Johannes Gutenberg Universität Mainz
Pädagogisches Institut
Mittelseminar: Didaktische Konzeptionen
Wintersemester 2005/2006
Allgemeinbildung in kritisch-konstruktiver Perspektive
Wolfgang Klafki
von
Katrin Morrás Ganskow
Geschichte/ Spanisch Lehramt
9.Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Biographische Notizen zu Wolfgang Klafki
III. Einordnung der didaktischen Theorien Klafkis
IV. Der zentrale Begriff: die Allgemeinbildung
1. Das Fundament der Theorie Klafkis: die klassischen Bildungstheorien
2. Klafkis modernes Allgemeinbildungskonzept
V. Praktische Konsequenzen der Bildungstheorie im Unterricht
VI. Schlussbemerkung
VII. Literaturverzeichnis
I. Einleitung
Bei der Beschäftigung mit Didaktik wird man unweigerlich auf den Namen Wolfgang Klafki treffen. Er wird als einer der wichtigsten Erziehungswissenschaftler der Gegenwart gesehen, seine Theorien der Kategorialen Bildung und die spätere Weiterentwicklung zur kritisch-konstruktiven Didaktik sind maßgeblich für die erziehungswissenschaftliche Diskussion in den letzten vierzig Jahren.
Als zentrales Moment der Theorie Klafkis gilt die Bildung, sie ist Dreh- und Angelpunkt seiner didaktischen Theorie. Bildung ist auch ein zentrales Thema in unserer aktuellen Gesellschaft: Es wird "mehr davon" gefordert, die Bildung von Schulabgängern als ungenügend bezeichnet, sogar der "Bildungsnotstand" ausgerufen. Was aber ist Bildung, wie kann man diesen Begriff definieren? Was ist die berühmte Allgemeinbildung?
Mit dieser Fragestellung im Hintergrund soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Bildungsbegriff Klafkis liegen. Wie definiert er Bildung, was ist seiner Ansicht nach Allgemeinbildung? Es ist von vorneherein offensichtlich, dass in einer Arbeit dieses Umfanges das gesamte didaktische Konzept Wolfgang Klafkis nicht erschöpfend dargestellt werden kann, auch aus diesem Grund ist eine Beschränkung auf den Aspekt der Bildung, gerade weil es sich hierbei um den zentralen Moment seiner didaktischen Theorie handelt, sinnvoll.
Zunächst soll in Abschnitt II ein kurzer Abriss über Leben und Werk Wolfgang Klafkis geboten werden. Dies erscheint sinnvoll, da jeder Mensch auch Kind seiner Zeit ist - womöglich bilden einige biographische Notizen einen Rahmen für das Verständnis von Klafkis Theorien. Im dritten Kapitel sollen wichtige Eckpunkte der Entwicklung von Klafkis bildungstheoretischer Didaktik kurz dargestellt werden. Auf den nun folgenden Abschnitt IV ist der Schwerpunkt dieser Arbeit gelagert: Die Bildung im Verständnis Wolfgang Klafkis. Hierbei soll zunächst auf die klassische deutsche Bildungstheorie des beginnenden 19. Jahrhunderts eingegangen werden, die das Fundament von Klafkis Theorie bildet. Darauf folgend soll seine Wahrnehmung von Allgemeinbildung, die vor allem auf von ihm definierten epochalen Schlüsselproblemen beruht, beschrieben werden. Unter Punkt V sollen anschließend die zentralen Auswirkungen seiner Bildungsdefinition auf die praktische Lehrtätigkeit beziehungsweise die Unterrichtsplanung dargestellt werden.
Ziel der Arbeit soll es sein, die auf den Bildungsbegriff, die Organisation der Institution Schule und die Unterrichtsplanung gerichteten Perspektiven, die Klafki in seiner Theorie entwickelt, darzustellen.
II. Biographische Notizen zu Wolfgang Klafki
Handeln und Denken einer Person kann nicht unabhängig von zeitspezifischen Prägungen oder der persönlichen, familiären Sozialisation gesehen werden.
Geboren am 1. September 1927, wuchs Wolfgang Klafki als zweiter von drei Söhnen in Angerburg in Ostpreußen auf. Sein Vater war Oberstudienrat, was Wolfgang Klafki in seiner späteren Berufswahl stark beeinflussen sollte. Prägend für die Kindheit und Jugend Klafkis sollten im gewissen Maße auch das nationalsozialistische Regime und der Zweite Weltkrieg sein, so endete seine Schulzeit mit 17 Jahren mit einem "Reifevermerk", dem so genannten Notabitur. Er wurde zunächst zum Arbeitsdienst eingezogen, später kämpfte er an der Front bei Danzig / Gotenhafen und im Samland. Da Klafki seine Kindheit und Jugend unter den Bedingungen des Nationalsozialismus verbrachte und selbst im Alter von nur 17 Jahren in den Krieg ziehen musste, stellt sich die Frage, inwiefern das NS-Regime ihn in seinem Denken und Handeln beeinflusst hat. Das familiäre Leben der Familie Klafki war wohl weitgehend politisch indifferent; weder wurden die Kinder im nationalsozialistischen Ideal noch mit dem Ziel der Erlangung einer systemkritischen Geisteshaltung erzogen. Erst als Klafki an der Front kämpfen musste wandelte sich seine doch recht unbeteiligte Haltung zu einer radikalen Ablehnung des Nationalsozialismus.1
Nach Ende des Krieges begann er im Sommersemester 1946 an der Pädagogischen Hochschule Hannover zu studieren und schloss sein Studium im Jahr 1948 ab. Als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Erdkunde unterrichtete er in den darauf folgenden Jahren an ländlichen Volksschulen in Schaumburg-Lippe. Den Vater als Vorbild, den er als idealen Lehrer sah, aber auch weitere Faktoren wie zum Beispiel die positiven Erfahrungen aus seiner eigenen Schulzeit hatten seine Berufswahl stark beeinflusst. „Er gehörte damit zu jenen Pädagogen, deren berufliche Motivation nicht aus einem Mangelerlebnis heraus oder überhaupt aus negativen Erlebnissen […] erwachsen ist“2 sondern vielmehr aus dem familiär und schulisch bedingten Konglomerat positiver Erfahrungen.
[....]
1 Friedrich, Leonhard /Stübig, Heinz: Wolfgang Klafki – Lehrer, Erziehungswissenschaftler und Politiker. In: Hendricks, Wilfried u.a. (Hrsg.): Bildungsfragen in kritisch-konstruktiver Perspektive. Weinheim 1997. S. 19-31. S 23.
2 Friedrich: Wolfgang Klafki, S 22.
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Katrin Morras Ganskow, 2005, Allgemeinbildung in kritisch-konstruktiver Perspektive - Wolfgang Klafki, Munich, GRIN Publishing GmbH
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