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Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Der demographische Wandel in Deutschland. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2 1.
1.1 Rückgang der Bevölkerungsgröße. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2
1.2 Demographisches Altern der deutschen Bevölkerung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4
1.3 Migration: Die dritte Determinante zur Bevölkerungsentwicklung. . . . . . . . . . 6
Unterstützungsbezogene Dienstleistungen für ältere Menschen. . . . . . 7 2.
2.1 Nachfrageentwicklung nach unterstützungsbezogenen Dienstleistungen. . . . . .8
2.2 Infrastruktur zur Versorgung Hilfs- und Pflegebedürftiger. . . . . . . . . . . . . . . .10
2.2.1 Informelle Unterstützung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
2.2.2 Professionelle Unterstützung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .13
2.2.3 Einsatz von Unterstützungstechnologien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17
Fazit und Ausblick. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .20 3.
Literaturverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 4.
Einleitung
In dieser Arbeit werde ich mich mit der Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft in Zu- sammenhang mit dem demographischen Wandel in Deutschland befassen. Den Untersu- chungsschwerpunkt lege ich dabei vor allem auf den Bereich der Altenhilfe und dort in erster Linie auf unterstützungs- und pflegebezogene Dienstleistungen für ältere Menschen. Zu dieser Thematik lassen sich m.E. nach viele Fragen formulieren, die in Bezug auf die Zukunftsfähig- keit einer Gesellschaft mit sich wandelnder Bevölkerungsstruktur (insbesondere eine Ver- änderung der Altersstruktur) von Bedeutung sind, wie z.B.:
+ Wie wird sich die Nachfrage nach unterstützungs- und pflegebezogenen Dienstleistungen durch alte Menschen entwickeln?
+ Bleiben die Menschen aufgrund medizinischer Verbesserungen eher fit und weitestgehend unabhängig oder ist von einem steigenden Hilfsbedarf im Alter auszugehen?
+ Welche Entwicklung ist hinsichtlich des Verhältnisses zwischen erwerbswirtschaftlich und privat erbrachten Hilfsleistungen anzunehmen?
+ Auf welche Weise kann die Versorgung älterer Menschen auch in Zukunft sichergestellt werden?
Scharfenorth hat – zu Recht wie ich finde - kritisiert, dass die bislang entwickelten Ansätze der Dienstleistungstheorie den Übergang in die Dienstleistungsgesellschaft in erster Linie an ökonomischen, soziologischen und sozialpsychologischen Einflussfaktoren festmachen. So- zialstrukturelle Veränderungen werden dagegen, wenn überhaupt, nur randständig abge- handelt. „Weder in der frühen Debatte [...] noch in den meisten aktuellen Arbeiten über die Entwicklung der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur wird der demographische Wandel als wesentlicher Einflussfaktur für den Entstehungsprozess der Dienstleistungsgesellschaft bzw. -ökonomie angesehen.“ (Scharfenorth 2003: 23)
Die vorliegende Arbeit unterteilt sich, auf grober Ebene, in drei Kapitel. Im Ersten stelle ich einige wesentliche Aspekte in Bezug auf den demographischen Wandel in Deutschland vor. Im Zweiten richte ich mein Augenmerk auf hilfs- und pflegebezogene Dienstleistungen für alte Menschen unter Berücksichtigung des Wandels der Bevölkerungsstruktur. Zu guter Letzt gilt es im dritten Kapitel dann, eine abschließende Reflexion durchzuführen, in die die zuvor gewonnen Erkenntnisse einfließen und zu einer Gesamtheit verknüpft werden sollen. Darüber
hinaus geht es im letzten Schritt auch darum, Perspektiven und Ideen zur konstruktiven Gestaltung einer alternden Gesellschaft zu entwickeln.
1. Der demographische Wandel in Deutschland
In Deutschland vollzieht sich ein demographischer Wandel, der durch zwei Hauptmerkmale gekennzeichnet ist. Zum einen schrumpft die Größe der Gesamtbevölkerung / der Population. Zum anderen vollzieht sich eine Veränderung bzw. eine Verschiebung hinsichtlich der gesell- schaftlichen Altersstruktur.
1.1 Rückgang der Bevölkerungsgröße
Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes leben heute etwa 82 Mio. Einwohner in Deutschland. Diese Zahl werde bis zum Jahr 2050 um 10 bis 15 Mio. Menschen abgenommen haben, je nachdem, ob man von einer langfristigen Zuwanderung von jährlich 100.000 oder 200.000 Migranten ausgehe 1 .
Der Rückgang der Population ist auf ein niedriges Geburtenniveau 2 zurückzuführen. Es werden derzeit in Deutschland 1,3 Kinder je Frau geboren. Um das Bestandserhaltungsniveau oder Ersatzniveau aufrechtzuerhalten, sprich die nachrückende Generation zahlenmäßig voll ersetzen, also die Reproduktion des Humanbestandes der Gesellschaft sicherstellen zu können, müsste jedoch jede Frau in Deutschland derzeit im Schnitt 2,1 Kinder zur Welt bringen (vgl. Roloff 2004: 14 f.).
Auch für die Zukunft ist von einem eher geringen Geburtenniveau auszugehen. Dafür spricht einerseits die bisherige Entwicklung. Das Geburtenniveau ist im Zeitraum von 1900 bis 2001 von 4,6 auf 1,3 Kinder je Frau gesunken. Bis auf wenige Ausnahmen (kurze Phase nach dem ersten Weltkrieg; geburtenfördernde Politik im Dritten Reich; hohe Heiratshäufigkeit und Fa- miliengründung nach dem Zweiten Weltkrieg: 'age of golden marriage') konnte das
1 Statistisches Bundesamt. Mitteilung für die Presse zur 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung vom 19. Juli 2000, (vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2000/p2600022.htm) 2 Das Geburtenniveau wird anhand der
zusammengefassten Geburtenziffer
(statistische Kennziffer) berechnet. Hierdurch wird die durchschnittliche Zahl der Geburten von Frauen im gebährfähigen Alter (i.d.R. Von 15 bis 50 Jahren) in einem bestimmten Zeitraum (i.d.R. ein Kalenderjahr) angegeben. Das Geburtenniveau liegt in europäischen Staaten bei 1,4 und weltweit bei 2,8 Kindern je Frau (vgl. Roloff 2004: 14)
Bestandserhaltungsniveau seit 1916 nicht mehr erreicht werden. Dies ist vor allem deshalb be- merkenswert, weil diese statistische Kennziffer keine feste unverrückbare Größe darstellt, sondern vielmehr von der durchschnittlichen Sterblichkeit jüngerer Menschen abhängig ist. Im 'Idealfall' (bei einer Kindersterblichkeit von Null) müssten Frauen im Schnitt zwei Kinder (eine Tochter und einen Sohn) innerhalb ihres Lebens zur Welt bringen, um sich und den Vater des Kindes in der nachfolgenden Generation reproduzieren zu können. Obwohl sich in Deutschland das notwendige Ersatzniveau mit 2,1 Kindern je Frau dem 'Idealwert' stark ange- nähert hat, liegt die tatsächliche Geburtenrate dennoch weit darunter. Dagegen konnte um 1900 das sehr viel höhere Ersatzniveau von 3,2 nicht nur erreicht, sondern sogar um 1,4 Kinder je Frau übertroffen werden (vgl. a.a.O.).
Das Geburtenniveau wird vorerst vermutlich auch deshalb auf einem niedrigen Stand bleiben, weil es eine typische Begleiterscheinung fortschreitender Modernisierungsprozesse in entwi- ckelten Ländern darzustellen scheint. So ist die niedrige Anzahl der geborenen Kinder nicht ausschließlich ein deutsches Phänomen, sondern vollzieht sich vielmehr (in mehr oder weniger starkem Ausmaß) in allen europäischen Staaten 3 . Diesbezüglich ist eine Vielzahl an Gründen anzuführen. „Grundsätzlich und umfassend ist zunächst festzuhalten, dass die Ent- scheidung für Kinder Stabilität und Sicherheit voraussetzt. Sind die Zukunftsperspektiven durch Unsicherheit und Instabilität geprägt, wird eher auf Kinder verzichtet. Unsere komplexe moderne und individualisierte Gesellschaft zeichnet sich eher durch Unsicherheiten und In- stabilitäten aus als umgekehrt.“ (Lipinski / Stutzer 2004)
Eine Ursache für diese Unsicherheit und Instabilität ist sicherlich in bestimmten Aus- wirkungen und Effekten der Globalisierung begründet. Die weltweit voranschreitende Libe- ralisierung der Märkte zieht Beschäftigungsprobleme und erwerbswirtschaftliche Risiken (Arbeitsplatzmangel, Lohnsenkungen, Abbau von Arbeitnehmerrechten etc.) für den Einzel- nen und insbesondere für Familien nach sich.
Ein anderer wichtiger Grund besteht in der zunehmenden Berufsorientierung von Frauen und somit in einem Wertewandel der traditionellen Rollenvorstellungen. Hinzu kommt, dass Aus- bildungen aufgrund der zunehmenden Komplexität verschiedener Gesellschafts- und Arbeits- bereiche in verstärktem Maße verwissenschaftlicht und akademisiert werden und somit auch
3 Irland und Frankreich weisen mit 1,9 die höchste und Spanien mit 1,2 die geringste Geburtenhäufigkeit (Kinder je Frau auf) (vgl.
Lipinski
/
Stutzer
2004); siehe:
http://www.statistik-bw.de/Veroeffentl/Monatshefte/essay.asp?xYear=2004&xMonth=06&eNr=01
mehr Zeit in Anspruch nehmen als früher. Viele Frauen entschließen sich heutzutage immer später zum Kinderkriegen, um zunächst erst einmal eine berufliche Ausbildung abschließen und Berufspraxis sammeln zu können. Während westdeutsche Mütter um 1960 bei der Geburt ihres ersten ehelich geborenen Kindes im Schnitt noch 25 Jahre alt waren, sind sie heute be- reits 30 Jahre alt. Durch späte Erstgeburten wird außerdem das Risiko ungewollter Kinder- losigkeit vergrößert. Zudem steigt seit Jahren die Zahl der Frauen, die freiwillig auf eine Mut- terschaft verzichten. So werden fast 30% der 1966 in Westdeutschland geborenen Frauen (über ein Viertel von denen aus der ehemaligen DDR) aller Voraussicht nach kinderlos bleiben (vgl. Roloff 2004: 15 f.).
Als einen Hauptgrund für den Geburtenrückgang führt Roloff vor allem den 'Bedeutungsver- lust' von Kindern an. Sie nähmen nicht mehr die Funktion ein, die Altersversorgung ihrer Eltern (direkt) sicherzustellen und werden i.d.R. auch nicht mehr als Arbeitskräfte für die Fa- milie benötigt (vgl. a.a.O.: 15). Da stellt sich die Frage, ob Kinder angesichts einer erwartbar steigenden Belastung der sozialen Sicherungssysteme in rein pragmatischer Hinsicht, als so- genanntes Humankapital, zukünftig für ihre Eltern und Familien wieder an Bedeutung ge- winnen werden.
1.2 Demographisches Altern der deutschen Bevölkerung
Die Verschiebung der gesellschaftlichen Altersstruktur in Deutschland und den anderen euro- päischen Ländern ist durch einen gesellschaftlichen Alterungsprozess, die sogenannte demo- graphische Alterung, geprägt.
Ein Grund dafür besteht in der gesunkenen Sterblichkeit 4 der Menschen und der damit im Zu- sammenhang stehenden, stark angestiegenen Lebenserwartung. Diese hat sich seit dem Jahr 1880 mehr als verdoppelt. Für Frauen stieg sie von 38 auf 81 und für Männer von 36 auf 75 Jahre (vgl. Enste 2005: 156). Als wesentliche Gründe sind hierfür die erfolgreiche Bekämp- fung und Ausrottung der meisten klassischen Infektionskrankheiten, Fortschritte der Medizin, Ausbau und Verbesserung des Gesundheitssystems, veränderte Lebensbedingungen (z.B.
4 Die Sterblichkeit ist die relative Häufigkeit von Sterbefällen in einer Bevölkerung innerhalb eines gegebenen Zeitraumes. Ihre gebräuchlichste statistische Kennziffer ist die Sterbeziffer. Sie gibt die innerhalb eines Jahres aufgetretenen Sterbefälle bezogen auf die durchschnittliche Bevölkerung desselben Beobachtungszeitraumes an (vgl.
Roloff
2004: 11)
Wohnbedingungen) und veränderte Lebensstile (z.B. Ernährungsgewohnheiten) zu nennen (vgl. Roloff 2004: 11).
Der andere Grund für den gesellschaftlichen Alterungsprozess besteht in dem niedrigen Ge- burtenniveau, welches bereits oben angesprochen wurde. Durch das Zusammenspiel dieser beiden Komponenten beträgt das Durchschnittsalter in Deutschland heutzutage 41 Jahre. Da- mit fand im Vergleich zum damaligen deutschen Reich, in dem das Alter im Schnitt noch bei 24 Jahren lag, beinahe eine Verdopplung des Durchschnittsalters der Gesellschaft statt (vgl.
a.a.O.: 10).
Die Alterung der deutschen Bevölkerung geschieht in dreifacher Hinsicht (vgl. Blinkert / Klie 2004: 319):
(1) Die absolute Zahl älterer Menschen nimmt zu. So geht die 9. koordinierte Bevölkerungsberechnung des Statistischen Bundesamtes (2000) von einem Anstieg der Menschen ab 60 Jahren von rd. 19,4 Mio. im Jahr 2000 auf rd. 25,2 Mio. im Jahr 2050 aus (vgl. Scharfenorth 2003: 113).
(2) Die Gruppe älterer Menschen steigt zugleich auch relativ, also im Verhält- nis zur Gesamtbevölkerung, enorm an. So wird der Anteil von Personen im Alter von 60 oder mehr Jahren auf Grundlage der Zahlen des Statistischen Bundesamtes von
23,6% im Jahr 2000 auf 36% im Jahr 2050 anwachsen (vgl. a.a.O.: 114) (3) Drittens ist die Zunahme der Hochaltrigen 5 bzw. der älteren Senioren (hier: ab 75 Jahre) zu nennen. So wird ein kontinuierlicher Anstieg der ab 75 Jährigen von 2000 bis 2050 von rd. 5,9 Mio. auf rd. 11,5 Mio. Menschen erwartet. Damit steigt der Anteil dieser Gruppe von 7,2% auf 16,5% im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung an. Die Anzahl der jüngeren Senioren (60 bis 74 Jahre) stellt im gesamten Prognosezeit- raum stets die größere Gruppe der älteren Menschen dar. Nach einem stetigen An- stieg erfährt sie allerdings ab 2030 einen leichten Rückgang (sowohl in absoluter als auch in relativer Hinsicht). Somit kommt es in dem besagten Prognosezeitraum bis 2050 zu einer beachtlichen Annäherung zwischen der älteren und der jüngeren Senio-
5 Aufgrund der höheren Lebenserwartung und des Anstiegs an älteren Menschen in der Gesellschaft wird der Begriff „Alter“ heutzutage stärker differenziert. Die Gesamtgruppe der Menschen in einem fortgeschrittenen und hohen Lebensalter wird in kleinere Einheiten zerlegt. Auf grober Ebene unterscheidet man zwischen dem
3. und 4. Alter und somit zwischen „jungen Alten“ und „alten Alten“. Eine andere Variante besteht in der Dif- ferenzierung zwischen Jungsenioren, Senioren und Altsenioren. Daneben gibt es noch zahlreiche feinere Untergliederungsmöglichkeiten, wie z.B. in „ältere Menschen“ (60 bis 75 Jahre), „Alte“ (75 bis 90), „Hochbetagte“ (über 90), „Langlebige“ (100 und älter) (vgl. Mohl 1993: 20 f.).
Quote paper:
Willfried Werner, 2005, Der Einfluss des demographischen Wandels auf Dienstleistungen zur Unterstützung älterer Menschen in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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