Die Pinakothek der Moderne - inszenierte Räume für die Kunst


Hausarbeit, 2006
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Standort der Pinakothek der Moderne

3. Baugeschichte - Von der Idee bis zur Entstehung

4. Der Architekt Stephan Braunfels

5. Die Pinakothek der Moderne
5.1 Konzeption des Museums
5.2 Die Schlichtheit der Fassade
5.3 Der Formenreichtum im Inneren der Pinakothek
5.3.1 Die zentrale Rotunde
5.3.2 Das Motiv des Quadrats
5.3.3 Die Gestaltung des Lichts

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

Anhang:

Abbildungen

1. Einleitung

Stephan Braunfels geht es um die Kunst und um nichts anderes.[1]

Mit dieser Aussage möchte der Architekt der Pinakothek der Moderne ausdrücken, dass er seine Aufgabe darin sieht, lediglich den Rahmen für das eigentlich Wesentliche, die Kunst, zu schaffen. Er möchte ein Museum entwerfen, dem es gelingt den perfekten Raum für die Präsentation der Kunstwerke zu bieten.

Er sucht in seinen Plänen und Ausführungen stets nach dem Ideal, welches er vermeintlich in der Neutralität findet. Er versucht die Wirkung der Ausstellungsräume zurückzunehmen, indem er sie möglichst unauffällig und dezent gestaltet. Seine Architektur der Galerien soll die Aufmerksamkeit des Besuchers allein auf die Kunst lenken, so dass diese ungestört wirken kann.

In der folgenden Arbeit soll die Architektur der Pinakothek der Moderne analysiert werden.

Die Abbildungen, auf die im Text verwiesen wird, wurden der Arbeit als Anhang in numerischer Reihenfolge beigefügt.

Während der Architekturanalyse sollen die Mittel, die Stephan Braunfels einsetzt, um die angestrebte Reduktion zu erreichen, herausgearbeitet werden. In diesem Zusammenhang interessiert also, ob er diese Zurückhaltung verwirklicht und wie ihm dies gelingt. Insbesondere soll dem Aspekt der Entfaltung der Kunst in den Räumen der Pinakothek der Moderne Beachtung geschenkt werden.

2. Der Standort der Pinakothek der Moderne

Die Pinakothek der Moderne befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Türkenkaserne, in direkter Nachbarschaft der Alten und der Neuen Pinakothek (Abbildung 1). Neben der Alten Pinakothek im Westen und den Universitätsinstituten im Norden, ist sie außerdem von Wohnungsbauten nach Osten und Süden umgeben.[2]

Zusammen mit den benachbarten Museen, dem Lenbachhaus, der Antikensammlung und der Glyptothek ist mit der Pinakothek der Moderne ein Kunstareal entstanden, das über 2000 Jahre Kunstgeschichte umfasst.[3]

Mit der sogenannten dritten Pinakothek beherbergt München nun das größte Museum für zeitgenössische Kunst in Deutschland, das im 20. Jahrhundert gebaut wurde.[4]

Die Bauarbeiten der Pinakothek der Moderne sind seit dem 16.September 2002[5] offiziell fertig gestellt. Seit Herbst vergangenen Jahres ist außerdem ein zweites modernes Museum, für die Sammlung Brandhorst, im Bau. Dieser wird die Staatsgalerie moderner Kunst inhaltlich ergänzen und soll sich L-förmig an den bestehenden Bau der Pinakothek der Moderne legen.[6]

3. Baugeschichte - Von der Idee bis zur Entstehung

Über den Bau einer dritten Pinakothek dachte München bereits Anfang des 20. Jahrhunderts nach. Die Realisierung dieses Vorhabens erfolgte jedoch erst rund 100 Jahre später.

1992 wurde ein Wettbewerb für den Bau der dritten Pinakothek ausgeschrieben, den der damals noch sehr junge Architekt Stephan Braunfels gewann. Die Planungen wurden bereits ein Jahr später aufgrund von mangelndem Geld wieder eingestellt, mit der Erklärung von Ministerpräsident Edmund Stoiber, die Pinakothek sei „[...] wünschenswert, aber nicht dringlich notwendig“.[7] Durch private Finanzierungszuschüsse konnte 1996 schließlich mit den Baumaßnahmen begonnen werden.

Durch den Bau der Pinakothek der Moderne konnte München nach 100 Jahren Verzögerung an die von Ludwig I. begründete Tradition anknüpfen und so, kunsthistorisch gesehen, wieder auf einen relativ aktuellen Stand gelangen.[8]

4. Der Architekt Stephan Braunfels

Der 1950 in Überlingen geborene Stephan Braunfels (Abbildung 2) studierte 1970-75 Architektur an der Technischen Universität in München. 1978 gründete er ein Architekturbüro in München.

Die Entwicklung und Kritik städtebaulicher Konzepte und Planungen für München bildeten die Grundlage für eine Ausstellung der Entwürfe für München 1987 im Deutschen Architekturzentrum Frankfurt am Main.

Die Anerkennung seiner Arbeit in München blieb auch nach der Ausstellung weiterhin aus, seine Pläne fanden kaum Beachtung.

Anfang der 90er Jahre wurde die Stadt Dresden auf den Architekten aufmerksam und beauftragte ihn das Leitbild für den Wiederaufbau der Innenstadt zu entwerfen. 1992 gelang Stephan Braunfels schließlich auch der Durchbruch in München, als er den internationalen Wettbewerb für den Bau der Pinakothek der Moderne gewann.[9]

Dieser erste Preis stieß damals auf die Ablehnung vieler Kollegen, die ihn nur als Initiator von Debatten über die Gestaltung von München kannten.[10]

1994 wurde die Arbeit von Stephan Braunfels mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

Zwei Jahre darauf wurde ein zweites Architekturbüro in Berlin gegründet. Auch für Berlin entwickelte Stephan Braunfels Entwürfe für das Bundestagsabgeordnetenhaus (1996-2002), das ehemalige Stadtschloss und die Neugestaltung des Kulturforums.

Stephan Braunfels zählt derzeit durch seine umfangreichen Wettbewerbs- und Planungserfolge zu den renommiertesten Architekten Deutschlands.[11]

5. Die Pinakothek der Moderne

In München ist mit der Pinakothek ein Museum der Oberklasse entstanden, welches die Meinungen der Besucher und Kritiker spaltet. Braunfels selbst bezeichnet sein Museum als eine „[...] gebaute Symphonie“.[12]

5.1 Konzeption des Museums

Stephan Braunfels hatte den Wettbewerb für die Planung der Pinakothek der Moderne für sich entschieden, da er einen Baukörper (Abbildung 3) entwickelt hatte, der nicht nur Raum füllt, sondern durch seine Ausrichtung und Form Beziehungen zwischen den drei Pinakotheken und der Münchner Altstadt schafft. Mit der Form des Rechtecks passt sich der Baukörper den vorgegebenen Rastern der Straßengliederung an und verweist auf die Alte Pinakothek. Außerdem wird die Pinakothek von einer Diagonale durchtrennt, die in Richtung Münchner Innenstadt zeigt und somit Bezug mit dieser aufnimmt.[13]

Im Inneren bietet die Pinakothek der Moderne vier unterschiedlichen Sammlungen auf drei Etagen ein „[...] großzügig dimensioniertes gemeinsames Präsentationsforum“.[14] Im Museum werden die Staatsgalerie moderner Kunst, die Neue Sammlung als eine der umfassendsten Design-Kollektionen der Welt, die Staatliche Graphische Sammlung sowie die Architektursammlung der Technischen Universität München als vier selbstständige Ausstellungsinstitute vereint.

Eine der schwierigsten Aufgaben, die es zu bewältigen galt, lag darin, den vielseitigen Bedürfnissen der vier Sammlungen hinsichtlich der Raum- und Lichtgestaltung gerecht zu werden. Die Staatsgalerie moderner Kunst beinhaltet hauptsächlich Werke der Malerei, die sich bei Oberlichtbeleuchtung am Besten entfalten können. Die lichtempfindlichen graphischen Arbeiten, Zeichnungen und Fotografien benötigen hingegen Kabinette mit Seiten- oder Kunstlicht. Für die Design-Objekte aus der Neuen Sammlung werden, aufgrund der Größenunterschiede der Ausstellungsstücke, Räume mit möglichst unterschiedlichen Dimensionen benötigt.

Stephan Braunfels hat diese individuellen Wünsche der einzelnen Ausstellungen auf den 12000 Quadratmetern[15] Fläche erfüllt, indem er Räume in allen Variationen der Größe und Beleuchtung schuf.[16]

5.2 Die Schlichtheit der Fassade

Der Blick von außen auf die Pinakothek der Moderne (Abbildung 4) zeigt ein schlichtes rechteckiges Gebäude aus Stahl, Glas und Sichtbeton.

Durch die strenge rechteckige Kubusform wirkt das Gebäude sachlich und kühl. Lediglich die Kuppel der zentralen Rotunde und die Flugdächer, welche zu den Eingängen leiten, durchbrechen das starre Äußere der Pinakothek.

Die Flugdächer definieren die beiden Enden der Diagonale und werden von hohen schlanken Säulen getragen, die in unrhythmischer Anordnung empor ragen. In ihren ungleichmäßigen Abständen sollen diese den Besucher zu den zurückversetzten Eingängen leiten.[17] Sie befinden sich im Norden und im Süden des Gebäudes und überdachen die extrem spitz zulaufenden Wintergärten, welche die Fassade wie Keile auf ganzer Höhe aufreißen.[18]

Bei der Komposition des freien Flugdaches mit den langen schlanken Rundpfeilern ließ sich Braunfels von Axel Schultes Bonner Kunstmuseum (Abbildung 5) inspirieren. Die Ausführung der Idee erfolg allerdings auf sehr unterschiedliche Weise, da das Flugdach der Pinakothek, im Gegensatz zum Bonner Kunstmuseum, aus der Grundrissform nicht heraustritt.[19]

Obwohl sich mehr als ein Drittel des Museums unter der Erde befinden, macht das Gebäude durch seine geschlossene rechteckige Form einen sehr voluminösen und mächtigen Eindruck. Um diese massive Wirkung aufzulockern, schafft der Architekt kräftige Gliederungselemente in der Fassade. Braunfels unterteilt seine Außenmauern durch senkrecht verglaste Einschnitte und raumhohe Fensterquadrate.[20]

[...]


[1] Vgl. Rauterberg (2002a), S. 45.

[2] Vgl. Herwig (2002), S. 18.

[3] Vgl. Riedle (2003), S. 88.

[4] Vgl. Haberlik/Zohlen (2001), S. 22.

[5] Vgl. Sorko (2003), S. 47.

[6] Vgl. Herwig (2002), S. 26.

[7] Riedle (2003), S. 95.

[8] Vgl. Riedle (2003), S. 95-96.

[9] Vgl. Knapp (2003), S. 64.

[10] Vgl. Herwig (2002), S. 21-22.

[11] Vgl. Knapp (2003), S. 64.

[12] Herwig (2002), S. 22.

[13] Vgl. Herwig (2002), S. 18.

[14] Knapp (2003), S. 5.

[15] Vgl. Sorko (2003), S. 47.

[16] Vgl. Knapp (2003), S. 5-6.

[17] Vgl. Herwig (2002), S. 6.

[18] Vgl. Rauterberg (2002a), S. 45.

[19] Vgl. Herwig (2002), S. 22.

[20] Vgl. Bode (2002), S. 26-27.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Pinakothek der Moderne - inszenierte Räume für die Kunst
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V73746
ISBN (eBook)
9783638881852
Dateigröße
1200 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pinakothek, Moderne, Räume, Kunst
Arbeit zitieren
Dorothea Dentler (Autor), 2006, Die Pinakothek der Moderne - inszenierte Räume für die Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73746

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