 17: Bewertung CC1.2a C4.(1)

Tabelle 18: Bewertung CC1.2a C4.(2)

Tabelle 19: Bewertung CC1.2a C4.(3)

Tabelle 20: Bewertung CC1.2a C4.(4)

1 Einleitung

Der Klimawandel wird von vielen Wissenschaftlern als eine der groBten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angesehen.1 Unternehmen tragen mit ihren Emissionen im Rahmen ihrer unternehmerischen Tatigkeiten im groBen AusmaB zum Klimawandel bei. Daher steigt fur sie die Gefahr, dass potentielle Regulierungen, Compliance Kosten oder schlechtes offentliches Ansehen ihre Entwicklung und Wachstum schadigen.

Die vorliegende Bachelorarbeit CDP Data and the Incentivation of GHG Emissions beschaftigt sich im Allgemeinen mit dem Management von Klima und Umweltrisiken. Die Arbeit gliedert sich in funf Kapitel. Zuerst wird der Schwerpunkt erarbeitet und Hintergrundinformationen zum CDP geklart. Im zweiten Kapitel werden die finanziellen Auswirkungen der GHG Emissionen und der Teilnahme am CDP auf Unternehmen naher beleuchtet. AnschlieBend erfolgt eine Beschreibung der Determinanten, die die Teilnahme am CDP und Veroffentlichung von Klimadaten ausmachen. Der Fokus der Bachelorarbeit liegt im vierten Kapitel. Mithilfe des zugrundeliegenden Datensatz In­vestor CDP 2017 Public Data Short, erfolgt eine Diskussion der Governance Fragenstellungen CC1.1 und CC1.2. Darauf aufbauend wird im zweiten Abschnitt ein semiquantitatives Bewertungsschemas erarbeitet. Diese Fragestellungen untersuchen die Akteure, die innerhalb der Organisation verantwortlich fur Klimaund UmweltmaBnahmen sind (CC1.1) und das zugrundeliegenden Incentivesystem, das diese motivieren soll, klimabewusst zu handeln (CC1.2). Zusatzlich werden Kritikpunkte und Schwachen des Bewertungsschemas diskutiert. Das letzte Kapitel zieht ein Resumee und fasst die wesentlichen Aussagen der Bachelorarbeit zusammen.

Da Unternehmen immer starker dazu angehalten sind klimaund umweltbezogene Aspekte in ihren Entscheidungen zu berucksichtigen und die Wahrnehmung dieser Risiken maBgeblich von den Fuhrungskraften und Mitarbeitern abhangt2, ist es wichtig zu un­tersuchen, inwiefern deren Management und Incentivesysteme in der Lage sind Klimaziele umsetzen. Peterson sieht Anreizsysteme als einen zentralen „Bestandteil in der Fuhrung von Unternehmen.“3 Bei der Implementierung von Incentives spielt das strategische Controlling im Rahmen der Zielvereinbarungen und Soll-Vorgaben eine immer groBer werdende Rolle.4

Einige der Antworten in CC1.1 und CC1.2 sind qualitativer Natur, sodass Untersuchungen uber das Managementund Incentivesystems zunachst mit groBem Aufwand verbunden sind. Dieses Bewertungsschema soil zukunftige Forschung in diesem Bereich leichter ermoglichen und ein Rahmenwerk bieten, anhand dem sich Forscher bei der Bewertung von Verantwortlichkeit und Incentivesystemen im Zusammenhang von Klimaund UmweltmaBnahmen orientieren konnen.

Beim Carbon Disclosure Project handelt es sich um eine Non-Profit Organisation, die 2000 in London gegrundet wurde. Das CDP hat sich das Ziel gesetzt, Emissionen zu reduzieren und ein Bewusstsein fur den Klimawandel bei Unternehmen und Investoren zu schaffen, indem es versucht den Klimawandel als Geschaftsrisiko zu etablieren. Dafur erhebt es jedes Jahr mithilfe eines Fragebogens Emissionsdaten und Managementmethoden der Unternehmen und stellt diese Antworten der Offentlichkeit zur Verfugung (CDP Data). Zurzeit unterstutzen 827 Investoren mit einem Volumen von mehr als 100 Bio. US-Dollar das CDP.5 Fur diese Investoren sind neben den Emissionswerten, vor allem das Management der Klimarisiken interessant.

Im zweiten und dritten Kapitel wird sich zunachst die Relevanz von GHG Emissionen, Umweltdaten und deren Management fur Unternehmen herausstellen. Diese Relevanz untermauert zusatzlich die Forschung von Klimaund Umweltmanagement.

2 Finanzielle Auswirkungen

Eine KPMG Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab, dass 72% der N100 Unternehmen6 und 52% der G250 Unternehmen7 den Klimawandel nicht als finanzielles Risiko ansehen.8 Doch viele Studien belegen, dass der Klimawandel und Emissionen durchaus die finan­zielle Situation von Unternehmen beeinflussen konnen.

Das folgende Kapitel beschaftigt sich mit den finanziellen Auswirkungen und Risiken fur Unternehmen, die durch GHG-Emissionen entstehen. Dabei werden unter anderem die Hohe der Emissionen, als auch die Transparenz von Unternehmen im Hinblick auf das Veroffentlichen dieser Werte berucksichtigt. Zunachst werden Untersuchungen erortert, bei denen die Umweltperformance hauptsachlich auf CDP Daten beruhen. AnschlieBend werden Untersuchungen herangezogen, die auf CSR-Daten und KLD Stats9 beruhen. So wird sichergestellt, dass die finanziellen Zusammenhange unabhangig von der verwendeten Datenbasis nachdrucklich belegt sind. Zudem werden Grunde und mogliche Erklarungen fur diese Effekte aufgezeigt.

Der erste Abschnitt befasst sich mit dem Effekt auf den Unternehmenswert beziehungsweise der Marktkapitalisierung. Dabei wird zwischen den verschiedenen Regionen unterschieden, die auch am haufigsten im Datensatz vertreten sind.10 Im zweiten Abschnitt wird ausschlieBlich der Effekt auf die Kapitalkosten betrachtet.

2.1 Unternehmenswert und Marktkapitalisierung

Viele Untersuchungen belegen, dass die Emission von Treibhausgasen, wie CO2, die finanzielle Performance eines Unternehmens beeinflussen. Dabei lasst sich kein allgemeingultiger Zusammenhang feststellen, der fur alle Unternehmen gleichermaBen gilt. Vielmehr ist der Einfluss abhangig von Faktoren wie absoluter oder relativer Menge im Vergleich zu anderen Unternehmen, Region und Zeitraum der Betrachtung.

Oft wird der Unternehmenswert und die Marktkapitalisierung negativ durch Treibhausgasemissionen beeinflusst. Fur die S&P 50011 zwischen 2006 und 2008 sank der Unter­nehmenswert durchschnittlich um 212 US-Dollar pro Tonne CO2, die ein Unternehmen ausstieB.12 Die Grunde dafur liegen bei den zukunftigen Kosten fur Compliance, Rechtsstreitigkeiten und den gegenwartige Kosten fur Messung, Reduktion und Kontrolle der Emissionen, die die Anleger bei ihrer Bewertung miteinbeziehen.13 Ahnliches gilt fur die S&P 500 zwischen 2006 und 2012, hier sank der Wert des Eigenkapitals eines Unternehmens um durchschnittlich 79 US-Dollar pro Tonne Treibhausgas. Das entspricht 0,5% der median Marktkapitalisierung dieser Unternehmen.14 Bei europaischen Firmen muss zusatzlich das EU ETS berucksichtigt werden. Clarkson et al. fanden heraus, dass nicht die vollstandige Menge an CO2-Emissionen, sondern nur die Menge, die nicht durch die freie Vergabe von Emissionsrechten gedeckt ist, den Unternehmenswert negativ beeinflussen. Das heiBt, nur Emissionen fur die am EU ETSMarkt zusatzliche Emissionsrechte erworben werden, senken den Unternehmenswert. Diese Emissionen hatten zwischen 2006 und 2009 einen durchschnittlichen Ruckgang von 75 Euro pro Tonne zur Folge. Das entspricht 3,15% der durchschnittlichen Marktkapitalisierung der insgesamt 843 betrachteten EU-Unternehmen.15 Dieser Effekt ist geringer, wenn das Unternehmen in der Lage ist zukunftige Compliance-Kosten an die Verbraucher weiterzugeben. Europaische Unternehmen, die zu den 31,9% der Emissionsarmsten gehoren werden hingegen nicht vom Kapitalmarkt bestraft.16 In Australien existierte von 2012 bis 2014 ebenfalls ein ETS. Chapple et al. haben die Auswirkungen des australischen ETS analysiert und kommen zu dem Ergebnis, dass ein australisches ETS eine 7 bis 10 prozentige Reduktion der Marktkapitalisierung fur Un­ternehmen mit hohen GHG-Emissionen nach sich zog.17 Diese Reduktion ist ebenfalls die Konsequenz von zukunftigen Compliance-Kosten und potentielle UmsatzeinbuBen.18

Auch bei japanischen Unternehmen aus dem CDP zwischen 2006 und 2008, besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der CO2-Emissionen und Marktkapitalisierung: Je hoher die CO2-Emissionen, desto geringer ist der Marktwert des Eigenkapitals.19 Zusammenfassend lasst sich also sagen, dass die Hohe der CO2-, beziehungsweise GHG-Emissionen negativ mit dem Unternehmenswert, beziehungsweise Marktkapitali­sierung korreliert. Es ist aber noch nicht geklart, ob nur die Hohe der Emissionen Auswirkungen auf den Unternehmenswert haben, oder auch die Tatsache, ob ein Unternehmen seine Klimaund Umweltdaten im CDP offenlegt und wie transparent diese sind. Denn Liesen et al. kommen zu dem Ergebnis, dass nicht die absolute Menge an GHGEmissionen, sondern die Qualitat der Veroffentlichung vom Kapitalmarkt bei der Bewertung berucksichtigt wird. Investoren wissen oft nicht, wie sie mit der absoluten Menge an GHG-Emissionen umgehen und diese bewerten sollen. Fur 433 europaische Unternehmen war zwischen 2005 und 2009 ein bis zu 13,05% hoher Risk-AdjustedReturn moglich,20 wenn Investoren die Veroffentlichung von Emissionsdaten und andere relevante Klimaperformancedaten berucksichtigt hatten. Daraus kann man schlieBen, dass der Kapitalmarkt und die Investoren nicht fahig waren die absoluten Klimainformationen effizient zu nutzen.21

Matsumura et al. betonen, dass die Transparenz von Unternehmen, in Bezug auf Emissionsdaten, gegenuber Investoren, den Unternehmenswert ebenfalls beeinflussen. Bei Unternehmen, die freiwillig ihre CO2-Daten offenlegen, ist der median Unternehmens­wert um 2,3 Mrd. US-Dollar hoher.22

Auch die Auskunft uber Emissionsund Klimamanagements im Rahmen des CDP hat einen positiven Einfluss auf die finanzielle Lage eines Unternehmens. Veroffentlichungen von Managementmethoden und dem Umgang von Klimarisiken, fuhrt zu einer Steigerung des Eigenkapitalwert, wenn dass die CO2-Emissionen dieser Unternehmehoch sind.23

Im Vergleich dazu sehen Griffin et al. bei freiwilliger Offenlegung im CDP keinen signifikanten Einfluss auf den Unternehmenswert. Sie legen dar, dass Investoren die Moglichkeit haben auf andere Quellen wie 8K-Filings24 zuruckzugreifen, um die Umweltperformance zu bewerten.25 Eine weitere Studie fand heraus, dass die Teilnahme am CDP den Unternehmenswert nur steigert, wenn die Wahrscheinlichkeit von Klimaund Umweltregulierungen hoch ist und die Unternehmen am CDP teilnehmen. Das Ergebnis war ein Shareholder Value von 8,6 Mrd. US-Dollar der teilnehmenden Unternehmen. Investoren betrachten die Teilnahme am CDP als gute Vorbereitung auf mogliche Regulierungen.26

Untersuchungen, die nicht auf CDP-Daten basieren, finden ebenfalls eine positive Korrelation zwischen der Qualitat von veroffentlichten Umweltund Klimadaten und dem Unternehmenswert. Unternehmen mit hoherer Umweltperformance haben einen hoheren Future Expected Cash-Flow. Eine bessere Umweltperformance macht Unternehmen also profitabler.27 Die Umweltperformance basiert hier auf KLD Stats und die Qualitat der Offenlegung auf Daten, die vergleichbar mit dem GRI-Leitlinien28 sind.

Letztendlich lasst sich also sagen, dass ein Zusammenhang zwischen Veroffentlichung von Umweltdaten und Unternehmenswert durchaus besteht, wobei aber auch weitere Faktoren dabei eine Rolle spielen konnen.

2.2 Kapitalkosten

Bei einzelner Betrachtung von Kapitalkosten und Treibhausgasemissionen lassen sich dieselben Zusammenhange erkennen. Sowohl Fremdals auch Eigenkapitalkosten werden durch geringere Emissionen gesenkt und so die finanzielle Lage von Unternehmen verbessert. Zusatzlich hat auch die auch Teilnahme am CDP und MaBnahmen im CSR Auswirkungen auf die Kapitalkosten.

CO2-Emissionen und Fremdkapitalkosten sind positiv miteinander korreliert: Unternehmen mit hoheren Scope 1 Emissionen,29 basierend auf dem CDP von 2009 bis 2016 und Thomson Reuters’ LPC DealScan30, mussen, im Vergleich zur Konkurrenz, fur ihre Kredite hohere Loan Spreads bezahlen. Daraus lasst sich schlieBen, dass eine Reduzierung von CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen Unternehmen, die Fremdkapital­kosten senkt.31 Die Schaffung eines Boards mit Verantwortlichkeit fur Nachhaltigkeitsthemen und externe Verifizierung von geringen Scope 2 Emissionen,32 fuhren ebenfalls zu geringeren Fremdkapitalkosten. Unternehmen signalisieren den Kapitalgebern dadurch, dass ihre Umweltrisiken gering sind und, dass sie diese unter Kontrolle haben. Die Definition von Reduktionszielen hingegen impliziert in diesem Fall eher, dass das Unternehmen groBen Umweltrisiken gegenubersteht. Daher ist in diesem Fall mit hohe­ren Loan Spreads fur die Kredite zu rechnen.33 Besonders hervorzuheben ist zusatzlich, dass Unternehmen mit groBen Informationsasymmetrien deutlich weniger Loan Spreads haben, wenn sie sich dazu entscheiden ihre CO2-Daten freiwillig im CDP zu veroffentlichen. So lassen sich bei einem Kreditvolumen von 656 Mio. US-Dollar durchschnittlich 1,1 Mio. US-Dollar Zinsen pro Jahr sparen. Fur transparente Unternehmen ohne Informationsasymmetrien ist dieser Effekt nicht moglich.34

Zwischen Eigenkapitalkosten und GHG-Emissionen existieren entsprechende Zusammenhange. Fur uber 1600 Unternehmensdaten aus dem CDP von 2008 bis 2016 und Thomson Reuters‘ Asset4,35 belegen Trinks et al., dass Unternehmen mit geringeren Scope 1 und Scope 2 Emissionen im Vergleich zu Unternehmen mit hohen Emissionen geringere Eigenkapitalkosten haben. Sie fuhren an, dass diese positive Korrelation auf geringe systematische Risiken in den emissionsarmen Unternehmen zuruckgeht. AuBerdem lassen sich durch Reduktion der Emissionen die Eigenkapitalkosten senken. Eine 25 prozentige Reduktion der CO2-Emissionen, bei einem gleichbleibenden Umsatz, fuhrt zu einer durchschnittlichen Reduktion der Eigenkapitalkosten von 0,05% beziehungsweise einer Marktwertsteigerung des Eigenkapitals um 18 Mio. US-Dollar. Zuruckzufuhren ist dies auf die gesenkten Stakeholder Risiken.36 Dieser Effekt ist beson­ders stark im Ol-, Gasund Industriesektor.37

Chava kommt zu vergleichbaren Ergebnissen bezuglich Kapitalkosten. Wobei die Bewertung der Umweltperformance nur auf Daten der KLD Stats basieren und neben GHG-Emissionen noch weitere Umweltdimensionen berucksichtigt werden. Die verwendeten Dimensionen fur die Umweltstarken sind: (1) Umsatze aus klimafreundlichen Produkten (benproduct), (2) Plane zur Emissionsreduktion (polprevent), (3) Benutzung von erneuerbaren Energien (cleanenergy) und (4) Existenz eines EMS (envcomm). Die umweltbezogenen Schwachen sind definiert durch: (1) groBe Mengen an gefahrlichen Abfallstoffe und Strafen (hazardwaste), (2) groBe Mengen an legalen Emissionen (sub­emissions) und (3) Umsatze aus Rohol oder Kohle (climate change).38 Umweltschwachen werden von Investoren besonders berucksichtigt. So erwarten Investoren bei Unternehmen mit Schwachen in allen Dimensionen eine 0,7% hohere Aktienrendite. Diese Rendite ist um 18% hoher als, die der Unternehmen mit einer Umwelt­performance im Medianbereich. Im Vergleich dazu wird von Unternehmen mit Starken in allen Dimensionen eine 1,38% geringere Aktienrendite gefordert.39. Bei (1) hazardwaste Schwachen ist die Aktienrendite um 7%, bei (2) subemissions Schwachen um 0,18-0,19% und bei (3) climate change Schwachen um 0,47-0,69% hoher.40 Auch Kreditgeber benachteiligen Unternehmen mit Schwachen in allen Dimensionen. Diese mussen, im Vergleich zu Unternehmen mit ausgeglichen Starken und Schwachen, eine durchschnittlich 20% hohere Zinsrate bezahlen. Wenn das Unternehmen Schwa­chen in der Dimension (1) hazardwaste hat ist die Zinsrate um 12-13% und bei Schwa­chen in (2) subemission um 9-11% hoher.41 Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die durchschnittliche Laufzeit der Kredite bei 3,5 Jahren lag. In dieser kurzen Laufzeit kann der Klimawandel ein Unternehmen nicht im solchen MaBe schadigen, dass es nicht mehr in der Lage ist seine Kredite zu bezahlen. Konsistent mit den vorherigen Untersuchungen werden von den Kapitalgebern zukunftige Regulierungen, Compliance Kosten und potentielle Rechtstreitigkeiten bepreist.42

Betrachtet man abschlieBend Studien, die sich auf die Beziehung von Kapitalkosten und CSR-Aktivitaten beschaftigen, lassen sich ahnliche Beziehungen finden, wie bei Stu­dien mit alleinigem Fokus auf Umweltperformance. Schlechte CSR-Aktivitaten werden von den Kreditgebern als Risiko angesehen. Bei Unternehmen mit schwachen CSRAktivitaten sind die Credit Spreads um 0,07-0,18% hoher. Zusatzlich werden CSRstarken Unternehmen Kredite mit einer langeren Laufzeit gewahrt.43 Eine gute CSRPerformance fuhrt ebenfalls zu geringeren Kosten fur die Eigenkapitalfinanzierung, wobei Aktivitaten in Bezug auf Umwelt, Mitarbeiter und Produktstrategie hierbei ausschlaggebend sind.44 Daher tendieren Unternehmen mit hohen Eigenkapitalkosten im Vorjahr dazu, im Folgejahr mehr in CSR-Aktivitaten zu investieren. CSR-Reporting senkt Informationsasymmetrien und ermoglicht bessere Prognosen.45 AbschlieBend lasst sich sagen, dass auch die Eigenund Fremdkapitalkosten durch hohe GHGoder CO2-Emissionen steigen. Dieser Effekt kann durch Teilnahme am CDP und Veroffentlichung von CSR-Daten gemindert werden.

3 Determinanten der Teilnahme und Veroffentlichung

Im nachsten Kapitel werden die Determinanten der Teilnahme und Veroffentlichung betrachtet. Ziel ist es hierbei die zugrundeliegende Motivation, die ein Unternehmen veranlassen, Umweltdaten zu veroffentlichen oder am CDP teilzunehmen, naher zu beschreiben und auch auf strukturelle Faktoren einzugehen, die die Veroffentlichung von Umweltdaten ausmachen.

Im Laufe des zweiten Kapitels wurde bereits deutlich, dass GHG-Emissionen und die Veroffentlichung von Emissionsdaten die Unternehmen negativ finanziell beeinflussen. Nun stellt sich die Frage warum Unternehmen, obwohl sie wissen, dass ihre Emissionen den Unternehmenswert senken und die Kapitalkosten erhohen konnen, trotzdem ihre Emissionen im CDP-Fragebogen veroffentlichen. Allgemein lasst sich sagen, dass Un­ternehmen nur am CDP partizipieren, wenn der Nutzen, den sie daraus ziehen, die Kos­ten ubersteigt.46

Zum einem spielt der Shareholder Value Ansatz eine wichtige Rolle. Unternehmen handeln im Sinne ihrer Anteilseigner und wollen deren Gewinn maximieren. Sie wissen um den Einfluss der Emissionen auf ihre Finanzen und erhoffen sich finanzielle Vorteile, beziehungsweise wollen negative finanzielle Folgen vermeiden. Folglich werden sie versuchen ihre Emissionen zu senken, um so niedrigere Kapitalkosten zu realisieren und ihren Unternehmenswert zu erhohen. Zudem werden sie bewusst ihre Menge an GHGEmissionen veroffentlichen, wenn sie im Vergleich zu anderen Unternehmen geringere Emissionswerte haben, um diesen finanziellen Vorteil zusatzlich zu nutzen.47 Hinzu kommt noch, dass durch die Bereitstellung von Informationen die Transaktionskosten und Informationsasymmetrien der Kapitalgeber gesenkt werden und so wiederrum die Kapitalkosten sinken.

Es zeigt sich, dass bei der Teilnahme am CDP auch die Stakeholder Theorie zum Tragen kommt, vor allem Mitarbeiter und Kunden werden hierbei berucksichtigt. Bei jungen Leute steigt das Bewusstsein fur den Klimawandel, 62% der 20bis 30-jahrigen geben an fur ein Unternehmen arbeiten zu wollen, das einen positiven Einfluss auf die Umwelt hat.48 Im Zuge der Mitarbeitergewinnung wird es immer wichtiger diese potentiellen Mitarbeiter fur das Unternehmen zu gewinnen.49 AuBerdem werden umweltbewusste Kunden berucksichtigt, die CDP-Teilnahme kann also auch als MarketingmaBnahme eingesetzt werden.50

Auch die allgemeine Offentlichkeit wird bei der Teilnahme berucksichtigt. In diesem Zusammenhang ist die Legitimacy Theorie zu nennen. Suchmann definiert die Legitimitat eines Unternehmens als die allgemeine Wahrnehmung, dass die Aktivitaten des Unternehmens mit den Normen und Werten der Gesellschaft ubereinstimmen.51 Einer der Grunde fur die strategische Veroffentlichung von Umweltdaten ist, die soziale Legitimitat des Unternehmens gegenuber der Offentlichkeit zu wahren, indem aufgezeigt wird, dass der negative Einfluss des Unternehmens auf die Umwelt und Gesellschaft gering ist. Ein Hinweis dafur ist die Tatsache, dass Unternehmen haufiger auf den Fragebogen antworten, als ihre Emissionen oder Bilanzierungsmethoden zu veroffentlichen. Sie nehmen nur teil, um etwaige Kontrollen oder Sanktionen zu vermeiden.52 Ferner zeigt sich, dass Unternehmen mit schlechter Umweltperformance umfangreichere Klimaund Umweltdaten bereitstellen, als Unternehmen mit durchschnittlicher Umweltperformance.53 Zudem sind diese Informationen weniger willkurlich als andere offentliche Daten, die oft nicht umfangreich genug sind, um die MaBnahmen eines Unternehmens angemessen zu beurteilen.54 Dies suggeriert den geringen Nutzen der Informationen als Entscheidungsgrundlage und, dass Umweltdaten auch in die Kategorie der PR Dokumente fallen konnen.55 Es lasst sich also sagen, dass eines der Anreize ist, ein positives Ansehen des Unternehmens zu schaffen oder zu wahren, vor allem wenn die sozialeund Umweltlegitimitat gefahrdet ist.56

AuBerdem wird institutioneller Druck von Non Profit Organisationen ausgeubt.57 Diese fordern Unternehmen transparenter mit Klimaund Umweltdaten umzugehen und umweltbewusster zu handeln. Sie versuchen zusatzlich den politischen Druck zu erhohen.58 Der politische Druck zeigt sich, durch Regelungen wie dem EU-Emissionshandel, den CSR-Richtlinien der EU oder dem Pariser Klimaabkommen. Diese politischen MaBnahmen verfolgen das Ziel die GHG-Emissionen zu reduzieren. Es zeigt sich das Unter­nehmen, die innerhalb eines ETS agieren, dazu neigen ihre Emissionsdaten zu veroffentlichen, da sie hohere Risiken und Kosten durch CO2 Emissionen haben.59 Zudem ist in Lander mit starker Emissionspolitik die Korrelation zwischen guter Umweltperformance und Veroffentlichungsrate starker.60

Ein weiter Faktor, der die Teilnahme am CDP beeinflusst ist die Existenz eines En­vironmental Management Systems (EMS) oder CSR-Reporting. Ein vorhandenes EMS mit ISO 14001 Zertifizierung61 oder vorhandenes CSR-Reporting, erhoht die Wahrscheinlichkeit dem CDP zu antworten. SchlieBlich haben solche Unternehmen niedrigere Vorbereitungskosten.62 Das CDP bietet Unternehmen einen Anreiz ein EMS aufzubauen, sodass sie besser in der Lage sind ihre Emissionen zu messen und die daraus resultierenden Risiken zu analysieren. Ein EMS unterstutzt das Unternehmen dabei Emissionsquellen zu identifizieren, langfristige strategische MaBnahmen zu definieren und die knappen Ressourcen effizient zu verteilen. Daruber hinaus wird den Stakehol­ders signalisiert, dass das Unternehmen die Klimarisiken kontrollieren kann.63 Im Folgenden werden weitere Determinanten dargestellt, die die Teilnahmebedingungen ausmachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen auf den CDPFragebogen antwortet steigt zunehmend mit der Profitability des Unternehmens, da profitable Unternehmen mehr finanzielle Ressourcen besitzen, um in UmweltmaBnahmen zu investieren und die geforderten Daten dem CDP bereitzustellen. Finanziellschwache Unternehmen stehen hingegen oftmals zu hohen Vorbereitungskosten gegenuber.64

Die Bereitschaft Daten zu veroffentlichen ist umso hoher, je besser die Umweltperformance des Unternehmens, im Vergleich zu anderen Unternehmen derselben Branche, ist. Unternehmen mit schlechter Umweltperformance neigen dazu ihre Daten nicht zu veroffentlichen, da sie einen moglichen Schaden fur ihr Unternehmen vermeiden wollen.65

Ferner spielt auch die Unternehmensgrofie eine Rolle bei der Entscheidung zur Veroffentlichung. Unternehmen mit hohen Marktanteil innerhalb der Branche, tendieren eher zur Veroffentlichung, da sie im Vergleich zu kleineren Unternehmen mehr Aufmerksamkeit in der Offentlichkeit genieBen.66 Zudem haben ihre Antworten auch ein hohes Qualitatsniveau.67 Sie haben einen groBeren Anreiz ihr Image zu verbessern und den Eindruck zu vermitteln ein okologisch transparentes Unternehmen zu sein.68 Die Teilnahme und Qualitat hangt auch vom Verhalten des Unternehmens in der Vergangenheit ab. Bei Unternehmen die im Vorjahr teilgenommen und Antworten veroffentlich haben, steigt die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme und die Qualitat der Ant­worten im Folgejahr.69 Sie stehen, aufgrund der vergangenen Offenlegungen, dem Druck gegenuber dieses Ergebnis auch im Folgejahr zu prasentieren oder ihre Prozesse und Umweltperformance haben sich durch das CDP verbessert. Zusatzlich hat auch ein hohes bis befriedigendes CDLI-Ranking positiven Einfluss auf die Teilnahmeentscheidung.70

Mit zunehmender Beteiligungsstruktur, steigt auch die Teilnahmewahrscheinlichkeit am CDP und die Qualitat der Antworten. Durch die steigende Anzahl der Investoren, erhoht sich die Kontrolle und Uberwachung des Unternehmens.71 Diese verlangen immer haufiger auch nicht-finanzielle Informationen, um zukunftige Chancen und potentielle Risiken, die im Zusammenhang mit Klimaund Umweltpolitik entstehen, besser bewerten zu konnen.72

Neben der Shareholder Value Theorie spielen also auch die Stakeholderund die Legi­timacy Theorie eine wichtige Rolle bei der Teilnahme am CDP. Zudem hangt die Teil­nahme immer auch von Charakteristika und aktuellen Situation des Unternehmens ab.

[...]


1 Vgl. Howard-Grenville et al. (2014), S. 615.

2 Vgl. Hasenmuller (2009), S. 166.

3 Vgl. Peterson (1989), S. 7.

4 Vgl. Alter (2013), S. 378 f.

5 Vgl. CDP (2018).

6 100 umsatzstarksten Unternehmen.

7 250 groBten Unternehmen.

8 Vgl. KPMG (2017), S. 30.

9 Datenbank der KLD Research & Analytics, Inc., die die ESG Performance von Unternehmen bewertet.

10 Vgl. Tabelle 2: Auswertung Summary Data Incorporated Country.

11 Aktienindex der 500 groBten borsennotierten US Unternehmen.

12 Vgl. Matsumura/Prakash/Vera-Munoz (2014), S.713.

13 Vgl. Matsumura/Prakash/Vera-Munoz (2014), S.703, S.720.

14 Vgl. Griffin/Lont/Sun (2017), S. 1293.

15 Vgl. Clarkson et al. (2015), S. 570.

16 Vgl. Clarkson et al. (2015), S. 573.

17 Vgl. Chapple/Clarkson/Gold (2013), S. 27.

18 Vgl. Chapple/Clarkson/Gold (2013), S. 30.

19 Vgl. Saka/Oshika (2014), S. 33 f.

20 Vgl. Liesen et al. (2017), S. 50.

21 Vgl. Liesen et al. (2017), S. 56.

22 Vgl. Matsumura/Prakash/Vera-Munoz (2014), S. 718 ff.

23 Vgl. Saka/Oshika (2014), S. 34.

24 Berichte von US-Unternehmen zur Meldung von wichtigen Ereignissen.

25 Vgl. Grffin/Lont/Sun (2017), S. 1285 ff

26 Vgl. Kim / Lyon (2011), S. 20 f.

27 Vgl. Plumlee et al. (2016), S. 358 f.

28 Internationale anerkannte Standards zur nachhaltigen Berichterstattung von Unternehmen.

29 Alle direkten Emissionen aus eigener Geschaftstatigkeit.

30 Stellt Information zu Loan Pricing und Hochzinsanleihen bereit.

31 Vgl. Kleimeier/Viehs (2018), S. 18ff.

32 Indirekte Emissionen aus der Erzeugung von Energie, die ein Unternehmen von auBerhalb bezieht.

33 Vgl. Kleimeier/Viehs (2018), S. 24.

34 Vgl. Kleimeier/Viehs (2018), S. 15 f.

35 Stellt umfassende, systemtische und objektive ESG Information von Unternehmen bereit.

36 Vgl. Trinks et al. (2017), S. 20.

37 Vgl. Trinks et al. (2017), S. 26.

38 Vgl. Chava (2014), S. 2226 f.

39 Vgl. Chava (2014), S.2229.

40 Vgl. Chava (2014), S. 2234.

41 Vgl. Chava (2014), S.2230 f.

42 Vgl. Chava (2014), S. 2234.

43 Vgl. Goss / Roberts (2011), S. 1796.

44 Vgl. Ghoul et al. (2011), S. 2395.

45 Vgl. Dhaliwal et al. (2011), S. 79 ff.

46 Vgl. Matsumura/Prakash/Vera-Munoz (2014), S. 715.

47 Vgl. Abschnitt 2.1 und 2.2.

48 Vgl. CDP (2018).

49 Vgl. Guenther et al. (2016), S. 384.

50 Vgl. Guenther et al. (2016), S. 375.

51 Vgl. Suchmann (1995), S. 574.

52 Vgl. Stanny (2013), S. 155.

53 Vgl. Patten (2002), S. 770.

54 Vgl. Patten (2002), S. 768.

55 Vgl. O’Donovan (2002), S. 364.

56 Vgl. Deegan/Rankin/Tobin (2002), S. 330 f.

57 Vgl. Berrone/Fosfuri/Gelabert (2017), S. 371.

58 Vgl. Hasenmuller (2009), S. 148.

59 Vgl. Luo/Lan/Tang (2012), S. 110.

60 Vgl. Guenther et al. (2016), S. 385.

61 weltweite Norm fur Umweltmanagementsysteme.

62 Vgl. Ott/Schiemann/Gunther (2017), S. 26 f.

63 Vgl. KPMG (2015). Den Nutzen eines EMS hat KPMG in einer Studie naher erlautert.

64 Vgl. Ott/Schiemann/Gunther (2017), S. 26 f.

65 Vgl. Ott/Schiemann/Gunther (2017), S. 27 f.

66 Vgl. Luo/Lan/Tang (2012), S. 110.

67 Vgl. Rogge/Groth/Schuhr (2017), S. 35.

68 Vgl. Brammer/Pavelin (2006), S. 451

69 Vgl. Stanny (2013), S. 152.

70 Vgl. Rogge/Groth/Schuhr (2017), S. 42 f.

71 Vgl. Rogge/Groth/Schuhr (2017), S. 41.

72 Vgl. Matsumura/Prakash/Vera-Munoz (2014), S. 696.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
CDP Data and the Incentivation of GHG Emissions. Management von Klima- und Umweltrisiken
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für ABWL & Controlling)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
49
Katalognummer
V491158
ISBN (eBook)
9783668975354
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CDP, Carbon Disclosure Project, GHG Emissions, Carbon Emissions, GHG, Carbon, Incentivation, Controlling, Anreiz, Environment
Arbeit zitieren
Merdan Eckl (Autor), 2018, CDP Data and the Incentivation of GHG Emissions. Management von Klima- und Umweltrisiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491158

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: CDP Data and the Incentivation of GHG Emissions. Management von Klima- und Umweltrisiken


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden