Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
1.1. Fernsehnutzung und Sehdauer 4
1.2. Ziel und Abgrenzung des Themas 5
1.3. Aufbau der Arbeit 7
2. UNTERSUCHUNGSOBJEKT „INTERAKTIVES FERNSEHEN“ EINE
THEORETISCHE BESCHREIBUNG 8
2.1. Begriffliche Definitionen 8
2.1.1. Interaktivität 8
2.1.2. Interaktives Fernsehen 11
2.1.3. Konvergenz 13
2.1.4. Multimedia 15
2.1.5. Medien und Neue Medien 16
2.2. Rahmenbedingungen für das interaktive Fernsehen 17
2.2.1. Veränderte technische Rahmenbedingungen 18
2.2.2. Veränderte ökonomische Rahmenbedingungen 19
2.2.3. Veränderte medienrechtliche und politische Bedingungen 20
2.3. iTV Technische Grundlagen 22
2.3.1. Derzeitige technische Gegebenheiten in Deutschland 22
2.3.1.1. Das TV-Kabel 23
2.3.1.2. Der Satellitenempfang 23
2.3.1.3. Der terrestrische Empfang 24
2.3.1.4. Online Bereich 24
2.3.1.5. Entwicklung der TV-Empfangsarten 24
2.3.2. Notwendige Standardisierungen 25
2.3.2.1. Die internationalen Gremien 26
2.3.2.2. Das Europäische DVB-Projekt und DVB-MHP 27
2.3.3. Sendetechnik 30
2.3.3.1. Inhalteproduktion 31
2.3.3.2. Datenpakete und ihre Aufbereitung 32
2.3.3.3. Übertragungsstandards und Übertragungsverfahren 38
2.3.3.4. Digitale Medien zur Signalübertragung und deren Rückkanalfähigkeit 39
2.3.4. Empfängertechnik 47
2.3.4.1. Die Set-Top Box 47
2.3.4.2. Digitale Ausgabemedien und Zusatzgeräte für interaktives Fernsehen 50
2.3.4.3. Betriebssystem und Middleware von OpenTV und der MHP-Standard 52
2.4. Konvergenzprozess zwischen Internet und Fernsehen 56
2.5. Zu erwartende Probleme der neuen Fernsehwelt 60
2.5.1. Schwierige Handhabung der Geräte 60
2.5.2. Definition der Zielgruppe 61
2.5.2.1. Die kritische Masse 61
2.5.2.2. Netzeffekte 62
2
2.5.2.3. Nutzen führt zu Markterfolg 63
2.5.3. Preisbildung und Zahlungsbereitschaft für iTV 64
2.5.3.1. Preisbildung auf Anbieterseite 65
2.5.3.2. Zahlungsbereitschaft auf Kundenseite 67
2.5.4. Sicherheit innerhalb des Systems 68
2.5.4.1. Sicheres Bezahlen 68
2.4.4.2. Jugendschutz 69
3. DIE ZUKUNFT DES FERNSEHENS 72
3.1. Anwendungsbereiche des interaktiven Fernsehens und Navigation innerhalb
des Systems 72
3.1.1. Video-on Demand und weitere on-Demand Dienste 73
3.1.2. Home-Services am Beispiel Home-Shopping 74
3.1.3. E-Lerning 76
3.1.4. Kommunikationsdienste 76
3.1.5. Navigation innerhalb des iTV 77
3.2. iTV-Geschäftsmodelle und Zuschauerbindung durch Interaktivität 79
3.2.1. ZDF Vision 79
3.2.2. RTL Television Interaktiv 84
3.2.3. Zuschauerbindung durch Interaktivität 85
3.3. Aktuelle Situation und Zukunft des interaktiven Fernsehens in Deutschland 88
3.3.1. Aktuelle Situation des iTV 88
3.3.2. Zukunftsprognose für das interaktive Fernsehen in Deutschland 90
4. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT 94
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 97
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 100
QUELLENVERZEICHNIS 102
3
1. EINLEITUNG
„Verlassene Einkaufszentren, geschlossene Kinos, leere Zeitungsstände. Alles tot. Die Zukunft ist einsam: Nur Du und Dein Fernseher. Einkaufen per Knopfdruck, Filme nach Maß, flimmernde Zeitschriften. Alles kommt aus der Kiste. Das Leben wird zum Pro-
1.1.Fernsehnutzung und Sehdauer
Mit der Fernbedienung durch die Welt – einfach und bequem vom Sofa aus. Die Vision ist nicht neu, aber erst in den vergangenen rund zehn Jahren nahm sie gestalt an, in Form des „interaktiven Fernsehens“ (iTV). Durch die Verschmelzung von Fernseher und Computer wird nun auch im heimischen Wohnzimmer ein weiterer Schritt in Richtung Multimediaumgebung getan. Digitalisierung, Datenreduktion und eine erhebliche Erhöhung von Übertragungskapazitäten sollen es möglich machen, dass wir in Zukunft nicht mehr im Arbeitszimmer, oder wo auch immer der PC in der Wohnung steht, Emails abfragen müssen, während nebenan im Wohnzimmer die Hauptnachrichten laufen. Warum nicht beides gleichzeitig mit ein und demselben Gerät machen können? Bereits in den 90er Jahren zeigten Pilotversuche in Deutschland und den USA, dass dies technisch durchaus möglich ist und in naher Zukunft auch realisiert werden kann.
„Alleine der zeitliche Umfang der Mediennutzung an einem Durchschnittstag (Montag bis Sonntag, 5.00 bis 24.00 Uhr) ist von 1995 bis 2000 um 151 Minuten auf rund achteinhalb Stunden gestiegen. Somit verbringen die Bundesbürger heute etwa die Hälfte der ‚wachen’ Zeit (von ca. 19 Stunden) mit Medien [...] Dabei entfallen 37 Prozent auf das Fernsehen“ 1 . Im Jahr 2003 sahen die Zuschauer ab 3 Jahre täglich, wie die folgende Abbildung zeigt, durchschnittlich 203 Minuten fern 2 .
1 Vgl. Gerhards und Klingler (2003), S. 115 f.
2 http://www.agf.de ... 13.05.04
4
Abbildung 1: Entwicklung der durchschnittlichen Sehdauer pro Tag/Person in Minuten von 1988 bis 2003 3
Diese Entwicklung ist nicht weiter verwunderlich, ist doch mit dem Aufkommen der privaten Fernsehprogramme seit 1984 nicht nur das Monopol der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD, ZDF und der Dritten Programme gebrochen, sondern auch eine Zunahme der Unterhaltungsvielfalt festzustellen: Talk- und Gameshows, Unterhaltungsserien, Soap-Operas, Nachrichtensendungen – ob leichte Abendunterhaltung oder fundiert recherchierte Themen, inzwischen bietet der Fernseher mehr als nur „stupide“ Unterhaltung.
1.2. Ziel und Abgrenzung des Themas
Sowohl auf dem Feld der Fernsehproduktion, als auch bei Signalverbreitung und Empfang haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Neuerungen hervorgetan, die berechtigten Anlass zu der Frage geben, wie es mit der alten „Glotze“ weitergeht. Fest steht bereits zu diesem Zeitpunkt: Couch Potatoes 4 wird es in Zukunft nicht mehr geben! An ihre Stelle sollen aktive Fernsehzuschauer treten, die nicht nur den Samstagskrimi quasi als eigener Regisseur mitgestalten, sondern nebenher auch diverse private oder geschäftliche Angelegenheiten über das Internet erledigen, für die bisher eigens hätte der Computer angeschaltet werden müssen - und das alles bequem vom Fernsehsessel aus. Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, das innovative System des „interaktiven
3 http://www.agf.de ... 13.05.04
4 Beliebte Bezeichnung für passiven Fernsehzuschauer.
5
Fernsehens“ vorzustellen. Um dies in angemessner Form vornehmen zu können, ist ein detaillierter Blick auf die, zum Einsatz kommende Technik, ebenso notwendig, wie die Vorstellung der Anwendungsmöglichkeiten, die mittels interaktivem Fernsehen umgesetzt werden können.
„Ihr heutiger Fernsehapparat ist wahrscheinlich das dümmste Elektrogerät in ihrem Haushalt“ 5 – Dieser, wenn auch etwas provokative Satz, scheint in der Vergangenheit durchaus seine Berechtigung gehabt zu haben. Doch bereits seit einigen Jahren verändert sich das passive Fernseh- hin zu einem aktiven Unterhaltungserlebnis. Hierzu zählen die, seit einigen Jahren beliebten Telefonspiele mit (attraktiven) Gewinnen, die den Zuschauer aus seiner Untätigkeit herausholen. Mit derartigen Mitmach-Elementen wurden erste Schritte hin zu einem interaktiven Fernsehkonsum unternommen. Um aus dem TV-Gerät allerdings ein Allround-Unterhaltungsmedium werden zu lassen, sind weitere Neuerungen notwendig: Dank Digitalisierung und damit einhergehenden Kompressionsraten um das acht bis zehnfache sollen Qualitäten erhalten bleiben und bald unter bis zu 500 Kanälen ausgewählt werden können, darunter zunehmend sog. „Spartenkanäle“, wie beispielsweise der Anglerkanal und der Kochkanal, sowie multimediale Anwendungen und Dienste, wie etwa das Abfragen der aktuellsten Börsenkurse, Emails und weiterführender Informationen zu diversen Themengebieten, die dem laufenden Programm direkt zugeordnet werden können. Hiermit würde, oft mühseliges, Suchen in den Tafeln des Videotextes oder im Internet entfallen. Der Zuschauer soll hierbei zum Nutzer avancieren, dem neben rein textlichen Angeboten auch Grafiken und Bilder zur Verfügung gestellt werden können.
Die vorliegende Arbeit möchte einen Überblick geben, welche Voraussetzungen hier zulande geschaffen werden müssen, um interaktives Fernsehen in die deutschen Wohnzimmer zu bringen und so eine Verschmelzung von Internet und Fernsehen zu erreichen. Des weiteren sollen die umfassenden Anwendungsmöglichkeiten, die zukünftig neben dem reinen Fernseherlebnis stehen, dargelegt werden. Hierunter fällt zudem die Frage, ob der Fernsehapparat sämtliche Funktionen des Computers, und damit die Möglichkeiten des Internet, adaptieren oder lediglich als zusätzliches Medium mit Internetzugang im Wohnzimmer stehen wird. Um hierauf eine Antwort geben zu können, soll dargelegt werden, wie interaktiv das Fernseherlebnis der Zukunft wirklich sein kann.
5 Negroponte (1997), S. 29
6
1.3. Aufbau der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in vier Teile: Dieser kurzen Einleitung folgt die genaue Darstellung des Untersuchungsobjekts „interaktives Fernsehen“. Hier finden sich nicht nur alle relevanten Definitionen, sondern auch die technischen Voraussetzungen, die für die Schaffung eines interaktiven Fernsehangebots notwendig sind. Sie beinhalten unter anderem die notwendigen Standardisierungen, Sende- und Empfangstechniken. Besonderes Augenmerk wird auf die Decoderbox, die sog. Set-Top-Box, gelegt, da sie im hier untersuchten Gebiet als essentielles Gerät für den Fernsehgenuss dient. Abschließend wird in diesem Kapitel die Funktionsweise des iTV näher erläutert und auch auf einige Schwachpunkte der neuen Technik hingewiesen.
Das dritte Kapitel soll einen detaillierteren Überblick über die Zukunft des Fernsehens geben. Das Augenmerk soll hier zunächst auf zwei Geschäftsmodelle großer Fernsehsender gerichtet und gefragt werden, wie die Zuschauerbindung innerhalb dieser Umsetzungen genau erreicht werden soll. Ausgewählte Verwendungsmöglichkeiten werden in diesem Abschnitt ebenso betrachtet, wie das Navigations-Tool in diesem Bereich, der Electronic Program Guide, der im interaktiven Fernsehen die herkömmlichen Fernsehzeitschriften ersetzen soll. Abschließend soll hier ein Blick auf die derzeitige Entwicklungs- beziehungsweise Umsetzungssituation im Untersuchungsgebiet geworfen werden.
Im abschließenden Kapitel soll ein persönliches Fazit zum Thema „interaktives Fernsehen“ gezogen werden.
7
2. UNTERSUCHUNGSOBJEKT „INTERAKTIVES FERNSEHEN“ – EINE THEORETISCHE BESCHREIBUNG
„Die Entwicklung des interaktiven Fernsehens führt vom Broadcasting über ein markt-orientiertes Narrowcasting zum Personalcasting, das Fernsehen entwickelt sich auf der
Dieses Kapitel beginnt mit der Definition der, für das weitere Verständnis wichtigen, Grundbegriffe. Im Anschluss werden zunächst die verschiedenen Rahmenbedingungen beleuchtet, die für die technische Umsetzung notwendig sind. Anschließend werden die technischen Grundlagen dargestellt und nach der Konvergenz zwischen Internet und Fernsehen gefragt werden. Zum Abschluss werden einige allgemeine Probleme des iTV näher betrachtet.
2.1. Begriffliche Definitionen
In diesem Abschnitt werden zunächst die wesentlichen Begriffe definiert. Auf eine ausführliche Diskussion soll in diesem Rahmen verzichtet werden und stattdessen auf die entsprechende Literatur verwiesen. Weitere, für das Verständnis weniger relevante Definitionen, werden an entsprechender Stelle nachgereicht.
2.1.1. Interaktivität
Interaktivität spielt im Rahmen des iTV eine entscheidende Rolle. Sie steht für die Dialogfähigkeit, d. h. der Fernsehzuschauer tritt mit der Anwendung, die er auf dem Fernsehbildschirm sieht in einen Kommunikationsprozess. Für das hier untersuchte Feld wird „zwischen lokaler Interaktivität, die als Bildschirmdialog im Rahmen des Funktionsumfangs von Softwareprogrammen entsteht, und einer über Rückkanal erweiterten Interaktivität, über die der Zuschauer mit anderen Zuschauern oder einem Server des Programmanbieters in Kontakt treten kann“ 6 , unterschieden.
6 ZDF Schriftenreihe 58 (2000), S. 71
8
In dieser Arbeit soll auf die Definition von BÖCK-BACHFISCHER für die Interaktivität bei den Medien verwiesen werden:
Um Interaktivität zu erreichen, müssen laut RUHRMANN und NIELAND diverse Kriterien erfüllt sein, die sich, wie folgende Abbildung zeigt, in wechselseitige Wahrnehmung, Anwesenheit, wechselseitige Kenntnis und Gleichheit der Kontrolle aufgliedern.
In Bezug auf die wechselseitige Wahrnehmung stellen RUHRMANN und NIELAND fest, dass beim interaktiven Fernsehen, die Wahrnehmbarkeit dadurch erweitert werden kann, dass dem Nutzer die Möglichkeit gegeben wird, sowohl Bewertungen, Präferenzen, als auch eigene Kommunikationsangebote auf zusätzlichen Kanälen simultan rück zumelden. Eine unmittelbare Anwesenheit der Interakteure wird beim iTV nicht mehr
7 Böck-Bachfischer (1996), S. 12
8 Ruhrmann/Nieland (1997), S. 84
9
vorausgesetzt, vielmehr wird eine sog. „Telepräsenz“ vermittelt, die weltweite, jederzeitige Anwesenheit als Potential für alle Anwender bietet. Anonymität, wie beispielsweise in den Chatrooms im Internet zu beobachten, ist beim interaktiven Fernsehen nicht mehr gegeben. Vielmehr wird teilweise wieder eine wechselseitige Kenntnis des Kommunikationspartners erreicht, die Anonymität demnach quasi partiell aufgehoben. „Potentiell stehen sich Kommunikator und Rezipient als zwei gleichberechtigte Aktanten gegenüber“ 9 . Was die Gleichheit der Kontrolle betrifft, ist für die Massenmedien festzustellen, dass weder die Kontrollierbarkeit noch die Koordinierbarkeit von Seiten des Kommuni-kators, aber auch des Nutzers, beeinflussbar sind. Als problematisch gilt beim iTV demnach die Koordination der Kommunikation, grundstrukturell nähert sie sich allerdings einer interaktiven Weise an. „Interaktives Fernsehen kommt im Unterschied zum traditionellen Fernsehen ohne die Unterstellung vorausgesetzter Zumutbarkeit und Akzeptanz der Kommunikationsangebote aus, da Kommunikator und Rezipient sich gleichzeitig wechselseitig wahrnehmen und so ihre Kommunikationsbereitschaft und ihr Kommunikationsinteresse koordinieren können“ 10 .
Verschiedene Autoren differenzieren den Grad der Interaktivität in vier unterschiedliche Ebenen, um insbesondere Nutzungsmöglichkeiten und –Voraussetzungen anschaulich werden zu lassen und die unterschiedlichen Angebote diversen Niveaus zuordnen zu können. BECKERT stellt die vier Ebenen, unter Bezugnahme auf HÖHING, TREPLIN und SCHARPE, zusammen:
9 Ruhrmann/Nieland (1997), S. 85
10 ebenda, S. 86
11 Beckert (2003), S. 73; siehe hierzu auch Ruhrmann/Nieland (1997), S. 87 ff., die eine Aufteilung in sechs Interaktivitätsstufen vornehmen.
10
Insbesondere zwischen Interaktivitätslevel drei und vier wird, wie in Abbildung 2 ersichtlich, ist ein erheblicher Unterschied erkennbar. Auf Ebene drei kann noch von passiven Elementen gesprochen werden, insbesondere die passive Benutzerführung ist hier zu nennen. Die Inhalte der Medien werden von Anbietern zur Verfügung gestellt, der Nutzer greift nicht selbst ins Geschehen ein, sondern ruft die Einlagen lediglich ab. Hier ist z. B. das sog. „Video on Demand“ (Vod) 12 anzusiedeln, eine Anwendung, die in Kapitel drei genauer dargestellt werden soll. Auf Level vier kann dagegen von einer echten Interaktion zwischen Benutzer und Anbieter gesprochen werden. Der Nutzer ist aufgerufen, sein Programm aktiv zu gestalten, es steht demnach also die kommunikative Interaktion, wie sie z. B. beim Internet oder bei Videokonferenzen vorhanden ist, im Vor-dergrund. In diesem Bereich ist das interaktive Fernsehen anzusiedeln.
Mit Verweis auf CLEMENT sei darauf hingewiesen, dass das derzeit bereits realisierte „digitale Fernsehen in seiner momentanen Ausprägung jedoch durch das eingeschränkte Interaktivitätsniveau lediglich eine Vorstufe dessen bildet, was technisch möglich sein wird“ 13 .
2.1.2. Interaktives Fernsehen
Als Missing-link soll interaktives Fernsehen die, bisher getrennten, Welten des Internet und des Fernsehens verbinden. Hierdurch sollen zahlreiche neue Möglichkeiten der Kommunikation und Unterhaltung entstehen. Hierauf weisen auch BRENNER und KOLBE hin:
Diese Definition aus dem Jahre 1996 erscheint heute für eine präzise Begriffsbestimmung ungenau, da sie lediglich zeigt, was (ungefähr) in Zukunft auf dem Bildschirm des Fernsehgerätes zu sehen sein wird. Die Form der multimedialen, interaktiven Dienstleistungen bleibt im Verborgenen. Diese Ungenauigkeit kann sicherlich u. a. da-
12 AlsVideo on Demand wird das „Fernsehen nach Bedarf“ bezeichnet, d. h. der Zuschauer lässt sich Fernsehinhalte zu einem, ihm beliebigen Zeitpunkt auf Bestellung, individuell zukommen. Das Angebot ist gebührenpflichtig.
13 Clement (2000), S. 17
14 Brenner/Kolbe (1996), S. 339
11
mit begründet werden, dass erst Mitte der 90er Jahre Pilotprojekte zum interaktiven Fernsehen in Deutschland starteten, um die Realisierungsmöglichkeiten diverser Dienstleistungen per TV zu testen. Daher soll von der Definition nach BRENNER und KOL-BE abgerückt und stattdessen eine genauere Spezifikation des interaktiven Fernsehens nach SCHWALB angeführt werden:
Der Autor macht hier deutlich, was vom Fernsehen der Zukunft zu erwarten ist, nämlich der Gebrauch digitaler Signalübertragung und die Möglichkeit Interaktivität zu nutzen. Laut SCHWALB werden die Anwendungen innerhalb des iTV vom Nutzer initiiert, eine Anmerkung, die in der obigen Begriffsbestimmung nach BRENNER und KOLBE nicht vorhanden ist. SCHWALBS Definition stammt aus dem Jahr 2004 und kann daher, inzwischen gewonnene, weitreichende Erkenntnisse aus abgeschlossenen Pilotprojekten und bereits realisierten Umsetzungen (vor allem in den USA) vereinen. Daher soll für die vorliegende Arbeit die Begriffsbestimmung nach BRENNER und KOLBE lediglich von historischer Bedeutung sein und auf SCHWALB zurückgegriffen werden.
Allerdings: Wesentliche Voraussetzung für die Realisierung des iTV ist das Vorhandensein eines Rückkanals 16 . Ohne diesen kann „nur“ von „digitalem Fernsehen“ (dTV) 17 gesprochen werden. Diese Ausprägung wurde bereits mit der Markteinführung der beiden digitalen Fernsehprogramme DF1 18 und Premiere 19 realisiert. Durch die Verwirklichung der digitalen Fernsehtechnik in Deutschland wurde bereits ein wesentlicher Schritt in Richtung iTV unternommen. Hierbei „muss ein Bewegtbild, bevor es vom
15 Schwalb (2004), S. 1
16 Seine genauere Bedeutung wird in Abschnitt 2.3.3.4. beschrieben.
17 Sytem zur „Übertragung von Fernsehsignalen im digitalen Modus. Digitales Fernsehen bietet die Möglichkeit zur Übertragung von erheblich mehr Programmkanälen (zur Zeit circa 500). Erster Anbieter ist die Kirch-Gruppe mit dem Sender DF 1“, Vgl. Ruhrmann/Nieland (1997)S. 264.
18 Der Sender nahm am 28. Juli 1996 seinen Sendebetrieb auf, er verschmolz später mit Premiere (http://www.premiere.de ... 28.03.04).
19 Der Sendebetrieb von Premiere startete am 28. Februar 1991. Am 1. November 1997 ging das Angebot „Premiere digital“ auf Sendung. Rund drei Millionen Abonnementhaushalte zählt der Pay-TV Kanal zum Geschäftsjahresschluss 2003 zu seinen Kunden (http://www.premiere.de ... 28.03.04).
12
Rechner oder über ein Netz übertragen werden kann, von einer analogen in eine digitale Repräsentation überführt werden“ 20 . Der Prozess bildet sich in drei Schritten: Zunächst wird das Bild abgetastet, danach Quantifiziert. Am Ende steht die Kodierung des Inhalts 21 .
Ziel der Bemühungen ist es, für den klassischen Fernseher ein neues Betätigungsfeld als Multimediagerät zu schaffen. Neben der Unterhaltungskomponente sollen zudem tägliche Arbeiten, wie beispielsweise Banküberweisungen aus zuführen, möglich werden. Bisher finden sich Fernsehgerät und Computer in den meisten Haushalten in getrennten Räumlichkeiten – in Zukunft soll das Wohnzimmer zu dem Ort in der Wohnung werden, in dem die gesamte, technisch basierte, Kommunikation stattfindet. Hilfsmittel sollen interaktive Fernsehdienste werden, mit deren Hilfe der Zuschauer aktiv interagieren kann und die sich den Bedürfnissen individuell anpassen. Diverse Möglichkeiten werden in Kapitel drei beschrieben. Der Interaktivitätsgrad dieser Dienste richtet sich nach Abbildung 3 auf Seite 15. Kernpunkt ist die Bemühung, dem passiven Fernsehzuschauer 22 einen aktiven Part zukommen zu lassen, wie er ihn am Computer 23 bereits inne hat. Auf diese Weise soll die „Flimmerkiste“ neue Nutzungsmöglichkeiten erfahren und auf lange Sicht den PC als getrenntes, eigenständiges Medium ablösen, indem er dessen Funktionsweisen und Anwendungsmöglichkeiten adaptiert.
2.1.3. Konvergenz
Konvergenz bildet allgemein einen recht weit gefassten Begriff. Grundtenor ist dabei allerdings, das Prinzip einer gegenseitigen Annäherung. Hier soll daher eine allgemeine Beschreibung aus einem Computerlexikon zurückgegriffen werden, ehe eine genauere Definition für das hier vorliegende Thema gewonnen werden soll. Als Konvergenz bezeichnet das Lexikon:
20 Steinmetz (1999), S. 98
21 Vgl. ausführlich ebenda, S. 98 ff.
22 Fernsehen gilt gemeinhin als sog. „lean back“-Medium, da der Zuschauer sich beim Fernsehen (vorwiegend) zurücklehnt.
23 Der Computer gilt als sog. „lean forward“-Medium, da der Anwender sich bei der Nutzung (vorwiegend) zum Bildschirm hin vorlehnt.
13
Konvergenz im Bezug auf Medien steht demnach für einen allmählichen Zusammenschluss von Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie, also einer gegenseitigen Integrationsfähigkeit. Im behandelten Gebiet können sich Internet und Computer auf das Fernsehen zu bewegen bzw. umgekehrt, das Fernsehen auf das Internet/Computer. Die Ideen der Entwickler gehen dabei in Richtung Multifunktionsgerät, welches sowohl als Internetzugang, als auch als Fernsehgerät nutzbar sein soll. Da das Internet ein digitales Medium ist, das Fernsehen gleichzeitig jedoch ein analoges, verschmelzen anhand der Konvergenz in diesem Bereich auch analoge und digitale Medienformen miteinander. Gegenseitige Annäherung bezieht sich hierbei auf vier Ebenen: Inhalte, Geräte, Dienste und Netze. Folgende Abbildung verdeutlicht dies:
Die Wege diese Konvergenz zu erreichen, reduzieren sich auf zwei Ausprägungsvarianten: Zum einen ist es möglich, dass der Fernseher mittels einer Set-Top-Box auch als Internetzugang genutzt werden kann, andererseits kann es auch möglich sein, dass der Fernseher seinen Platz im Wohnzimmer für den PC räumen muss. Zu beiden Varianten gab es in den 90er Jahren zahlreiche Pilotversuche, über dieses Stadium sind die meis-
24 ComputerFachlexikon (1999), S. 397
25 Beckert (2003), S. 68
14
ten Bemühungen, zumindest in Deutschland, indes nicht hinaus gekommen. Drei Gründe können hierfür als wesentlich angesehen werden: Zunächst einmal war die Hardware nicht billig, womit auch die Pluralität der Systeme einhergeht. Dass die Versuche teilweise wenig Erfolg zeigten, kann zudem an den mangelnden interaktiven Angeboten liegen, die während der Testphasen vorlagen. Dennoch laufen Bemühungen auf Hochtouren, die Konvergenz zwischen Internet und Fernsehen weiter auszubauen. Das digitale Angebot des ZDF kann als eine Form genannt werden. Auch hierauf soll erst im nächsten Kapitel genauer Bezug genommen werden.
Konvergenz spielt sich zwar hauptsächlich auf der technischen Seite ab, vergessen werden darf allerdings nicht, dass die Ergebnisse dieses Prozesses auch zur Nutzerseite hin effektiv kommuniziert werden müssen. Denn nur so können neue Verhaltens- und Nutzungsweisen generiert werden, die die bisherige Trennung in das passive Medium Fernsehen und in die aktiven Medien Internet und Computer aufheben. Fraglich ist hierbei allerdings, in wie weit sich Internet/Computer und Fernsehen tatsächlich auf einander zu bewegen und ob sie letztendlich mit einander verschmelzen werden. Die Antwort hierauf soll ebenfalls im dritten Kapitel gegeben werden, wenn der Konvergenzprozess eine genauere Wertung erfährt.
2.1.4. Multimedia
Der Begriff Multimedia ist seit den 90er Jahren ein schillernder Begriff insbesondere in der Welt der Computer- und Informationstechnik. Im Bezug auf das interaktive Fernsehen soll an dieser Stelle der Definition von BÖCK-BACHRISCHER und CLEMENT gefolgt werden, die sich beide auf GERPOTT berufen:
26 Böck-Bachfischer (1996), S. 12
27 Clement (2000), S. 9
15
Dem folgend, kann iTV als Multimediasystem angesehen werden. Ein solches muss nach Steinmetz diverse Kriterien erfüllen. „Ein Multimediasystem ist durch die rechnergesteuerte, integrierte Erzeugung, Manipulation, Darstellung, Speicherung und Kommunikation von unabhängigen Informationen gekennzeichnet, die in mindestens einem kontinuierlichen (zeitabhängigen) und einem diskreten (zeitunabhängigen) Medium kodiert sind“ 28 .
Multimedia gilt als Zukunftsmarkt, dessen weitere Entwicklung sich vornehmlich im PC- und Fernsehbereich abspielen wird. Aus diesem Grund werden sich diese, bisher getrennten Medien, in den kommenden Jahren durch einen Konvergenzprozess aufein-ander zu bewegen und schließlich vereinen. Am Ende soll die Realisierung des interaktiven Fernsehens stehen.
2.1.5. Medien und Neue Medien
Als Medien werden sämtliche Darstellungs- und Verbreitungsformen für Informationen verstanden. Bei der genaueren Definition sei auf KREUSEN verweisen, der sich auf vier Perspektiven nach SCHANZE unter Bezugnahme von SCHMIDT bezieht:
1. „Medien als Kommunikationsorganisationen, als Verbindung und Zusammenschluss von Menschen
2. als Mittel zum Gebrauch mit all ihren spezifischen, technischen Facetten („Konfigurationen und Rechnerarchitekturen)
3. als Technologie (Hardware)
4. als Träger, der sich dazu eignet, ‚Wissen’, ‚Informationen’ oder ‚Sinn’ zu repräsentieren oder zu vermitteln“ 29 .
Als Medien im klassischen Sinn werden demnach beispielsweise Zeitungen oder der Rundfunk verstanden, diese werden des weiteren den sog. Massenmedien zugerechnet, die alle
28 Steinmetz (1999), S. 13
29 Vgl. Kreusen (2001), S. 21
16
Besonders herausgestellt sei hier auch die Anbietung von Reproduktionen an einen nicht bekannten Kreis von Abnehmern, also der Allgemeinheit.
Diesen klassischen Medien stehen die sog. Neuen Medien gegenüber, denen vor allem ein Potential der Interaktivität innewohnt. Als Basis für die neuere Medienentwicklung nennt FELSENBERG die Digitalisierung:
Dieser Betrachtungsweise folgend, kann das interaktive Fernsehen, als Weiterentwicklung des digitalen Fernsehens, als passivem Unterhaltungselement, den Neuen Medien zugerechnet werden. Als weiteres Beispiel sei hier abermals das Internet angeführt.
2.2. Rahmenbedingungen für das interaktive Fernsehen 32
Die Wirtschaft befindet sich derzeit in einer allgemeinen Umbruchphase – hiervon ist insbesondere auch die Medienindustrie betroffen. Der Ruf nach Deregulierung, Internationalisierung und Globalisierung ist daher auch in diesem Bereich immer lauter zu vernehmen – so regt sich einiges, zwischen Wirtschaft, Fernsehen und Politik: Das Aufkommen neuer Produktions- und Distributionstechniken ist hierbei ebenso zu beobach-
30 Kreusennach Luhmann (2001), S. 22
31 Felsenberg u. a. (1995), S. 9
32 siehe hierzu ausführlich Ruhrmann/Nieland (1997), S. 121 ff
17
ten, wie auch ein verändertes Verhalten der Nutzer bzw. Zuschauer. Kurz: Bisher getrennte Märkte wachsen zusammen. Fernsehproduzenten sind heute nicht mehr unabhängig von Herstellern der Hardware, ebenso wenig wie die Telekommunikationsunternehmen. In diesem Abschnitt sollen daher die Veränderungen der technischen, ökonomischen und medienrechlichen bzw. politischen Rahmenbedingungen für das interaktive Fernsehen dargestellt werden.
2.2.1. Veränderte technische Rahmenbedingungen
Die Übertragung der Fernsehsignale vom Anbieter zum Nutzer führt bereits heute, zumindest bei den Hauptverbindungsstrecken, über gut ausgebaute Netze. Sie verfügen über ausreichende Kapazitäten und sind problemlos gegenüber neuen Anforderungen aufzurüsten. Das Problem liegt vielmehr in der sog. „letzten Meile“, d. h. der Verbindung vom den Übergabestationen zu den einzelnen Haushalte.
Dieses Thema stellt sich dabei weniger für geschäftliche Anwendungen, da insbesondere in Ballungszentren die Infrastruktur als bereits gut aufgerüstet gilt. So bietet die Deutsche Telekom über ihr DSL-Netz 33 (Digital Subscriber Line) ab dem 1. April 2004 die Anschlussmöglichkeit für das Internet mit gleichzeitiger Möglichkeit zu telefonieren über „T-DSL 3000“ mit bis zu 3 072 kbit/s im Downstream und 384 kbit/s im Upstream an 34 . DSL ist allerdings nicht überall verfügbar, insbesondere in ländlichen Gebieten gilt die Versorgung mit diesem schnellen Internetzugang (noch) als schlecht.
Die Diskussion konzentriert sich vielmehr auf den Aufbau einer geeigneten Infrastruktur für private Haushalte. Bei der Umsetzung des iTV geht es insbesondere um die Realisierung eines Rückkanals. Die dafür notwendige Infrastruktur kann derzeit noch als unzureichend bezeichnet werden. Als zweckmäßig haben sich beispielsweise Glasfaserkabel erwiesen, mit deren Verlegung allerdings erst in den vergangenen Jahren begonnen wurde. Für eine genauere Darstellung der Problematik des Rückkanals sei hier auf Abschnitt 2.3.3.4. verwiesen.
33 DSL ist eine Datenübertragungstechnik, die sowohl analoge, als auch digitale Telefonleitungen nutzt. Daten werden hier auf einem anderen Frequenzbereich übertragen, weshalb die Telefonleitung auch während der Übertragung nutzbar bleibt. Die räumliche Nähe zu einer entsprechend ausgerüsteten Ortsvermittlung ist Voraussetzung, ebenso wie die Nutzung herkömmlicher (Kupfer-)Kabel.
34 http://www.t-com.de ... 29.03.04
18
2.2.2. Veränderte ökonomische Rahmenbedingungen
Mit der Deregulierung des Medienmarktes wurden erhebliche Potentiale freigesetzt, von denen nicht nur die Anbieter, sondern vor allem auch die Kunden profitieren. Durch die Etablierung und Einführung des privaten Rundfunks wurden nicht nur medienpolitische Bedingungen und Organisationsstrukturen verändert, sondern auch Lizenzkosten und Verfügbarkeiten für Programminhalte und Programmsoftware wurden hierdurch berührt 35 . „Diese Deregulierungstendenzen vollzogen sich unter anderem vor dem Hinter-grund technologischer Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Kabel- und Satellitentechnik: Engpässe bei den Übertragungsmöglichkeiten wurden aufgehoben“ 36 . Allerdings sei auch auf die Tatsache hingewiesen, dass eine ungeordnete und übertriebene Deregulierung zu diversen Problemen führen kann.
Hierzu zählt unter anderem die Marktentwicklung des entgeltfinanzierten Fernsehens, auch Pay-TV oder Bezahltfernsehen genannt. In West-Europa ist zu beobachten, dass der Ausbau des Pay-TV mit der Einführung des dTV konform geht. Ein Zusammenhang muss aber nicht notwendigerweise bestehen. Dabei ist festzustellen, dass in erster Linie große private Medienkonzerne sich um die Einführung von Pay-TV bemühen, so wie dies beispielsweise die Kirch-Gruppe verstärkt forcierte. Dem Begriff Pay-TV werden dabei verschiedene Ausprägungen zugeordnet, die sich in den Entgeltformen unterscheiden, wobei allerdings auch eine Kombination möglich ist:
• „Pay-per-Channel: Hier zahlt der Zuschauer für die Möglichkeit, ein verschlüsseltes Programm empfangen zu können
• Pay-per-View: Bei dieser Entgeltform zahlt der Zuschauer nur für die Sendung, die er tatsächlich nutzt
• Entgelt für die Speicherung von Inhalten: Hier fallen Kosten an, wenn abgerufene Inhalte vom Nutzer auf sein eigenes Speichermedium übernommen werden
• Entgelt für Dienstleistungen, die in Anspruch genommen werden und Verbindungskosten bei der Übertragung“ 37
35 Vor allem die Lizenzrechte für Sportübertragungen stiegen in den 90er Jahren fast ins unermessliche. Der Pay-TV-Sender Premiere hatte dem Ligaverband DFL bis zu 180 Millionen Euro für die Übertragung der Spiele der 1. Fußballbundesliga geboten (Jaklin in Financial Times vom 26.03.04).
36 Ruhrmann/Nieland (1997), S. 151
37 Vgl. Ruhrmann/Nieland (1997), S. 162
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Die Verbreitung von Bezahltfernsehen in Deutschland läuft immer noch schleppend. Der Pay-TV-Sender Premiere zählt derzeit (nur) rund drei Millionen Abonnenten, eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu den 40 Millionen Fernsehhaushalten in Deutschland 38 . Als Grund für diese langsame Marktdurchdringung kann unter anderem der Preis für ein Abonnement genannt werden. Ein monatliche Bezug beginnt derzeit bei 5 Euro, für das Movie- oder Sport-Paket werden zusätzliche 18 Euro pro Monat und Paket verlangt. Hinzu gerechnet werden muss zudem die Decodermiete in Höhe von 7,50 Euro bzw. der Kauf des Gerätes für 149 Euro 39 . Zu Buche schlagen i. d. R. auch die Gebühren für das Kabelfernsehen 40 , wenn zusätzlich das TV-Kabel-Angebot genutzt wird, und die GEZ-Gebühren 41 .
2.2.3. Veränderte medienrechtliche und politische Bedingungen
„Medienkommunikation beeinflusst die individuelle Entfaltung, Sozialisation und Enkulturation der Gesellschaft. Nicht zuletzt garantiert die Medienkommunikation den Bestand der Demokratie“ 42 . Um dem gerecht zu werden unterliegt die massenmediale Ordnung in der Bundesrepublik einem so genannten Gewährleistungsvorbehalt. In Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes ist das „Recht zur Freien Meinungsäußerung“ festgeschrieben 43 . Demnach obliegt es dem Staat für eine Ordnung der Medien zu sorgen, um die freie Meinungsbildung zu gewährleisten. Ziel ist es, dass sich der Mediennutzer individuell und gemeinschaftlich, an hand der Medien orientieren kann.
Das Medienrecht hat sich den, sich wandelnden Anforderungen in technischer, ökonomischer und sozio-kultureller Hinsicht anzupassen, um stets einen geeigneten Rechtsrahmen vorzufinden. Den ordnungspolitischen Rahmen für die Erteilung von Sendelizenzen und die Programmaufsicht obliegt den Bundesländern. Hinsichtlich des Aufbaus einer technischen Infrastruktur ist allerdings die Gesetzgebungskompetenz des Bundes relevant. Diese verstreuten Kompetenzen sind für die Implementierung des interaktiven
38 Premiere hat auf dieser Basis einen Marktanteil von 7,5 Prozent.
39 http://www.premiere.de ... 13.05.04
40 Beispielsweise berechnet der Kabelnetzbetreiber „Kabel BW“ derzeit für einen sog. Einzelnutzungsvertrag eine einmalige Anschlussgebühr von 33,52 € und einen monatlichen Preis von 14,50 € (http://www.kabelbw.de ... 13.05.04).
41 Für ein Fernsehgerät fallen monatliche Gebühren von 16,15 Euro an, http://www.gez.de ... 13.05.04.
42 Ruhrmann/Nieland (1997), S. 123
43 Art. 5 GG [Recht der freien Meinungsäußerung]: (1) Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Siehe hierzu im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, S. 371.
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Fernsehens hinderlich, da durch die Interaktivität die Kommunikation über (Bundes-) Ländergrenzen hinaus, sowie eine einheitliche technische Infrastruktur gefördert werden soll – es besteht demnach ein erheblicher Abstimmungsbedarf zwischen unterschiedlichen Interessengruppen. Hinderlich für eine zügige Umsetzung kann des weiteren der wachsende Einfluss der Europäischen Union und ihrer Regelungen angesehen werden, die ihre Mitgliedsstaaten mit immer neuen Vorschriften geradezu überschüttet. Diese landesrechtlich umzusetzen ist oft ein langer und steiniger Weg. In der laufenden Erneuerung des Rundfunkstaatsvertrages (RStV) 44 wird versucht, den neuen Anforderungen, gerecht zu werden.
Allerdings ergeben sich mit der Einführung des interaktiven, ebenso wie des digitalen Fernsehens, neue Probleme für die Definition des Rundfunks:
1. „Die Integration verschiedener Angebote aus den (vormals getrennten) Bereichen der Massen- und Individualkommunikation macht es erforderlich, Aspekte des Rundfunkrechts mit Vorgaben des Telekommunikationsrechts und des Datenschutzes zusammenzuführen
2. Neue Angebote oder Angebotsgruppen verlangen eine breitere Rundfunkdefinition
3. Abgrenzungsprobleme und vertikale Konzentrationsprozesse machen es notwendig, die klassischen Aufgaben des Rundfunkrechts zu erweitern“ 45
In § 2 Abs. 2 Ziffer 9 des RStV werden dies Probleme zumindest teilweise behoben, indem hier das „Programmbouquet als die Bündelung von Programmen und Diensten, die in digitaler Technik unter einem elektronischen Programmführer verbreitet werden“
46 angesehen wird.
Dennoch besteht auch weiterhin Handlungsbedarf auf politischer und rechtlicher Ebene. Dies umfasst vornehmlich das Urheberrecht, den Verbraucherschutzes, die Verhinderung von Meinungsmacht und die Moderatorenrolle des Staates 47 . RUHRMANN und NIELAND zitieren hierzu treffend HOFFMANN-RIEM und VESTING: „Solange Sendungen mit publizistischen Inhalten an einen individuell nicht bestimmbaren Personen- 44 Inder fünften Änderung, dem Rundfunkänderungsstaatsvertrages, ist dieser am 1. Januar 2001 in Kraft getreten. Siehe hierzu http://www.artikel5.de ... 29.03.04.
45 Ruhrmann/Nieland (1997), S. 139 f
46 http://www.artikel5.de ... 29.03.04
47 Ruhrmann/Nieland (1997), S. 147 f
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kreis und über terrestrische Netze, Kabel und Satellit verbreitet werden, sind sie Rundfunk im Sinne des Grundgesetzes“ 48 .
2.3. iTV – Technische Grundlagen
Die technischen Grundlagen des interaktiven Fernsehens bilden sich aus einer Schnittmenge der Internet- und Fernsehtechnik. Aufgrund der Komplexität bildet dieser Abschnitt den Hauptteil des zweiten Kapitels. So sollen neben den aktuellen Gegebenheiten, u. a. die notwendigen Standardisierungen und die Sende- und Empfangstechniken erläutert werden. Zum Abschluss dieses Teilabschnittes werden Betriebssystem und Middleware für das interaktive Fernsehens vorgestellt werden.
2.3.1. Derzeitige technische Gegebenheiten in Deutschland
„Online/Internet und digitales Fernsehen sind Voraussetzungen für das interaktive Fernsehen in dem Sinne, als sie zum einen die Vertrautheit mit interaktiven Nutzungsformen erhöhen und zum anderen von den Fernsehzuschauern eine aktivere Rolle im Umgang mit dem nahezu unüberschaubar gewordenen Programmangebot abverlangen“ 49 . iTV bildet demnach eine Verschmelzung zweier Technologien.
Derzeit etablieren sich bereits sog. „TV-Bouquets“ 50 diverser Fernsehsender und Set-Top-Boxen (STB) für den Empfang, wenn derzeit auch nur begrenzter interaktiver Angebote. Die Landschaft der Fernsehtechnik hat in den vergangen Jahren nicht gerade „Quantensprünge“ unternommen. Seit einiger Zeit sind Fernsehgeräte mit Plasma- oder LCD-Bildschirm 51 auf dem Markt, die Übertragungstechnik befindet sich allerdings weitestgehend noch auf dem selben Stand wie zu Beginn der 90er Jahre. Dennoch gibt es einen Schritt nach vorne: In der Hauptstadt Berlin wurde mit der Umschaltung der analogen Übertragungstechnik auf digitale unlängst begonnen, nach und nach soll der Rest Deutschlands folgen – Ziel ist die komplette Umstellung bis zum Jahr 2010.
48 ebenda, S. 240
49 Beckert (2003), S. 53
50 Siehe hierzu beispielsweise das ZDF-Bouquet. Zusammengefasst werden hierunter derzeit das ZDF, den ZDFdokukanal, ZDFinfokanal, ZDFtheaterkanal, 3sat, arte, Kinderkanal, Phoenix, EuroNews und EUROSPORT sowie die Hörfunkprogramme Ö1, Deutschlandfunk und DeutschlandRadio. (http://www.zdf.de ... 30.03.04). Wir werden im nächsten Kapitel hierauf zurückkommen.
51 Zur Funktionsweise von Plasma- und LCD-Bildschirmen siehe Ziemer (2003), S. 232 ff.
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Ariane Schröfel, 2004, Die Glotze lebt - Zur Situation des interaktiven Fernsehens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Analyse und Gestaltung von Geschäftsmodellen im digitalen Fernsehen
Communications - Media Economics, Media Management
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