Die Verdichtung von Wirtschaftsräumen am Beispiel der Anfänge der Hanse


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Vorgeschichte der Hanse

3. Die Etablierung der Kaufmannshanse
3.1 Frühe Entwicklungen und Stadtrecht Lübecks
3.2 Der Rezess von Wismar 1260

4. Beginnender Übergang von der Kaufmanns- zur Städtehanse

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Zeitalter, in dem wir heute leben, wird oftmals als das „Zeitalter der Globalisierung“ bezeichnet. Seit dem frühen 19. Jahrhundert tauschen die verschiedenen Wirtschaftsakteure massiv Waren, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital und Technologie) weltweit miteinander.[1] Der globale Handel durch Im- und Exporte hat dabei inzwischen ungeahnte Ausmaße erreicht. Allein die Bundesrepublik Deutschland hat im Jahr 2011 Waren und Dienstleistungen im Wert von 1060 Mrd. € exportiert, was einer Quote von 41,3 % des gesamten BIP (2592,6 Mrd. €) entspricht und dafür gesorgt hat, dass die deutsche Wirtschaft inzwischen geradezu von Exporten abhängig ist.[2] Als Hauptursache für diese beispiellose Entwicklung der Weltwirtschaft gilt die britische Industrialisierung im späten 18. Jhd., wodurch der Grundstein des exponentiellen Wirtschaftswachstums (des so genannten „take-offs“) und des globalen Handels gelegt wurde. Auch die britischen und europäischen Kolonien sowie neue Kommunikationstechnologien und die gesellschaftlichen Innovationen Marktwirtschaft und ausländische Direktinvestitionen hatten erheblichen Anteil an der Entwicklung der globalen Weltwirtschaft.[3]

Doch auch während früherer Epochen wurde bereits reger Handel zwischen den Völkern betrieben. Im Hoch- und Spätmittelalter war die Hanse, zunächst eine Vereinigung von Kaufleuten der Ostsee-Anrainerstädte und später ein mächtiges politisches Bündnis der Städte selbst, eine für viele spätere Wirtschafts- und Handelsunionen wegweisende Institution. Ob der Übergang dabei in radikaleren Schritten oder eher fließend vonstattenging, wird unter Historikern diskutiert.[4] Da eine Darstellung der beiden Forschungsschwerpunkte den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werde ich mich für diese Arbeit der Perspektive eines fließenden Überganges bedienen. Die Arbeit wird sich mit den Anfängen der Hanse beschäftigen. Dabei soll die Fragestellung im Mittelpunkt stehen, welche Rolle die Hanse im 12. Und 13. Jahrhundert einnahm und durch welche institutionellen Regelungen sie geprägt war. Die für die Klärung dieser Fragen notwendige Quellenarbeit wird vor allem anhand des ältesten Rezesses von Wismar von 1260, dem Lübecker Stadtrecht in der Version von 1240 sowie der Ernennung Lübecks zur Reichsstadt 1226 durch Kaiser Friedrich den Zweiten geschehen. Eine Erwähnung wird auch die auf Lübeckischem Recht basierende Gründung Hamburgs 1188 finden. Den Forschungsstand zur Hansegeschichte kann man, insbesondere im norddeutschen Raum, als hervorragend bezeichnen. Es gibt zahllose Publikationen wirtschaftshistorischer, finanzgeschichtlicher und politischer Natur, auch wenn zur Frühgeschichte der Hanse weniger Literatur vorliegt als zu den Hochphasen der Hanse im 14. Und 15. Jahrhundert.

2. Vorgeschichte der Hanse

Seit vielen Jahrhunderten wurde insbesondere in Nordeuropa bereits lukrativer Handel betrieben. Im frühen und beginnenden Hochmittelalter des 8.-11. Jhd. bereisten u.a. Wikinger, Angelsachsen und Friesen den Kontinent zur See und zu Lande, um Rohstoffe und Gewerbeprodukte zu tauschen.[5] Im Laufe der Zeit bildeten sich regionale Schwerpunkte, von denen aus zahlreiche Kaufleute Seereisen unternahmen, um Handel mit anderen Städten zu treiben. Einer dieser regionalen Schwerpunkte war die Insel Gotland in der Ostsee, die heute zu Schweden gehört. Die Gotländer Kaufleute dominierten den Ostseehandel im 12. Jhd.[6] und handelten dabei vor allem mit Rohstoffen wie Pelzen, Holz und Getreide, welche sie von Osten (Nowgorod, Ladoga, Riga) in den Westen transportierten; sowie mit Gewerbeprodukten wie Tuch, Keramik und Eisenwaren, welche sie wiederum von West (Visby, Lübeck, usw.) nach Ost verkauften.[7] Für den Handel im Nordseeraum war vor allem die Gründung einer unter Schutz des englischen Königs stehenden Gildehalle von Kölner Kaufleuten in London im Jahre 1157 wegweisend[8] , da nun dem Handel zwischen Wirtschaftsakteuren verschiedener politischer und kultureller Regionen ein institutioneller Rahmen gegeben wurde.

Ferner gab es im 11. und 12. Jhd. bereits Wechselbeziehungen und überregionalen Handel zwischen Nord- und Ostseegebieten. So lassen sich beispielsweise westfälische Münzen aus dem 12. Jhd. auf Gotland nachweisen, was ein klares Indiz dafür ist, dass zu dieser Zeit westfälische Kaufleute den weiten Weg bis nach Schweden nicht gescheut haben, um seltene und kostbare Waren wie Pelze, Bernstein oder Honig aus dem Ostseeraum in das westdeutsche Binnenland zu transportieren und dort zu hohen Preisen zu verkaufen.[9]

Eine weitere, die auch zu diesem Zeitpunkt bereits teilweise interkontinentale Ausrichtung der Handelsströme verdeutlichende Handelsbeziehung pflegten die gotländischen, polnischen und nowgorodschen Händler mit den Arabern. Seit dem 9. Jhd. lassen sich hunderttausende arabische Silbermünzen, die Dirhems, im Ostseeraum nachweisen. Dies lässt auf regen Handel zwischen (Ost-)Europäern und Arabern schließen. Im Zentrum des Handels standen dabei einmal mehr die begehrten osteuropäischen Rohstoffe Honig, Felle und Bernstein, die von den arabischen Händlern entweder gegen besagte Münzen oder arabische Gewerbeprodukte wie Seide, Glaswaren und Gewürze getauscht wurden. Vermutete Handelswege waren dabei der Seeweg über das Kaspische Meer, gefolgt von langen Reisen zu Land durch die heutige Ukraine bis nach Nowgorod, sowie der direkte Landweg über Konstantinopel und den Balkan nach Polen und Pommern.[10]

Diese arabischen Silberzuflüsse wurden später, im 11. Jhd., durch westeuropäische Münztransfers ersetzt. Ein gewichtiger Teil stammte zwar aus den Raubzügen der skandinavischen Wikinger in England zwischen 991 und 1018, aber auch aus friedlichem Handel insbesondere mit deutschen Kaufleuten aus Westfalen und Sachsen, die das um 986 gefundene Silber im Harz dazu verwendeten, die nun bereits mehrfach erwähnten osteuropäischen „Standard-Produkte“ Felle, Honig und Bernstein zu erwerben. Durch den Zustrom der kostbaren Silbermünzen konnten viele Handelsplätze an der Ostsee wirtschaftlich prosperieren. Die Entwicklung des Handels von Rohstoffen im Tausch gegen Silber dürfte damit zu den entscheidenden Faktoren gehören, die eine nachhaltige Entwicklung der osteuropäischen Wirtschaftsregionen und deren Integrierung in die spätere Hanse ermöglicht haben.[11]

[...]


[1] Vgl. Pierenkemper, Toni: Wirtschaftsgeschichte. Die Entstehung der modernen Volkswirtschaft, Berlin 2009, S. 179ff.

[2] Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2011 für die BRD, Wiesbaden 2011, S. 461.

[3] Walter, Rolf: Wirtschaftsgeschichte. Vom Merkantilismus bis zur Gegenwart, Köln u.a. 52011, S. 61.

[4] Zur Diskussion, ob der Übergang von der Kaufmanns- zur Städtehanse eher fließend oder in radikaleren Schritten vollzogen wurde, siehe: Holbach, Rudolf: Die Stadt Minden, so die in der Hanse sein will. Interessen, Zusammenwirken und Probleme in der Gemeinschaft der Kaufleute und Städte im Mittelalter, Minden 2009, S. 4.

[5] Adamczyk, Dariusz: Die Ostseewelt zwischen Dorestad und Samarkand ca. 700-1100, in: Komlosy, Andrea u.a. (Hg.): Ostsee 700-2000. Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Wien 2008, S. 32.

[6] Strelczyk, Jerzy: Ritterorden und Hanse. Mission und Expansion, in: Komlosy, Andrea u.a. (Hg.): Ostsee 700-2000. Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Wien 2008, S. 56.

[7] Henning, Friedrich-Wilhelm: Das vorindustrielle Deutschland, Paderborn 31977, S. 93.

[8] Vgl. Ebd., S. 94.

[9] Berghaus, Peter: Hansisches Geld in Westfalen, in: North, Michael (Hg.): Geldumlauf, Währungssysteme und Zahlungsverkehr in Nordwesteuropa 1300-1800, Köln 1989, S. 7f.

[10] Adamczyk 2008, S. 36ff.

[11] Ebd., S. 43ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Verdichtung von Wirtschaftsräumen am Beispiel der Anfänge der Hanse
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Eroberung, Kolonisierung und Kulturtransfer: Expansion im Hochmittelalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V201532
ISBN (eBook)
9783656275336
ISBN (Buch)
9783656275282
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde insbesondere für ihre prägnante, Quellen-basierte und an Sekundärliteratur rückgebundene Analyse gelobt. Außerdem wird auf die historische Bedeutung der Hanse für heutige Weltwirtschaftsprozesse verwiesen.
Schlagworte
Hanse, Kaufleute, Kaufmannshanse, Mittelalter, Norddeutschland, Lübeck, Rezess von Wismar, Lübecker Stadtrecht, Lübeckisches Stadtrecht
Arbeit zitieren
Henning Kulbarsch (Autor), 2012, Die Verdichtung von Wirtschaftsräumen am Beispiel der Anfänge der Hanse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201532

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Verdichtung von Wirtschaftsräumen am Beispiel der Anfänge der Hanse


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden