Inhaltsverzeichnis
Was ich meine 3
Erster Teil: Die anarcho-konservative Weltsicht. 4
I) Ausgangslage 4
II) Spengler 5
1) Die Ablehnung der Idee einer linearen und fortschreitenden Entwicklung von Geschichte 5
2) Takt und Spannung: „Sei Held oder Heiliger “ 10
III) Genesis 14
1) Die Vertreibung aus dem Paradies 14
2) Das Kainsmal 15
Zweiter Teil: Die praktischen Schlüsse aus der anarcho-konservativen Weltsicht 18
I) Politische Abstinenz 18
1) Die Irrtümer der emanzipatorischen Bewegungen 18
2) Die negative Direktive 20
II) Hefe 24
1) Der Prozess der Integration des Vierten Standes 24
2) Der „Fünfte Stand“ als letzte nicht-integrierbare Gesellschaftsgruppe 25
III) Am Ende 26
2
Was ich meine
Dieser Text ist Produkt meines ganz persönlichen Lernprozesses im letzten Jahr. Im Laufe dieser Zeit gelang es mir (bis auf Weiteres), meine inneren Anliegen, die schon lange durch meine Veranlagung und meine Biographie vorgezeichnet waren, in mein bewusstes Denken zu integrieren und ihm dadurch eine neue, mir besser entsprechende Richtung zu geben. Ich hatte schon lange das Gefühl, aus meinem persönlichem Welterleben heraus, eine systemkritische Position einnehmen zu müssen. Hier bieten sich verschiedenste verbalradikale Konzepte an, die allesamt durch eine positive Utopie auf eine bessere zukünftige Welt verweisen.
Ich, für meinen Teil, wurde zu einem eigenwillig unsozialen Sozialisten, einer Art Linken. Die Entwicklung der eigenen revolutionären Weltsicht chronologisch danach gegliedert, was ich, im Laufe der Jahre, dafür hielt.
Hinter allen Ideologisierungen, sei es im politischen oder im sozialen Bereich, denen ich im Laufe der Zeit ausgesetzt war und auf den Leim ging, vermutete ich immer eine gähnende Leere. Es ist wohl eine allgemeine Schwäche des Menschen, aufkommende Zweifel an der einmal als Wegweiser für das eigene Leben akzeptierten Ideologie, zuallererst mit einer wachsenden Hinwendung zu den moralischen Werturteilen dieser Ideologie zu kompensieren. An Wahrheiten soll man glauben. Geistige Systeme liefern sie im Gesamtpaket.
Trotz allem vermute ich in den Menschen meines Schlages, hinter aller Ergebenheit für die Facetten der Ideologie (Moral, geschlossener Wertekanon, positive Utopie), pessimistische Skeptiker, wie ich einer geworden bin, die sich im Grunde ihres Herzens im Klaren darüber sind, dass sich die Welt nicht von guten Absichten dazu bewegen lässt, besser zu werden.
Von dieser Erkenntnis und ihren Früchten handelt der folgende Text.
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Erster Teil: Die anarcho-konservative Weltsicht
I) Ausgangslage
Als enttäuschte Utopisten und frischgebackene Pessimisten suchen wir nach einer Erklärung für den Umstand, dass bisher alle Experimente zur Schaffung einer besseren Welt scheitern mussten. Wer sich von den Allgemeinplätzen über die - angeblich angeborene - Schlechtigkeit der Menschen nicht beeindrucken lassen will, könnte auf den Gedanken kommen, dass die Utopien, welche uns über die Jahrhunderte angeboten wurden, auf dem Boden der Zustände gewachsen sind, die sie ändern wollten. Des Weiteren könnte man auf die Idee kommen, dass sich der momentane, als schlecht empfundene Zustand und die positive Utopie, die ihn ändern zu wollen vorgibt, innerlich in dem Maße ähnlich sind, dass ihre Umsetzung nichts Wesentliches an der gängigen Praxis ändern, oder schlimmer, dass sie eine vorgezeichnete Entwicklung beschleunigen würde.
Zum ersten Mal kam ich vor einem Jahr mit diesen Ideen in Berührung. Vor knapp hundert Jahren führte sie Oswald Spengler, ein deutscher Geschichtsphilosoph, in seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ aus. Bei Spengler ist dieser Gedanke nur eine von vielen und steht im Schatten seiner Betrachtungen über eine angenommene Morphologie der Weltgeschichte. Für mich, als jemanden, der nach einer Neubewertung von positiven Utopien strebte, wurde seine Idee eines
unterschiedlichen Welterlebens, seine Idee eines Dualismus von „Takt und Spannung“, zum Ausgangspunkt einer meinem Wesen entsprechenden Weltsicht.
Dem Nein-sagen, dem anarchistisch-konservativen Nihilismus. Oder wie das heißt.
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II) Spengler
1) Die Ablehnung der Idee einer linearen und fortschreitenden Entwicklung von Geschichte
In seinem Hauptwerk, es erschien in zwei Bänden 1918 bzw. 1922, beschäftigt sich Oswald Spengler ausgiebig mit der theoretischen Einordnung und Deutung von „Weltgeschichte“. Sein wesentlicher Beitrag ist die Problematisierung der gängigen Einteilung „Altertum-Mittelalter-Neuzeit“ 1 und damit auch des linearen und progressiven Geschichtsverständnisses der Moderne. Der landläufigen, auch heute noch weit verbreiteten Auffassung, von einer kontinuierlichen Entwicklung hin zu einem „Höher“ und „Besser“, wie sie vor allem das fortschrittsgläubige 19. Jahrhundert prägte, setzt er eine differenzierte Sicht auf die organische Entwicklung einzelner „Kulturen“ entgegen. 2 3 Diese, es sind insgesamt acht 4 , beschreibt er als Lebewesen, verhaftet in der sie umgebende Landschaft. Man könnte also von
1 In gedrängter Form erscheint dieses Postulat vor allem in der Einleitung seines Hauptwerkes „Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“; mir vorliegend in der ungekürzten Sonderausgabe in einem Band, erschienen bei C.H. Beck in München 1981 (ab nun kurz „Untergang“ genannt) (genauer SS 29-43). Spengler geht in seiner Geschichtsphilosophie von der Unanwendbarkeit unserer, der abendländischen, Wertmaßstäbe auf die Geschichte der Antike aus. Jeder weitere Schluss auf die Unterschiedlichkeit aller Kulturen/Zivilisationen, beruht auf der Problematik der Verschiedenartigkeit von Antike und Abendland und daher auf der Auflösung der Einteilung Antike-Mittelalter-Neuzeit.
2 „Kulturen sind Organismen. Weltgeschichte ist ihre Gesamtbiographie.“ (Untergang; S 140) 3 An alle Faktologen und historisierenden Naturwissenschaftler, sowie an alle Biologisten richtet sich folgende Definition. Weltgeschichte, Art, Dauer, Protagonisten: „ Eine unübersehbare Masse menschlicher Wesen, ein uferloser Strom, der aus dunkler Vergangenheit hervortritt, dort, wo unser Zeitgefühl seine ordnende Wirksamkeit verliert und die ruhelose Phantasie - oder Angst - in uns das Bild geologischer Erdperioden hingezaubert hat, um ein nie zu lösendes Rätsel dahinter zu verbergen; ein Strom, der sich in eine ebenso dunkle und zeitlose Zukunft verliert […]. Der einförmige Wellenschlag zahlloser Generationen bewegt die weite Fläche. Glitzernde Streifen breiten sich aus. Flüchtige Lichter ziehen und tanzen darüber hin, verwirren und trüben den klaren Spiegel, verwandeln sich, blitzen auf und verschwinden. Wir haben sie Geschlechter, Stämme, Völker, Rassen genannt. Sie fassen eine Reihe von Generationen in einem beschränkten Kreise der historischen Oberfläche zusammen. Wenn die gestaltende Kraft in ihnen erlischt - und diese Kraft ist eine sehr verschiedene und bestimmt von vornherein eine sehr verschiedene Dauer und Plastizität dieser Bildungen - , erlöschen auch die physiognomischen, sprachlichen, geistigen Merkmale, und die Erscheinung löst sich wieder in dem Chaos der Generationen auf. Arier, Mongolen, Germanen, Kelten, Parther, Franken, Karthager, Berber, Bantu sind Namen für höchst verschiedenartige Gebilde dieser Ordnung.
Über diese Fläche hin aber ziehen die großen Kulturen ihre majestätischen Wellenkreise. Sie tauchen plötzlich auf, verbreiten sich in prachtvollen Linien, glätten sich, verschwinden, und der Spiegel der Flut liegt wieder einsam und schlafend da.“ (Untergang; SS 142f)
4 Chronologisch geordnet: die altägyptische, babylonische, indische, chinesische, griechischrömische (Antike), arabische, mittelamerikanisch-indianische (mexikanische) und die westliche Kultur/Zivilisation.
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Pflanzen sprechen. 1
Die Entwicklung der einzelnen Kulturen folgt einem innerlich immer gleich bleibendem Muster von Wachsen und Vergehen. Spengler nennt diese zwei Phasen „Kultur“ und „Zivilisation“.
Die Phase der „Kultur“ ist geprägt von schöpferischen Impulsen und genuinen Entwicklungen 2 in allen Künsten 3 , der Entwicklung hin vom städtelosen Land zur kulturschwangeren „Großstadt“ 4 5 und einer politischen Entwicklung vom staatenlosen „ewigen“ Bauern 6 , über die sich aus dem Bauerntum entwickelnde Aristokratie, den Klerus als Stand der „Spannung“ 7 (siehe nächstes Kapitel) und der Entstehung des „Nichtstandes“ der Städtebürger 8 ,
1 Vgl. Untergang; S 143
2 „Am Anfang steht der verzagte, demütige, reine Ausdruck einer eben erwachenden Seele, die noch nach einem Verhältnis zur Welt sucht […]. Dann folgt der jauchzende Aufschwung in der hohen Gotik [(Abendland)], der konstantinischen Zeit [(arabische Kultur)] mit ihren Säulenbasiliken und Kuppelkirchen, und den reliefgeschmückten Tempeln der 5. Dynastie [(ägyptische Kultur)]. Man begreift das Sein […]. Aber der Rausch geht zu Ende. Aus der Seele selbst erhebt sich ein Widerspruch. Renaissance, dionysisch-musikalische Feindschaft gegen die apollinische Dorik [(Spengler ist ein Schüler Nietzsches, dieser führte in seinem Frühwerk 'Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik' die Idee einer solchen Dialektik für die griechische Kultur ein)] […] bedeuten einen Augenblick der Auflehnung und der versuchten oder erreichten Zerstörung des Erworbenen […]. Damit tritt das Mannesalter der Stilgeschichte in Erscheinung. Die Kultur wird zum Geist der großen Städte, die jetzt die Landschaft beherrschen; sie durchgeistigt auch den Stil. (Untergang; SS 266f)
3 Zu der Einordnung einzelner Stile in einzelnen Kulturen vgl. Untergang; SS 245-281
4 „Es ist eine ganz entschiedene und in ihrer vollen Bedeutung nie gewürdigte Tatsache, daß alle großen Kulturen Stadtkulturen sind. Der höhere Mensch des zweiten Zeitalters [,d.h. der Kulturphase, als Phase zwischen Nomadentum und Zivilisation,] ist ein städtebauendes Tier.[...] Weltgeschichte ist Geschichte des Stadtmenschen. Völker, Staaten, Politik und Religionen, alle Künste, alle Wissenschaften beruhen auf einem Urphänomen menschlichen Daseins: der Stadt.“ (Untergang; S 661) 5 Zur Rolle der Stadt in der Kulturphase vgl. Untergang; SS 660-666
6 „Der ursprüngliche Mensch ist ein schweifendes Tier[.] […] Eine tiefe Wandlung beginnt erst mit dem Ackerbau - denn dies ist etwas Künstliches, wie es Jägern und Hirten durchaus fern liegt: er gräbt und pflügt, will die Natur nicht plündern, sondern abändern. Pflanzen heißt etwas nicht nehmen, sondern erzeugen. Aber damit wird man selbst zur Pflanze, nämlich Bauer. Man wurzelt in den Boden, den man bestellt. Die Seele des Menschen entdeckt eine Seele in der Landschaft; eine neue Erdverbundenheit des Daseins, ein neues Fühlen meldet sich. Die feindliche Natur wird zur Freundin. Die Erde wird zur Mutter Erde. […] Und als vollkommener Ausdruck dieses Lebensgefühls entsteht überall die sinnbildliche Gestalt des Bauernhauses, das in der Anlage seiner Räume und in jedem Zuge seiner äußeren Form vom Blut der Bewohner redet. […]
Dies ist die Voraussetzung jeder Kultur, die selbst wieder planzenhaft aus ihrer Mutterlandschaft emporwächst und die seelische Verbundenheit des Menschen mit dem Boden noch einmal vertieft.“ (Untergang; S 660)
7 „Jeder Adel ist ein lebendiges Symbol der Zeit, jede Priesterschaft eins des Raumes. Schicksal und Heilige Kausalität, […] Rasse und Sprache, Geschlechtsleben und Sinnesleben: das alles kommt darin zum höchstmöglichen Ausdruck. Der Adel lebt in einer Welt von Tatsachen, der Priester in einer Welt von Wahrheiten; jener ist Kenner, dieser Erkenner, jener Täter, dieser Denker.“ (Untergang; S 971)
Dieses Zitat verweist schon auf das mir so wichtige spenglersche Konzept von „Takt und Spannung“ als grundlegend entgegengesetzte Formen des Welterlebens, das im nächsten Kapitel ausführlich und von der Dimension der Urstände entkoppelt besprochen wird.
8 „[Die griechische Kolonisation rund ums Mittelmeer] ist die zeugende Begeisterung der
6
zu den Anfängen des modernen Nationalstaates und der Wende zur „Zivilisation“ 1 (im Abendland um das Jahr 1800) 2 .
Die Phase der „Zivilisation“ wird bestimmt durch eine Rezeption und Nachahmung früherer künstlerischer Stile und den Import fremder Ornamente und Themen 3 , der Herausbildung belehrender oder moralisierender Ausdrucksformen 4 , der Entwicklung eines Kunsthandwerks, sowie der Entwicklung von der Großstadt mit Umland über die Welt- 5 und Hauptstadt 1 , die den Rest des Landes
Menschen der Stadt, die seit dem 10. Jahrhundert in der Antike und „gleichzeitig“ in den anderen Kulturen immer neue Geschlechterfolgen in den Bann eines neuen Lebens zwingt, mit dem zum erstenmal inmitten der Menschheitsgeschichte die Idee der Freiheit erscheint. Sie ist nicht politischen und noch viel weniger abstrakten Ursprungs, sondern sie bringt die Tatsache zum Ausdruck, daß innerhalb der Stadtmauern das pflanzenhafte Verbundensein mit dem Lande ein Ende hat und die das ganze Landleben durchsetzenden Bindungen zerrissen sind. […]
Das Bürgertum entsteht erst aus dem grundsätzlichen Widerspruch zwischen Stadt und Land […]. Der Begriff des dritten Standes, des 'tiers', um das berühmte Wort der französischen Revolution zu gebrauchen, ist eine Einheit lediglich des Widerspruchs und inhaltlich also gar nicht zu bestimmen, ohne eigene Sitte und Symbolik […]; und der Gedanke, daß das Leben nicht einem praktischen Zweck, sondern vor allem mit seiner ganzen Haltung dem Ausdruck der Symbolik von Zeit und Raum zu dienen habe [, wie bei den beiden Urständen Adel und Priestertum,] und allein dadurch einen hohen Rang in Anspruch nehmen dürfe, reizte gerade die städtische Vernunft zu erbittertem Widerspruch. Diese Vernunft, zu deren Domäne die gesamte politische Literatur der Spätzeit gehört, nimmt eine neue Gruppierung der Stände von der Stadt aus vor, die zunächst Theorie ist, aber durch die Allmacht des Rationalismus endlich Praxis, sogar die blutige Praxis von Revolutionen wird.“ (Untergang; SS 998ff)
1 „An diesem Punkte, wo die Kultur im Begriff ist, Zivilisation zu werden, greift der Nichtstand [Bürgertum] entscheidend in die Ereignisse ein und zwar zum ersten Male als selbstständige Macht. […]
Das Kennzeichen jeder bürgerlichen Revolution, als deren Ort ausschließlich die große Stadt erscheint, ist der Mangel an Verständnis für die alten Symbole, an deren Platz jetzt handgreifliche Interessen treten, und sei es auch nur der Wunsch begeisterter Denker und Weltverbesserer, ihre Begriffe verwirklicht zu sehen. Wert hat nur noch, was sich vor der Vernunft rechtfertigen lässt […].“ (Untergang; S 1056) Diese Vorgänge werden dann später zum Katalysator der politischen Prozesse der Zivilisationsphase, die im Cäsarismus enden.
2 Zu den Ständen und dem Nichtstand in der Kulturphase vgl. Untergang; SS 970-1004
3 „Dann erscheinen die leuchtenden Herbsttage des Stils: […] Hellste Geistigkeit, heitre Urbanität und Wehmut eines Abschiednehmens [...] .
Dann erlischt der Stil. Auf ein bis zum äußersten Grade durchgeistigte, zerbrechliche, der Selbstvernichtung nahe Formensprache des Erechtheion und des Dresdner Zwingers folgt ein matter und Greisenhafter Klassizismus, in hellenistischen Großstädten ebenso wie im Byzanz von 900 [(für die arabische Kultur)] und im Empire des Nordens. Ein Hindämmern in leeren, ererbten, in archaistischer oder eklektischer Weise vorübergehend wieder belebten Formen ist das Ende. Halber Ernst und fragwürdige Echtheit beherrschen das Künstlertum. In diesem Falle befinden wir uns heute. Es ist ein langes Spiel mit toten Formen, an denen man sich die Illusion einer lebendigen Kultur erhalten möchte.“ (Untergang; SS 267f)
4 „Nur in der Geistigkeit der großen Städte wird der Ausdruckstrieb vom Mitteilungstrieb überwältigt. Daraus entsteht jene Tendenzkunst, die belehren, bekehren und beweisen will“ (Untergang; S 246 Fußnote)
5 „Diese steinerne Masse [, die Weltstadt,] ist die absolute Stadt. Ihr Bild, wie es sich mit seiner großartigen Schönheit in die Lichtwelt des menschlichen Auges zeichnet, enthält die ganze erhabene Todessymbolik des endgültig „Gewordenen“ [Dazu ist zu sagen, dass für Spengler die Zivilisation das „Gewordene“, also das sich bereits Vollendete, das Tote ist].
7
veröden lässt, zur spätzivilisierten entvölkerten Steinwüste (z.B. Rom in Spätantike und Frühmittelalter für die griechisch-römische Zivilisation) 2 .
Der kulturellen Verarmung steht eine, während der Kulturphase undenkbare, Verfeinerung der Kunst des Herrschens gegenüber. 3 4 Politisch ist jede „Zivilisation“ anfangs geprägt vom Kampf für eine - vermeintliche - Ausdehnung des politischen Mitspracherechtes auf möglichst alle gesellschaftlichen Schichten. In ihrer frühen Phase entwickelt sich die „Demokratie“ als angestrebte „Herrschaft der Meisten“. Berufspolitiker prägen eine neue Kunst des Regierens. Im Abendland findet sie ihren Ausdruck in den Parlamenten. Auch entsteht dort eine Parteienlandschaft und eine „freie Presse“, Die öffentliche Meinung wird zum Motor politischer Veränderung. Ihre Bearbeitung erfolgt durch den Journalisten. In Folge dessen kommt es zu einem vermehrten Auftreten von populistischen Politikern und Demagogen. Die Einflussnahme auf die Bevölkerung geschieht immer direkter, bis hin zum offenen Stimmenkauf und zur Bestechung (z.B. während der antiken hochzivilisierten Phase im Rom der Bürgerkriege und der ersten Caesaren). 5
Schließlich gelingt es Einzelnen, die volle Macht zu usurpieren und den gesamten Staat ihren Privatinteressen dienstbar zu machen. Damit steht auch die politische Entwicklung vor ihrer Vollendung und damit ihrem Ende. 6 Es folgt eine imperialistische Phase („die
Der durchseelte Stein gotischer Bauten ist im Verlauf einer tausendjährigen Stilgeschichte endlich zum entseelten Material dieser dämonischen Steinwüste geworden.“ (Untergang; S 673) 1 „[In jeder späten Kultur erscheint] bald der Typus der Hauptstadt. Es ist, wie der bedeutungsvolle Name sagt, die Stadt, deren Geist mit seinen politischen und wirtschaftlichen Methoden, Zielen und Entscheidungen das Land beherrscht. Das Land mit seinen Bewohnern wird Mittel und Objekt dieses führenden Geistes. Es versteht nicht, um was es sich handelt. Es wird auch nicht gefragt. Die großen Parteien in allen Ländern aller späten Kulturen, die Revolutionen, der Cäsarismus, die Demokratie, das Parlament sind die Form, in welcher der hauptstädtische Geist dem Lande mitteilt, was es zu wollen und wofür es unter Umständen zu sterben hat. Das antike Forum, die abendländische Presse sind durchaus geistige Machtmittel der herrschenden Stadt. […] Theben ist Ägypten, Rom ist der orbis terrarum, Bagdad ist der Islam, Paris ist Frankreich.“ (Untergang; SS 667f)
2 Zur Rolle der Haupt- und Weltstadt in der Zivilisationsphase vgl. Untergang; SS 666-687
3 Zur antiken Zivilisationsphase: „Denn was hat es zu bedeuten - was man nur mit leeren Worten bestreiten kann -, daß die Römer Barbaren gewesen sind, Barbaren, die einem großen Aufschwung nicht vorangehen, sondern ihn beschließen? Seelenlos, unphilosophisch, ohne Kunst, rassehaft bis zum Brutalen, rücksichtslos auf reale Erfolge haltend, stehen sie zwischen der hellenischen Kultur und dem Nichts. […] Griechische Seele und römischer Intellekt - das ist es. So unterscheidet sich Kultur und Zivilisation. (Untergang; S 44) 4 Vgl. hierzu Untergang; SS 43-54
5 Vgl. hierzu vor allem Untergang; SS 1120-1144
6 „ Cäsarismus nenne ich die Regierungsart, welche trotz aller staatsrechtlichen Formulierungen in ihrem inneren Wesen wieder gänzlich formlos ist. Es ist gleichgültig, ob Augustus in Rom, Hoang-ti in China, Amosis in Ägypten, Alp Arslan in Bagdad ihre Stellung
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Christian Planteu, 2011, Skizzen zum Anarcho-Konservativismus. Nihilismus, München, GRIN Verlag GmbH
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Zur Weiterentwicklung der Gedanken, die in diesem Heftchen angeführt sind, siehe www.anarcho.at sowie www.anarcho.at/skizzen und www.anarcho.at/predigtdienst Viel Spaß beim Lesen!
vor 57 Tagen-