1. Didaktische und methodische Schwerpunkte
'LH KHXWLJH 8QWHUULFKWVVWXQGH ÄMenschen am Abgrund-Ausweg aus der HoffnungsloVLJNHLW³ILQdet in der Klasse HH XXX statt. Dabei handelt es sich um die Oberstufe der Höheren Berufsfachschule ± Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung- mit dem Abschluss FHR. Die Lerngruppe besteht aus 26 Schülerinnen und Schülern 1 . Ich unterrichte die Klasse im Rahmen des Ausbildungsunterrichts bei dem Schulpfarrer, Herrn Rüdiger M. seit Anfang Februar. Ich habe die Klasse HH XXX als eine freundliche und interessierte Lerngruppe kennen gelernt. Bezüglich des Leistungsspektrums zeigen vorwiegend immer dieselben Schüler reges Engagement. Dazu zählen im Wesentlichen die männlichen Schüler und ca. vier Schülerinnen. Im Unterricht wird daher der Versuch gestartet werden, die etwas Stilleren bei der mündlichen Mitarbeit zu aktivieren.
Die Konfessionszugehörigkeit der SuS ist heterogen und wird durch die abgebildete Tabelle deutlich.
Grundlage für den heutigen Unterricht ist der Lehrplan für die Höhere Berufsfachschule ±Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung- mit Abschluss FHR, APO-BK Anlage C des Landes Nordrhein-Westfalen vom August 2007.
In ihm sollen die im allgemeinen Lehrplan für Evangelische Religionslehre (APO-BK Anlage C) genannten Kompetenzen umgesetzt werden. Dazu zählen:
Laut der didaktischen Jahresplanung IU GLH Ä+|KHUH +DQGHOVVFKXOH³ konnten sich die SuS ein Wahlthema wünschen. Nach einem Vorschlag vom Pfarrer M. und der DNWXHOOHQ%ULVDQ]DXIGHQEULWLVFKHQ,QVHOQKDEHQVLFKGLH6X6GDV7KHPDÄ6Xi]LG³ ausgesucht. Die unterrichtliche Umsetzung wurde mir durch Herrn M. überlassen und bedeutet eine große Verantwortung. Bereits nach der zweiten Unterrichtsstunde kamen zwei Schülerinnen und benötigten ein vertrauliches Gespräch. Eine weitere Schülerin meldete sich nach der dritten Unterrichtseinheit. In Zusammenarbeit mit
1 Im Folgenden mit SuS abgekürzt.
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Herrn Pfarrer M. kam es zu kurzen Beratungsgesprächen. Weitere sollen folgen, da es sich in einem Fall um psychische Probleme handelt. Den drei Schülerinnen ist die Teilnahme am Unterricht freigestellt, je nachdem, wie lange sie das Unterrichtsthema erträglich finden. Alternativ können sie sich in Form eines Referates außerthematisch engagieren. Bislang zeigen sie sich aber nach wie vor interessiert und wollen sich auch mit ihren Gefühlen auseinandersetzen. Sie können sich bei Bedarf inhaltlich aus dem Unterrichtsgeschehen zurücknehmen. Weitere Beratungsgespräche können die Schülerinnen gegebenenfalls in Anspruch nehmen. ,QKDOWOLFK HUP|JOLFKW GDV 7KHPD Ä6XL]LG³ GLH $XVHLQDQGHUVHW]XQJ PLW GHQ KompeWHQ]WKHPHQ 9HUVWlQGLJXQJ XQG 6HOEVWUHIOH[LRQ =XP %HUHLFK GHU Ä9Hr-VWlQGLJXQJ³ ]lKOHQ KLHU YRU DOOHP GLH erlebten Gefühle und Lebenserfahrungen. Diese sind teilweise so prägnant und unmittelbar nah, dass tief sitzende Emotionen hervor kommen. Die SuS können darauf sehr unterschiedlich reagieren. Viele möchten das Thema lieber wieder verdrängen. Suizid ist gesellschaftlich immer noch ein Tabuthema. Dies zeigt sich sowohl in der häuslichen Auseinandersetzung mit den Eltern wie in einer latenten Ablehnung des Themas XQWHUGHP$VSHNWÄ'DVEe- reitetmir zu viele uncoole Gedanken, das ZLOOLFKQLFKWK|UHQ³)UGHQ Bereich der Selbstreflexion stellen die SuS fest, welche Phänomene mit dem Suizidgedanken verbunden sind und dass gerade Jugendliche öfter mal Phasen in ihrem Leben durchmachen, in denen sie hoffnungslos sind, vielleicht auch mal den Lebensmut verlieren. Sie erkennen, dass sie deshalb nicht gleich in eine psychiatrische Betreuung müssen. Als Christen lernen sie, ihrem Nächsten ein Zuhörer zu sein, um ihm in der Hoffnungslosigkeit Trost zu spenden.
Im Mittelpunkt der heutigen Stunde steht die biblische Erkenntnis, dass ich als Mensch von Gott angenommen und geliebt werde, trotz aller Fehler, die ich zu ver-antworten habe. Gott schenkt mir in der Hoffnungslosigkeit immer Zuversicht, er bewirkt in mir einen positiven Lebenssinn. Das Gleichnis im Lukasevangelium macht dies sehr deutlich. Die Position des Vaters im Gleichnis soll den SuS symboldidaktisch deutlich machen, dass letztlich auch sie selbst durch Güte und Barmherzigkeit einem Menschen am Abgrund eine wahrhafte Lebenshilfe sein können. Daneben kann ein Mensch mit suizidalen Gedanken über die Erkenntnis der Liebe Gottes, Mut zum Weiterleben fassen und wirft sein Leben dann hoffentlich nicht weg.
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Der Einstieg in die heutige Stunde erfolgt über eine Folie auf dem OHP, auf der eine Person am Abgrund eines Felsvorsprungs steht. Es soll einen dramatischen Moment darstellen. Ein Schritt weiter und die gezeigte Person beendet ihr Leben auf eine tragische Weise. Auf dem Bild sieht man ebenfalls noch eine leere Gedankenblase. Die SuS sollen als Erstes eine kurze mündliche Bildbeschreibung abgeben. Die unmittelbare lebensbedrohliche Situation soll deutlich werden. In einer ersten Erarbeitungsphase bekommen nun die SuS ein Arbeitsblatt mit demselben Bild. Im Rahmen einer Partnerarbeit sollen sie Beweggründe und Gefühle der zum Sprung bereiten Person formulieren. Die Partnerarbeit dient hierbei einem kontrollierten kommunikativen Austausch. Die SuS überlegen, was für sie eine verzweifelte Situation sein kann. Anschließend werden in einer ersten Sicherungsphase drei bis vier SuS ihre Sprechblasen vorlesen. Die Aspekte Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit und Sich-Schuldig-Fühlen sollen deutlich werden! In einer anschließenden Erarbeitungsphase 2 fasst die Lehrkraft diese Aspekte auf und teilt den SuS mit, dass in dem nun folgenden Text ebenfalls ein Mensch am Ab-grund steht.
Die SuS erhalten nun einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium (Kapitel 15, 11-24). Es handelt sich dabei nicht um den vollständigen Text, da ab Vers 25 die Geschichte in eine andere Richtung geht bzw. sich auch inhaltlich wiederholt und somit für diese Stunde nicht mehr zweckmäßig ist. Der Bibeltext ist aus der Guten Nachricht Übersetzung gewählt worden, da er vom sprachlichen Aspekt her leichter verständlich ist als andere Übersetzungen.
Die SuS bekommen den Text, der ab Vers 19 umgeklappt ist und wo der Ausgang im Unklaren bleibt. Inhaltlich sollen die SuS wahrnehmen, dass der Sohn im biblischen Text seinen Vater verlässt, sein gesamtes Geld verprasst und nun am tiefsten Punkt in seinem Leben angekommen (lebt bei den Schweinen) ist. Alttestamentlich ist dieser Mensch nun nicht mehr bei Gott. Wahrscheinlich können die muslimischen Schülerinnen kulturell und unter religiösen Aspekten nachvollziehen, wie sich ein Mensch fühlt, der mit den Schweinen haust. Die Lehrkraft weist an dieser Stelle ggf. noch einmal deutlich darauf hin.
Es erfolgt nun eine Hypothesenbildung der SuS zum Verhalten des Vaters. Nimmt er seinen Sohn wieder auf oder verstößt er ihn? An dieser Stelle sollen sich die SuS in einer Partnerarbeit mündlich austauschen. Anschließend (Sicherung 3) äußern sich die SuS im Rahmen eines Unterrichtsgespräches zum Verhalten des Vaters. Der
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Arbeit zitieren:
Bernd Kasper, 2007, Menschen am Abgrund, München, GRIN Verlag GmbH
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