Provokation durch Radikalisierung. Salafismus als jugendkulturelles Phänomen


Akademische Arbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Salafismus
2.2. Dschihadismus
2.3. Mainstream-Islam und Islamismus

3. Salafismus-Szene in Deutschland

4. Lebensphase Jugend

5. Jugendkulturelle Aspekte des Salafismus
5.1. Salafismus als Szenen
5.2. Identität
5.3. Salafismus als Mittel zur Provokation
5.4. Salafismus und Habitus
5.5. Rekrutierung 2.0

6. Prävention

7. Fazit

Literatur

Einführung

In der aktuellen Medienlandschaft hat das Thema Salafismus zunehmend an Popularität verloren, Flüchtlinge, Fußball, Facebook und allem voran Trump und immer wieder Trump bestimmen die Schlagzeilen. Die Abwesenheit in den Schlagzeilen bedeutet jedoch nicht, dass der Salafismus verschwunden ist. Für den Verfassungsschutz ist das Thema aktuell wie eh und je, denn er ist nicht verschwunden, er hat sich bloß nach einer kurzen Phase prominenten Daseins in der Öffentlichkeit nach einigen Rückschlägen, wie dem Verbot einiger seiner Organisationen, aus der Sichtbarkeit in sogenannte Hinterhofmoscheen, in den privaten Raum und vor allem ins Internet verschoben. Dort im Schutz der Anonymität agieren die Salafismus-Netzwerke ungehindert weiter und fokussieren sich in der Regel auf eine jugendliche Zielgruppe. Manche Beobachter sprechen sogar davon, dass es sich um eine Jugendbewegung handelt (mit einer Altersstruktur ab 15 Jahren)“ (Ceylan, 2013: 81). Der Salafismus hat durch seine Propaganda auf junge Muslime, aber auch auf deutschstämmige Jugendlichen, eine spezielle Anziehungskraft, die über die reine Religiosität hinausgeht. In Deutschland erfährt diese Szene einen enormen Zulauf; der Bundesverfassungsschutz zählte 2017 10.100 potentielle Salafisten und Salafistinnen, Spiegel Online spricht 2018 von 11.000 Personen. Dieser Zulauf, aus überwiegend jungen Menschen, stellt dem Verfassungsschutz zufolge, ein Sicherheitsrisiko besonders im Inland dar. Da der Jihad in Syrien bzw. im Irak wegen militärischer Rückschläge an Attraktivität verloren hat werden inländische Ziele immer wahrscheinlicher.

„Die Ausreise nach Syrien oder in den Irak ist nicht mehr das primäre Thema und Ziel des jihadistischen Milieus in Deutschland. Jihadistische Propaganda und Rekrutierung dient nur noch vereinzelt dem Ziel der Ausreise in ein Jihad-Gebiet. Die Utopie des „Kalifats“ hat ihre Anziehungskraft mit zunehmenden territorialen und personellen Verlusten des IS nahezu vollständig verloren. Statt auf Ausreisen zur Kampfbeteiligung konzentrierte sich die Szene im Jahr 2017 […] zunehmend auf Aktionen vor Ort. Auch auf deutschsprachigen Internetpräsenzen wurde dafür geworben, im Namen des IS selbstständige Anschläge in Deutschland zu planen und durchzuführen“ (Verfassungsschutzbericht 2017: 167).

Angesichts dieser Entwicklung sorgt die Attraktivität, die diese Szene auf junge Menschen ausübt für enormen Erklärungs- und Aufklärungsbedarf, damit effektive Präventionsarbeit geleistet werden kann und damit Aufklärungs- und Interventionsversuche nicht ins Leere laufen.

Ich möchte mich in dieser Arbeit eben diesem Aspekt der Salafismusbewegung in Deutschland widmen und seiner Faszination und Anziehungskraft auf gerade junge Menschen analysieren. Die Absicht dahinter ist das Warum besser zu verstehen und so im Nachgang die Prävention effektiver beurteilen zu können und vielleicht Verbesserungsansätze zu finden. Der Vollständigkeitshalber werde ich zuerst eine Begriffsbestimmung vornehmen, um den Salafismus als Begriff abzugrenzen und seine spezifischen Merkmale aufzeigen. Anschließend sollen die einzelnen Aspekte aufgezeigt werden, die den Salafismus mit seiner Ideologie für Jugendliche interessant machen; hier besonders will ich den Jugendkultur-Charakter dieser Szene beleuchten die darauf abgestimmten Internetangebote. Abschließend soll die Präventionsarbeit betrachtet werden.

2. Begriffsbestimmung

Salafismus, Dschihadismus, Islamismus: Mit diesen Begriffe assoziiert der Laie mehrheitlich schlicht und einfach Terrorismus in der einen oder anderen Form; das Problem, welches daraus erwächst ist jenes, dass er unter diese Begriffe den Islam als Religion und damit alle Muslime subsumiert und sie somit unter Generalverdacht stellt. Dieser Generalverdacht führt zu Feindseligkeit und Ausgrenzung, die, wie später genauer ausgeführt wird, besonders bei Jugendlichen eine der Ursachen für den starken Zulauf zu der salafistischen Szene darstellt. Daher ist es notwendig diese Begriffe zu definieren und sie klar voneinander abzugrenzen, um abwertende Verallgemeinerungen und Falschinterpretationen zu vermeiden.

2.1. Salafismus

Zurückzuführen ist das Wort Salafismus auf den Begriff salaf, was die frommen Altvorderen bedeutet und damit den „Propheten Muhammad und die ihm nachfolgenden drei Generationen von Muslimen bezeichnet“ (Biene, 2016:13). „Diese drei Generationen gelten hinsichtlich ihres religiösen Handelns, ihrer theologischen Ansichten, ihrer Methodik und der Rechtsfindung sowie ihrer Schriften […] als vorbildlich. Damit wird mit der Salaf immer Authentizität sowie „Reinheit“ des Islams assoziiert“ (Ceylan, 2013: 77). Damit unterscheiden sich Salafisten erstmal nicht von anderen Muslimen, denn all Muslime nehmen für sich in Anspruch, dass sie dem Vorbild der Altvorderen folgen. Mit dem Eintritt in die Moderne traten aber sogenannte Erneuerer der Religion auf den Plan, die „nach der Vereinbarkeit von Moderne und Islam [suchten]“ (Ebd.). Sie suchten und suchen einen rationalen Zugang zum Koran im Kontext der jeweiligen Kultur. Diese Entwicklung ist es, die Salafisten als Mainstream-Islam ablehnen und behaupten, dass dadurch der Wahre Glaube beschmutzt wird. Daraus folgt, dass nur sie tatsächlich dem Vorbild der Altvorderen folgen „und daher >wahre Muslime< seien“ (Biene, 2016:13). Diese Ideologie ist nicht an Nationalität gebunden, wer sich ihr unterordnet, wird willkommen geheißen. Janusz Biene bringt es mit seinem Definitionsversuch auf den Punkt:

„Sie [die salafistische Bewegung] ist transnational, da ihre Anhängerschaft multinational ist und ihre diskursiven Bezüge und sozialen Netzwerke nationalstaatliche Grenzen überschreiten. Sie ist fundamentalistisch, da ihre Anhängerinnen und Anhänger eine strikte Rückbesinnung des Individuums auf die (vermeintlichen) Lehren der Frühzeit des Islams propagieren. Ausweis dessen sind beispielsweise eine extensive Monotheismus-Lehre, ein literales Verständnis von Koran und Sunna sowie die Ablehnung traditioneller Glaubenspraktiken aus 1.400 Jahren muslimischer Geschichte. Damit stellt sich die salafistische Lehre außerhalb des muslimischen Mainstreams. Sie ist modern, da sie sich zwar auf ausgewählte historische Vorbilder […] beruht, aber auf zeitgenössische politische Entwicklung reagiert. Des Weiteren adaptieren ihre Prediger ideelle Versatzstücke aus innerislamischen, politisch-theologischen Debatten unterschiedlicher historischer Epochen in einer bisher nicht existenten Weise“ (Ebd.).

2.2. Dschihadismus

Zurückzuführen ist dieser Begriff auf das arabische Wort gihad. Im Mainstream-Islam bedeutet das Wort hauptsächlich Kampf in Sinne von Anstrengung, damit ist der innere Kampf gegen die eigene Lasterhaftigkeit gemeint. Dschihadisten jedoch interpretieren das Wort „als >kleinen Dschihad<, das heißt als gewaltsamen Kampf zur Verteidigung und Verbreitung des Islam“ (Biene, 2016:14). Sie sind zur „militärischer Gewalt bereit […] und [verstehen] Gewalt als wichtigstes Merkmal ihrer Identität“ (HSFK, 2016: 5). Dschihadisten sind im Prinzip gewaltbereite Salafisten; denn Salafisten im Allgemeinen, so weit sie sich von Mainstream-Islam auch entfernt haben mögen, sind nicht grundsätzlich gewaltbereit, aber sie stellen den radikalen Pool aus dem dschihadistische Bewegungen rekrutieren. „Der Bundesverfassungsschutz unterscheidet in diesem Kontext zwischen politischen und dschihadistischen Salafisten. Die politischen Salafisten, als die zahlenmäßig größere Gruppe, zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Ziel einer schariakonformen Gesellschaft ohne Gewaltanwendung erreichen wollen. Anders agiert hingegen die zahlenmäßig kleinere, dschihadistische Ausprägung, die ausdrücklich die Gewalt befürwortet“ (HSFK, 2016: 5).

2.3. Mainstream-Islam und Islamismus

In den meisten Texten zum Thema taucht früher oder später immer die Abgrenzung bzw. die Unterscheidung zum sogenannten Mainstream-Islam auf. Es ist die Rede vom “Mainstream-Gelehrten“ und “Mainstream-Predigern“, damit ist der normale Islam gemeint, wie er von der Mehrheit aller Muslime in ihren Alltag und Kultur integriert – gewaltfrei – praktiziert wird.

Der Islamismus hingegen hat mit der Religion Islam in erster Linie nicht direkt etwas zu tun. Islamismus ist ein Oberbegriff der Sozialwissenschaften, die sich mit den unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Islam beschäftigen und unter diesen Oberbegriff die anderen Bezeichnungen zusammenfassen. Er bezeichnet demnach keine Strömung, Gesinnung oder Ausprägung islamischen Glaubens.

Diese Definitionen zusammenfassend kann man folgendes sagen: Der (Mainstream-) Islam ist der Begriff, der die Religion der Muslime weltweit bezeichnet – in Kultur und Gesellschaft eingebettet - gewalt- und terrorfrei. Der Salafismus präferiert eine ursprüngliche Version dieser Religion, nicht von Kultur und Gesellschaft verfälscht. Er teilt sich in friedliche und gewaltbereite (dschihadistische) Strömungen auf. Das heißt, alle Dschihadisten sind Salafisten und natürlich Muslime, aber nicht alle Muslime sind automatisch Salafisten und Dschihadisten.

In dieser Arbeit liegt der Fokus auf den salafistischen Strömungen, da dieser es sind, die aktiv neue Mitglieder rekrutiert und sich dabei überwiegend auf Jugendliche konzentriert, welche dann schließlich die Zielgruppe dschihadistischer Rekrutierer bilden.

3. Salafismus-Szene in Deutschland

Die Salafismus-Szene hat sich seit etwa 2005 spürbar in Deutschland etabliert, dazu gehört die Schaffung einer funktionierenden Infrastruktur und Propagandakanäle (Biene, 2016: 25). Die Szene besteht zu einem großen Teil aus personenzentrierten Netzwerken, die in Deutschland nur wenige erkennbare Strukturen unterhalten. Der sichtbare Teil findet sich in Vereinen und Moscheen. Das Internet – hier vor allem die sozialen Netzwerke, kleine Gruppen und engagierte Einzelpersonen machen den weniger sichtbaren Teil aus. Populäre Prediger, um die ein regelrechter Personenkult betrieben wird, pflegen untereinander enge Kontakte und halten Islamseminare in Hinterhofmoscheen aber auch in Privatwohnungen ab.

„In Deutschland setzt sich die salafistische Szene aus unabhängigen meist nicht eingetragenen Vereinen, informellen Personenzusammenschlüssen, Internetseiten und Initiativen zusammen. Zwischen den einzelnen Akteuren und Anhängern bestehen häufig Kennverhältnisse. Die Szenen und Netzwerke werden nicht zentral gesteuert, doch werden zentrale Bestandteile der Ideologie geteilt“ (Biene, 2016: 27).

Durch diese einzelpersonenbezogene Öffentlichkeitsarbeit, die Internetverbreitung und durch die öffentlichen Auftritte der Star-Prediger wird die Ideologie verbreitet und potentielle Mitglieder werden angeworben. Als hauptsächliche Ziele dieser Szene nennt Ceylan (2016: 81):

- Einfluss auf tagespolitische Entwicklungen
- Größtmögliche Verbreitung ihrer Ideologie
- Schaffung von Konfliktlinien mit der Mehrheitsgesellschaft
- Stärkung ihrer Attraktivität als Oppositionsbewegung bei jungen Menschen
- Abgrenzung zu nicht-salafistischen, muslimischen Verbänden
- Permanente Schärfung ihres Profils

Nun stellt sich die Frage, warum die salafistischen Botschaften gerade bei Jugendlichen auf einen so fruchtbaren Nährboden treffen. Dazu kann es hilfreich sein, die altersspezifischen Charakteristika der Zielgruppe zu betrachten: Die Pubertät ist eine Lebensphase der Umbrüche. Die Fülle an Möglichkeiten, die unsere modernen individualisierte Gesellschaft zu bieten hat, kann allerdings auf Heranwachsende sehr verunsichernd wirken. Das heißt jedoch nicht, dass Jugend per se anfällig ist für Radikalität im Allgemeinen oder Salafismus im Besonderen. Rebellion und Provokation sind in der Jugend wichtige „Werkzeuge“ der eigenen Identitätsfindung, aber es sind die Rahmenbedingungen einer Gesellschaft, die die Marschrichtung stark beeinflussen. Um die Attraktivität und Anziehungskraft des Salafismus auf gerade junge Menschen verstehen zu können ist die Kenntnis bzw. ein Verstehen von Jugend und Jugendkultur Voraussetzung, daher folgt nun eine kurze Einführung in das Thema: Lebensphase Jugend. Daran anschließend werden ich die Verbindung zum Salafismus und seinen Aspekten, die für diese Lebensphase attraktiv sind, herstellen.

4. Lebensphase Jugend

Die Jugend als Lebensphase, wie sie für die westlichen Industrienationen heutzutage selbstverständlich ist, ist ein Produkt eben dieser. „Die Lebensphase Jugend ist eng verbunden mit gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen. […] Mit der Entstehung der Industriegesellschaft, der Entkoppelung von Arbeitszeit und Freizeit und der sich schrittweise durchsetzenden Scholarisierung kommt es für die Heranwachsenden allmählich zu einem Moratorium beim Übergang von der Kindheit ins Erwachsenalter“ (Kowol, 2017: 29). In traditionalen Gesellschaften wird der Übergang vom Kind zum Erwachsenen schnell vollzogen. In der Regel gibt es dafür feste Rituale und Initiationsriten, eine Zwischenphase gibt es dort nicht. In den vormodernen, traditionalen Gesellschaften Europas war eine Jugendphase ebenfalls nicht existent. „Kinder gelten […] als junge Erwachsene, die relativ schnell in alle Tätigkeiten der Erwachsenenwelt einbezogen werden“ (a. a. O.: 30). Erst die Modernisierungsprozesse im 17. Und 18. Jahrhundert bringen tiefgreifende Veränderungen sozialer, ökonomischer, sozialdemographischer, politischer und kultureller Natur mit sich, „in deren Folge die agrarisch strukturierten Gesellschaften Europas allmählich in Industrienationen und Stadtgesellschaften transformiert wurden“ (a. a. O.: 31). Die Trennung von Haushalt und Erwerb trat ein und es entstand ein neues Familienmodell, in dem die geschlechtliche Arbeitsteilung vorherrschte. Männer gingen hauptsächlich einer außerhäuslichen Erwerbstätigkeit nach, während die Frauen vornehmlich mit der Haushaltsführung und der Kindererziehung betraut waren. Die Einführung der Schulpflicht und das Verbot von Kinderarbeit begünstigten ebenfalls die Entstehung des Jugendalters. Zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Jugendklubs und „das Freizeitverhalten der Jugendlichen konzentrierte sich auf Musik- und Tanzveranstaltungen, Kinobesuche, Sportveranstaltungen, Wirtshäuser und Rummelplätze“ (a. a. O.: 32). Natürlich war das Freizeitverhalten abhängig von der Schichtzugehörigkeit, Kinder ärmerer Arbeiterfamilien konnten in der Regel an den genannten Aktivitäten nicht teilnehmen, da das Geld fehlte; für sie wurde „die Straße“ zum wichtigsten Freizeitort. Durch diese Entwicklungen wurde Anfang der 20. Jahrhunderts zwischen den Phasen Kindheit und Erwachsensein die Phase Jugend sichtbar. „Die gesellschaftliche Anerkennung des Status Jugend drückte sich auch in den verschiedenen Institutionalisierungsprozessen aus, deren Gegenstand „Jugend“ ist: Jugendschutz, Jugendgerichte und Jugendgefängnisse, Wohlfahrtseinrichtungen und besonders Arbeitsvermittlungen für Jugendliche“ (a. a. O.: 33). Die Phase der Jugend hatte sich jedoch nicht nur als rein zeitliches Phänomen etabliert, sondern brachte die Entstehung einer ganzen Jugendkultur mit sich, inklusive eigener Werte, Vorstellungen, Wünschen, Rituale, Musik, Kleidung und vielem mehr. Der Begriff Identitätsfindung spielt hierbei eine besondere Rolle. In der Vormoderne war das kein Thema; war der Vater Bauer, wurde man Bauer; war der Vater Schmied, wurde man Schmied, usw. Mit der Modernisierung und Individualisierung der Gesellschaft kam die Freiheit frei zu wählen was man werden möchte, aber woher soll man wissen, was man möchte? Die Jugendphase stellt für den jungen Menschen die Spielwiese dar, ein Art Schutzraum in dem es sicher und „normal“ ist sich von der Elterngeneration abzugrenzen, zu rebellieren, sich auszuprobieren, um die eigene Identität zu finden. So entstehen altershomogene Gruppen, die gemeinsame Ziele haben; und im Wandel der Zeit haben sich diese in verschiedenen Bewegungen organisiert (Studentenbewegung, Jugendzentrumbewegung, Schülerbewegung, Hausbesetzerszene, Punks, Gothics uvm.) und für sich noch nie dagewesene Rechte und Freiheiten erstritten – „zwar nicht im ökonomischen Sinne, dafür aber in intellektueller, politischer, kultureller und sexueller Hinsicht […] und damit haben sie reichliche Gelegenheit für soziale Experimente und politische Umtriebe, die ihre Generation von den vorangegangenen unterscheidet“ (a. a. O.: 37). Das Ende dieser Phase erfolgte bis vor wenigen Jahren noch relativ sichtbar durch den Einstieg ins Berufsleben, Heirat, Elternschaft – der sogenannte Ernst des Lebens begann.

In den letzten Jahren jedoch ist der Übergang aus der Jugend- in die Erwachsenenphase durch zunehmende Individualisierungs- und Destrukturalisierungsprozesse sehr durchlässig geworden und zwar in beide Richtungen. Viele, früher ausschließlich jungen Leuten vorbehaltene „Szenen [verlieren] ihren Ausschließlichkeitscharakter als allein durch Jugendliche frequentiert […] und an die Stelle des Jugendlichen [treten] die „juvenil orientierten Personen, worunter Akteure jeden Alters zu verstehen sind, die eine dezidierte jugendliche Haltung an den Tag legen“ (a. a. O.: 39). Die starke Kommerzialisierung der Jugendphase sowie die zunehmenden Veränderungen und Unsicherheiten auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt lassen ebenfalls sichtbare Übergänge verschwinden und zerstören damit die Letzten traditionellen Orientierungspunkte. „Die eindeutige Bestimmung des Endes der Jugendphase wird also schwieriger, da klare Statusübergänge fehlen. Jugend endet heute nicht mit einem einschneidenden Erlebnis, sondern sie franst irgendwann einfach aus […] Jugend ist ein offener Lebensbereich geworden, keine Vorbereitung mehr auf etwas anderes“ (a. a. O.: 41).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Provokation durch Radikalisierung. Salafismus als jugendkulturelles Phänomen
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Religionssoziologie
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V537140
ISBN (eBook)
9783346127235
ISBN (Buch)
9783346127242
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Religionssoziologie, Religion, Salafismus, Jugendkultur, Radikalisierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Provokation durch Radikalisierung. Salafismus als jugendkulturelles Phänomen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537140

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