INHALTSVERZEICHNIS
I. Vorwort
II. Der Autor Tony Kushner
III. Das Stück: Engel in Amerika -
Schwule Variationen über gesellschaftliche Themen
1. Personendarstellung
2. Teil Eins: Die Jahrtausendwende naht
I. AKT: Schlechte Nachrichten (Herbst 1985)
II. AKT: In Vitro
III. AKT: Noch-Nicht-Bewußt, der Dämmerung nach Vorwärts
3. Teil Zwei: Perestroika
I. AKT: Spluuutsch
II. AKT: Die Epistel
III. AKT: Bauchkrämpfe
IV. AKT: John Brown’s Body
V. AKT: Himmel, ich bin im Himmel
Epilog : Bethesda
IV. Hervorgehobene Themen
1. Der Kalte Krieg
2. Engel, Mormonen, Religionen
3. Homosexualität
4. Aids
5. Liebe
V. Nachwort
Literaturverzeichnis
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I. Vorwort
Ich habe mich für das Stück Engel in Amerika von Tony Kushner entschieden, da mich dieses Stück schon beim ersten Mal, als ich es gelesen habe fasziniert hat. Das war wohl 1997 oder 98, auf der Suche nach geeigneten Vorsprechmonologen für die Schauspielschulen. Auch habe ich einmal einen Monolog als Prior angefangen. Es gibt einige schöne längere Textpassagen, die zusammengestrichen eine schöne Szene für Prior ergeben können. Besonders fasziniert hat mich natürlich die Darstellung der schwulen Figuren in diesem Stück, da ich sie als sehr gelungen und als sehr natürlich empfinde. Auch bin ich von einer Art schwulem Humor, der das Stück durchzieht, sehr begeistert. Es ist nicht nur die Art und Weise, was die schwulen Charaktere mit einbringen, sondern eher der gesamte Umgang mit den Situationen, in die die Charaktere kommen. Sei es der Engel, der sich, fast schon selbstironisch, in seiner Offenbarung unterbricht, um im Himmel noch einmal nachzufragen und sich dann über die miserable Organisation beschwert. Und dass die Figuren in vielen Situationen zwar vor die Wahl gestellt sind, das was passiert eigentlich nicht annehmen zu wollen, aber letztendlich alleine durch das Vorhandensein der Situation gar nicht anders können als sie anzunehmen. Es gibt keine andere Wahl, da jede Situation, so unreal oder unlogisch sie auch sein mag, die Charaktere im Hier und Jetzt beeinflusst. Das Stück von Tony Kushner hat unter anderen Preisen den Pulitzer-Preis und den Tony-Award bekommen und wurde erst letztes Jahr von HBO als sechsteiliger Fernsehfilm mit Al Pacino, Merryl Streep und Emma Thompson erfolgreich von Mike Nichols verfilmt. Auch für die Fernsehfassung schrieb Kushner das Drehbuch. Es wurde Wort für Wort umgesetzt. Und in den Jahren ab 1994, nachdem das Stück in Deutschland zum ausländischen Stück des Jahres gewählt worden war, lief es erfolgreich in Zürich,
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Hamburg, Berlin, Wiesbaden, Essen, Wien, Dortmund, Kiel und Nürnberg, sowie in anderen, oftmals auch Laienproduktionen. Umso mehr erstaunte es mich, dass ich weder im Internet, noch in den Universitätsbibliotheken in Berlin und in Wien deutschsprachige Literatur zu Engel in Amerika oder zu Tony Kushner allgemein gefunden habe. Ich habe mich entschieden, die Gliederung meiner Arbeit dem Stück selbst anzupassen. Deswegen gehe ich einfach den Handlungen nach. Ich denke, dass die Geschichte und die Dramaturgie des Stückes so am besten verstanden wird, ohne große Gedankesprünge vornehmen zu müssen. Das Stück ist an sich mit den 8 Hauptfiguren, deren Gesichten sich ständig gegenseitig beeinflussen, schon komplex genug. Auch habe ich auf exakte Seitenverweise bei den Zitaten verzichtet, da die Zitate, wie ich sie verwende, nicht dazu dienen, bestimmte Dinge zu beweisen, sondern für ein besseres Verständnis der jeweils besprochenen Situation dienen sollen.
II. Der Autor Tony Kushner
Tony Kushner wurde 1956 in einer Kleinstadt in Louisiana in Amerika als Sohn einer jüdischen Künstlerfamilie geboren. Seine Mutter, eine Berufsmusikerin, Fagottistin, spielte in einer Amateurtheatertruppe. „Sie war eine Star-Tragödin der Theatertruppe in der Kleinstadt, wo ich aufwuchs. Sie spielte sehr ausdruckstark und gefühlvoll, eine ihrer besten Rollen war Linda Loman in Arthur Millers `Tod eines Handlungsreisenden´. Das gehört zu meinen dichtesten Erinnerungen aus der Kindheit: Meine Mutter auf der Bühne.“ (1) Sein Vater war Klarinettist und Dirigent. Sein Bruder spielt das Erste Horn bei den Wiener Symphonikern und seine Schwester
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ist Malerin. „Ich habe intensiv daran gearbeitet, kein Musiker zu werden. In meiner Kindheit gab es eine Menge Streit darüber zwischen meinem Vater und mir.“ (1)
Auf der Columbia University hat Kushner seinen Abschluss gemacht, in den siebziger Jahren kam er dann von Louisiana nach New York, wo er in der Telefonzentrale eines Krankenhauses arbeitete und ein Regiestudium an der New York University bei Carl Weber, der am Berliner Ensemble gelernt hatte, begonnen hat. „Mitte der siebziger Jahre, da hab ich mir dann Hunderte von Aufführungen und Stücken angeschaut, es war eine gute Phase fürs Theater. Der Broadway war noch nicht völlig tot, die amerikanische Avantgarde wurde sehr lebendig. … Mein Timing war richtig, ich hatte Glück.“ (1)
In den Dramatiker-Beruf kam Kushner über die Hintertür. Im letzten Studienjahr beschloss er, mit der Erlaubnis von Carl Weber, als Diplomarbeit ein Stück zu verfertigen. Als sein wirklich erstes Stück nennt Kushner allerdings `A Bright Room Called Day´, das er 1984 schrieb und das er dann selbst in New York herausbrachte. 1987 wurde `A Bright Room Called Day´ dann am Eureka Theater in San Francisco noch einmal inszeniert - seine erste professionelle Produktion. Kushner hat sich während seines Regiestudiums intensiv mit Brecht, Marx und Walter Benjamin beschäftigt, auch durch den Einfluss von Carl Weber. Er selbst bedauert, dass er es nie geschafft hat deutsch zu lernen. „Obwohl ich mal eine Übersetzung von Goethes `Stella´ gemacht habe, immer brav mit dem Wörterbuch in der Hand. Es hat Wochen gedauert, und ich habe zwischendrin dauernd Carl Weber angerufen und gefragt: `Was bedeutet das und das und das?´ Ein lebenslänglicher Wunsch, Deutsch zu lernen.“ (1) Erst sehr spät, mit 26, bekennt sich Kushner zu seiner Homosexualität. Die Zeit seines Coming Out's war für ihn auch eine sehr politische Zeit.
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„Mein Coming Out als schwuler Mann und die Teilnahme an den Act-Up-Gruppen war das bislang wichtigste politische und persönliche Ereignis in meinem Leben.“ (1) Als den Beginn seines politischen Engagements nennt Kushner die Ausläufer der Anti-Vietnam-Bewegung in den siebziger Jahren und noch wichtiger war für ihn die `euphorische´ Aufbruchs-Stimmung des Mc-Govern-Wahlkampfs gegen Nixon. Auch die homophobe Einstellung der jüdischen Tradition, welche auch nichtgläubige Juden noch bestimmt, war ausschlaggebend. Er bezeichnet sein Coming Out, nach einer langen Phase der „Unsicherheit, ob ich eventuell doch heterosexuell werden könnte oder sollte oder wollte“ (1) als nicht furchtbar, nur schwierig.
Den ersten Teil von ´Angels in America` schrieb Kushner als Auftragsarbeit, angeregt durch Oscar Eustis vom Eureka Theater. Wichtig war für ihn, dass wenn er ein Stück über Aids schreiben wolle, so muss es auch von Roy Cohn handeln, der zu diesem Zeitpunkt an Aids starb.
III. Das Stück:
Engel in Amerika - Schwule Variationen über gesellschaftliche Themen
Das Stück „Engel in Amerika“ mit dem Untertitel „Schwule Variationen über gesellschaftliche Themen“ spielt im New York der 80er Jahre, der Jahre von Reagan, konservativ-rechter, christlich-geprägter Politik, der Ausläufer der McCarthy Ära, des Höhepunktes des Kalten Krieges und Kommunismushasses, und der Jahre des Ausbruchs der Aids Epidemie. Auf all diese Themen geht der politisch engagierte Tony Kushner ein. Das Stück ist in zwei Teile eingeteilt, der erste Teil: Die Jahrtausendwende naht (Millennium Aproaches) und der zweite Teil Perestrojka. Die Stü-
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cke schließen zeitlich aneinander an, die Hauptfiguren sind die gleichen, die sich im Laufe beider Stücke entwickeln und kennen lernen. Für beide Stücke gibt Kushner die Anmerkung zur Inszenierung, dass dem Stück eine sparsame Aufführungsweise gut tut, mit minimalem Bühnenbild und schnellen Umbauten ohne Blackouts. Umbauten sollten von den Schauspielern und den Technikern gleichermaßen durchgeführt werden, das gesamte Geschehen sollte von den Schauspielern angetrieben sein, Theatertechnik sollte zu sehen sein, aber die magischen Momente, wie das Auftauchen von Halluzinationen und der Engel sollten voll ausgespielt werden und großes Erstaunen hervorrufen.
1. Personendarstellung
Roy M. Cohn ist ein erfolgreicher New Yorker Anwalt und inoffizieller Macht-Makler. Er ist die einzige historische Gestalt in Kushner Stück, auch wenn sich Kushner auf die eigene Dosis künstlerischer Freiheit beruft. Die Handlungen, die dieser Figur zugeschrieben werden, sind allerdings in den entsprechenden Quellen und Akten zu finden. Die historische Figur des Roy Cohn war der Sohn eines mäßig seriösen New Yorker Richters, der schon früh gelernt hatte, worauf es ankommt, wenn es einem nur auf den Erfolg ankommt. Seit seiner frühen Karriere operierte er als Hauptberater in McCarthys Senatskomitee zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe mit einem Netz aus Beziehungen, Abhängigkeiten, Bestechung und unwiderstehlicher Großmäuligkeit gegenüber „Geschäftsfreunden“ in Gericht, Exekutive und Mafia. Dieses Beziehungsgeflecht erlaubte es ihm 30 Jahre lang, erstaunliche Prozessergebnisse jenseits aller juristischen Vernunft zu erzielen, sowie alle Angriffe des Justizministeriums und mehrere einschlägige Anklagen zu überstehen. Seine eigene Homosexualität hat er in dieser Zeit weder getarnt noch verschwiegen noch verdrängt. Sie kam in seiner Welt nicht vor, das genügte ihm - und seiner Welt
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auch, weshalb er auf einer Luxusjacht mit Lustknaben Hof halten und gleichzeitig sehr wirkungsvoll gegen die Gleichstellung von Homosexuellen kämpfen konnte. Zu seinen Klienten zählten Norman Mailer, Frank Sinatra, Edgar Hoover, Donald Trump, Richard Nixon, Ronald Reagan und etliche Mafia-Paten. Eine im Stück aufgegriffene Tat von Cohn ist der Fall Rosenberg. Das jüdisch-amerikanische Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg wurde 1951 in den USA wegen Spionage für die Sowjetunion zum Tode verurteilt und zwei Jahre später trotz zahlreicher internationaler Proteste hingerichtet. Der Fall Rosenberg illustriert in extremer Weise die antikommunistische Stimmung in den USA der McCarthy-Ära. Tony Kushner zeigt in dieser historischen Figur eindeutig, wie sehr Politik vom Machtbestreben der Machtinhaber lebt. Er zeigt die Figur des Roy Cohn als einen skrupellosen Menschen, dessen einziges Bestreben es ist, noch mehr Macht zu erreichen. Oftmals geht es nur darum, das, was er sich kurzfristig in den Kopf gesetzt hat, zu erreichen. Durch Roy Cohn zeigt Tony Kushner die Doppelmoral, die gerade konservativen Politikern anhaftet. Zugleich zeigt er den unverständlichen Hass, der diese antikommunistischen Politiker antreibt. Roy Cohn ist nicht zuletzt eine historische Gestalt die für die damalige Zeit Werte gebend war. Roy Cohn wird nie als eine positiv fühlende Gestalt dargestellt, immer nur als ein machtgetriebenes Monstrum, deren einziges Ziel es ist zu gewinnen. Joseph Porter Pitt (Joe) ist Bürovorsteher von Richter Theodore Wilson vom Bundesappellationsgericht, Zweiter Gerichtsbezirk. Er ist um die 30 Jahre alt, Mormone, verheiratet und führt mit seiner Frau ein typisches kleines bürgerliches Leben, in das Homosexualität und Aids genauso wenig hineinpasst wie die Tablettensucht seiner Frau, mit der er mittlerweile etwas genervt umgeht. Er ist ein Schützling von Roy Cohn, der ihm anbietet eine Stelle in Washington anzunehmen, was eine enorme Verbesserung seiner Karrierechancen mit sich brächte. Im Laufe des Stückes wird
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Arbeit zitieren:
Markus Wechsler, 2004, Die gesellschaftskritischen Themen und Interpretationen des Autors in Tony Kushners Angels in America, München, GRIN Verlag GmbH
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