Fluide Religionen. Das Beispiel Scientology


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Autoren: Lüddeckens und Walthert
2.1. Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens
2.2. Dr. phil. Rafael Walthert
2.3. Zusammenarbeit

3. Theoretisches Konzept: Fluide Religion
3.1. Fluidität und Religiosität
3.2. Neue religiöse Bewegungen, Gemeinschaft und Gesellschaft
3.3. Der Wandel der Neuen religiösen Bewegungen

4. Scientology: Fallbeispiel oder Gegenbeispiel?

5. Kommentare und Kritik
5.1. Religionssoziologischer Hintergrund
5.2. Vereinheitlichung und Absolutheitsanspruch
5.3. Begrifflichkeiten, Konzepte und Argumentation

6. Schlussbetrachtungen

7. Literaturverzeichnis
7.1. Printmedien
7.2. Internetseiten

1. Einleitung

Von April bis Juli 2012 absolvierte ich ein Praktikum beim Beauftragten für Integration und Migration der Stadt Mannheim. Da ich dort vorwiegend mit und über muslimische Migranten arbeitete, wurde ich bei Recherchearbeiten und Interviews immer wieder mit dem Thema Religion konfrontiert. Dabei war vor allem die gegenwärtige Verbreitung und Radikalisierung des Islam ein Thema und nach einer Weile kam es mir fast so vor, als ob das gesamte religiöse Feld in Europa zurzeit von dieser omnipräsenten Thematik der vermeintlichen Ausbreitung fundamentalistischer Glaubensvorstellungen geprägt wäre. Dieses Bild wurde durch die Medien, beispielsweise durch Sendungen wie „Menschen bei Maischberger: Die Salafisten kommen“, zusätzlich verstärkt.[1] Zur selben Zeit besuchte ich an der Universität Heidelberg das Seminar „Gegenwartsreligiosität“, wo mir eine gänzlich andere Perspektive auf die zeitgenössische Religiosität eröffnet wurde. Meine zweigeteilte Auffassung von „Gegenwartsreligiosität“ könnte sehr vereinfacht dargestellt wie folgt beschrieben werden:

„Der ,Multioptionsdschungel‘ führt […] zu changierenden religiösen Identitäten, zu religiösen Options‐und Identitätswechseln, zu kleinen und zum Teil wenig verbindlichen, religiösen „Communities“ auf der einen Seite, und zu fundamentalistischen Wagenburgen (christlich, muslimisch u.a.) auf der anderen Seite.“[2]

Diese Zeilen sind der Niederschrift eines Vortrages, den der Verhaltens- und Naturwissenschaftler Hansjörg Hemminger am 11. Januar 2012 in Ludwigsburg hielt, entnommen.[3] Im Laufe des Semesters wurde mir klar, dass der „Multioptionsdschungel“ der Gegenwartsreligiosität weitaus vielschichtiger, breitgefächerter und komplexer ist als in dieser Rede dargestellt.

In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit einer These beschäftigen, die als ein Erklärungsmodell für den ersten von Hemminger beschriebenen Prozess gesehen werden kann. Es handelt sich hierbei um das von Lüddeckens und Walthert ausgearbeiteten Konzept der „Fluiden Religion“. Ich gehe dabei insbesondere darauf ein, welche Faktoren für den Wandel der Neuen religiösen Bewegungen ausschlaggebend sind. Da ich mich bei der Darstellung des Gegenstandes vor allem an den Artikeln „Fluide Religion: Eine Einleitung“ und „Das Ende der Gemeinschaft? Neue religiöse Bewegungen im Wandel“ von Lüddeckens und Walthert orientiere, möchte ich zunächst als Einstieg auf die Biographie der beiden Autoren eingehen. Ich beginne mit einer kurzen Darstellung ihres wissenschaftlichen Werdegangs und ihrer Zusammenarbeit sowie der Erwähnung ausgewählter Publikationen. Ich werde die wichtigsten Aspekte des Konzeptes im Einzelnen beschreiben und anschließend anhand eines Beispiels, Scientology, illustrieren. Da in dem Artikel „Das Ende der Gemeinschaft? Neue religiöse Bewegungen im Wandel“ bereits zwei Neue religiöse Bewegungen, Osho und Transzendentale Meditation, als Fallbeispiele vorgestellt werden, habe ich mich dazu entschlossen in dieser Arbeit ein Gegenbeispiel zu bearbeiten. Zum Schluss werde ich die Arbeit mit Kommentaren und Kritik, sowie einem kurzen Fazit abschließen.

2. Die Autoren: Lüddeckens und Walthert

2.1. Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens

Dorothea Lüddeckens wurde 1966 geboren. Sie studierte Religionswissenschaft, Philosophie und evangelischen Theologie in Würzburg, Bonn und München. Die Studienzeit beendete sie 1999 mit ihrer Doktorarbeit über „Das Weltparlament der Religionen von 1893: Strukturen der interreligiösen Begegnung im 19. Jahrhundert“.[4] Von 2000 bis 2003 war sie als Mitarbeiterin des DFG-Projektes „Ritualistik und Religionsgeschichte: Zoroastrische Rituale in wechselnden kulturellen Kontexten“ an der Universität Heidelberg tätig. Nach der Arbeit als wissenschaftliche Assistentin für Religionswissenschaft der LMU München von 2001 bis 2003, nahm sie von 2004 bis 2009 eine Stelle als Assistenzprofessorin für Religionswissenschaft an der Universität Zürich an. Sie schrieb 2008 ihre Habilitationsschrift mit dem Titel „Bruch und Kontinuität: Die Bedeutung der Todesrituale für die Parsen in Bombay“[5] und ist seit 2010 außerordentliche Professorin am Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Zürich. Zu ihren derzeitigen Forschungsbereichen zählen religiöse Gegenwartskulturen, Ritualstudien, Qualitative Religionsforschung, Systematische Religionswissenschaft und Zoroastrismus.[6]

2.2. Dr. phil. Rafael Walthert

Rafael Walthert wurde 1978 geboren. Er studierte Soziologie, Religionswissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich und ist dort seit 2004 Assistent am Religionswissenschaftlichen Seminar. Er promovierte 2009 mit einer Dissertation über „Reflexive Gemeinschaft: Religion, Tradition und Konflikt bei den Parsi Zoroastriern in Indien“[7] und war 2010 ein Semester lang als Gastwissenschaftler an der Universität Göttingen tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind wie bei Lüddeckens religiöse Gegenwartskulturen, Systematische Religionswissenschaft und Qualitative Religionsforschung. Außerdem interessiert er sich besonders für Religionssoziologie, Quantitative Religionsforschung und gegenwärtige indische Religionsgemeinschaften.[8]

2.3. Zusammenarbeit

Aufgrund ihrer ähnlichen Forschungsinteressen und ihrer gemeinsamen Tätigkeit an der Universität Zürich arbeiten Lüddeckens und Walthert des Öfteren zusammen an Werken und Projekten. Sie sind beispielsweise die Herausgeber des Sammelbandes „Fluide Religion: Neue religiöse Bewegungen im Wandel: Theoretische und empirische Systematisierungen“[9] und haben die darin publizierten Artikel „Fluide Religion: Eine Einleitung“ und „Das Ende der Gemeinschaft? Neue religiöse Bewegungen im Wandel“ gemeinsam verfasst. Außerdem arbeiten sie im Rahmen des Schweizer Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 58 „Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft“ gemeinsam an einigen Projekten, wie beispielsweise „Religiöse Pluralität, Differenzwahrnehmung und Konflikt“.[10]

3. Theoretisches Konzept: Fluide Religion

3.1. Fluidität und Religiosität

Bei der Beschäftigung mit Neuen religiösen Bewegungen stellen Lüddeckens und Walthert fest, dass diese Gemeinschaften seit einigen Jahren Mitglieder verlieren. Während zahlreiche Neue religiöse Gruppen daraufhin aufgelöst werden, sind andere wiederum im Wandel begriffen.[11] In dem Sammelband „Fluide Religion“ thematisieren sie diese Veränderung des neureligiösen Feldes. Sie stellen die These auf,

[...]


[1] siehe http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/311210_menschen-bei-maischberger/10542266_die-salafisten-kommen (23.08.2012)

[2] Hemminger, Hansjörg: „Religion und Kirche im 21. Jahrhundert: Aussagen zu Trends zwischen Wiederkehr der Religion und neuem Atheismus“, Vortrag in Ludwigsburg, 2012.

[3] vgl. ebd. und Hemminger, Hansjörg: „Mit der Bibel gegen die Evolution: Kreationismus und ‚intelligent Design‘ kritisch betrachtet“, in: EZW-Texte 195, Berlin: EZW, 2007, S.73.

[4] siehe Lüddeckens, Dorothea: Das Weltparlament der Religionen von 1893: Strukturen der interreligiösen Begegnung im 19. Jahrhundert, Berlin und New York: De Gruyter, 2002.

[5] siehe Lüddeckens, Dorothea: Bruch und Kontinuität: Die Bedeutung der Todesrituale für die Parsen in Bombay, Zürich: Unveröffentlichte Habilitationsschrift, 2008.

[6] vgl. http://www.religionswissenschaft.uzh.ch/seminar/personenliste/lueddeckens.html (19.08.2012)

[7] siehe Walthert, Rafael: Reflexive Gemeinschaft: Religion, Tradition und Konflikt bei den Parsi Zoroastriern in Indien, (Religion in der Gesellschaft, Band 29), Würzburg: Ergon, 2010.

[8] vgl. http://www.religionswissenschaft.uzh.ch/seminar/personenliste/walthert.html (19.08.2012)

[9] vgl. Lüddeckens, Dorothea und Rafael Walthert (Hrsg.): Fluide Religion: Neue religiöse Bewegungen im Wandel: Theoretische und empirische Systematisierungen, Bielefeld: transcript, 2010.

[10] vgl. http://www.religionswissenschaft.uzh.ch/seminar/personenliste/walthert.html (19.08.2012) und http://www.research-projects.uzh.ch/a1126.htm (19.08.2012)

[11] vgl. Lüddeckens, Dorothea und Rafael Walthert: „Fluide Religion: Eine Einleitung“, in: Dorothea Lüddeckens und Rafael Walthert (Hrsg.): Fluide Religion: Neue religiöse Bewegungen im Wandel: Theoretische und empirische Systematisierungen, Bielefeld: transcript, 2010, S.9 (im Folgenden: Lüddeckens und Walthert: „Fluide Religion: Eine Einleitung“).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Fluide Religionen. Das Beispiel Scientology
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V275766
ISBN (eBook)
9783656687900
ISBN (Buch)
9783656687924
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fluide, religionen, beispiel, scientology
Arbeit zitieren
Véronique Becker (Autor), 2012, Fluide Religionen. Das Beispiel Scientology, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275766

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