Bau und Vermarktung eines multifunktionalen und autarken Landhauses osteuropäischer Prägung in Form einer Datscha 2.0


Masterarbeit, 2015

94 Seiten, Note: Master of Engineering


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
1.3 Begriffsabgrenzung

Teil 1 Theoretische Aspekte: Notwendigkeit einer „Datscha 2.0“ unter Berücksichtigung multikultureller Gegebenheiten

2 Wirtschaftsgut Immobilie

3 Länderspezifische Gegenüberstellung am Beispiel Deutschland und Russland
3.1 Deutscher Markt
3.1.1 Geographie
3.1.2 Bevölkerungsstruktur
3.1.3 Politik
3.1.4 Wirtschaft
3.2 Russischer Markt
3.2.1 Geographie
3.2.2 Historie
3.2.3 Kultur
3.2.4 Bevölkerungsstruktur
3.2.5 Politisches System
3.2.6 Wirtschaft
3.3 Projektstandortanalyse Sankt Petersburg
3.3.1 Geographie
3.3.2 Historie
3.3.3 Bevölkerung
3.3.4 Wirtschaft

4 Entwicklung und Erfordernis einer Datscha angesichts moderner Anforderungen und Trends
4.1 Historische Entwicklung und Internationalisierung der klassischen „Datscha“ (Wandel vom einfachen Gartenhaus zum Wohn- und Rückzugsort)
4.2 Die Datscha als Refugium der Menschen
4.3 Analyse differenzierter Interessen der zentralen Nutzer und Projektbeteiligten
4.3.1 Optimales Gebäude aus Nutzersicht
4.3.1.1 Vorteile der „Datscha 2.0“ für die Immobiliennutzer
4.3.2 Orientierung an der subjektiven Nutzungsqualität
4.4 Ansprüche anderer Interessengruppen

Teil II Praxis: Ansätze und Handlungsempfehlungen zur Entwicklung einer multifunktionalen autarken „Datscha 2.0“

5 Konstruktive und Planerische Aspekte
5.1 Auswahl qualitätsorientierter Unternehmen in der Projektentwicklung
5.2 Auswahl qualitativ anerkannter Materialien
5.2.1 Vermeidung von Polyvinylchlorid (PVC)
5.2.2 Vermeidung von chemischem Holzschutz
5.3 Datscha 2.0 in moderner Holzbauweise
5.3.1 Die Holzbauweise
5.3.2 Massivbau
5.3.3 Leichtbauweise
5.4 Unterscheidungen nach Art des Zusammenfügens im Holzbau
5.4.1 Tafelbauweise
5.4.2 Skelettbauweise
5.5 Wichtige Bauteile und Konstruktionsdetails
5.6 Metaphorische Baudurchführung

6 Gebäudeflexibilität für nachhaltige Planung
6.1 Ausrichtung auf Flexibilitätsaspekte

7 Energieautarke „Datscha 2.0“
7.1 Konstruktive Maßnahmen zur Energieeffizienz
7.2 Verwendung energieeffizienter Technologien und Haustechnik
7.3 Energie und Wasserkonzept
7.3.1 Energetisches Gesamtkonzept
7.3.2 Wasserkonzept

8 Zusammenfassung

9 Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Master-Thesis beschreibt Ansätze zur Entwicklung und Vermarktung eines multifunktionalen und autarken Landhauses osteuropäischer Prägung in Form einer Datscha 2.0 unter Berücksichtigung multikultureller Gegebenheiten. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die selbstständige Energie- und Wärmeversorgung gerichtet. Die Zielverfolgung dabei ist es, ein nahezu energieautarkes Gebäude zu er­richten.

Das Projekt wurde durch ein deutsches Unternehmen angestoßen mit dem Ziel die Datscha 2.0 in Russland zu realisieren. Aufgrund der Erfahrungen und den Bemühun­gen Deutschlands möglichst energieautark zu bauen, entstand die Idee das Thema auf die Baukultur der Datschen in Russland zu übertragen. Das energieautarke Bauen könnte in naher Zukunft auch für Russland wichtig werden. Für die Erstellung des Kon­zepts, dienen die Erfahrungswerte Deutschlands als Wissensgrundlage. Allerdings sind die in Deutschland realisierten Projekte jedoch nicht immer kostengünstig konzipiert und können insofern nicht ausnahmslos auf Osteuropa übertragen werden. Vor diesem Hintergrund wird der deutsche Standard hier am Beispiel Sankt Petersburg unter Be­achtung ökonomischer Aspekte angewendet. Die Entwicklung der Datscha 2.0 ist ein Konzept für die Implementierung in Osteuropa sowie nachgelagert im Süden Afrikas. Des Weiteren wird ein besonderes Augenmerk auf die kulturellen, bautechnischen und ökonomischen Anforderungen gelegt.

Für das allgemeine Verständnis werden auch die länderspezifischen Randbedingun­gen und Trends der Datschen im Vergleich zu Deutschland aufgedeckt.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1-1: Wohnung im 19. Jahrhundert (Rose, 2012)

Abbildung 3-1: Ausgewählte Bodenerhebungen Stand 31.12.2012

Abbildung 3-2: Schiffbare Flüsse innerhalb Deutschlands Stand 2013

Abbildung 3-3: Straßen des überörtlichen Verkehrs 2013

Abbildung 3-4: Temperaturen und Niederschläge

Abbildung 3-5: Bevölkerungsstand, stand 31.12.2012

Abbildung 3-6: Die zehn größten Städte Deutschlands, stand 2012

Abbildung 3-7: Religionen und Glaubensgemeinschaften in Deutschland stand 2010

Abbildung 3-8: Demografische Entwicklung Deutschlands

Abbildung 3-9: Politisches System Deutschland

Abbildung 3-10: Politisches System der Russischen Föderation

Abbildung 3-11: Fahne St. Petersburg

Abbildung 3-12: Klimadiagramm Sankt Petersburg

Abbildung 4-1: Interessenmodell der Projektbeteiligten

Abbildung 4-2: Erweiterung des Zielsystems durch die Lebenszyklusperspektive

Abbildung 5-1: Beispiel Grundriss

Abbildung 5-2: Beispiel Raumprogramm

Abbildung 5-3: Wasserschaden am Balken

Abbildung 5-4: Wasserschaden im Haus - Hausschwamm Einsturzgefahr

Abbildung 5-5: Beispiele für konstruktiven und baulichen Holzschutz

Abbildung 5-6: Systemübersicht über die verschiedenen Holzbausysteme

Abbildung 5-7: Moderner Holzbau

Abbildung 5-8: Gartenhaus in Blockbohlenbauweise

Abbildung 5-9: Toskana Blockbohlenhaus

Abbildung 5-10: Beispiel Tafelbauweise

Abbildung 5-11: Beispiel Skelettbauweise

Abbildung 5-12: Schritt 1 Holzfertighaus

Abbildung 5-13: Schritt 2 Holzfertighaus

Abbildung 5-14: Schritt drei Holzfertighaus

Abbildung 5-15:Schritt vier Holzfertighaus

Abbildung 5-16: Schritt fünf Holzfertighaus

Abbildung 5-17: Schritt sechs Holzfertighaus

Abbildung 5-18: Schritt sieben Holzfertighaus

Abbildung 5-19: Schritt acht Holzfertighaus

Abbildung 5-20: Schritt neun Holzfertighaus

Abbildung 5-21: Schritt zehn Holzfertighaus

Abbildung 5-22: Schritt elf Holzfertighaus

Abbildung 7-1: Funktionsweise Stromversorgung

Abbildung 7-2: 9 m3 Wasserspeicher

Abbildung 7-3: Hauswirtschaftsraum

Abbildung 7-4: Blei-Akkus

Abbildung 7-5: Aluminiumkiste für die Akkus

Abbildung 8-1: Schlussslogan

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3-1: Allgemeine Übersicht Deutschland

Tabelle 3-2: Länge der Grenzen stand 2012, eigene Darstellung

Tabelle 3-3: Basisdaten Russland eigene Darstellung

Tabelle 3-4: Gegenüberstellung Altersstruktur Russland Deutschland

Tabelle 3-5: Wirtschaftsstruktur in Russland (2009 - 2011)

Tabelle 5-1: Baustoffe, Bodenbeläge und deren Alternativen

Tabelle 6-1: Vergleich von Gebäudestruktur und Flexibilitätsgraden

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die globale Wirtschaftsordnung steht einem rasanten Wandel gegenüber. Dies betrifft nicht nur die EU, sondern auch Russland. Die „einfachste“ Lösung für Russland ist es das vorhandene Potenzial zu nutzen. Generell besitzt Russland über eine gute Aus­gangssituation. Der russische Staat besitzt genug Kapital, um in die Modernisierung der Schlüsselindustrien zu investieren. Ein weiterer Vorteil ist, die im Gegensatz zu Europa niedrige Staatsverschuldung. Außerdem besitzt Russland weltweit die dritt­größten Gold- und Devisenreserven. Die Inflation ist ebenfalls so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr (5,06 % stand 2012).1

Fakt ist, dass der osteuropäische Markt attraktive Perspektiven und Geschäfte bietet. Dies wird anhand der stetig steigenden Zahl deutscher Unternehmen in Russland (der­zeit ca. 6.000) deutlich. Grundsätzlich planen alle befragten Firmen bis 2015 in Russ­land zu investieren.2 Somit lässt sich sagen, dass Russland deutlich mehr Anreize be­nötigt, um den Mittelstand als Basis der russischen Volkswirtschaft zu entwickeln. „ Mehr Markt, mehr Mittelstand und mehr Modernisierung“. 3

Dabei ist es wichtig, sich in verschiedenen Branchen zu entwickeln. Für die vorliegen­de Master-Arbeit liegt der Fokus in der Baubranche. Hierbei findet mit dem globalen Nomadentum ein Prozess der Ausbreitung und Diffusion städtischer Lebens- und Ver­haltensweisen wie z.B. Haushaltsstrukturen, Konsummuster, berufliche Differenzie­rung, Wertvorstellungen der Stadtbewohner, und die daraus resultierenden Raumstruk­turen statt. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, durch die Entwicklung eines multifunktionalen und weitgehend autarken Gebäudes osteuropäischer Prägung eine mögliche Gegenbewegung der Urbanisierung zu erzielen um Menschen neue Anreize und Möglichkeiten des Wohnens zu bieten, denn die gebaute Umgebung ist das Fun­dament der Gesellschaft4.

Durch moderne Produktentwicklungen können neue Projekte generiert werden und bereits vorhandene Potenziale genutzt werden. Der hier zugrunde liegende Ansatz ist mitunter die zunehmende Überbevölkerung der Metropolstädte. Wie lässt sich eine Umkehrung des Städtetrends durch die Entwicklung eines neuartigen Anreizes steu­ern? Die Gegenbewegung lässt sich durch die Modifizierung der Datscha-Potenziale erzeugen. Die Entwicklung und Einführung wird nachfolgend näher erläutert.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

„Wir sollten die Dinge so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher“5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1-1: Wohnung im 19. Jahrhundert (Rose, 2012)

Dieser Aussage wird durch Ansätze zur Entwicklung einer Datscha 2.0 Rechnung ge­tragen. Die Welt verstädtert derzeit in bisher unvorhergesehener Weise. Veränderun­gen in der Bevölkerungsdichte der verschiedenen Regionen der Erde sind bereits seit 1970 zu beobachten. Dies führt hauptsächlich auf die Verfügbarkeiten günstiger fossi­ler Energieträger und der sich ausweitenden Wohlstandslücke zurück. Daher wandern gebildete wie auch ungebildete Menschen auf der Suche nach Arbeit um. Die Bewegung, vom in die Stadt ziehenden Landwirt bis zum hochgebildeten Arzt der sein Heimatland verlässt, findet in fast allen Branchen, in unterschiedli­chen Teilen der Welt statt.6 Das neue Zeitalter in dem weltweit mehr Menschen in Städten leben als auf dem Land ist die Gegenwart. Durch die massive Zuwanderung in die Städte werden die Mietpreise anhand von Platzmangel und starker Nachfrage in die Höhe getrieben. Infolgedessen werden kontinuierlich Wohnungen/Häuser sprich Wohnflächen benötigt. Somit werden die Wohneinheiten wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder kleiner. Menschen le­ben auf engem Raum.7

Um diesem Trend entgegenzuwirken wird hier auf die Attraktivität des Landhauses verwiesen. Das „Wohnen auf dem Land“ wird als neuer Anreiz und Investitionsmög­lichkeit entwickelt. Dieses Projekt stellt sich den Herausforderungen der ländlichen Gegebenheiten und Versorgungsstrukturen Russlands am Beispiel Sankt Petersburg. Dabei soll auch auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingegangen werden; Stichwort Kundenorientierung.

Durch das energieeffiziente und nachhaltige Bauen der Datscha 2.0 sollen langfristig die Anforderungen der Nutzer sowie Investoren gedeckt werden. Wer energieeffizient baut oder saniert, verringert langfristig die eigenen Betriebskosten und erzielt dadurch eine Wertsteigerung des Hauses; darüber hinaus wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Anhand der einleitend geschilderten Veränderungen des Städtewachstums, entstand die Idee, Ansätze zur Entwicklung und Vermarktung eines multifunktionalen und autar­ken Landhauses osteuropäischer Prägung in Form einer Datscha 2.0 unter Berücksich­tigung multikultureller Gegebenheiten zu entwickeln. Dabei wird der Grundgedanke verfolgt, eine weitgehende Energieautarkie mit Hilfe technologischer Konzepte aus Deutschland, zu erreichen. Diese Idee ist das Thema der vorliegenden Master-Thesis.

1.2 Gang der Untersuchung

Im ersten Teil der Arbeit wird das Wirtschaftsgut Immobilie beschrieben. Eine Ver­gleichsanalyse der Geographie, Wirtschaft und der makropolitisch relevanten Themen zwischen Deutschland und Russland wird in Kapitel drei bearbeitet. Anschließend wird in Kapitel vier der Thesis die Historie der Datscha/Gartenhaus betrachtet und die heu­tige Situation beschrieben. Die Gebäudekonstruktion der Datscha wird im vierten Teil erläutert. Im Folgenden wird über die Auswahl qualitätsorientierter Unternehmen in der Projektentwicklung und qualitativ anerkannter Materialien auf die baustoffbezogene Beschreibung der Datscha in Form von Holzmassiv- und Leichtbau eingegangen. Die Unterscheidung nach der Art des Zusammenfügens (Tafelbau- und Skelettbauweise) wird dabei ebenfalls abgehandelt. Das Kapitel beinhaltet auch neben der Beschreibung von wichtigen Bauteilen und Konstruktionsdetails eine Fotostrecke einer beispielhaften Baudurchführung.

In Kapitel sechs wird auf die Wichtigkeit der Flexibilität eines Gebäudes verwiesen. Das Kapitel sieben beschreibt das weitgehend energieautarke Konzept der Datscha 2.0. Darin werden die Wärmeeinsparungs- sowie Wärmegewinnungsmöglichkeiten im Bezug zur Datscha 2.0 näher durchleuchtet. Auch Themen wie die konstruktiven Maß­nahmen zur Erreichung der Energieeffizienz und Verwendung energieeffizienter Tech­nologien werden behandelt. Des Weiteren wird ein mögliches Wasserkonzept in Kapi­tel sieben erarbeitet. Abschließend erhält der Leser einen Ausblick bzw. ein Fazit über die vorliegende Master-Thesis.

1.3 Begriffsabgrenzung

Bedarfsplanung: Nach DIN 18205 bedeutet Bedarfsplanung im Bauwesen „die me­thodische Ermittlung der Bedürfnisse von Bauherren und Nutzern, deren zielgerichtete Aufbereitung als Bedarf und dessen Umsetzung in bauliche Anforderungen“.

Chlorparaffine: Dieser Stoff kommt heutzutage - ähnlich wie die Phthalat- Weichmacher - überall in der Umwelt vor. Ca. 50 % der produzierten Chlorparaffine werden als Flammschutzmittel und Weichmacher in PVC-Produkten eingesetzt. Aus den Produkten wandern und dampfen die Chlorparaffine allmählich aus und belasten so die Innenräume, die Umwelt sowie die Nahrungskette. Diese krebserregenden und schwer abbaubaren Chemikalien reichern sich stark in der Nahrungskette an. Seit 1995 liegen Messungen vor, die alarmierend hohe Chlorparaffin-Konzentrationen in Lebensmitteln wie Nordseefisch, Milch, Margarine und Schweinefleisch wie auch in menschlicher Muttermilch belegen. Antimontrioxid wird üblicherweise zwischen 5% und 10% dem Weich-PVC zugesetzt. Diese Chemikalie ist in der Liste maximaler Arbeits­platzkonzentrationen gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAKWerte) als "eindeutig krebserregend ausgewiesener Arbeitsstoff" klassifiziert.8

Energiespeichersysteme: Derzeit gibt es verschiedene Auswahlen von Batteriespei­chersystemen. Für die Datscha 2.0 wurde hier die Speichervariante der Batterie zu­grunde gelegt. Folgende drei Aufgaben sind von der Batterie als Energiespeicher zur Förderung des Eigenverbrauchs in der Zukunft zu übernehmen.9

- Energieverteilung in zeitlicher Dimension: Der Stromspeicher stellt den Strom bedarfsabhängig zur Verfügung.
- Überbrückung der Stromversorgung: Diese schützt vor Stromausfall durch bei­spielsweise schneebedeckte Dächer oder einer vorübergehenden Störung der Miniwindkraftanlage auf dem Dach. Diese Ausfälle oder Störungen können kurzzeitig sein. Jedoch kann es auch zu einem Totalausfall kommen. Heutzuta­ge können die Batterien allerdings den Strom für weitere 14 Tage bedenkenlos zur Verfügung stellen.
- Stabilisieren der Stromversorgung: Sie kann durch eine kontinuierliche Regulie­rungsfunktion bei Bedarf für eine Spannungsstabilisierung sorgen und damit die Stromversorgungsqualität erhöhen.

Fotovoltaik: Fotovoltaik bezeichnet den Vorgang einer direkten Stromerzeugung aus Sonnenlicht. Der Begriff leitet sich von dem griechischen Wort photos (dt.: Licht) und dem italienischen Physiker Alessandro Graf von Volta, dem Namensgeber für die Ein­heit der elektrischen Spannung, ab.10 Kurz gesagt ist Fotovoltaik die Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie (Strom).

Klima: Das Klima ist definiert als die Zusammenfassung der Wettererscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem mehr oder weniger großen Gebiet charakterisieren. Es wird repräsentiert durch die statisti­schen Gesamteigenschaften (Mittelwerte, Extremwerte, Häufigkeiten u. a.) über einen genügend langen Zeitraum. Im Allgemeinen wird ein Zeitraum von 30 Jahren zugrunde gelegt, die sogenannte Normalperiode. Es sind jedoch auch kürzere Zeitabschnitte üblich.11

U-Wert: Der U-Wert ist der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient. Er ist der Kehr­wert des Wärmedurchgangswiderstands eines Baustoffes. Dieser umschreibt, wie viel Widerstand ein bestimmter Baustoff mit einer bestimmten Dicke, in einer bestimmten Zeitperiode, auf einer bestimmten Fläche dem Wärmedurchgang entgegensetzt.12 Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen, damit nachfolgenden Generationen ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomi­sches Gefüge hinterlassen werden kann.13

Nachhaltigkeit: Durch die Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Um­welt - Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwick­lung“ des Deutschen Bundestages wurde für Deutschland das Leitbild einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung herausgearbeitet. Dieses Leitbild basiert insbeson­dere auf dem Abschlussbericht „Our Common Future“ der Brundtland-Kommission der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1987 und der Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro im Jahre 1992. Dort haben 178 Staaten auf den dringenden Hand­lungsbedarf zur Erhaltung der Lebensgrundlagen hingewiesen und sich dazu bekannt, das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung („Sustainable Development“) auszufüllen und deshalb weitere Maßnahmen in der Umwelt-, Entwicklungs-, Sozial- und Wirt­schaftspolitik gefordert.

Auf Basis dieser Ziele wurde das Handlungsprinzip zum „Leitbild Nachhaltigkeit“ formu­liert, bei dem durch eine nachhaltige Entwicklung die Bedürfnisse der jetzigen Genera­tion erfüllt werden sollen, ohne dabei die Möglichkeit späterer Generationen einzu­schränken, ihre Bedürfnisse ebenfalls befriedigen zu können.

Aus diesem Handlungsprinzip ergeben sich vielfältige Anforderungen, die in folgende drei Kategorien gegliedert sind:

- Ökologische Dimension der Nachhaltigkeit
- Ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit
- Soziale und kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit

Für den Baubereich lassen sich aus diesen Dimensionen verschiedene Schutzziele ableiten. Dabei wird im Rahmen einer Lebenszyklusbetrachtung die Optimierung sämt­licher Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes - also von der Rohstoffgewinnung über die Errichtung bis zum Rückbau - angestrebt.

Der deutsche Begriff der „Nachhaltigkeit“ geht historisch auf die Forstwirtschaft zurück. Es heißt dort u.a.: „Wer einen Wald hegt, muss darauf achten, nicht mehr Holz zu schlagen als nachwächst. Nachhaltigkeit bedeutet also, vom Ertrag zu leben, ohne die Substanz anzutasten.“ Ziel ist es also, ein Gleichgewicht zwischen Nutzung und Rege­neration der vorhandenen Ressourcen zu erreichen.14

Phthalate, DEHP und DIDP: Diese Substanzen gelten als umweltschädlich. DEHP wurde im Jahr 2000 von der EU als embryoschädigend klassifiziert. Des Weiteren ist es leber- und nierenschädigend. In den USA ist DEHP als krebsverdächtige Chemika­lie gelistet. Da sich Phthalat-Weichmacher zum Teil während der Verwendung bzw. auf der Deponie aus den Produkten herauslösen, sind sie heute in der Umwelt als Umwelt­schadstoffe allgegenwärtig. In Kleinkinderspielzeug sind Phthalate in der EU seit 1999 verboten. Neuere Studien weisen darauf hin, dass Phthalate - und auch Dioxine - Stö­rungen im menschlichen Hormonhaushalt verursachen.15

Solarthermie: Solarthermie ist die Umwandlung von Sonnenenergie in thermische Energie (Wärme). Das Grundprinzip der solarthermischen Nutzung ist die Umwandlung von kurzwelliger Solarstrahlung in langwellige Wärmestrahlung. Dieser Prozess erfolgt beim Auftreffen von Licht auf Materie und ist bezüglich der Intensität abhängig von der Absorptionsfähigkeit des Materials.16

Temperatur: Die Temperatur bezeichnet den messbaren Wärmezustand von Materie, eines Stoffes oder eines Stoffsystems. Der Wärmezustand wird durch die mittlere kine­tische Energie der ungeordneten Bewegung der Teilchen bestimmt. Für die Tempera­tur werden meist folgende Einheiten verwendet: Kelvin, Grad Celsius oder Grad Fahrenheit. In der Meteorologie spielt die Lufttemperatur eine große Rolle. Sie wird daher weltweit regelmäßig unter genau definierten Bedingungen gemessen.17

Urbanisierung: Im Vergleich zum Begriff der Verstädterung, der nur auf demografi­sche und siedlungsstrukturelle Aspekte abstellt, beinhaltet die Urbanisierung zusätzlich sozialpsychologische und sozioökonomische Komponenten. Durch ausgeprägte Land­Stadt-Wanderungen, natürliches Bevölkerungswachstum und Eingemeindungen kommt es zur raschen Einwohnerzunahme imVerdichtungsraum. Von der Entwicklung der baulichen Infrastruktur aus betrachtet, drückt sich Urbanisierung als Landschafts­verbrauch aus und limitiert in den überbauten Gebieten das Leistungsvermögen des Landschaftshaushaltes erheblich. Belastungen und Gefährdungen der Umwelt können die Folge sein.18

Teil 1 Theoretische Aspekte: Notwendigkeit einer „Datscha 2.0“ unter Berücksichtigung multikultureller Gegebenheiten

2 Wirtschaftsgut Immobilie

Da die Datscha 2.0 unter der Kategorie der Immobilien zu finden ist, wird zu Beginn auf die Besonderheit einer Immobilie als Wirtschaftsgut näher eingegangen. Im Folgenden werden fünfvon sieben Eigenschaften kurz erläutert.19

Immobilität: Immobilien zeichnen sich durch ihre Immobilität (Unbeweglichkeit) aus. Folglich ist die Immobilie standortgebunden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Lage und der Standort nicht nur über die Nutzungsmöglichkeiten entscheiden, sondern vielmehr wichtige Determinanten des ökonomischen und ggf. emotionalen Wertes dar­stellen. Eine schlechte Standortentscheidung wird somit selten wirtschaftlich korrigiert. Darüber hinaus werden die Verfügungsberechtigungen über den Grund und Boden durch rechtliche und faktische Gegebenheiten beschränkt.20

Heterogenität: Durch die Standortgebundenheit lässt sich eine weitere Besonderheit des Wirtschaftsgutes herausfiltern, die Heterogenität. Durch die nähere Betrachtung von Standorten und Gebäuden ist ersichtlich, dass kein Standort und kein Gebäude völlig identisch sind. Jeder Standort ist durch verschiedene Merkmale wie beispielswei­se die Beschaffenheit zu unterscheiden. Ebenso ist jedes Gebäude ein Unikat. Die Einzigartigkeit ergibt sich unter anderem aus der architektonischen Gestaltung, dem technischen Ausbau und die individuelle Nutzung. Durch die Einzigartigkeit der Immo- bilie,ist eine geringe Vergleichbarkeit und eingeschränkte Markttransparenz gegeben.

Begrenzte Substituierbarkeit: Die begrenzte Substituierbarkeit drückt sich dadurch aus, dass der Raum nur begrenzt durch andere Wirtschaftsgüter ersetzt werden kann. Dies hat den Hintergrund, dass der Flächenbedarf der Nutzer mengenmäßig tendenziell unflexibel ist. Somit wird die quantitative und qualitative Nachfrage nach Flächen für eine bestimmte Nutzungsart nicht ausschließlich vom Preis, sondern von subjektiv empfundenem, teilweise auch objektivierbarem Platzbedarf bestimmt.21

Dauer des Entwicklungs- bzw. Herstellungsprozesses: Die Entwicklung einer Immobilie dauert in Deutschland für die mittleren bis großen Projekte von der Projektidee und Grundstücksakquisition über die Bauphase bis zur Bauabnahme und Übergabe an die Nutzer zwischen ein bis fünf Jahre. Dies ist maßgeblich vom Planungs- und Baurecht des jeweiligen Landes sowie der Größe und Komplexität des Vorhabens, der Bauweise und der Organisationsfähigkeit des Bauherrn sowie der Projektbeteiligten abhängig.

Dauer des Lebenszyklus: Die physische Lebenserwartung übertrifft meistens die öko­nomische, welche etwa bei 80 bis 100 Jahren liegt. Die technische und ökonomische Lebensdauer werden durch diverse Bedingungen definiert. Folglich wird die technische Lebensdauer durch die Abnutzung der technischen Infrastruktur und Einbauten defi­niert. Die ökonomische Lebensdauer beruht auf Kosten und Erträge.

Die nachfolgend genannten Punkte werden zur Vollständigkeit genannt und nicht wei­ter erläutert.

Höhe des Investitionsvolumens

Höhe der Transaktionskosten

Aus den vorangegangenen Merkmalen bzw. Gründen ist es für die zukünftige Wettbe­werbsfähigkeit der Immobilie von unabdingbarer Wichtigkeit, sie in einem langfristigen Planungszeitraum nachhaltig zu betrachten. Die nachhaltige Planung, Konstruktion sowie Konzipierung führt zur Wirtschaftlichkeit und Umweltentlastung.

3 Länderspezifische Gegenüberstellung am Beispiel Deutsch­land und Russland

3.1 Deutscher Markt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3-1: Allgemeine Übersicht Deutschland

3.1.1 Geographie

Deutschlands Gesamtfläche beträgt rund 357 000 km2. Die Distanz zwischen Nord und West beträgt 876 km -von Ost nach West dagegen 640 km.

Deutschland ist in das Norddeutsche Tiefland, die Mittelgebirgsschwelle, das südwest­deutsche Mittelgebirgsstufenland, das süddeutsche Alpenvorland und die bayerischen Alpen von der Nord-und Ostsee bis zu den Alpen im Süden gegliedert.

Im Gegensatz zu Russland mit den 14 Nachbarstaaten, ist Deutschland von neun Nachbarstaaten umgeben und liegt im Herzen Europas. Die Nachbarstaaten sind Bel­gien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Polen, die Schweiz und die Tschechische Republik. Der Grenzverlauf umfasst insgesamt 3.786 km. Mit 817 km teilen sich Österreich und die Bundesrepublik Deutschland das längste Teilstück des Grenzverlaufs.22 Der längste Fluss Deutschlands und zugleich einer der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas ist mit 865 km der Rhein. Der flä­chengrößte und tiefste See Deutschlands ist der Bodensee, obwohl Teile davon in Ös­terreich und in der Schweiz liegen. Im Gegensatz zum Bodensee ist die Müritz ein See innerhalb der Mecklenburgischen Seenplatte im Landkreis Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der größte vollständig innerhalb Deutschlands liegende See.23

Das Klima in Deutschland wird durch die Lage in der gemäßigten Zone von häufigem Wetterwechsel bestimmt. Winde aus westlichen Richtungen, die das ganze Jahr über feuchte Luftmassen vom Atlantik heranführen, sind als typisch anzusehen. Als Folge dessen ergeben sich zu allen Jahreszeiten Niederschläge. Die jährlichen Nieder­schlagsmengen betragen im norddeutschen Tiefland unter 500 bis 700 mm, in den Mittelgebirgen um 700 bis über 1.500 mm und in den Alpen bis über 2.000 mm. Das Klima innerhalb der Regionen Deutschlands ist auch unterschiedlich, denn von Nord­westen nach Osten und Südosten, macht sich fortschreitend, ein allmählicher Über­gang vom ozeanischen zum kontinentalen Klima bemerkbar. Daraus ergeben sich die relativ milden Winter und nicht zu heißen Sommertage. Dies ist allerdings nicht der Fall, wenn die Westströmung durch zum Teil langlebige Hochdruckgebiete blockiert wird. Dann wird der Winter in Deutschland sehr kalt und der Sommer heiß und trocken.

Extreme Tagesschwankungen und jahreszeitliche Temperaturunterschiede gab es bisher noch nicht. Die Durchschnittstemperaturen des Januar, des kältesten Monats im Jahr, liegen im Tiefland um + 1,5°C bis - 0,5°C. In den Gebirgen erreichen sie je nach Höhenlage bis unter - 6°C. Die mittleren Julitemperaturen betragen im Norddeutschen Tiefland + 17°C bis + 18°C, im Oberrheintalgraben bis zu + 20°C. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei + 9°C. Die Daten stellt der Deutsche Wetterdienst bereit.24

Geographische Übersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3-2: Länge der Grenzen 25 stand 2012, eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-1: Ausgewählte Bodenerhebungen Stand 31.12.2012 26

1.3 Wasserwege

1.3.1 Schiffbare Flüsse innerhalb Deutschlands

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-2: Schiffbare Flüsse innerhalb Deutschlands Stand 2013 27

1.4.1 Straßen des überörtlichen Verkehrs 2013

Deutschland ist auf insgesamt 230 517 km Straßen des sogenannten überörtlichen Verkehrs befahrbar.

Von diesen stehen dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung

- 12 879km Bundesautobahnen,
- 39 604 km Bundesstraßen,
- 86 224 km Land(es)-, Staatsstraßen und
- 91 810 km Kreisstraßen.

50 882 km dieser Straßen führen als Ortsdurchfahrten durch bewohnte Regionen.

Abbildung 3-3: Straßen des überörtlichen Verkehrs 2013 28 29 30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2 Bevölkerungsstruktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-5: Bevölkerungsstand, stand 31.12.201230

2.1.9 Die größten Städte Deutschlands 2012

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-6: Die zehn größten Städte Deutschlands, stand 2012 31 32 33

Mit rund 81 Millionen Einwohnern ist Deutschland nach Russland das bevölkerungs­reichste Land in Europa. Dicht besiedelt ist das Gebiet um die Hauptstadt Berlin und die Ballungsgebiete im Westen wie z.B. das Ruhrgebiet, die Neckarregion und der Großraum Frankfurt. 86 % der Bevölkerung leben in Städten. Die meisten Einwohner je Quadratkilometer weist das Bundesland Berlin mit ca. 3.800 Einwohner auf. In Kontrast zu Berlin steht Mecklenburg-Vorpommern mit nur 75 EW je Quadratkilometer. Die Randgebiete im Norden, Nordosten und in den zentralen Gebirgsregionen sind eben­falls dünn besiedelt.

Die Bevölkerung in Deutschland besteht zu 91 % aus Deutschen, (2,5 %) Türken und Einwanderern aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens (381.000). Weiter leben Italiener (548.000), Griechen (316.000) und Polen (292.000) im Land und kleinere Gruppen aus den umliegenden europäischen Staaten.

In Deutschland sind verschiedene Glaubensrichtungen vertreten. Rund 24.600.000 der Bevölkerung gehören dem christlichen Glauben an, etwa zu gleichen Teilen der evan­gelischen (vermehrt im Norden Deutschlands) bzw. der katholischen Kirche (vor allem im Süden). Der Islam weißt ca. 4 Millionen Anhänger auf und ist somit die größte religi­öse Minderheit in Deutschland. Als weitere religiöse Minderheiten lassen sich die christlich Orthodoxen (ca. 1.100 000) und Juden (ca. 200.000) nennen.

Allerdings deutet sich mit der hohen Zahl Religionsloser und Nichtgläubiger ein Wandel des christlichen Glaubens in Deutschland an. In Deutschland sind 27.000.000 Men­schen nichtgläubig.34 35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-7: Religionen und Glaubensgemeinschaften in Deutschland stand 201033

Deutschland weist im weltweiten Vergleich einen hohen Lebensstandard und ein sozia­les Netz auf. Mit einem Bruttonationaleinkommen je Einwohner von rund 37.338 Dollar (Stand 2013)36 gehört Deutschland zu den zehn wohlhabendsten Ländern der Welt. Innerhalb Deutschland bestehen jedoch Wohlstandsunterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern.

Die Lebenserwartung der deutschen Männer liegt bei 76 Jahren, bei den Frauen sind es 82 Jahre. Durch die im Vergleich zur Sterberate niedrige Geburtenrate findet ein demografischer Wandel statt. Somit kommt kein natürliches Bevölkerungswachstum zustande. Ein negatives Wachstum wäre ohne den Zuzug der Ausländer in Deutsch­land bereits Realität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-9: Politisches System Deutschland36

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie mit Mehrpartei­ensystem, die auf dem Grundgesetz (1949) basiert.

Deutscher Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident (seit März 2012 Joachim Gauck). Der Bundespräsident wird für eine Amtszeit von 5 Jahren durch die Bundesversamm­lung gewählt (einmalige Wiederwahl möglich).

Der Bundeskanzler (seit 2005 Angela Merkel, CDU) führt die Staatsgeschäfte. Anders als beim Bundespräsidenten wird der Kanzler nicht von der Bundesversammlung ge­wählt, sondern durch den Präsidenten vorgeschlagen und vom Parlament gewählt.37

Das Parlament in Deutschland ist der Deutsche Bundestag. Die Mitglieder (598 plus eventuelle Überhangmandate) werden für vier Jahre vom Volk gewählt (teilweise di­rekt, teilweise über Parteilisten). Die Gesetze, die der Bundestag verabschiedet, wer­den vom Bundesrat bewilligt. Der Bundesrat besteht aus 69 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen der Bundesländer und besteht aus einzelnen Vertretern der Länder.

Über die Ausführung der Bundesgesetze wird in den einzelnen Bundesländern durch die eigenen Parlamente und Regierungen entschieden. Jedoch steht Bundesrecht im­mer über dem Länderrecht. Über die Einhaltung der Gesetze bzw. deren Übereinstim­mung mit dem Grundgesetz wacht das Bundesverfassungsgericht (mit Sitz in Karlsru­he).

Die Bundesrepublik Deutschland besteht aus 16 Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Berlin, Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,38 Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein (alte Bundesländer), Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (neue Bundes- länder).39

3.1.4 Wirtschaft

Die Wirtschaft Deutschlands ist angesichts des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die größte Volkswirtschaft Europas und die viertgrößte weltweit. Im Jahr 2012 erzielte der BIP ein Wachstum von 0,7 %. Die Arbeitslosenrate lag bei 6,8 %. Durch den wirtschaftlichen Erfolg gehört Deutschland seit Ende des 20. Jahrhunderts zu den führenden Industrie­nationen.

Der Nahrungsmittelbedarf der Bevölkerung kann durch die Landwirtschaft theoretisch weitgehend gedeckt werden. Neben Getreide werden auch Futterpflanzen (z.B. Zu­cker- und Futterrüben, Mais) und Kartoffeln angebaut. In der Viehwirtschaft besitzt ne­ben der Milchwirtschaft die Haltung von Rindern, Schweinen und Schafen eine wichtige Rolle.

Das deutsche Bodenschatzvorkommen beläuft sich auf Kohle- und Salzvorkommen. Eisenerz, Erdgas und Erdöl werden ebenfalls in geringen Mengen gefördert. Deutsch­land ist ein starkes Import/Export Land. Es importiert nahezu zwei Drittel seiner benö­tigten Primärenergien. Neben dem Import stellt Deutschland für den Export vielfältige Industriegüter her. Dabei sind die Bereiche Metallherstellung, chemische Industrie, Kraftfahrzeug- und Maschinenbau und elektrotechnische Produkte im weltweiten Ver­gleich an der Spitze. Deutschland gehört auch im Anlagenbau, der Raum- und Luft­fahrttechnik und in Bereichen der Rüstungsindustrie zu den führenden Nationen.

Zusammenfassend lässt sich daraus schließen, dass die deutsche Wirtschaft stark exportorientiert ist. Bedeutendste Handelspartner sind die EU-Länder, aber auch die USA und China.

Deutsche Währung ist seit 2002 der Euro.40

3.2 Russischer Markt

Der damalige Präsident Michail Gorbatschow führte 1985 den „Glasnost“ Prozess ein, welcher 1991 zur Auflösung der UdSSR führte. Die Auflösung führte zur Bildung der Russischen Föderation (RF; „Rossiyskaya Federatsiya“, kurz „Rossiya” = Russland) die der „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS) angehört. Die zwölf Staaten der GUS41 befinden sich seither in einem starken soziokulturellen Transformationsprozess mit verschiedenem Verlauf und Erfolg. Die Staaten haben bis heute weder eine politi­sche noch eine wirtschaftliche Zusammenführung realisiert.

Das kulturell bedingte Verhalten Russlands wird häufig mit Bezug auf die jüngere Ver­gangenheit und die Geschichte der UdSSR begründet. Dies ist allerdings eine verkürz­te Betrachtungsweise, derer die zusammenlebenden Völker nicht gerecht werden. Durch solche Missverständnisse lassen sich vielleicht auch viele der Dinge, die dem westeuropäischen Betrachter fremdartig erscheinen und unvertraut sind, erklären.42

Russland ist dennoch ungeachtet der kulturellen Unterschiede ein großer erfolgsver­sprechender Markt für ausländische Investoren. Wie in jedem Markt gibt es auch hier etwaige Risiken zu beachten. Unternehmen haben einerseits mit wirtschaftlichen Un­wägbarkeiten, aber auch mit Unkenntnis über die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die strukturellen Begebenheiten zu kämpfen. Im folgenden Kapitel wird der rus­sische Markt etwas näher betrachtet sowie analysiert. Des Weiteren wird nachfolgend eine zusammenfassende Matrix zu Russland dargestellt.43

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3-3: Basisdaten Russland41 eigene Darstellung

3.2.1 Geographie

Russland ist ein föderativer Staat im nordöstlichen Teil Eurasiens. Mit einer Fläche von 17.098.200 Mio. km242besitzt der russische Staat die größte Landesfläche der Erde. Es umfasst elf Prozent der Weltlandfläche, was in etwa der Fläche Australiens und Europas entspricht. Somit ist Russland mit seinen 17,1 Mio. km2 im Vergleich zu den USA fast doppelt so groß und 50 - mal so groß wie Deutschland. Die Ausdehnung von West nach Ost beträgt mehr als 9.000 km und von Nord nach Süd zwischen 2.500 und 4.000 km. Russland zählt jedoch mit den 143,3 Millionen Einwohnern auf ca. 17 Millio­nen km2 zu den weltweit am dünnsten besiedelten Flächenstaaten. Ferner ist zu be­achten, dass ein Viertel der Landesfläche zu Europa und drei Viertel zu Asien gehören. Das Territorium besteht zu 45 % aus Wälder, 4 % Gewässer, 13 % landwirtschaftlich genutzte Flächen, 19 % Rentierweiden und 19 % sonstige Ländereien.44 45 Die Lebens­bedingungen und Bewegungsmöglichkeiten des Menschen sind sehr stark vom Klima abhängig, denn durch die große Ausdehnung ist das Klima in Russland sehr unter­schiedlich. Im Norden herrscht polares Klima, im Süden subtropisches Klima und im europäischen Teil Russlands Kontinentalklima mit schneereichen Wintern und sehr warmen Sommern.

Das Uralgebirge ist als Trennlinie zwischen dem europäischen Westteil und dem asia­tischen Ostteil des Landes zu sehen. Die Hauptstadt Moskau liegt ebenfalls im europä­ischen Teil Russlands. Der asiatische Teil wird zum größten Teil durch Sibirien einge­nommen. Der Ural erstreckt sich vom Karasee (Polarmeer) im Norden bis zur Mündung des gleichnamigen Flusses Ural, der 2.428 km lang durch Russland und Kasachstan fließt und im Kaspischen Meer mündet. Mit 120.000 Flüssen und Strömen und fast zwei Millionen Seen ist Russland sehr wasserreich. Neben langen Seen besitzt Russ­land auch den größten Binnensee (Fläche 18.400 km2) Europas namens Ladogasee,46 den ältesten und tiefsten See (Tiefe von 1.637 m) der Welt (Baikalsee), welcher auch das größte Süßwasserreservoir weltweit ist.47

Sowie die europäische Landschaft als auch die Lebensbedingungen der Menschen Russlands werden durch drei Elemente bestimmt. Diese sind die Vegetationszonen, das Flusssystem und das Klima. Die Vegetationszonen erstrecken sich von Norden nach Süden als Tundra, folgend durch den Wald - zunächst als reiner Nadelwald, wei­ter im Süden als Mischwald und zum Schluss als Steppe. Die Vegetationszonen des asiatischen Teils Russlands sind mit dem europäischen Länderanteil identisch. Dabei findet der länderübergreifende Übergang durch die Steppe der unteren Wolga in eine zunächst wüstenähnliche Vegetationszone statt.48

Des Weiteren grenzt Russland an 14 Nachbarländer. Im europäischen Teil grenzen im Nordwesten die Länder Norwegen, Finnland, Estland und Lettland. Königsberg liegt umgeben von polnischem und litauischem Staatsgebiet als eine Enklave ebenfalls an den Grenzen Russlands. An der Westgrenze liegen die Länder Weißrussland und die Ukraine, im Südwesten das Schwarze Meer und Georgien. An der südlichen Grenze des asiatischen Teils liegen die Länder Aserbaidschan, Kasachstan, Mongolei, China und Nordkorea. Im äußersten Osten des Landes trennt nur die 85 bis 100 km breite Beringstraße Ostsibirien von Alaska.

Der Reichtum Russlands liegt in den Naturschätzen. Durch die klimatischen und geo­grafischen Gegebenheiten sind sie schwer erschließbar. Zum europäischen Landesteil gehören die großen Vorkommen an Eisenerzen, Kohle, Phosphaten, Salze und Nicht­eisenmetallen. Der überwiegende Teil der russischen Energiereserven wird in Sibirien gelagert. Weltweit liegen etwa 50 % der weltweit bekannten Energiereserven in Russ­land. Neben den großen Erdöl- und Erdgaslagern verfügt Sibirien mit seinen großen Flüssen über umfangreiche Energiequellen. Allein der sibirische Wald umfasst ein Fünftel des gesamten Baumbestandes der Erde.49

In Russland gibt es neun Zeitzonen. Hierbei wird die Zeit von +2 Stunden nach MEZ für Kaliningrad und bis +11 Stunden für Kamtschatka und Tschukotka angegeben. Die Zeit in Moskau und Sankt Petersburg ist mit +3 Stunden nach MEZ festgelegt.

3.2.2 Historie

Kein anderes Volk in Europa war (und ist) so vielen (natürlichen) Unwägbarkeiten aus­gesetzt: Die klimatischen Einflüsse, lange, strenge Winter, unvorhergesehene klimati­sche Einbrüche machten und machen Planungen schwierig. Das schulte einerseits die Umsichtigkeit, Vorsicht und Zurückhaltung sowie einen flexiblen Umgang mit unvorher­gesehenen Ereignissen. Dies führte zwangsmäßig zu einem erhöhten Improvisations­talent. Die teilweise unwirtlichen Lebensbedingungen förderten und erforderten zudem die kollektiven Lebensformen. Ferner wurde die bezeichnete Lebensform durch die leninistische Revolution zum gesellschaftlichen Ideal erhoben.

[...]


1 (Inflation Russland, 2012)

2 Vgl. (o.V. AHK Deutsch-Russische Auslandshandelskammer)

3 Vgl. (Dr. Ekaterina Kuskova, 2013)

4 Vgl. (Luebkeman, 2008), S.10

5 Albert Einstein

6 Vgl. (Luebkeman, 2008),S.11

7 (Giesau, 1998)

8 (Dr. Bruck, et al., 2002), S.166

9 Vgl. (Karl-Heinz-Haas, 2013), S.55 ff.

10 (Prof. Dipl.-Ing. Hegger, et al., 2008), S.139

11 (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

12 (Weizenhöfer, 2001), S.26

13 (o.V. Informationsportal Nachhaltiges Bauen)

14 (o.V. Informationsportal Nachhaltiges Bauen)

15 (Dr. Bruck, et al., 2002), S.165

16 (Prof. Dipl.-Ing. Hegger, et al., 2008), S.118

17 (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

18 (o.V. Urbanisierung)

19 (Schulte, et al., 2005), S.17 f.

20 (o.V. Statistisches Bundesamt, 2014)

21 (o.V. Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), 2014)

22 Vgl. (o.V. statistisches Bundesamt, 2014), S.20

23 Vgl. (o.V. Statistisches Bundesamt, 2014), S.20

24 Vgl. (o.V. Statistisches Bundesamt, 2014), S.20

25 (o.V. statistisches Bundesamt, 2014), S.14

26 Quelle (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

27 Quelle, (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

28 Quelle, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, stand 2013

29 Quelle, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, stand 2013

30 (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

31 (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

32 Quelle, Deutscher Wetterdienst stand 2013

33 (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

34 Quelle siehe Abbildung 2-7

35 Quelle: REMID DW,

36 Vgl. (o.V. statistisches Bundesamt, 2014)

37 Quelle: Statistisches Bundesamt

38 Quelle: http://www.cdu-sassnitz.de/

39 Vgl. (o.V. Politisches System)

40 Vgl. (o.V. Deutschland Wirtschaft)

41 Zur GUS gehören: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldau, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Weißrussland

42 (o.V. Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), 2014)

43 (o.V. Auswärtiges Amt, 2014)

44 (o.V. Auswärtiges Amt, 2014)

45 (o.V. (Russische Botschaft - Territorium und Bevölkerung 2015))

46 (Iportale GmbH),

47 (o.V. (Russland aktuell))

48 (Manfred Alexander, 2009),S.10 ff

49 Vgl. (Kartte, 1995), S. 51

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Bau und Vermarktung eines multifunktionalen und autarken Landhauses osteuropäischer Prägung in Form einer Datscha 2.0
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
Master of Engineering
Autor
Jahr
2015
Seiten
94
Katalognummer
V540125
ISBN (eBook)
9783346153937
ISBN (Buch)
9783346153944
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Datscha, Schrebergarten, Energieeffizienz, Nachhaltiges Bauen, Energieautark, Russland, Osteuropa, Bauen, Fotovolatik, Autark, Master of Engineering, Thesis, Angola, Energy, suistanable, Building, Green Building
Arbeit zitieren
Edy Afonso-Girao (Autor), 2015, Bau und Vermarktung eines multifunktionalen und autarken Landhauses osteuropäischer Prägung in Form einer Datscha 2.0, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540125

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