Grundbegriffe und Teilbereiche der BWL. Ökonomisches Prinzip, Kennzahlen, Bestandsgrößen, Unternehmen


Skript, 2015
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begriff und Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre
1.1 Das ökonomische Prinzip
1.2 Formen der Betriebswirtschaftslehre
1.3 Wirtschaftlichkeit und Rentabilität
1.4 Betriebliche Produktionsfaktoren
1.5 Unternehmensziele
1.6 Betriebliche Rechengrößen
1.7 Der betriebliche Güter- und Geldkreislauf

2 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Begriff und Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre

1.1 Das ökonomische Prinzip

Die Grundlage des betriebswirtschaftlichen Handelns bildet das ökonomische Prinzip. Bei nahezu allen betriebswirtschaftlichen Modellen wird unterstellt, dass alle an der Wirtschaft beteiligten Personen und Institutionen nach dem ökonomischen Prinzip handeln. Diese Annahme basiert auf der Erkenntnis der Notwendigkeit des Wirtschaftens. Aus diesem Grund wird nachfolgend die Grundannahme der Betriebswirtschaftslehre dargestellt:

Unter Wirtschaft versteht man das Gebiet menschlicher Tätigkeiten, das der Bedürfnisbefriedigung dient. Die menschlichen Bedürfnisse sind eher unbegrenzt, die geeigneten Mittel zu ihrer Erreichung dagegen knapp. Diese Knappheit zwingt den Menschen dazu zu wirtschaften, d.h. die vorhandenen Mittel so einzusetzen, dass ein möglichst großes Maß an Bedürfnisbefriedigung erreicht wird. Die Realisation dieses Ziels verlangt einen Entscheidungsprozess über die Herstellung (Produktion) und den Verbrauch (Konsumption) von Gütern.

Wirtschaftliches Handeln bedeutet, dass der Mensch dem allgemeinen Vernunftprinzip folgen muss. Auf Produktion und Konsumption übertragen verlangt es, mit gegebenem Aufwand an Produktionsfaktoren (Einsatzfaktoren) einen maximalen Ertrag anzustreben (Maximalprinzip) oder einen angestrebten Ertrag mit möglichst geringem Aufwand (Minimalprinzip) zu erreichen. Selbstverständlich ist es unmöglich, Minimal- und Maximalprinzip derart zu kombinieren, so dass mit möglichst geringem Einsatz der größtmögliche Output erzielt wird. Maximal- und Minimalprinzip können jedoch sowohl mengenmäßig als auch wertmäßig betrachtet werden. Die eingesetzten betrieblichen Produktionsfaktoren gliedern sich in die Elementarfaktoren (Ausführende Arbeit, Betriebsmittel und Werkzeuge) sowie den dispositiven Faktor (Leitung, Planung, Organisation und Überwachung).

Wirtschaft ist ein komplexes Gebilde von menschlichen Handlungen und Verhaltensweisen sowie Institutionen, deren Ausgangspunkt die Bedürfnisse des Menschen sind. Ein Bedürfnis entsteht aus einem Mangelempfinden heraus, wobei der Wunsch besteht, diesen Mangel zu beseitigen. Dabei kann es sich sowohl um einen Mangel an Sachgütern als auch um einen Mangel an Dienstleistungen handeln. Der zentrale Unterschied zwischen Sachgütern und Dienstleistungen besteht darin, dass sich Sachgüter auf Vorrat produzieren lassen, Dienstleistungen jedoch immer einer konkreten Kundennachfrage bedürfen. Während ein Automobilhersteller auch Fahrzeuge produzieren kann, für die es noch keine Käufer gibt, kann ein Friseur keineswegs schon mal auf Vorrat Haare schneiden; er benötigt dazu immer den konkreten Kundenauftrag.

Ohne menschliche Bedürfnisse würde es keine Wirtschaft geben. Allerdings sind die menschlichen Bedürfnisse sehr vielfältig und können beispielsweise nach ihrer Dringlichkeit in Existenzbedürfnisse, Grundbedürfnisse und Luxusbedürfnisse unterschieden werden. Um welche Bedürfniskategorie es sich bei einem konkreten Bedürfnis handelt, hängt von den individuellen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen ab. Während in Europa ein Auto eher zu den Grundbedürfnissen zählt, gehören Autos in der Dritten Welt tendenziell zu den Luxusbedürfnissen.

Darüber hinaus können Bedürfnisse in offene (bewusste) und latente (unbewusste) Bedürfnisse unterschieden werden. Offene Bedürfnisse führen beim Menschen zu einem bewussten Mangelempfinden, das beseitigt werden will. Latente Bedürfnisse lassen sich dagegen erst nach einem auslösenden Reiz erkennen. Solange sie noch nicht vom Menschen erkannt sind, wird er keine Bedürfnisbefriedigung anstreben. Der auslösende Reiz, der aus einem latenten ein offenes Bedürfnis werden lässt, kann bspw. durch Werbung hervorgerufen werden.

Letztlich lassen sich Bedürfnisse auch in individuelle und kollektive unterscheiden.

Aus den Bedürfnissen der Menschen entsteht ein Bedarf bzw. eine Nachfrage, sobald sich die Menschen aktiv um die Bedürfnisbefriedigung kümmern. Wenn ein Mensch das Bedürfnis Hunger verspürt und diese Mangelerscheinung zu beseitigen versucht, entsteht ein Bedarf an bzw. eine Nachfrage nach Nahrungsmitteln.

Grundsätzlich dienen unterschiedliche Güter der Bedürfnisbefriedigung. In der Wirtschaftslehre zählen nicht nur Gegenstände, sondern auch Tätigkeiten und Rechte zu den Gütern. Damit die Güter für die Wirtschaftslehre relevant werden, müssen sie aber bestimmte Eigenschaften erfüllen: Sie dürfen nur begrenzt vorhanden und erst durch bestimmte Tätigkeiten verfügbar sein. Man spricht von knappen Gütern. Demnach gibt es auch andere Güter, die zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung stehen: die freien Güter, zu denen in vielen Fällen bspw. das Licht oder die Luft gehören. Kennzeichen dieser Güter ist, dass sie nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehen, ohne dass der Mensch dafür bestimmte Maßnahmen ergreifen muss. So steht uns auf der Erde bspw. Luft nahezu unbegrenzt zur Verfügung. Wenn sich jedoch viele Menschen über längere Zeit in einem engen Raum befinden, wird auch Luft zu einem knappen Gut. Ob Güter frei oder knapp sind, hängt also immer vom Einzelfall ab.

Frei Güter lassen sich wirtschaftlich nicht handeln. Da sie quasi unbegrenzt verfügbar sind, entstehen keine Mangelerscheinungen, die die Voraussetzung für wirtschaftliches Handeln bilden. Die meisten Güter sind jedoch knappe Güter, die entweder nur begrenzt vorhanden sind und/oder vom Menschen gefördert oder geschaffen werden müssen. Dabei sind materielle Güter (Sachgüter) von immateriellen Gütern (Dienstleistungen, Rechte, Tätigkeiten) zu unterscheiden.

Darüber hinaus lassen sich Güter in mobile und immobile, in Konsumgüter und in Investitionsgüter, in Individual- und in Kollektivgüter sowie in Grund-, Kultur- und Luxusgüter unterscheiden.

Da die Mehrzahl der Güter knappe Güter sind, die Bedürfnisse des Menschen aber nahezu unbegrenzt sind, entsteht eine Diskrepanz zwischen dem, was zur Bedürfnisbefriedigung der Menschen notwendig und dem, was dazu vorhanden ist. Aus dieser Diskrepanz entsteht die Aufgabe des Wirtschaftens, der Lösung des Zuteilungsproblems, wer welche Bedürfnisse befriedigen kann. Anders formuliert: wie sollen die vorhandenen (knappen) Güter auf die Menschen verteilt werden, wenn nicht ausreichend viele Güter zur Verfügung stehen, um allen Bedürfnissen gerecht werden zu können?

Die Lösung dieser Aufgabe beschäftigt die Menschen seit jeher und war und ist Auslöser vieler kriegerischer Auseinandersetzungen. Der Betriebswirtschaftslehre geht es in diesem Zusammenhang weniger um die Frage, welche Güterverteilung unter ethischen oder moralischen Gesichtspunkten gerecht ist, d.h. die Wirtschaftsordnung an sich wird nicht in Frage gestellt. Die Betriebswirtschaftslehre versucht vielmehr, unter Berücksichtigung einer gegebenen Wirtschaftsordnung eine möglichst vorteilhafte Zuteilung der knappen Güter auf die Bedürfnisträger zu erreichen.

Um die Frage der optimalen Zuteilung klären zu können, unterstellt die Betriebswirtschaftslehre den (ökonomisch) rational handelnden Menschen. Der rational handelnde Mensch folgt den Regeln der Logik; ihm sind die Erreichbarkeit seiner Ziele und die Konsequenzen aus seinen zielgerichteten Handlungen bewusst. In der Realität sind jedoch viele Situationen zu beobachten, in denen der Mensch dieses (ökonomisch) rationale Handeln vermissen lässt.

Wirtschaftlich rational handelnde Menschen folgen dem ökonomischen Prinzip (Wirtschaftlichkeitsprinzip). Es zeichnet sich dadurch aus, dass entweder ein gegebenes Ziel mit minimalem Mitteleinsatz oder aber mit gegebenem Mitteleinsatz ein optimales Ziel angestrebt wird. Die Kombination von minimalem Mitteleinsatz und optimalem Ziel funktioniert nicht. So können Schüler und Schülerinnen versucht sein, eine bestimmte Note mit möglichst wenig Lern- und Arbeitsaufwand zu erreichen; sie können auch versucht sein, mit einem bestimmten Lern- und Arbeitsaufwand eine möglichst gute Note zu erreichen. Was jedoch nicht funktioniert, ist, mit minimalen Lern- und Arbeitsaufwand (der wäre gleich Null) eine möglichst gute Note (also eine sehr gut) zu erreichen.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip lässt sich mengenmäßig und wertmäßig formulieren:

Mit gegebenem mengenmäßigem Einsatz (an sogenannten Produktionsfaktoren) ist ein maximaler mengenmäßiger Ertrag (eine maximale Ausbringungsmenge) anzustreben. So kann ein landwirtschaftlicher Betrieb versuchen, mit einer gegebenen Größe an Ackerfläche eine maximale Menge an Weizen anzubauen.

Ein gegebener mengenmäßiger Ertrag (eine gegebene Ausbringungsmenge) ist mit einem minimalen Mitteleinsatz (an sogenannten Produktionsfaktoren) zu erreichen. So kann ein Konditor versuchen, einen Kuchen in einer bestimmten Qualität unter Einsatz möglichst weniger Arbeitszeit (also möglichst schnell) zu backen.

Mit gegebenem wertmäßigem Einsatz (finanziellen Aufwand) ist ein maximaler wertmäßiger Ertrag zu erzielen. So kann ein Betrieb versuchen, mit einem festgelegten Werbebudget von 50.000 Euro eine möglichst große Umsatzsteigerung zu erzielen.

Ein gegebener wertmäßiger Ertrag ist mit minimalem wertmäßigem Einsatz (finanziellen Aufwand) zu erzielen. So kann ein Konzertveranstalter versuchen, einen Umsatz von 200.000 Euro aus dem Verkauf von Konzertkarten mit einem möglichst geringen Werbebudget zu erreichen.

1.2 Formen der Betriebswirtschaftslehre

Die Diskussionen über die Umsetzungsmöglichkeiten des ökonomischen Prinzips in der realen Wirtschaft haben zu speziellen Formen der Betriebswirtschaftslehre geführt, die in der folgenden Grafik dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Gliederung der Betriebswirtschaftslehre (Quelle: Bierle, K.: Grundlagen der BWL, Bd. I)

1.3 Wirtschaftlichkeit und Rentabilität

Die Beurteilung von Unternehmen mithilfe von Kennziffern spielt in der Unternehmenspraxis eine wichtige Rolle. Kennziffern geben kurz und knapp Auskunft darüber, ob sich das Unternehmen am (Absatz-) Markt erfolgreich gegenüber der Konkurrenz behaupten konnte. Im Folgenden sollen zwei elementare Kennziffern anhand von Beispielen berechnet werden. Es handelt sich um die verschiedenen Formen der Wirtschaftlichkeit und der Rentabilität, deren Formeln nachfolgend dargestellt sind:

Sämtliche Quotienten werden in der Regel als prozentuale Größe angegeben, also nicht 0,07, sondern 7%.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Grundbegriffe und Teilbereiche der BWL. Ökonomisches Prinzip, Kennzahlen, Bestandsgrößen, Unternehmen
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V299061
ISBN (eBook)
9783656957171
ISBN (Buch)
9783656957188
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Produktivität, Wirtschaftlichkeit, Betriebswirtschaftlehre, Ökonomisches Prinzip
Arbeit zitieren
Stefan Georg (Autor), 2015, Grundbegriffe und Teilbereiche der BWL. Ökonomisches Prinzip, Kennzahlen, Bestandsgrößen, Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299061

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