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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 02
1.1 Problemstellung 02
1.2 Gang der Untersuchung 03
2 Grundlagen 04
2.1 Der Mittelstand 04
2.1.1 Definitorische Abgrenzung 04
2.1.2 Die aktuelle Finanzierungssituation der KMU 05
2.2 Der Baseler Eigenkapitalakkord 08
2.2.1 Die Bank für internationalen Zahlungsaugleich 08
2.2.2 Das Baseler Konsultationspapier von 1988 Basel I 09
2.2.3 Das Baseler Konsultationspapier von 1999 (2001 ) Basel II 10
3 Rating mittelständischer Unternehmen 14
3.1 Der Begriff Rating, Ratingsymbole und -definitionen 14
3.2 Träger des Mittelstandsratings 16
3.3 Das Verfahren - von der Information zur Kreditentscheidung 19
3.4 Die Vorbereitung auf das Rating - geforderte Informationsstandards 19
3.5 Empfehlungen für die KMU 23
4 Konsequenzen für die Kreditpolitik der Banken und die Finanzierungs
situation der KMU 24
4.1 Wirkung von Basel II auf das Kreditvergabeverhalten und die
Konditionengestaltung der Banken 24
4.2 Konsequenzen für die Bank - Kunde Beziehung 28
4.3 Finanzierungsalternativen für mittelständische Unternehmen 30
5 Schlussbetrachtung 34
Anhang 35
Literaturverzeichnis 40
2
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Das traditionelle Bankgeschäft befindet sich derzeit in einem tief greifenden Umwandlungsprozess. Eine zunehmende Globalisierung der Märkte, erhöhte
Ausfallrisiken von Kreditengagements und ansteigende Insolvenzzahlen 1 begründen die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors zu ergreifen. Diese Veränderungen auf globaler Ebene nehmen unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftspolitik der Kreditinstitute in Deutschland. Gleichermaßen sind neben den bankinternen Auswirkungen auch Konsequenzen für fremdfinanzierende Unternehmen zu erwarten.
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat den Entwurf eines Konsultationspapiers (Basel II) verabschiedet, dass für Banken zukünftig eine Eigenkapitalhinterlegung vorsieht, die sich an der Bonität bzw. dem Rating des Schuldners orientiert. Dementsprechend werden sich die Kreditkonditionen gestalten, das heißt, es wird eine deutlichere Bandbreite von Kreditpreisen und eine stärkere Selektion bei der Kreditvergabe erwartet 2 . Profitieren werden davon Unternehmen mit guter Bonität, während sich Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Bonität auf ungünstige Konditionen, das heißt hohe Fremdkapitalzinsen bei der Aufnahme eines Kredits, einstellen müssen. Instrument der Kreditrisikosteuerung und damit der
Konditionengestaltung der Banken ist das Rating, das ein Urteil über die Fähigkeit des Kreditnehmers abgeben soll, in welchem Maße er seiner Verpflichtung nachkommen kann, Zins und Tilgung des Kreditengagements rechtzeitig und in vollem Umfang zu erfüllen. 3 Angesichts des engen Zusammenhangs zwischen der zwingenden
Eigenkapitalhinterlegung der Banken und den Fremdkapitalzinsen für Unternehmen sind aufgrund dieser Veränderung gravierende Auswirkungen auf die sehr traditionell ausgeprägte Kreditfinanzierung des Mittelstands zu erwarten. Die Finanzstruktur des Mittelstands ist durch eine dürftige Eigenmittelausstattung geprägt, was eine hohe Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern bedeutet, um die laufenden Geschäftsvorfälle finanzieren z u können. Hauptfinanzierungspartner sind dabei die Hausbanken der Unternehmen. 4 Ab dem Jahr 2006 (Inkrafttreten von Basel II) 5 werden mittelständische Unternehmen ohne ein Rating nur noch unter beträchtlichen Schwierigkeiten Kapital
1 Vgl. Schieble, M. (2000). Bonitätsprüfung im Firmenkundengeschäft, Wiesbaden, S. 10
2 Vgl. Heyken, A. (2001), Informationsstand und erwartete Auswirkungen von Basel II im Mittelstand, in: Everling, O. (Hrsg.), Rating - Chance für den Mittelstand nach Basel II, Wiesbaden, S. 120
3 Vgl. Everling, O., Graalmann, B. (2002). Basel II und Rating im Kreditgeschäft der Zukunft, in: die Zukunft der Banken - die Banken der Zukunft, S. 100
4 Vgl. Stark, J. (2002). Neue Trends in der Unternehmensfinanzierung, in: Kolbeck, CH., Wimmer, R. (Hrsg.), Finanzierung für den Mittelstand, Wiesbaden, S. 38
5 Vgl. Paul, St. (2001). Der Baseler Akkord im Überblick, in: Hofmann, G. (Hrsg.), Auf dem Weg zu Basel II, Frankfurt am Main, S. 6
3
aufnehmen können. Ein bankinternes oder externes Rating wird somit Indikator günstiger Finanzierungsmöglichkeiten. Schon jetzt unterziehen Kreditinstitute die
unternehmensinternen Finanzdaten einer tieferen Analyse, um sich einen Überblick über das Kreditausfallrisiko zu verschaffen.
Die Informationslage über die erwarteten Veränderungen von Basel II und dem damit verbundenen Rating gestaltet sich zum jetzigen Zeitpunkt im Mittelstand noch sehr dürftig. So glauben laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) nur 37% der befragten Unternehmen gut bis sehr gut auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereitet zu sein, 50 % mittelmäßig bis unzureichend und 8% der Befragten fehlte eine Vorbereitung gänzlich. 6
Dieser Fakt birgt erhebliches Risikopotential für die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Unbedingte Aufgabe des Finanzmanagement ist deshalb eine intensive Auseinandersetzung mit der finanzwirtschaftlichen Lage des Unternehmens, um die Chancen und Risiken der zukünftigen Veränderungen zu erkennen und zu steuern. Bei der Vorbereitung müssen sich die Unternehmen selbstkritische Fragen stellen, die als Anlass zur Verbesserung der Unternehmensführung gesehen werden können. Die Chancen, neues Kapital und bessere Konditionen von den Kreditinstituten zu bekommen, steigen mit der Fähigkeit, die Entwicklung, Vorhaben und Zukunftsperspektiven des Unternehmens transparent, nachvollziehbar und schlüssig präsentieren zu können. Je nach Qualität des Ratings eröffnen sich neue Möglichkeiten. Durch ein gutes Rating können Fremdfinanzierungskosten drastisch gesenkt und neue Finanzierungsquellen erschlossen werden. Umgekehrt werden KMU, die den neuen Transparenzanforderungen nicht genügen, mit erheblich höheren Kapitalkosten und einer Verschlechterung ihrer Finanzierungslage rechnen müssen.
1.2 Gang der Untersuchung
Zielsetzung dieser Untersuchung soll es sein, die für die Finanzierungssituation des Mittelstands relevanten Informationen über die erwarteten Auswirkungen des Baseler Akkords zu selektieren und die damit verbundenen Anforderungen an das Finanzmanagement des Unternehmens aufzuzeigen.
Im ersten Teil der Untersuchung soll ein Überblick über die Grundlagen der Problematik „Basel II und Mittelstand“ gegeben werden. Dazu wird zunächst der Mittelstand definiert und seine akt uelle Finanzierungssituation aufgezeigt. Im Anschluss folgt neben der historischen Entwicklung eine kurze Darstellung der wesentlichen Inhalte des neuen Konsultationspapiers.
6 Vgl. Fischer P., Mengers, M. (2001). Rating als Visitenkarte am Finanzmarkt der Zukunft, in: Everling, O. (Hrsg.), Rating - Chance für den Mittelstand nach Basel II, Wiesbaden, S. 104
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Da sich aus dem Papier zukünftig verstärkt die Notwendigkeit von Ratinganalysen ergibt, wird im zweiten Teil Rating als Kernelement der Bonitätsprüfung vorgestellt. Neben den begrifflichen Grundlagen liegt der Schwerpunkt hier auf den von den Kreditinstituten geforderten Informationsstandards an die KMU zur Durchführung eines Rating bzw. einer Bonitätsprüfung. Im vierten Teil der Arbeit werden die Auswirkungen von Basel II auf die Kreditpolitik der Banken hinsichtlich des Kreditvergabeverhaltens und der
Konditionengestaltung und die daraus resultierenden Konsequenzen auf die Bank-Kunde-Beziehung untersucht. Im Anschluss erfolgt eine kurze Vorstellung möglicher Finanzierungsalternativen für die KMU.
2 Grundlagen
2.1 Der Mittelstand
In der Thematik um Basel II steht gerade der Mittelstand im Brennpunkt der Diskussion, weil die deutsche Wirtschaft wie kaum eine andere durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt ist. Immerhin werden von kleinen und mittelständischen Unternehmen knapp die Hälfte aller Umsätze erzielt. 7 Etwa zwei Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten inzwischen in mittelständischen Firmen. Ihr gesamtwirtschaftlicher Beitrag hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung zugenommen, was unter anderem die Folge ihres überproportionalen Anteils bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze ist. Zwischen 1990 und 1995 schuf der Mittelstand knapp eine Million neuer Stellen, wobei der Dienstleistungssektor hier eine vorrangige Position einnahm. Im gleichen Zeitraum bauten Großunternehmen 750.000 Arbeitsplätze ab. 8 Aber nicht nur bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze führen kleine und mittelständische Unternehmen, sondern auch bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. 80 Prozent aller Ausbildungsplätze werden von Ihnen zur Verfügung gestellt. 9
2.1.1 Definitorische Abgrenzung
Die Frage, was kleine und mittelständische Unternehmen von Großunternehmen unterscheidet, ist anhand quantitativer und qualitativer Kriterien zu beantworten.
Quantitativ gesehen ist der wirtschaftliche Mittelstand die Gesamtheit von Unternehmen und freien Berufen soweit eine bestimmte Größenordnung nicht überschritten wird. In der Literatur finden sich dabei Merkmale, wie die Anzahl der Mitarbeiter, der
7 Vgl. Prof. Dr. Rolf Eggert (2002). Basel II, neue Bilanzierungsregeln - Mittelstand vor neuen Herausforderungen, Hamburg, S. 1
8 Vgl. Holtzmann, H.-D., Mitropoulus, St. (1997). Steuerdiskussion und mittelständische Unternehmen, Sonderbericht / Deutsche Bank Research, Frankfurt am Main, S. 4
9 Vgl. Sultze, H.-G. (2001). Zukunftsperspektiven des Ratingmarktes, in: Everling, O. (Hrsg.), Rating - Chance für den Mittelstand nach Basel II, Wiesbaden, S. 29
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Jahresumsatz oder die Bilanzsumme. Nach der Arbeitsdefinition des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung sind in kleinen Unternehmen zwischen 1 und 99 Mitarbeitern beschäftigt, bei einem Umsatz von € 500.000 im Jahr. Zu den mittleren Unternehmen zählen Betriebe mit weniger als 500 Beschäftigten bzw. weniger als 500 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Europäische Kommission rechnet zu den kleinen und mittleren Unternehmen Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten und entweder einem Jahresumsatz von 40 Millionen Euro oder einer jährlichen Bilanzsumme von unter 27 Millionen Euro. Die Creditreform - Wirtschafts- und Konjunkturforschung schließlich betrachtet Mittelständler als Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten: In Westdeutschland sind das 76,9 Prozent, in Ostdeutschland 84,8 Prozent der Unternehmen; größere Mittelständler, mit einem Personalbestand zwischen 200 und 500 Beschäftigten, haben in Westdeutschland eine Größenordnung von gerade 9,2 Prozent und in Ostdeutschland sogar nur 4,4 Prozent. 10
Wie die vorherigen Ausführungen zeigen, sind die quantitativen Definitionen des Mittelstands recht unterschiedlich und mit einer entsprechenden Vorsicht zu verwenden. Deshalb sollten auch branchenspezifische Unterschiede betrachtet werden. Dabei stehen die meisten qualitativen Definitionen des Mittelstands im engen Zusammenhang mit der Beziehung zwischen Unternehmen und Eigentümer, wie sie in der Einheit von Eigentum und Haftung, das heißt, der Einheit von wirtschaftlicher Existenz, der Leitung des Unternehmens und in der Verantwortlichkeit der Führungsperson für alle
unternehmensrelevanten Entscheidungen zum Ausdruck kommt. In mittelständischen Unternehmen kann die Unternehmensleitung direkten Einfluss auf alle strategisch bedeutsamen Vorgänge des Unternehmens ausüben. Des Weiteren findet sich gerade im Mittelstand noch eine persönliche Beziehung zwischen Führung und Mitarbeitern, was sich wiederum auf die Art der Organisation und damit auf die betriebswirtschaftliche Struktur auswirkt. 11 Diese besonderen qualitativen Merkmale mittelständischer Firmen beeinflussen wiederum die Rechtsform des Unternehmens (typisch für den Mittelstand: Einzelunternehmer, OHG, KG, GmbH, GmbH & Co. KG und die Genossenschaft), das Finanzierungsverhalten, die Innovationstätigkeit, die Produktpolitik und nicht zuletzt die Einstellung zur Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden.
2.1.2 Die aktuelle Finanzierungssituation der KMU
Betrachtet man die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstandes, so weisen diese Unternehmen eine Reihe von Besonderheiten auf: 12
10 Vgl. Koch, W., Wegmann, J. (1999). Mittelstand und neuer Markt, Frankfurt am Main, S. 16-18
11 Vgl. Koch, W., Wegmann, J. (1999). a.a.O., S. 17
12 Vgl. Stark, J. (2002). a.a.O., S. 38
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§ Sie sind weniger kapitalmarktorientiert, da sie oft feste Eigentümer und Finanzierungsstrukturen aufweisen.
§ Im Vergleich zu Großunternehmen haben KMU größere Schwierigkeiten, Investitionen aus der Einbehaltung (Thesaurierung) von Gewinnen zu finanzieren, wobei gerade diese Form der Innenfinanzierung die wichtigste Art der Finanzierung vor der Kredit- und Eigenfinanzierung darstellt.
§ Die Eigenkapitalquote liegt deutlich niedriger i m Vergleich zu Großunternehmen. Durch den geringen Eigenkapitalanteil und die damit verbundenen geringen betrieblichen Sicherheiten sind die Möglichkeiten der Kreditfinanzierung begrenzt. Dieser Sachverhalt wird durch die enge Beziehung zur Hausbank wieder etwas gemildert.
Bei der Finanzierung von Investitionen und laufenden Ausgaben greifen KMU wegen des fehlenden direkten Zugangs zum Kapitalmark überwiegend auf alternative Formen der Außen- und Innenfinanzierung zurück.
Als Außenfinanzierung wird die „Zuführung finanzieller Mittel durch Beteiligung von
Gesellschaftern oder Einlagen der Unternehmenseigener sowie durch Kreditkapital von Gläubigern“ 13 bezeichnet. Die Beteiligungsfinanzierung als kapitalmarktorientierte Außenfinanzierung wird im internationalen Vergleich immer noch sehr zurückhaltend genutzt. Hinsichtlich der Kreditfinanzierung führen vor allem Banken Fremdkapital in Form von mittel- und langfristigen Krediten zur Finanzierung von Investitionen von außen zu. Dabei spielen Mittel von öffentlich-rechtlichen Förderinstituten eine gewichtige Rolle. Kurzfristige Finanzierungen des Umlaufvermögens werden vor allem durch Kontokorrentkredite abgedeckt. Als weitere Finanzierungsinstrumente von KMU sind Lieferantenkredite, Leasing und Factoring zu nennen. 14
Abbildung 1 15 : Finanzstruktur von deutschen Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten
13 von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), Auswirkungen des Baseler Akkords auf die Finanzierung des Mittelstandes, in: Kolbeck, Ch. Wimmer, R.,(Hrsg.), Finanzierung für den Mittelstand, Wiesbaden, S. 161
14 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), a.a.O., S. 162-163
15 von Boehm-Bezig, C.-L. (2002). a.a.O., S. 164
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Festzustellen ist, dass die Fremdkapitalposition der Passivseite der Bilanz von KMU deutlich durch Bankverbindlichkeiten geprägt ist. Im Zuständigkeitsbereich der Hauptverwaltung der deutschen Bundesbank Hamburg, der die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern einschließt, beträgt der Anteil der durch Sparkassen und Kreditgenossenschaften vergebenen Kredite über 50%. Gemeinsam vereinigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken bundesweit 47% des Geschäftsvolumens auf sich. 16
Entscheidenden Einfluss auf den Anteil von Bankkrediten an der Bilanzsumme hat die Größe eines Unternehmens. Je kleiner das Unternehmen ist, desto größer ist der Anteil an Bankkrediten. So liegt der Anteil bei kleinen Firmen nahezu doppelt so hoch (39,4 Prozent) als bei mittleren Unternehmen (23,5 Prozent). 17 Ebenso kann gesagt werden, dass mit zunehmender Größe eines Unternehmens tendenziell der Anteil der am Kapitalmarkt besorgten Finanzmittel am Gesamtkapital zunimmt. 18 Unverkennbar ist dennoch, dass sich die Gewichte bei der Unternehmensfinanzierung hinsichtlich des Kapitalgeberkreises verschieben. Der Anteil der klassischen Bankfinanzierung nimmt zugunsten der Finanzierung über andere Kapitalgeber und den Kapitalmarkt ab. 19
Abbildung 2 20 : Finanzstruktur westdeutscher Unternehmen 1996
Im Weiteren hat sich der Trend zu längeren Laufzeiten bei Wirtschaftskrediten durchgesetzt. Mittlerweile sind knapp 87% aller Kredite an inländische Nichtbanken mittel- und langfristig; 1990 lag diese Quote noch bei 81%. 21 Vor allem bei kleineren Banken sind diese Engagements zu verzeichnen. Die Unternehmenskreditvergabe der
16 Vgl. Prof. Dr. Rolf Eggert (2002). a.a.O., S. 3
17 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), a.a.O., S. 162
18 Vgl. Stark, J. (2002). a.a.O., S. 38
19 Vgl. Speicher, M. (2001). Förderung der Kapitalversorgung im Mittelstand durch Rating, in: Everling, O.(Hrsg.), Rating - Chance für den Mittelstand, Frankfurt am Main, S. 4
20 von Boehm-Bezig, C.-L. (2002). a.a.O., S. 162
21 Vgl. Prof. Dr. Rolf Eggert (2002). a.a.O., S. 3
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großen international tätigen Kreditinstitute hat ihren Schwerpunkt im kürzerfristigen Bereich. Neben der für den Mittelstand bedeutenden Außenfinanzierung stellt die
Innenfinanzierung eine weitere Möglichkeit der Finanzierung des laufenden
Geschäftsbetriebs dar. Die Selbstfinanzierung, das heißt, die Einbehaltung ausgewiesener Gewinne, erfolgt bei den KMU durch die Gutschrift auf dem Eigenkapitalkonto und den Verzicht auf Entnahmen. Eine weitere Möglichkeit ist die Bildung stiller Reserven in der Bilanz. Wesentliche Vorteile sind die Unabhängigkeit von Kapitalgebern, die fehlende Fristigkeit der Finanzierung, die Vermeidung von Zinsaufwendungen und die Stärkung der Eigenkapitalbasis. Neben der Selbstfinanzierung ist auch die Finanzierung aus Abschreibungen zu nennen, die mit zunehmender Anlagenintensität steigt. Die Bildung von Rückstellungen, bspw. Pensionsrückstellungen, bei Firmen mit weniger Mitarbeitern von untergeordneter Bedeutung, die Veräußerung nicht betriebsnotwendiger Vermögensteile, die Beschleunigung des Kapitalumschlags sowie
Rationalisierungsmaßnahmen sind als weitere Möglichkeiten der Innenfinanzierung zu nennen. 22
Resümierend kann festgehalten werden, dass es bei kleinen und mittleren Unternehmen in den letzten Jahren, gemessen am Anteil der Bilanzsumme, zu einem Anstieg der Bankverbindlichkeiten bei gleichzeitigem Rückgang der Eigenmittel gekommen ist. 23
2.2 Der Baseler Eigenkapitalakkord
In den vorherigen Ausführungen wurde der Mittelstand definiert und seine aktuelle Finanzierungssituation erläutert. Die (neuen) Regelungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarung haben unmittelbare Konsequenzen auf die
Finanzierungsperspektiven der KMU. Aufgrund dieser engen Beziehung sollen an dieser Stelle definitorische Grundlagen hinsichtlich des Baseler Akkords gelegt werden, die sich mit dem Ursprung, der Historie (Basel I) und den aktuellen Ä nderungen bzw. Ergänzungen, die das neue Konsultationspapier Basel II enthält, beschäftigen.
2.2.1 Die Bank für internationalen Zahlungsaugleich
Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlement), kurz BIZ genannt, wurde 1930 gegründet. Im Jahr 1975 erfolgte durch die Präsidenten der Länder der Zehnergruppe 24 die Gründung des Ausschusses für Bankenaufsicht, mit Sitz in
22 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), a.a.O., S. 164-165
23 Vgl. Stark, J. (2002). a.a.O., S. 39
24 Vgl. Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen: (Ref. Nr.: 23/1999 D)
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Elke Mache, 2002, Basel II - Erwartungen und Auswirkungen bezüglich der finanzwirtschaftlichen Situation mittelständischer Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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