Inhaltsverzeichnis
S e i t e
1. Problemstellung 1
1.1 Die Arbeitsmarktsituation in Deutschland 2
1.2 Einkommensverteilung 9
1.3 Soziale Sicherungssysteme 10
1.4 Schwarzarbeit 11
2. Arbeitsmarkttheorie 13
2.1 Das Arbeitsangebot 13
2.2 Die Arbeitsnachfrage 18
2.3 Das Arbeitsmarktgleichgewicht 22
2.4 Die Entstehung von Unterbeschäftigung 24
2.5 Zwischenfazit 26
3. Mindestlöhne 27
3.1 Mindestlöhne in der Theorie 33
3.2 Mindestlöhne in den USA - Der Fair Labour Standards Act 37
3.3 Mindestlöhne in Frankreich - Das SMIC 39
3.4 Der Britische Mindestlohn 40
4 K o m b i l ö h n e 43
4.1 Bisherige Modellprojekte 46
4.2 Aktivierende Sozialhilfe 49
4.3 Die Magdeburger Alternative 51
5. Weitere Beschäftigungsinstrumente 55
5.1 Negative Einkommensteuer 56
5 2 W o r k f a r e 5 6
5.3 Förderung haushaltsbezogener Dienstleistungen 59
5.3.1 Die Förderung haushaltsbezogener Dienstleistungen
in Deutschland 59
5.3.2 Das dänische Haushaltsdienstleistungenprogramm 66
5.3.3 Die Förderung haushaltsbezogener Dienstleistungen
in Frankreich 68
II
S e i t e
6. Schlussbetrachtung 70
Symbolverzeichnis
Mindesteinkommen / Reservationslohn b Euro € Freizeit l äftigten Zahl der Besch L en Zahl der Erwerbsperson N
gleichgewichtige Beschäftigung N
c ndestlohnes Arbeitsnachfrage bei Geltung des Mi N
m Preis p Preisniveau P Lohnergänzung s Lohn w ender Lohn markträum w
0 Gleichgewichtslohn w
c Mindestlohn w
m
Einkommen Y
III
S e i t e
Abbildungsverzeichnis
A bbildung 1.1.1 Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot im früheren Bundesgebiet
Abbildung 1.1.2 Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot in den neuen Bundesländer 5 n
Abbildung 1.1.3 Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten nach Bundesgebiet
Abbildung 1.1.4 Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten nach Geschlecht
A bbildung 2.1.1 Budgetbeschränkung für die Wahl zwischen Freizeit und Einkommen
Abbildung 2.1.2 Die Arbeitsangebotskurve
Abbildung 2.2.1 Die Arbeitsnachfrage
Abbildung 2.2.2 Arbeitsnachfrage und Re 20 allohn
Abbildung 2.2.3 Arbeitsnachfrage für Gewerksch tg 21 aftsmi lieder
Abbildung 2.3.1 Arbeitsmarktgleichgewicht
Abbildung 2.3.2 Auswirkung einer Verschieb g 23 un des Arbeitsangebots
Abbildung 2.3.3 Verschiebung der Arbeitsnachfragekurve
Abbildung 2.4.1 Entstehung von Unterbeschäftigung
A bbildung 3.1.1 Der Arbeitsmarkt bei vollkommenem Wettbewerb
A bbildung 4.3.1 Der Arbeitsmarkt
Abbildung 4.3.2 Lohnergänzungsle g 53 istun
Abbildung 4.3.3 Lohnkostenzuschüsse an d rb e 54 en A eitgeb r
A bbildung 5.2.1 Entscheidung zwischen Konsum und Freizeit und
das Workfareprinzip
IV
S e i t e
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1.1.1 Erwerbsbeteili gung (Inländerkonzept) in Deutschland nach Jahren, in Tausend 3
Tabelle 1.1.2 Offene Stellen nach Jahren, in Tausend 4 Tabelle 3.1 Bruttostunde 28 nverdienste in der Landwirtschaft, in Euro je Stunde Tabelle 3.2 Bruttostundenverdienste im Handwerk, i E 29 n uro je Stunde
Tabelle 3.3 Bruttostundenverdienste im Produzierenden Gewerbe, in Euro je Stunde 30 Tabelle 3.4 Erwerbstätige in Deutschland nach Wirtschaftsbereichen un n, d Jahre (Inlandskonzept), in Tausend 31
Tabelle 3.5 Arbeitskosten im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich 2004 nach Wirtschafts ic 32 bere hen in Euro je Stunde Tabelle 4.1 Existenzminimum , in Euro 44
bkürzungsverzeichnis A
bsatz Abs. A zw. beziehungsweise b ca. circa Dienstleistungsscheck CES chèque - emploi service, e index CPI consumer pric d.h. das heißt EITC earned income tax credit EStG Einkommensteue rgesetz FLSA Fair Labor Standards Act HMRC HM Revenues and Customs LPC Low Pay Commission MOE Sta Mittel- und Osteuropäische S aten taaten Nr. Nummer PISA programme for international student assessment SGB Sozialgesetzbuch SMIC salaire minimum interprofessionnel de croissance TES Titre emploi service, Dien stleistungsgutschein u.a. und andere z.B. zum Beispiel
V
1. Problemstellung
Unterbeschäftigung und Armut sind schwerwiegende Probleme der Gesellschaft, insbesondere für Geringqualifizierte und Personen mit Migrationshintergrund. Aufgabe der Ökonomen ist es Wege zu finden die die Ausmaße dieser Probleme begrenzen. Welche Instrumente den Ökonomen dabei zur Verfügung stehen und welche Auswirkungen sie, auf Beschäftigung und Einkommen der Geringqualifizierten haben, soll diese Arbeit zeigen. Internationale Erfahrungen mit diesen Instrumenten können dabei Hinweise auf die Auswirkungen, die diese in Deutschland haben könnten, geben. Vor allem soll auf die beiden viel diskutierten Instrumente, Mindest- und Kombilohn, eingegangen werden.
Mindestlöhne sind Teil einer breiten politischen Agenda mit dem Ziel Ungleichheiten zu reduzieren, Arbeitsanreize zu verbessern und werden in verschiedenen Formen in vielen entwickelten Ländern genutzt. Allerdings sind Mindestlöhne weit davon entfernt unumstritten zu sein. Für viele Ökonomen, aber nicht alle, implizieren sie eine Verringerung der Beschäftigung, da sie verzerrende Effekte auf die Lohnsetzung haben können. 1 Auch Kombilöhne sind dafür gedacht Arbeitsanreize, durch Aufstockung niedriger Löhne, zu erhöhen und die Einkommenssituation von Geringverdienern zu verbessern.
Das Problem von Armut und Unterbeschäftigung manifestiert sich allerdings nicht nur im ökonomischen Bereich. Auf die Dimension des sozialen Problems der Unterbeschäftigung muss mit Nachdruck hingewiesen werden. Arbeitsplätze haben einerseits eine fundamentale Bedeutung für die soziale Anerkennung und die Selbstachtung. 2 Andererseits hat der soziale Status aber auch Rückwirkungen auf die Gesundheit. So wird die subjektive Gesundheit sowohl von Familien mit niedrigem Sozialstatus als auch von Personen mit Migrationshintergrund niedriger bewertet als dies der Fall bei Familien mit hohem Sozialstatus ist. 3 Bei Kindern mit niedrigem sozioökonomischen Status und Kindern mit Migrationshintergrund zeigen sich zudem häufiger Hinweise auf psychische Probleme. Die Früherkennung und Prävention dieser Probleme scheint besonders schwierig, da es sich hierbei um nur schwer erreichbare Gruppen handelt. 4 Auch das Rauchen ist bei Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischen Status besonders stark verbreitet, dass gilt auch für die Passivrauchbelastung dieser Personengruppe. 5 Auch die Ergebnisse der Untersuchung über das Mundgesundheitsverhalten zeigen, dass ein schicht- und kulturspezi-
1 Vgl. Gregg,P., The use of wage floors as policy tools, 2000, S. 134.
2 Vgl. Heinze, R. G., Streeck, W., Optionen für den Einstieg in den Arbeitsmarkt, 2003, S. 26.
3 Vgl. Lange, M., Erdmann, F., Subjektive Gesundheit, 2006, S. 1225.
4 Vgl. Erhart, M., Hölling, H., Schlack, R., Ravens - Sieberer, U., Verhaltensprobleme und -stärken, 2006, S. 1227.
5 Vgl. Lampert, T., Thamm, M., Tabakkonsum und Passivrauchen, 2006, S. 1229.
1
fischer Präventionsbedarf besteht. 6 Ebenso werden nicht alle Früherkennungsuntersuc hungen von Familien mit Migrationshintergrund und denen mit niedrigem sozioökonomischen Status wahrgenommen. Diese Untersuchungen sind jedoch besonders wichtig, da sie Kinder vor langfristigen negativen Folgen für die Gesundheit und den damit ver-bundenen hohen Kosten bewahren sollen. 7
Ein weitaus gravierenderes Problem zeigt sich jedoch in der Bildung. Viele Studien, die im Rahmen des PISA Programms unternommen wurden, zeigen dass Deutschland eine höhere Korrelation zwischen sozialem Hintergrund und schulischen Leistungen aufweist als dies in anderen industrialisierten Ländern der Fall ist. 8 Die rapiden Veränderungen der A rbeitswelt, als Folge von Globalisierungsprozessen, lässt die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften steigen. Un- bzw. Geringqualifizierte werden hingegen immer weniger gebraucht. Das Risiko des Ausschlusses steigt dabei für diejenigen Personen die keinen adäquaten Zugang zu weitererführender Bildung in ihrem Lebensverlauf haben. Die sozialen und ökonomischen Restriktionen gehen Hand in Hand mit schulischen Einschränkungen, welche sowohl die schulischen Leistungen als auch die intellektuellen Entwicklungen von Schülern erschweren. Hinzu kommt dass sich die Pro - Kopf Budgetverteilungen, von Bundesland zu Bundesland, signifikant unterscheiden . Der frühe E instufungsprozess führt im Übrigen dazu, dass Kinder die in Armut leben oder einen Migrationshintergrund haben, an den Hauptschulen überrepräsentiert sind. Diese stehen dann, gleich ob mit oder ohne Abschluss, im Wettbewerb mit anderen besser qualifizierten Arbeitskräften und befinden sich in einer Situation in der es zu einem Ausschluss vom Arbeitsmarkt kommen kann. 9 Ein niedriger sozioökonomischer Status führt somit zu einem niedrigen Qualifikationsgrad, der wiederum in einem niedrigen sozioökonomischen Status resultiert. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.
1.1 Die Arbeitsmarktsituation in Deutschland
Tabelle 1.1.1 zeigt die Erwerbsbeteiligung in Deutschland. Demnach ist nicht nur die Zahl der Gesamtbevölkerung rückläufig sondern auch die Zahl der Erwerbspersonen. Rund 52% der Gesamtbevölkerung gehen einer Beschäftigung nach. Die Zahl der Erwerbslosen nahm von 2005 bis 2006 um mehr als 400.000 Personen ab, während die Zahl der Erwerbstätigen im selben Zeitraum um rund 300.000 Personen stieg. Dies lässt den Schluss zu dass nahezu 100.000 Personen aus dem Erwerbsleben ausschieden.
6 Vgl. Schenk, L., Knopf, H., Mundgesundheitsverhalten, 2006, S. 1230.
7 Vgl. Kamtsiuris, P., Schlack, R., Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter, 2006, S. 1231.
8 Vgl. Muñoz, V., Mission t o Germany, 2006, S. 10.
9 Vgl. ebenda, S. 13ff.
2
Tabelle 1.1.1
Erwerbsbeteiligung (Inländerkonzept) in Deutschland nach Jahren, in Tausend 10
1 Vorläufiges Ergebnis Aktualisiert am 2. Mai 2007
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, 2006; eigene Darstellung.
Die konjunkturelle Belebung des vergangenen Jahres hat die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöht. Jeder fünfte Betrieb suchte im Herbst 2006 nach Personal. Betriebe und Verwaltungen boten in diesem Zeitraum rund 1,4 Millionen Stellen an, fast 260.000 mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt gab es 3,4 offene Stellen je personalsuchendem Betrieb. Insbesondere hat die Zahl der unverzüglich zu besetzenden Stellen um 240.000 zugenommen. Der Anteil der zu besetzenden Vollzeitstellen nahm ebenfalls zu. Mit rund 8% waren Vakanzen für Ingenieure am häufigsten, gefolgt von Stellen für Verkaufspersonal / Warenkaufleute mit jeweils 7% und Berufen des Landverkehrs und Bürofach- und Büroilfskräften. Zum Anstieg der Vakanzen haben insbesondere die Stellen beigetragen die h
urch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gefördert werden. Dabei handelt es sich vor d
egenheiten, auch die sogenannten Einallem um Stellen im Rahmen sozialer Arbeitsgel
uro - Jobs. Solange diese nicht besetzt werden, gehören diese ebenfalls zum gesamt-E
wirtschaftlichen Stellenangebot. Die Entwicklung des gesamten Stellenangebotes war jedoch weitestgehend konjunkturell bestimmt. Am ersten Arbeitsmarkt wurden 1,16 Millionen Stellen angeboten, fast 200.000 mehr als im Vorjahr. 11
10 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, 2007; http://www.destatis.d e/jetspeed/portal/cms/
Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Arbeitsmarkt/ILOArbeitsmarktstatistik/
rErwerbsbeteiligung,templateId=renderPrint.psml, Tabellen/Content50/Einwohne
vom 04.06.2007.
11 Vgl. Kettner, A., Spit znagel, E., IAB Kurzbericht Nr. 11 / 2007, S. 1f.
3
Tabelle 1.1.2 zeigt die offenen Stellen der Jahre 2006 und 2007. Demnach nahmen die Stellenangebote um ca. 100.000 zu. Allerdings ist auch ersichtlich dass die Zuna hme der
Stellenangebote von 2006 zu 2007 geringer ausfiel als die Zunahme von 2005 zu 2006.
Tabelle 1.1.2
Offene Stellen nach Jahren, in Tausend 12
1 Stand Mai
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, 2007; eigene Darstellung.
Die Arbeitskräftenachfrage nahm sowohl im früheren Bundesgebiet als auch in den neuen Ländern zu. Die Zahl offener Stellen nahm in Ost und West gleichermaßen stark zu. Für ie neuen Bundesländer bedeutet dies aber nahezu eine Verdopplung gegenüber 2005. d
Vor allem stieg die Zahl der nichtgeförderten Stellen. Das Niveau der Arbeitsnachfrage ist zwar im früheren Bundesgebiet höher, jedoch ist die konjunkturelle Dynamik in den neuen Bundesländern stärker ausgeprägt. 13
Abbildung 1.1.1 (siehe Anhang A1)
Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot im früheren Bundesgebiet 14
12 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, 2007; http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/ t/ Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Arbeitsmark
Content100/karb830bv4,templateId=renderPrint.psml, vom 04.06.2007.
13 Vgl. Kettner, A., S pitznagel, E., IAB Kurzbericht Nr. 11 / 2007, S. 2f.
14 Vgl. ebenda, S. 3.
4
Abbildung 1.1.2 (siehe Anhang A2)
Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot in den neuen Bundesländern 15
Ein weiterer Indikator für die Intensität der Arbeitskräftenachfrage ist die Vakanzrate, d.h. dem Verhältnis zwischen Vakanzen und aktuell Beschäftigten. Überdurchschnittliche Zunahmen der Vakanzrate waren bei den Stellen für un- und angelernte Facharbeiter zu verzeichnen. Das liegt zum einen an der hohen Zahl geförderter Stellen, die im Durchschnitt nur geringe Qualifikationsanforderungen haben. Zum anderen spiegelt dies den zunehmenden Fachkräftebedarf im gewerblichen Bereich wieder, der sich in Folge des z unehmenden Wirtschaftswachstums entwickelt. Die Arbeitskräftenachfrage konzentriert sich vor allem auf kleinere Betriebe. Mehr als die Hälfte aller offenen Stellen wurden von Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern angeboten. Erhebliche Unterschiede der Vakanzraten finden sich nicht nur regional sondern auch in den einzelnen Wirtschaftszweigen. Insbesondere im Bereich der wirtschaftsnahen Dienstleistungen sind diese gestiegen. Aber auch im Baugewerbe nahm die Vakanzrate zu. 16
Stellenbesetzungen sind Ausgleichsvorgänge zwischen Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Die allerdings Zeit benötigen. Die Spanne, vom Beginn der Bewerbersuche bis zur Arbeitsaufnahme des Beschäftigten, betrug im Jahr 2006 im früheren Bundesgebiet durchschnittlich 77 Tage und in den neuen Bundesländer 66 Tage. Von den Vakanzen des vierten Quartals 2006 waren rund 19% schwer besetzbar. D.h. die Suche nach geeignetem Personal dauerte länger als üblich oder vorgesehen. Im selben Quartal 2005 galten nur 13% aller Vakanzen als schwer besetzbar. Nach Angaben der Unternehmen ind Knappheiten auf der Bewerberseite nicht das Kernproblem des Arbeitsmarktes. Das s
Fehlen von Aufträgen wird als wichtigstes Hemmnis betrachtet, erst danach folgt der is Mangel an geeigneten Arbeitskräften. Der Auftragsmangel ist damit das größte Hindern
15 Vgl. Kettner, A., Spitznagel, E., IAB Kurzbericht Nr. 11 / 2007, S. 3.
16 Vgl. ebenda, S. 3f.
5
auf dem Weg zu mehr Beschäftigung und Wachstum, während der Arbeitskräftemangel nur eine vergleichsweise geringe Rolle spielt. Angesichts steigender B eschäftigtenzahlen
und rückläufigem Arbeitsangebot muss das Thema Arbeitskräftemangel allerdings im Auge behalten werden. Nach Auffassung von Kettner und Spitznagel gibt es noch keinen gesamtwirtschaftlich bedeutsamen Arbeits- bzw. Fachkräftemangel. Dennoch kann die Entwicklung in einzelnen Sektoren oder in einzelnen Berufs- und Qualifikationsgruppen problematisch sein. 17
Abbildung 1.1.3 (siehe Anhang A3)
Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten nach Bundesgebiet 18
Die qualifikatorische Situation des Arbeitsmarktes lässt sich in der Faustregel, je niedriger das Qualifikationsniveau desto höher das Arbeitsmarktrisiko, festhalten. Wegen ihres großen Gewichtes das zwei dritteln der Erwerbspersonen entspricht, folgt die mittlere Qualifikationsebene weitgehend der Gesamtbewegung. Eine deutliche Spreizung der Arbeitsmarktchancen zeigt sich im langfristigen Trend bei den unteren und oberen Qualifikationsebenen. Dabei tragen Akademiker das niedrigste Risiko in Unterbeschäftigung zu geraten. Im Jahr 2004 betrug deren Arbeitslosenquote 3,5% im früheren Bundesgebiet und 6% in den neuen Bundesländern und liegt damit deutlich unter denen aller anderen Vergleichsgruppen. Grund dafür ist eine lang anhaltende positive Beschäftigungsentwick-
17 Vgl. Kettner,A., Spitznagel, E., IAB Kurzbericht Nr. 11 / 2007, S. 6ff.
18 Vgl. Reinberg, A., H ummel, M., IAB Kurzbericht Nr. 9 / 2005, S. 2.
6
lung die sogar in Zeiträumen mit niedrigem oder negativem Wirtschaftswachstum nicht gestoppt wurde. 19
Während andere Beschäftigungsgruppen massive Beschäftigungseinbußen verzeichneten, konnten während des Zeitraums 2002 - 2004, trotz eines Anstiegs unterbeschäftigter Akademiker von 30.000 Personen, weitere 270.000 Arbeitsplätze hinzugewonnen werden. Personen ohne Berufsabschluss tragen nach wie vor das größte Arbeitsmarktrisiko. Jahr 2004 war jede, fünfte im früheren Bundesgebiet und jede zweite Erwerbsperson Im
erufsabschluss arbeitslos. Grund dafür ist ein anhalin den neuen Bundesländern ohne B m Wirtschaftswachstender Abbau von Einfacharbeitsplätzen. Selbst in Zeiten mit hohe tum konnte dieser Trend nur gebremst aber nicht aufgehalten werden. Offensichtlich werden sowohl die langfristigen Beschäftigungsverluste der Geringqualifizierten, als auch die Arbeitsplatzgewinne bei den Hochqualifizierten von der Konjunktur nur wenig beeinflusst. Die Beschäftigungsverluste bei den Geringqualifizierten haben sich zwar verlangsamt dennoch stieg der Verlust an Arbeitsplätzen, von 2003 - 2004, in diesem Segment um weitere 200.000 Stellen. Hinter den verbliebenen Stellen verbirgt sich zudem eine zunehmende Zahl an Minijobs. 20
Zwischen Juni 2003 und Juni 2004 hat sich die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigung insgesamt von 5,5 Millionen auf 6,5 Millionen erhöht. Für drei viertel aller geringfügig Beschäftigten, 4,8 Millionen, waren Minijobs die einzige Beschäftigung. Der größte Teil dieser Beschäftigung wurde dabei von Frauen ausgeübt und nur ein drittel von Männern. Rund 20% der Beschäftigten im Minijobbereich waren jünger als 25 Jahre, weshalb sich dahinter viele Schüler und Studenten verbergen könnten. Von 855.000 der 4,8 Millionen ist bekannt, dass diese keinen Berufsabschluss besitzen. Laut Mikrozensus 2004 lag die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss sogar bei 4,5 Millionen. Der Niedrig-hnsektor expandiert im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftilo
gung, in der Geringqualifizierte überproportional vertreten sind. Für viele Geringqualifizierte ist der Niedriglohnbereich damit längst Realität. Die unterschiedlichen Entwicklungen der qualifikationsspezifischen Arbeitskräftenachfrage haben offensichtlich eher strukturelle Ursachen. 21
19 Vgl. Reinberg, A., Hummel, M., IAB Kurzbericht Nr. 9 / 2005, S. 1f.
20 Vgl. ebenda, S. 2.
21 Vgl. ebenda, S. 3.
7
Abbildung 1.1.4 (siehe Anhang A4)
Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten nach Geschlecht 22
An der Rangfolge der Arbeitslosenquoten ändert sich nichts wenn Frauen und Männer esondert betrachtet werden. Die Arbeitslosenquoten der Frauen sind in fast allen Qualig
fikationsebenen höher als bei Männern. Dies gilt besonders für die neuen Bundesländer. Die Altersgruppe der 55- bis 64jährigen ist wegen hoher Geburtenausfälle und hoher Kindersterblichkeit, der Kriegs- und Nachkriegszeit, nur gering besetz. Zwischen 1998 und 2003 hat sich deren Anteil an der gesamten Bevölkerung um 1,1 Millionen Personen verringert. Die Zahl der Unterbeschäftigten dieser Altersgruppe hat sich zwischen 1998 und 2004 halbiert. Gleichzeitig reduzierte sich deren Arbeitslosenquote von 17,5% auf 10%. Im Vergleich zu den jüngeren Beschäftigtengruppen hatten die 55 bis 64jährigen im Jahr 2004 eine niedrigere Arbeitslosenquote bei einer nahezu unveränderten Erwerbsbeteiligung. Allerdings wird der Bevölkerungsstand dieser Gruppe wieder deutlich ansteigen und den Arbeitsmarkt für Ältere nur noch für einen kurzen Zeitraum entlasten. Ältere Akademiker konnten ihre Arbeitsmarktsituation in den letzten Jahren weiter verbessern. Im Jahr 2004 hatten sie die niedrigste Arbeitslosenquote (3,5%) aller Vergleichsgruppen und konnten bei der Bes chäftigung noch zulegen während bei allen anderen Qualifikatio nsebenen dieser Altersgruppe Beschäftigungsverluste verzeichnet wurden. Qualifikation s pielt demnach auch hier eine bedeutende Rolle. Die niedrige Arbeitslosenquote resultiert a llerdings nicht daraus, dass nur wenig Ältere dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, d a die Erwerbsquote älterer Akademiker mit 70% über dem Durchschnitt von 47% liegt. S eit langem tragen Akademiker das geringste Risiko arbeitslos zu werden. Sie verdienen
22 Vgl. Reinberg, A., H ummel, M., IAB Kurzbericht Nr. 9 / 2005, S. 4.
8
besser, werden seltener unter Wert beschäftigt und können offensichtlich ihr Arbeitsvermögen länger und ergiebiger nutzen. 23
Auf mittlere Sicht werden sich die schlechten Beschäftigungsmöglichkeiten der Geringqualifizierten weiter verstärken, da die Nachfrage nach geringqualifizierten Arbeitsleistungen auf Grund von Rationalisierungen und internationalem Wettbewerbsdruck kontinuierlich abnimmt. Während die Nachfrage nach qualifizierten Kräften wächst sind Geringqualifizierte zunehmend von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Unterschiede zwischen Gering- und Höherqualifizierten werden deshalb weiter zunehmen. 24
1.2 Einkommensverteilung
Die Verringerung der durch den Markt geschaffenen Einkommensungleichheiten ist immer mehr zu einer staatlichen Aufgabe geworden. Ohne staatliche Zuschüsse reicht das inkommen mancher Familien kaum zum Überleben. Kinder aus diesen Familien haben E
oft schlechte Zukunftsperspektiven. Die meisten Industrieländer haben sich deshalb dazu entschlossen Sicherheitsnetze für Arme aufzubauen. Unabhängig vom Einkommen sollen Programme Menschen bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter unterstützen. In einigen Ländern versucht man durch einen aktiveren Ansatz Chancengleichheit herzustellen. Die Einkommensumverteilung ist eng mit der Besteuerung verknüpft. Die Rolle des Staates beruht auf der Prämisse wirtschaftspolitisch zu intervenieren, wenn Marktversagen durch unvollkommenen Wettbewerb, unvollständige Informationen und externe Effekte vorliegt. Das Einkommen der Menschen bestimmt wer produzierte Güter konsumiert. Menschen mit höherer Qualifikation oder mit hohem Kapitalvermögen erhalten ein höheres Einkommen und können deshalb mehr konsumieren. Arbeits- und Kapitalmärkte sind effizient, da Löhne und Kapitalerträge eine geeignete Anreizstruktur darstellen. Allerdings führt die durch den Markt bestimmte Einkommensverteilung zu einer großen Ungleichheit in der Verteilung von Einkommen und Vermögen. Einkommensumverteilung beruht daher weniger auf wirtschaftlichen als auf gesellschaftspolitischen Werten. Konsens herrscht darüber dass der Staat eingreifen muss, wenn am Markt erzielte Einkommen zu niedrig sind und ein annehmbares Minimum an Lebensstandard aufrechterhalten soll muss. Entscheidend ist wie der Staat eingreift, denn Umverteilungspolitik steht oft im Widerspruch zu wirtschaftlicher Effizienz. 25
23 Vgl. Reinberg, A., Hummel, M., IAB Kurzbericht Nr. 9 / 2005, S. 4ff.
24 Vgl. Zimmermann, K. F., Beschäftigungspotentiale im Niedriglohnsektor, 2003, S. 12.
25 Vgl. Stiglitz, J. E., Volkswirtschaftslehre, 1999, S. 602f.
9
Im Wettbewerbsgleichgewicht können einige Individuen sehr reich sein, während andere in Armut leben. Wettbewerb kann zu einer effizienten Wirtschaft mit ungleicher Ressourenverteilung führen. Vor allem können individuelle Fähigkeiten unterschiedlich hoch c
bewertet werden. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage legt in einer Wettbewerbswirtschaft fest wie das Einkommen verteilt wird und bestimmt den Lohn der Arbeitskräfte und die Rendite der Kapitaleigner. Vor allem durch Ausbildung und Erziehung, über das Humankapital, kann der Staat die Vermögensverteilung beeinflussen. Der Grad an Ungleichheit kann zu einem gewissen Teil durch eine kostenlose Grundausbildung reduziert werden. 26
1.3 Soziale Sicherungssystem e
Unter den Empfängern von Leistungen der sozialen Existenzsicherung sind vor allem Arbeitskräfte mit geringer Qualifikation überrepräsentiert. Dies spiegelt zum einen das höhere Arbeitsplatzrisiko dieser Bevölkerungsgruppe wider. Zum anderen schafft das System der sozialen Absicherung Beschäftigungsschwellen für Arbeitskräfte die nur einen geringen Marktlohn erzielen können. Die Aufnahme einer Erwerbsarbeit für Geringverdiener scheint wenig attraktiv, da das erzielbare Nettoeinkommen bei Vollzeitbeschäftigung nur geringfügig über den Transferansprüchen liegt. 27 Das gesamte untere Einkommenssegment des Arbeitsmarktes geht somit verloren. Dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitsnachfrage, da Unternehmen Arbeitsplätze, deren Wertschöpfung unter den sozialen Transferleistungen liegen, nicht besetzen können. Solche Arbeitsplätze werden dann dauerhaft abgebaut oder durch Produktionsverlagerung ins Ausland transferiert. 28 Doch nicht alle Arbeitsplätze können verlagert werden, dies gilt vor allem für nicht handelbare Güter, insbesondere für Dienstleistungen. In Frage steht außerdem ob Arbeitsplätze, die der Aufrechterhaltung anderer Unternehmensprozesse dienen, vollständig abgebaut werden oder diese mit weniger Beschäftigten besser entlohnt werden.
26 Vgl. Stiglitz, J. E., Volkswirtschaftslehre, 1999, S. 374f.
27 Vgl. Zimmermann, K. F., Beschäftigungspotentiale im Niedriglohnsektor, 2003, S. 13.
28 Vgl. Bonin, H., Kempe, W., Schneider, H., Kombilohn od er Workfare, 2003, S. 53.
10
1.4 Schwarzarbeit
Ein weiteres Problem, für die gesamte Ökonomie, ist die Beschäftigung in der Schattenwirtschaft die hier thematisiert wird. Schwarzarbeit wird definiert als geleistete Arbeit für die weder Sozialversicherungsabgaben noch Steuern abgeführt und oft Arbeitsmarkt- und andere Gesetze verletzt werden. Tätigkeiten die im Sinne der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eine Wertschöpfung darstellen aber nicht oder nur zum Teil in amtlichen Statistiken auftauchen werden der Schattenwirtschaft zugerechnet. Die in den Haushalten geleistete Produktion bzw. Eigenarbeit und freiwillige Arbeit für wohltätige Zwecke werd en nach dieser Definition ausgeschlossen. Rein finanzielle Transaktionen, die keine W ertschöpfung darstellen, werden ebenfalls nicht der Schattenwirtschaft zugerechnet. Die Erfassung des Ausmaßes de r Schwarzarbeit ist relativ schwierig, da die Beteiligten e inen starken Anreiz haben dies zu verheimlichen, denn die Gefahr besteht das Behörden diese illegalen Tätigkeiten aufdecken und bestrafen. 29
Nach Schätzungen über den Bargeldansatz lag das Volumen der Schwarzarbeit im Jahr 2003 bei 370 Milliarden Euro und hatte damit einen Anteil von 17% des offiziellen Bruttonationaleinkommens. Den größten Anteil an der Schattenwirtschaft haben das Bau- und Handwerksgewerbe sowie Haushalte und sonstige Dienstleistungsbetriebe. Hierin liegt ein beträchtliches Beschäftigungspotential, welches durch einen Niedriglohnsektor in der offiziellen Wirtschaft erschlossen werden könnte. Vor allem in südeuropäischen Ländern, wie Griechenland, Italien und Spanien, hat die Schattenwirtschaft ein Ausmaß von 23 -29% des Bruttonationaleinkommens. Deutschland liegt im internationalen Vergleich im unteren Drittel. 30
Die Ursachen für das Wachstum der Schwarzarbeit liegen in der hohen Steuer- und Abgabenbelastung, der schlechten Steuermoral, unvollständigen Information über Steuer-hestandsre-und Sozialversicherungsgesetzgebung, der Verkürzung der Arbeitszeit, Vorru elungen und der zunehmenden Regulierung des Arbeitsmarktes. Entsprechen die Arg
eitsplatzbedingungen nicht den Erwartungen der Beschäftigten werden diese ihre Arb
eitskraft in die Schattenwirtschaft verlagern. Die Zahl illegaler Beschäftigter lag nach b
chätzungen im Jahr 2000 bei 5 Millionen. Diese Zahl ergibt sich aus der Umlage der in S
er Schattenwirtschaft geleisteten Stunden auf Vollzeitbeschäftigte. Deshalb sind Strukd
rreformen und eine rationale Wirtschaftspolitik notwendig, die zu einer Verringerung tu
er Steuer- und Abgabenlast führen. Die Unterbeschäftigung kann so verringert und die d
eistungen in der offiziellen Wirtschaft erhöht werden. Quintessenz dessen ist, dass es in L
29 Vgl. Schneider, F., Zunehmende Schattenwirtschaft in Deutschland, 2003, S. 150f.
30 Vgl. ebenda, S. 152f.
11
Deutschland nicht zu wenig Arbeit gibt, sondern diese unter offiziellen Bedingungen zu uer ist. 31 te
Die Beschäftigung in der Schattenwirtschaft kann aber auch positive Effekte haben. Ein großer Teil des in der Schattenwirtschaft erwirtschafteten Einkommens fließt wieder zurück in die offizielle Wirtschaft und stellt damit einen bedeutenden Nachfragefaktor dar. Ebenfalls kann die Schattenwirtschaft zu mehr Wettbewerb beitragen und Effizienzsteigerungen bewirken. Negative Aspekte ergeben sich vor allem aus den massiven Ausfällen von Steuer- und Sozialversicherungsabgaben. Fraglich ist aber ob das Wachstum der Schwarzarbeit für wirtschaftspolitische Probleme verantwortlich oder nur ein Symptom desselben ist. Schwarzarbeit verursacht aber auch anderweitige Probleme. Zum einen werden Statistiken verfälscht, die die Entscheidungsträger der Wirtschaftspolitik zu Fehlentscheidungen verleiten können. Unerwünschte Umverteilungseffekte können ebenfalls auftreten. Transferleistungen können den Beschäftigten in der Schattenwirtschaft zu Gute k ommen obwohl dafür keine Notwendigkeit besteht oder diese ein höheres Einkommen als offiziell Beschäftigte erwirtschaften. Um das Ausmaß der Schwarzarbeit einzudämmen muss der Staat für Kontrollen und andere Aktivitäten erhebliche Ressourcen aufwenden. Auf der anderen Seite nehmen auch die illegal Beschäftigten Kosten auf sich um ihre Tätigkeiten zu verbergen. Volkswirtschaftlich gesehen sind beide Aktivitäten unproduktiv, da diese Ressourcen nicht für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Besonders problematisch ist die Auswirkung einer stark steigenden Schattenwirtschaft, die das Gemeinwohl in Frage stellt. Individuen sind in dem Maße eher bereit einer illegalen Beschäftigung nachzugehen je mehr Menschen diesen persönlich als illegal Bes chäftigte bekannt sind. Daraus kann ein kumulativer Prozess entstehen, d er über Steuerhinterziehung hinaus zu weiteren Gesetzesverstößen führen kann. Im Extremfall kann es zu einer Einschränkung der Funktionstüchtigkeit der Demokratie und staatlicher Einrichtung führen und geht damit weit über die ökonomischen Schäden hinaus. 32
31 Vgl. Schneider, F., Zunehmende Schattenwirtschaft in Deutschland, 2003, S. 153f.
32 Vgl. ebenda, S. 154f.
12
2. Die Arbeitsmarkttheorie
Die Arbeitsmarkttheorie zeigt wie Arbeitsangebot und -nachfrage entstehen, durch welche Faktoren sie beeinflusst werden, wie aus dem Zusammenwirken beider Kräfte ein Gleichgewicht entsteht und wie es zur Entstehung von Unterbeschäftigung kommen kann.
2.1 Das Arbeitsangebot
Löhne sind der Preis am Arbeitsmarkt, doch ähnlich qualifizierte Arbeitskräfte, die ähnliche Tätigkeiten verrichten, werden oft unterschiedlich bezahlt. 33
Entscheidung zwischen Konsum und Freizeit
Mit Hilfe eines grundlegenden Entscheidungsmodells soll geklärt werden warum es zu Lohnunterschieden kommt. Der Umfang des Arbeitsangebots hängt von der Entscheidung zwischen Konsum bzw. Einkommen und Freizeit 34 ab. Durch einen Verzicht auf Freizeit erhält ein Anbieter von Arbeit zusätzliches Einkommen und dadurch mehr Konsummöglichkeiten. Analog bedeutet das, dass jemand der weniger Arbeit anbietet damit auf einen Teil von Einkommen und Konsum verzichtet dafür aber mehr Freizeit zur Verfügung hat. 35
Üblicherweise haben Arbeitsplätze feste Arbeitszeitanforderungen. Arbeitskräfte müssen einen Vollzeitarbeitsplatz mit festen Wochenarbeitsstunden akzeptieren, haben allerdings einen gewissen Einfluss auf den Umfang von Überstunden. Hinzu kommt die Möglichkeit eines Zweitjobs der zusätzliches Einkommen generiert. 36 Anzumerken ist hier das nicht b ei jedem Erwerbstätigen die angefallenen Überstunden bezahlt werden oder diese z u einem späteren Zeitpunkt in Freizeit umgewandelt werden können. Durch die höheren A bzüge der Lohnsteuerklasse VI dürfte zudem der Grenznutzen eines Zweitjobs relativ g ering sein.
33 Vgl. Stiglitz, J. E., Volkswirtschaftslehre, 1999, S. 535.
34 Freizeit ist hier gemeint als gesamte Zeit die potentiell für Erwerbsarbeit zur Verfügung steht
aber mit anderen Aktivitäten verbracht wird.
35 Vgl. Stiglitz, J. E., Volkswirtschaftslehre, 1999, S. 226.
36 Vgl. ebenda, S. 226.
13
Abbildung 2.1.1 zeigt die Budgetbeschränkung einer Person die einen Stundenlohn von 5 € erhält. Verzichtet diese Person auf eine Stunde Freizeit werden zusätzlich5 € verdient. Die Budgetbeschränkung beruht auf einer Zeitbeschränkung, d.h. dass täglich nur eine bestimmte Anzahl von Stunden auf Arbeit und Freizeit verteilt werden kann. In diesem Fall 16 Stunden. Jede Stunde die diese Person arbeitet kostet eine Stunde Freizeit. Die Budget beschränkung zeigt hier einen Trade - off von 5€ pro Stunde. Jedes Individuum w ird einen Punkt auf der Budgetgeraden wählen der seinen Präferenzen entspricht. Bei d er Entscheidung für einen bestimmten Punkt auf der Budgetgeraden wägt die Arbeitskraft zwischen dem Grenz nutzen des Einkommens, aus zusätzlicher Arbeitszeit und den G renzkosten, den Wert zusätzlicher Freizeit, ab. Individuen können Grenznutzen und Grenzkosten unterschiedlich bewerten. 37 Dies ist ein Grund warum es zu Lohnunterschieden kommen kann.
Abbildung 2.1.1
udgetbeschränkung für die Wahl zwischen Freizeit und Einkommen 38 B
Lohnänderungen können sowohl Einkommens- als auch Substitutionseffekte haben. Der Einkommenseffekt beruht darauf, dass Lohnerhöhungen den Wohlstand vermehren, was dazu führt dass weniger gearbeitet wird. Lohnänderungen verändern aber ebenfalls den T rade - off zwischen Konsum und Freizeit. Der Substitutionseffekt beruht darauf, dass d er Arbeitsanbieter nach einer Lohnerhöhung für eine zusätzliche Arbeitsstunde mehr G üter kaufen kann, d.h. dass der Grenznutzen der zusätzlichen Arbeitsstunde steigt. Desh alb steigt die Bereitschaft der Arbeitskraft mehr zu arbeiten. Beim Arbeitsangebot wirken Einkommens- und Substitutionseffekt in entgegengesetzte Richtungen. Daher ist der A Nettoeffekt einer Lohnerhöhung nicht eindeutig bestimmbar. Abbildung 2.1.2 Teil
37 Vgl. Stiglitz, J. E., Volkswirtschaftslehre, 1999, S. 227.
38 Vgl. ebenda, S. 227.
14
Arbeit zitieren:
Martin Plathe, 2007, Die Auswirkungen von Mindestlöhnen, Kombilöhnen und weiterer Instrumente auf das Einkommen und die Beschäftigung Geringqualifizierter, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Grundsicherung in Deutschland - Status quo und aktuelle Reformvors...
Diplomarbeit, 80 Seiten
Eine ökonomische Analyse zum Problem des bedingungslosen Grundeinkomme...
Bachelorarbeit, 97 Seiten
Sozialhilfeniveau in Deutschland im Konflikt zum Lohnabstandsgebot
Seminararbeit, 21 Seiten
Bedingungsloses Grundeinkommen - Chancen und Risiken für den deutschen...
Bachelorarbeit, 44 Seiten
„Glück“ als Ziel der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik?
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Bachelorarbeit, 40 Seiten
Arbeiten zufriedene Arbeiter besser? Zum Zusammenhang von Arbeitszufri...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 20 Seiten
Wohlstand und Glück - Über die Mehrdimensionalität des Glückes in eine...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Hausarbeit, 23 Seiten
Martin Plathe's Text Die Auswirkungen von Mindestlöhnen, Kombilöhnen und weiterer Instrumente auf das Einkommen und die Beschäftigung Geringqualifizierter ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martin Plathe hat den Text Die Auswirkungen von Mindestlöhnen, Kombilöhnen und weiterer Instrumente auf das Einkommen und die Beschäftigung Geringqualifizierter veröffentlicht
Martin Plathe hat einen neuen Text hochgeladen
Understanding Fair Labor Standards Act Violations: Leading Lawyers on ...
Thomas H. Christopher, Jeffrey A. Hollingsworth, Laura E. O'Donnell
2005 Fair Labor Standards ACT Survey Report: A Study by the Society fo...
Society for Human Resource Management
The Fair Labor Standards Act in American Schools: A Guide for School O...
Mike L. Dishman, Daniel Robert Murphy
Restrukturierung der Sozialen Sicherungssysteme in den Postfordistisch...
Eine vergleichende Analyse von...
In Rib Baek
Steps to Compliance with International Labour Standards
The International Labour Organ...
Lars Thomann
Soziale Sicherungssysteme und demographische Herausforderungen
Winfried Schmähl, Volker Ulrich
Soziale Sicherungssysteme und demographische Wechsellagen
Historisch-vergleichende Persp...
Thomas Sokoll
Corporate Success Through People: Making International Labour Standard...
Nikolai Rogovsky, Emily Sims
0 Kommentare