In der vorliegenden Arbeit sollen ausgehend von einer konstruktivistischen Modellierung des Wissenstransfers Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Transferarbeit des Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes formuliert werden. Die Verbesserung des Transfers realisiert sich dabei weniger über die Optimierung transferförderlicher Faktoren, als vielmehr über die Kompensierung transferhemmender Einflüsse, welche in der Linguistik unter dem Begriff des Transferproblems subsummiert werden.
Das Transferproblem erweist sich bei näherer Betrachtung als Komplexitätsproblem des zu transferierenden Wissens selbst. Im Zuge der Ausdifferenzierung des Wissens entwickeln sich modularisierte Wissensgebiete mit je eigenen Sprachspielen. Die mit der Komplexitätszunahme des Wissens sinkende Kompatibilität dieser Sprachspiele wirkt als Transferbarriere, die es zur Verbesserung des Wissenstransfers zu überwinden gilt. Unser Lösungsvorschlag ist die Reduktion der Komplexität, durch die Etablierung von Meta-Sprachspielen, über die jeweils zwischen zwei Wissensgebieten kommunikativ vermittelt und Wissen transferiert werden kann. Daher zielen die abschließenden Handlungsempfehlungen auf die effiziente und effektive
Bildung solcher Meta-Sprachspiele im Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz ab. Die Strategie zur Erreichung dieses Ziels ist die frühzeitige Integration der Praxis in den Forschungsprozess, um langfristigen, intensiven, partnerschaftlichen und damit erfolgreichen Transfer von Wissen zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Transferproblem
1.1 Begründung der Auswahl des Anwendungsbeispiels Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz
1.2 Die spezifische Transferproblematik im Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz
1.3 Die universelle Transferproblematik
1.4 Zusammenfassung
2. Theoretische Modellierung des Wissenstransfers
2.1 Die Theorie der Geschichten und Diskurse von Siegfried J. Schmidt
2.1.1 Überwindung kognitiver Autonomie in Geschichten und Diskursen
2.1.2 Die operative Fiktion
2.1.3 Die Rolle des Zeichens beim Aufbau des Wirklichkeitsmodells
2.2 Die semiologische Sprachidee
2.3 Die Transkriptionstheorie von Ludwig Jäger
2.3.1 Skriptur: Präskript vs. Transkript
2.3.2 Intramediale und intermediale Bezugnahme
2.3.3 Adressierung und Lesbarkeit
2.3.4 Attribuierung und Inszenierung von Sinn
2.3.5 Störung und Transparenz
2.3.6 Transfer vs. Aneignung von Wissen
2.4 Zusammenfassung
3. Theoretischer Lösungsweg
3.1 Sprachspiel – Wissen – Wirklichkeit
3.2 Das Erlernen von Sprachspielen
3.3 Integration des Rezipienten in die Wissensproduktion
3.4 Kompensierung der Dispersion des Wissens
3.5 Übersicht der theoretischen Lösungsvorschläge
4. Handlungsempfehlungen für den Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, basierend auf einer konstruktivistischen Modellierung des Wissenstransfers, Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Transferarbeit im Bereich des präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes abzuleiten, wobei der Fokus primär auf der Kompensierung transferhemmender Einflüsse liegt.
- Konstruktivistische Modellierung des Wissenstransfers
- Analyse des Transferproblems im Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz
- Die Theorie der Geschichten und Diskurse von Siegfried J. Schmidt
- Ludwig Jägers Transkriptionstheorie
- Etablierung von Meta-Sprachspielen zur Wissensvermittlung
- Integration der Praxis in den Forschungsprozess
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Skriptur: Präskript vs. Transkript
Wie genau vollziehen sich die Verfahren der Transkription? Bei der Transkription werden Skripturen zu neuen Skripturen transkribiert. „Skripturen“ sind symbolische Strukturen, die im Haushalt der Kulturen zirkulieren oder im kulturellen Gedächtnis gespeichert sind (Jäger 2008b: 107 ff). Darunter fallen Bilder, Partituren, Texte, aber genauso auch aufgezeichnete oder im Vollzug befindliche Performanzen der Sprache, der Musik oder der Künste. Mittels transkriptiver Verfahren entstehen z.B. die schriftliche Zusammenfassung eines Buches, das Remake eines Filmes, genauso aber auch die Verfilmung eines Buches oder die schriftliche Zusammenfassung eines Filmes. Terminologisch kann diese Original-Ableitungs-Beziehung durch die Dichotomie der Begriffe Prä- und Transkript erfasst werden. Prä- und Transkript werden alternativ zum Oberbegriff Skriptur verwendet, wenn der mediale Status der Skriptur näher bestimmt werden soll, entweder als vor oder nach dem Transkriptionsprozess liegend.
Die Begriffe verweisen daher nicht auf ontische Eigenschaften symbolischer Strukturen, sondern können nur relational verwendet werden (Jäger 2008b: 109). Transkript ist die Bezeichnung der Skriptur als Output des Prozesses, während Präskripte den Prozess-Input darstellen; durch die Transkription ist ein Transkript aus einem Präskript transkribiert worden. Wir verwenden hier die Vergangenheits-Formulierung, da eine Skriptur nur rückblickend auf den transkribierten Originalfilm als Transkript bezeichnet werden kann, während der Originalfilm den Status des Präskripts erst durch den Prozess des Transkribiert-Werdens erhalten hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Transferproblem: Das Kapitel führt in die Problematik ein, dass Wissen in modularisierten Gebieten mit spezifischen Sprachspielen produziert wird, was zu Transferbarrieren führt.
2. Theoretische Modellierung des Wissenstransfers: Es wird ein konstruktivistisches Instrumentarium entwickelt, das auf der Theorie von Schmidt und der Transkriptionstheorie von Jäger basiert.
3. Theoretischer Lösungsweg: Der Lösungsweg schlägt die Etablierung von Meta-Sprachspielen durch direkte Interaktion und die Integration der Praxis vor.
4. Handlungsempfehlungen für den Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz: Dieser Teil operationalisiert die theoretischen Forderungen in konkrete Empfehlungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel resümiert die Arbeit und betont die notwendige Neukonzipierung des Verhältnisses zwischen Forschung und Praxis.
Schlüsselwörter
Wissenstransfer, Konstruktivismus, Transkriptionstheorie, Sprachspiel, Meta-Sprachspiel, Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz, Komplexität, Wissen, Kommunikation, Störung, Transparenz, Adressierung, Praxisintegration, Medialität, Wissensaneignung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Transferproblem von wissenschaftlichem Wissen in die unternehmerische Praxis, spezifisch im Bereich des präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes, aus einer konstruktivistischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Modellierung von Wissenstransfer, die Theorie der Geschichten und Diskurse nach Schmidt sowie die Transkriptionstheorie nach Jäger.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Ableitung von Handlungsempfehlungen, um durch die Bildung von Meta-Sprachspielen die Transferarbeit zwischen Forschung und Praxis effizienter und effektiver zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer konstruktivistischen und sprachwissenschaftlichen Analyse von Wissenstransferprozessen und deren theoretischer Modellierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet ein theoretisches Instrumentarium auf Basis der Theorie von Siegfried J. Schmidt und der Transkriptionstheorie von Ludwig Jäger, um das Transferproblem als Folge ausdifferenzierter Sprachspiele und Wissensdispersion zu analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wissenstransfer, Konstruktivismus, Sprachspiel, Transkriptionstheorie, Meta-Sprachspiel, Wissensaneignung.
Warum wird der Begriff "Transfer" im Laufe der Arbeit kritisch hinterfragt?
Aus streng konstruktivistischer Sicht ist ein direkter "Transfer" von Wissen unmöglich; stattdessen findet eine Wissensaneignung durch inferentielle Konstruktionsleistungen der Rezipienten statt.
Wie trägt die "Transkriptionstheorie" zur Lösung bei?
Sie erklärt die Genese kultureller Semantik und zeigt auf, dass durch interaktive Bearbeitung von Störungen neue Sprachspiele und somit ein besseres Verständnis zwischen verschiedenen Wissensgebieten entstehen kann.
- Arbeit zitieren
- Max Haarich (Autor:in), 2010, Wissenstransfer durch Transkription, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150200