Inhaltsverzeichnis
1. Definition des Reaktanzbegriffes 2
2. Manifestation von Reaktanz 2
2.1. Direkte Wiederherstellung der Freiheit 6
2.2. Indirekte Wiederherstellung von Freiheit 7
2.3. Aggressionen. 7
2.4. Attraktivitätsveränderungen. 8
2.5. Reaktanz und Persönlichkeit 8
3. Die Reaktanztheorie 9
3.1. Reaktanzeffekte 11
4. Verbindungen zu anderen Theorien. 12
4.1. Altruismus, Hilfesuchverhalten und Reaktionen auf Hilfe 12
4.2. Kontrolltheorie 14
4.3. Die Theorie der kognitiven Dissonanz 14
4.4. Die Güter-Theorie nach Brock 14
4.5. Frustration. 15
4.6. Die Theorie der gelernte Hilflosigkeit. 17
5. Anwendung der Reaktanztheorie auf einzelne Verhaltensbereiche 19
5.1. Negative Attitüdenänderung. 19
5.2. Negativistisches Verhalten in psychologischen Experimenten. 20
5.3. Territorialverhalten. 20
5.4. Kaufverhalten. 21
5.5. Konsumentenreaktionen und politisches Verhalten. 22
5.6. Interpersonale Attraktivität und romantische Liebe. 23
5.7. Gesundheitspsychologische Bereiche 24
5.8. Widerstand bei der Kindererziehung 25
5.9. Reaktanz bei Tieren. 25
5.10. Kriminologie und Forensische Psychologie 26
6. Literaturverzeichnis. 26
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1. Definition des Reaktanzbegriffes
Reaktanz ist der innere Widerstand gegen Einschränkungen der individuellen Handlungs- oder Entscheidungsfreiheit.
Wird eine freie Verhaltensweise bedroht oder durch Verbote sowie äußeren Druck unmöglich gemacht, entsteht ein motivationaler Spannungszustand, der darauf gerichtet ist die verlorene oder bedrohte Freiheit wiederzugewinnen. Dieser motivationale Spannungszustand ist psychologische Reaktanz. Die Reaktanzstärke hängt von vier Bedingungen ab:
• der Wichtigkeit der Freiheit für die beengte Person
• dem Umfang der bedrohten oder eliminierten Freiheit
• der Stärke der Freiheitseinengung
• der Erwartungen der eingeengten Person eine bestimmte Freiheit zu haben. Die Neigung, die unerwünschte oder verbotene Handlung auszuführen wird gefördert.
2. Manifestation von Reaktanz
Einige Autoren erwähnen des öfteren die Unterdrückung von Reaktanz. Diese kommt zustande, wenn, durch zu starke Kontrolle der beengenden Instanz, eine Manifestation von Reaktanz gehemmt wird. Auch bei Gefahr von unerwünschten Konsequenzen im sozialen Bereich wird Reaktanz unterdrückt.
Wird die Verhaltungsweise durch sozialen Einfluss eingeengt, kann es gegebenenfalls zur Unterdrückung von psychologischer Reaktanz kommen.
DICKENBERGER und GNIECH (1982) fertitgen ein Modell an, welches erklärt, wie sich die beiden gegensätzlichen Kräfte, Konformität und Manifestation, miteinander fügen. Anhaltspunkt dieses Modells ist das lerntheoretische Konfliktmodell für Annäherungs- und Vermeidungstendenzen von MILLER (1944). Die beiden Achsen in Millers Koordinatensystem werden von ihm als „Aktionspotenzial“ und als „Nähe zum Ziel“ bezeichnet. Durch Verstärkung entstehen Kräfte, die mit ansteigender Nähe zum Ziel zunehmen. Das Aktionspotential der beiden Kräfte wächst bedingungslos vom anderen mit dem Näherkommen an das Ziel. Das negative Gradient, die Vermeidung, ist allerdings steiler. Der Konflikt ist h ier vielmehr zwischen den Verhaltenstendenzen als zwischen den Kräften zu sehen. Die Ambivalenz der
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Verhaltenstendenzen ist als Bedeutung der dominanten Kraft zu sehen und kann nicht unvermittelt beobachtet werden.
Nach der Theorie der psychologischen Reaktanz kann man die Variable, die den Druck ausmacht etwas zu tun oder zu lassen, mit Millers Konstrukt der „Nähe zum Ziel“ vergleichen. Die Unterschiedlichkeit der Stärke von Einflussversuchen kann beispielsweise operrationalisiert sein, durch kleiner werdende zeitliche Abstände, in der Phase vor der Entscheidung, oder in abnehmender räumlicher Gegenwart der beengenden Instanz. Der Zeitfaktor wurde in diesem Zusammenhang von LINDNER und CRANE (1970) sowie von LINDNER, WORTMAN und BREHM (1971) dazu benutzt, d en Anstieg der empfundenen Freiheitseinengung mit dem näherkommenden Entscheidungspunkt zu erklären.
Da jede soziale Einflussnahme eine Verhaltensänderung zum Endziel hat, kann davon ausgegangen werden, dass, bei der beengten Person, zunächst nur die Neigung der Beeinflussung auszuweichen vorhanden sein wird. Erst bei zunehmendem Druck, durch die eingeengte Person oder Instanz, zeigt sich eine zweite Motivation in Form von Widerstand. Diese zweite Motivation wächst im Vergleich zur Anpassungstendenz schneller bei zunehmender sozialer Druckausübung. Der Reaktanzvektor ist, parallel zum Aversions-Gradienten im Millerschen Modell, der steilere. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der zunehmende Druck die Freiheit immer stärker einengt und dass durch Implikationen weitere Freiheiten bedroht werden.
Abbildung 1: Konfliktmodell der entgegengesetzten Verhaltenstendenzen bei psychologischer Reaktanz Quelle: Grabitz, Hans-Joachim; Gniech, Gisela und Dickenberger, Dorothee: Die Theorie der psychologischen Reaktanz. In: Theorie der Sozialpsychologie. Hrsg. von Frey, Dieter und Irle, Martin. Bern: Huber-Verlag 2002 (Band 1).
Entsprechend der Grafik (Abbildung 1) ist der entstehende Effekt psychologischer Reaktanz durch Abzug der gepunkteten Linie, welche den Konformitäts-Gradienten darstellt, zu
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bestimmen.
Hieraus ergibt sich ein Verhaltensmuster, welches in der folgenden Abbildung dargestellt wird.
Abbildung 2: Verhaltenseffekte nach der Kombination der entgegengesetzten Kräfte Quelle: Grabitz, Hans-Joachim; Gniech, Gisela und Dickenberger, Dorothee: Die Theorie der psychologischen Reaktanz. In: Theorie der Sozialpsychologie. Hrsg. von Frey, Dieter und Irle, Martin. Bern: Huber-Verlag 2002 (Band 1).
Mit zunehmender sozialer Einflussnahme wird vorerst eine verstärkende Konformitätstendenz (von p1 nach p2) im Verhalten der eingeengten Person erwartet. Nach Auftreten der Reaktanzmotivation kommt es, nach diesem Modell, zu einer abnehmenden Konformitätstendenz (von p2 nach p3) und letztendlich zu einer aktiven Opposition (nach p3). BREHM und BREHM (1981) sehen drei mögliche Verhaltensabläufe, die je nach Wichtigkeit der eingeengten Freiheit in Zusammenhang mit der Theorie der psychologischen Reaktanz zustande kommen können:
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Abbildung 3: Brehm, S.S. und Brehm, J.W. Psychological Reactance, New York: Academic Press 198, S.60.
Quelle: Grabitz, Hans-Joachim; Gniech, Gisela und Dickenberger, Dorothee: Die Theorie der psychologischen Reaktanz. In: Theorie der Sozialpsychologie. Hrsg. von Frey, Dieter und Irle, Martin. Bern: Huber-Verlag 2002 (Band 1).
Sie argumentieren, dass die rechts zu sehende Kurve nur dann eintritt, wenn die bedrohte Freiheit für die jeweilige Person wichtiger als alle anderen Freiheiten oder sogar wichtiger als das Leben selbst ist. In allen anderen Fällen kann es dazu kommen, dass die Reaktanz das Verhalten in Richtung des sozialen Einflusses lenkt.
Bei der Reaktion ist die Variable „öffentlich-anonym“ („public-private“) in diesem Zusammenhang bedeutend. Vor allem bei Anwesenheit sanktionsermächtigter Zeugen zeigt sich die Reaktanz häufig nicht direkt oder nicht sofort.
DICKENBERGER und GRABITZ-GNIECH (1972) fanden einen „delay“- Effekt (Verspätungseffekt) bei psychologischer Reaktanz. BREHM und MANN (1975) nannten das selbe Phänomen den „sleeper“- Effekt. Der motivationale Zustand der Reaktanz speichert sich, diesen Effekten zufolge, solange, bis die Gelegenheit entsteht die verlorene Freiheit wiederherzustellen. Ob sich Reaktanz bei längerer Unterdrückung wieder abbaut ist bisher noch nicht ausreichend geklärt
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worden.
GORDON (1974) brachte die Wichtigkeit einer persönlichen Freiheit in Zusammenhang mit der zunehmender Strukturierung des Freiheitsspielraumes. Er fand heraus, dass der beengende Druck als illegitimer und willkürlicher erlebt wird, wenn die zur Verfügung stehenden Alternativen absurde Benennungen trugen, der Reaktanzeffekt war in diesen Fällen stets größer. GRABITZ-GNIECH (1971) begründete, dass auch Willkür eine indirekte Rolle spiele, denn wenn die Freiheit durch eine vom Individuum akzeptierten Gruppe mit Erklärung eingeengt wird, zeigen sich keine Reaktanzeffekte.
In mehreren psychologischen Experimenten wurde gezeigt, dass sich Reaktanz abbaut, wenn die eliminierte Alternative wieder verfügbar ist. SCHWARTZ kritisierte diese Ergebnisse, da es seiner Meinung nach n icht zum Abbau von Reaktanz, sondern, durch die zeitliche Nähe zwischen Elimination und Wiederverfügbarkeit der Alternative, zu keinem Reaktanzaufbau gekommen sei. Diese Argumentation gilt nicht für die Experimente von GRABITZ-GNIECH und GRABITZ (1973). In ihren Experimenten kam es allerdings nie zu einem kompletten Abbau von Reaktanz. SCHWARTZ (1984) argumentierte, dass psychologische Reaktanz nur dann abgebaut werden würde, wenn die eliminierte Alternative wieder verfügbar und die Kontrolle über die eigene Instanz wiederhergestellt sei. In einer Reihe psychologischer Experimenten konnte von Schwartz bewiesen werden, dass ein Reaktanzabbau in beiden Fällen stattfand, allerdings nie gänzlich. Es gibt mehrere Wege Reaktanz zu reduzieren. Entweder durch Verhalten, dass eine Änderung der Situation anstrebt oder, wenn dies nicht möglich ist, durch kognitive Umstrukturierungen. Verhaltenseffekte können unter anderem der Bumerangeffekt (negative Attitüdenänderung), Meidung der reaktanten Sachlage oder Aggression, besonders bei emotionaler Einengung, sein. Diese Reaktionen zeigen sich entweder öffentlich oder privat. Zu den kognitiven Angleichungen zählt unter anderem die Aufwertung der Blockierten Alternative (Attraktivitätsveränderungen). 2.1. Dire kte Wiederherstellung der Freiheit
Wenn eine Person beispielsweise beim Einkauf die Wahl zwischen zwei Artikeln X und Y hat und hierbei gesagt bekommt, er dürfe heute nur Artikel X kaufen, so kann er durch den Kauf von Marke Y seine individuelle Entscheidungsfreiheit auf direktem Wege wiederherstellen. Diese Vorgehensweise ist die effektivste Art seine individuelle Freiheit wiederherzustellen. Werden die Wahlmöglichkeiten allerdings eliminiert oder löst der offene Widerstand
einengendere Wirkungen aus, als es die Einschränkung der Freiheit tut, kommt diese
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Arbeit zitieren:
Lenka Eiermann, 2003, Die Theorie der Psychologischen Reaktanz, München, GRIN Verlag GmbH
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