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Beurteilungskriterien für Textinterpretationen anhand von Kafkas "Hungerkünstler". Möglichkeiten der Interpretationskritik

Título: Beurteilungskriterien für Textinterpretationen anhand von Kafkas "Hungerkünstler". Möglichkeiten der Interpretationskritik

Proyecto/Trabajo fin de carrera , 2007 , 118 Páginas , Calificación: 15,00

Autor:in: Natalie Bogenschütze (Autor)

Filología alemana - Otros
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Diese Arbeit steht in der Tradition der Analytischen Philosophie der Literaturwissenschaft und ist ein Versuch, Prinzipien für eine "gute Praxis" des Interpretierens zu definieren. Die "Wissenschaftlichkeit" der Literaturwissenschaft hängt entscheidend davon ab, dass sich Kriterien zur Bewertung unterschiedlicher Interpretationen benennen lassen, die idealiter auch definitive Falsifikationskriterien beinhalten.

Im ersten Teil der Arbeit wird in Anlehnung an Konzepte der analytischen Literaturwissenschaft - die rekonstruiert und synthetisiert, aber auch eigenständig korrigiert, reformuliert und ergänzt werden - ein Kriterienkatalog zur Bewertung von Interpretationen entwickelt. Dessen Grundlage ist die Unterscheidung der Sprachhandlungen "Beschreibung", "Auslegung", "Gesamtdeutung" und "Argumentation" sowie die Formulierung von Kriterien für die "geglückte" literaturwissenschaftliche Durchführung dieser Sprachhandlungen.

Im zweiten Hauptteil wird der so gewonnene Kriterienkatalog auf zwei Interpretationen von Kafkas Erzählung "Ein Hungerkünstler" angewendet; Verstöße gegen die festgelegten "Glückensbedingungen" werden aufgezeigt und diskutiert.

Abschließend werden die Ergebnisse der Interpretationsevaluationen genutzt, um den aufgestellten Kriterienkatalog zu überprüfen und zu modifizieren. Die Modifikation führt vor allem zu seiner Stärkung der Kriterien "Differenziertheit" und "Spezifität".

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Konzepte und Intentionen der Analytischen Literaturwissenschaft

2. Überlegungen zum Status von Textinterpretationen:

3. Evaluationskriterien der Textinterpretation

3.1 Die literaturwissenschaftliche Beschreibung

3.2 Die Auslegung

3.3 Die Deutung

3.4 Die literaturwissenschaftliche Argumentation

3.5 Zusammenfassung

4. Die Evaluationskriterien in der Praxis

4.1 Vorüberlegungen

4.2 Modifikationen

4.3 Anwendung

4.3.1 Michael Müller: Ein Hungerkünstler

4.3.2 R. W. Stallmann: A Hunger-Artist

5. Evaluationstheoretische Konsequenzen

5.1 Differenziertheit der Begründung

5.2 Differenziertheit der Beschreibung

5.3 Differenziertheit der Auslegung

5.4 Spezifität der Auslegung

5.5 Plausibilität der Deutung

Schlussbemerkung

Literatur

Zielsetzung & Themen

Ziel der Arbeit ist es, die in der Analytischen Literaturwissenschaft entwickelten Evaluationskriterien für Textinterpretationen auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen und um notwendige Bedingungen zu ergänzen, um eine wissenschaftlich fundierte Beurteilung von Interpretationen zu ermöglichen.

  • Analyse und Kritik bestehender methodischer Ansätze in der Literaturwissenschaft.
  • Entwicklung und Modifikation sprechakttheoretischer Evaluationskriterien (Beschreibung, Auslegung, Deutung, Argumentation).
  • Systematische Überprüfung der Kriterien anhand konkreter Interpretationsbeispiele zu Kafkas "Hungerkünstler".
  • Erarbeitung evaluationstheoretischer Konsequenzen zur Verbesserung der literaturwissenschaftlichen Argumentationspraxis.

Auszug aus dem Buch

3. Evaluationskriterien der Textinterpretation

Werner Strube beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit sprachanalytischen Untersuchungen der Wertäußerungen von Literaturwissenschaftlern. Dazu gehören nicht nur ästhetische Wertäußerungen, sondern auch Werturteile über literaturwissenschaftliche Textinterpretationen. Auf die schwierige Frage, was bei einer Interpretation eigentlich zu bewerten sei, bietet sein sprechakttheoretisches Rahmenmodell eine interessante und bislang einzigartig differenzierte Antwort.

Sprachpragmatisch vorgehend, zerlegt Strube zunächst die Tätigkeit des interpretierenden Literaturwissenschaftlers in die einzelnen Sprechakte des »fachsprachlichen Beschreibens«, des »Auslegens«, des »Deutens« und des »Argumentierens«. Sie bilden die faktischen Bezugsgrößen bei seiner Suche nach Bewertungskriterien. Strube geht dabei Austins »Weg über die Unglücksfälle«, d.h. er versucht die Fehler bzw. »Regelverstöße« zu rekonstruieren, die beim Realisieren der einzelnen Sprechakte gemacht werden können. Anhand dieser Verstöße, bei welchen es sich um »klare« und »unzweideutige« Fälle handelt, werden besagte Kriterien ex negativo ermittelt. Viele der Kriterien, auf die sich Strubes Überlegungen beziehen, wurden bereits von anderen Theoretikern der Literaturwissenschaft genannt. Sein Ziel ist es »die betreffenden Begriffe zu sammeln, zu klären und in eine systematische Ordnung zu bringen.«

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Projekt der Analytischen Literaturwissenschaft als Antwort auf die Grundlagenkrise und Skizzierung der Zielsetzung zur Evaluation von Interpretationspraxen.

1. Konzepte und Intentionen der Analytischen Literaturwissenschaft: Darstellung der theoretischen Positionen und der Abgrenzung zur hermeneutischen Tradition durch wissenschaftstheoretische Anforderungen wie terminologische Klarheit und Nachprüfbarkeit.

2. Überlegungen zum Status von Textinterpretationen:: Untersuchung der Frage nach Objektivität und Methodik in Interpretationen sowie Diskussion der Schwierigkeit, einheitliche methodische Arbeitsschritte in der Literaturwissenschaft zu definieren.

3. Evaluationskriterien der Textinterpretation: Einführung des sprechakttheoretischen Modells zur Bewertung von Beschreibungen, Auslegungen, Deutungen und Argumentationen mittels Glückensbedingungen.

4. Die Evaluationskriterien in der Praxis: Kritische Anwendung der zuvor entwickelten Kriterien auf Interpretationen von Michael Müller und R. W. Stallmann zu Kafkas "Hungerkünstler" unter Berücksichtigung notwendiger Modifikationen.

5. Evaluationstheoretische Konsequenzen: Zusammenfassende Auswertung der Analyseergebnisse und Formulierung weiterführender Kriterien wie der Differenziertheit der Begründung und Auslegung.

Schlüsselwörter

Analytische Literaturwissenschaft, Textinterpretation, Interpretationskritik, Sprechakttheorie, Evaluationskriterien, Fachsprachliche Beschreibung, Auslegung, Deutung, Argumentation, Plausibilität, Kafka, Hungerkünstler, Wissenschaftstheorie, Methodik, Sprachanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluation von literaturwissenschaftlichen Textinterpretationen auf der Grundlage sprachanalytischer Methoden und sprechakttheoretischer Modelle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Analytischen Literaturwissenschaft, die kritische Überprüfung von Evaluationskriterien für literarische Interpretationen und deren praktische Anwendung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Praxistauglichkeit bestehender Kriterien (wie empirische Richtigkeit, Relevanz, Zweckmäßigkeit) zu testen und durch neue, modifizierte Anforderungen wie "Differenziertheit" zu ergänzen, um eine wissenschaftlich präzisere Bewertung zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf die sprachanalytische Philosophie, insbesondere auf das sprechakttheoretische Modell von Werner Strube, sowie auf Ansätze der Ordinary Language Philosophy.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil evaluiert Interpretationen von Kafkas "Hungerkünstler" durch Michael Müller und R. W. Stallmann, um die Gültigkeit der theoretischen Kriterien in der praktischen Anwendung zu prüfen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Zu den zentralen Begriffen zählen Textinterpretation, Sprechakttheorie, Evaluationskriterien, Plausibilität, Analytische Literaturwissenschaft und Wissenschaftstheorie.

Warum hält der Autor die Interpretation von Michael Müller für problematisch?

Die Arbeit von Müller wird als substanzlos und methodisch chaotisch kritisiert, da sie wesentliche Textmerkmale ignoriert oder überinterpretiert und ihre Hypothesen unzureichend begründet.

Was bemängelt der Autor an R. W. Stallmanns Interpretation?

Obwohl Stallmann systematischer vorgeht, weist seine Arbeit logische Widersprüche und eine unklare Verwendung von Begriffen (z.B. "allegorisch") auf, die dazu führen, dass viele seiner Deutungen als implausibel eingestuft werden.

Welche Rolle spielt Franz Kafka in dieser Arbeit?

Franz Kafkas Erzählung "Ein Hungerkünstler" dient als zentrales Fallbeispiel, anhand dessen verschiedene Interpretationsansätze und deren jeweilige Stärken und Schwächen systematisch evaluiert werden.

Was bedeutet der Begriff "Differenziertheit" im Kontext dieser Arbeit?

Differenziertheit ist ein von der Autorin eingeführtes Kriterium, das fordert, dass Interpretationen auch solche Aspekte berücksichtigen müssen, die eigene Hypothesen relativieren oder in Frage stellen könnten, um nicht undifferenziert zu verfahren.

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Detalles

Título
Beurteilungskriterien für Textinterpretationen anhand von Kafkas "Hungerkünstler". Möglichkeiten der Interpretationskritik
Universidad
Saarland University
Calificación
15,00
Autor
Natalie Bogenschütze (Autor)
Año de publicación
2007
Páginas
118
No. de catálogo
V359030
ISBN (Ebook)
9783668437906
ISBN (Libro)
9783668437913
Idioma
Alemán
Etiqueta
Interpretation Literatur Literaturwissenschaft Textinterpretation Analytische Literaturwissenschaft Ein Hungerkünstler Franz Kafka Beurteilung Kriterien Beurteilungskriterien Interpretationen Textinterpretationen Literaturanalyse
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Natalie Bogenschütze (Autor), 2007, Beurteilungskriterien für Textinterpretationen anhand von Kafkas "Hungerkünstler". Möglichkeiten der Interpretationskritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359030
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