Der ökonomische Strukturwandel Spaniens und seine Folgen
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Ökonomischer Strukturwandel - Erklärungsansätze 2
2.1 Definition 2
2.2 Die Theorie des Produktzyklus 2
2.3 Die Theorie der langen Wellen 3
3 Ursachen und Verlauf des ökonomischen Strukturwandels in Spanien 4
3.1 Die wirtschaftliche Entwicklung in einem autoritären System 4
3.2 Reformen der jungen Demokratie 5
3.2.1 Die Politik im Primären Sektor 7
3.2.2 Die Politik der Industriereform 8
3.3 Der Einfluss der EG auf den wirtschaftlichen Reformprozess 9
3.3.1 Primärer Sektor 9
3.3.2 Industrie- und Bausektor 11
3.3.3 Dienstleistungssektor 13
3.4 Aktuelle Perspektiven des Dienstleistungssektors 15
4 Schlussbetrachtung 16
Literaturverzeichnis 19
1 Einleitung
Wirtschaftsr äumliche Strukturen unterliegen in einer offenen Wirtschafts- und
Gesellschaftsordnung einem permanenten Wandel die Folge ist, dass einzelne
Wirtschaftszweige an Bedeutung gewinnen, während andere verlieren.
Wie kein anderes Beitrittsland der EU hat Spanien von der Süderweiterung der
damaligen EG im Jahre 1986 profitiert. Dank der neuen wirtschaftlichen Prosperität
spielt das Land heute eine maßgebende Rolle im Kreis der Industrienationen. Diesen
Erfolg verdankt Spanien im Wesentlichen seiner liberalen Wirtschaftspolitik, die
besonders günstige Rahmenbedingungen für internationales Investitionskapital
geschaffen hat. Die spezifischen Interessen der „Global Players" ebenso wie die
veränderten Konkurrenzbedingungen auf den internationalen Märkten haben dabei
die Struktur der spanischen Volkswirtschaft verändert.
In der vorliegenden Arbeit wird zunächst erläutert, was unter dem Begriff
„ökonomischer Strukturwandel“ zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang werden
auch dynamisch-zyklische Ansätze erwähnt, die betonen, dass sich die Wirtschaft in
einem ständigen Wandel befindet. Im Kapitel 3 werden die Ursachen und der Verlauf
des Strukturwandels in Spanien aus der Zeit des autoritären Systems unter Franco
1
Der ökonomische Strukturwandel Spaniens und seine Folgen bis in die Gegenwart vorgestellt. Dabei werden die einzelnen Phasen des ökonomischen Wandels und seine Folgen im politischen und gesellschaftlichen Kontext beschrieben. In der Schlussbetrachtung wird erläutert, inwieweit die spanische Wirtschaft durch den Prozess des Strukturwandels mit den Volkswirtschaften der Kernländer der Europäischen Union konvergiert und wo es Abweichungen gibt.
2 Ökonomischer Strukturwandel - Erklärungsansätze
2.1 Definition
Der Bedeutungswandel von Wirtschaftszweigen kennzeichnet den ökonomischen Strukturwandel. Dabei handelt es sich um eine längerfristige und meist irreversible Veränderung der Struktur im sozioökonomischen Bereich (Leser 2001, S. 847). Betrachtet man den Wandel output-orientiert, so findet sich häufig eine Unterteilung der Wirtschaft in drei Sektoren: in den Primären (Agrar- und Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau ohne Aufbereitung), Sekundären (Industrie einschließlich Energiegewinnung und Aufbereitung von Bergbauprodukten, Bauwesen, Handwerk und Heimarbeit) und Tertiären Sektor (Dienstleistungen wie Handel, Verkehr, Verwaltung, Bildungs- und Schulwesen sowie die freien Berufe) (Coy 2001). Die Zuteilung zu einem der drei Sektoren wird nach dem Endprodukt vorgenommen; der Strukturwandel schlägt sich somit in Verschiebungen der Anteile der verschiedenen Sektoren nieder.
Die Suche nach den Ursachen für einen Strukturwandel stellt ein kontrovers diskutiertes Forschungsfeld dar. Es existiert keine einzelne, allumfassende Theorie, die den komplexen ökonomischen Wandel erklären könnte. Allerdings leisten einige Theorieansätze wesentliche Beiträge zum besseren Verständnis des Prozesses. Zwei wissenschaftstheoretische Ansätze werden im Folgenden kurz dargestellt.
2.2 Die Theorie des Produktzyklus
Diese Theorie geht auf einer mikroökonomischen Maßstabsebene davon aus, dass ein Produkt nur eine begrenzte Lebensdauer besitzt und einen Lebenszyklus durchläuft. Dieser Zyklus ist durch vier Phasen gekennzeichnet: Entwicklung, Wachstum, Reife und Schrumpfung. Produktions- und Absatzbedingungen (Faktoreinsatz, Umsatz, Wettbewerb, Profit, Innovationen) ändern sich im Laufe des Lebenszyklus; es kommt u.a. zu Schwerpunktverschiebungen von Forschungs- und
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Der ökonomische Strukturwandel Spaniens und seine Folgen
Entwicklungsinvestitionen zu Rationalisierungsinvestitionen, von kleinen Losgrößen zur Massenproduktion und zur Verlagerung des optimalen Produktionsstandortes. Steigende Sachkapitalintensität, sich verschärfender Qualitäts- und Preiswettbewerb erzwingen eine funktionale Standortspaltung oder Zweigbetriebsgründungen im Hinterland des Zentrums, in peripher gelegenen Standorten oder in Niedriglohnländern (Schätzl 2001, S. 210 ff).
2.3 Die Theorie der langen Wellen
Die u.a. auf Kondratieff und Schumpeter zurückgehende Theorie liefert einen Erklärungsansatz für die Entstehung und Verlagerung von wirtschaftlichen Räumen anhand des technischen Fortschritts. Die zentrale Aussage lautet, dass grundlegende technische Neuerungen - so genannte Basisinnovationen - in zyklischen Abständen gehäuft auftreten und somit lang anhaltende Wachstumsschübe („lange Wellen“) auszulösen vermögen. Die Basisinnovationen bringen als Produktinnovationen neue Wachstumsindustrien hervor, als Prozessinnovationen bewirken sie grundlegende Veränderungen in bereits bestehenden Wirtschaftszweigen.
Auf den Komplex Dampfmaschine/Kohle/Eisen (1. Welle) folgten Stahl/Eisenbahn (2. Welle), dann Elektrizität/Chemie/Auto (3. Welle) und schließlich - in den 1970er Jahren zur Reife gelangt - der Chip-/Kunststoff-/Flugzeug-Komplex (4. Welle). Als basistechnologische Generation der 5. Welle werden Information und Kommunikation, Gen- und Biotechnologie genannt (Schätzl 2001, S. 217). In der Vergangenheit lag der räumliche Konzentrationskern einer neuen langen Welle in der Regel entfernt von jenem des alten Zentrums. Bei globaler Betrachtung lag das Zentrum der ersten Welle in England (Manchester), während sich die Zentren der zweiten Welle zusätzlich in Deutschland (Ruhrgebiet) und den USA (Ostküste) etablierten. In der dritten Welle kamen neben westeuropäischen Ländern weitere Staaten der USA hinzu, und während der vierten langen Welle trat Japan als Ausgangspunkt und Kristallisationskern von Basisinnovationen hinzu. Zu Beginn der fünften langen Welle wird erwartet, dass sich der pazifische Raum zu einer führenden Industrieregion entwickeln könnte.
Ein Grund der Standortverlagerungen liegt darin, dass die Kernregionen der alten Welle nicht den Standortanforderungen der neuen Wachstumsindustrien genügen, etwa in Bezug auf die Infrastruktur oder das Humankapital. Hinzu kommt, dass statisches Verhalten von Großunternehmen, Gewerkschaften und Regierungen die notwendigen Anpassungsprozesse verhindern (Schätzl 2001, S. 221).
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Der ökonomische Strukturwandel Spaniens und seine Folgen
Zusammenfassend lassen sich folgende Ursachen für den Strukturwandel benennen:
- globaler Wettbewerb und Liberalisierung der Märkte,
- Veränderung der Produktionsprozesse,
- ungünstige Branchen- und Betriebsgrößenstruktur,
- Veränderung der Nachfrage nach Dienstleistungen,
- Innovationen und technischer Fortschritt,
- Veränderung der Subventionspolitik und
- hohe Umweltbelastungen (Gaebe 1998, S. 117).
3 Ursachen und Verlauf des ökonomischen Strukturwandels in Spanien
3.1 Die wirtschaftliche Entwicklung in einem autoritären System
Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1939 betrieb das Franco-Regime eine Politik der Autarkie und des Staatsinterventionismus. Sie war teils eine Folge der internationalen Isolierung des Landes, entsprach aber vor allem der sozialen und ökonomischen Ideologie der Einheitspartei Falange. Mit einer importsubstituierenden Industriepolitik suchte man die Unabhängigkeit von Einfuhren. Hauptinstrument dieser Politik war das Nationale Industrieinstitut (Instituto Nacional de Industria/INI), eine Staatsholding, die die Schlüsselindustrien (Energie, Eisen-/Stahlindustrie, Bergbau, Schiffbau, Luftverkehr) kontrollierte und gezielt förderte. Neben der Industrieproduktion überwachte der Staat auch die Investitionen und legte Landwirtschaftspreise, Rohstoffzuteilungsquoten und Löhne fest. Folgen dieser Politik waren Fehlinvestitionen, bürokratische Verzögerungen, Qualitätsmängel der Industrieerzeugnisse, unzureichende Produktions- und Produktivitätsquoten sowie Korruption, Schwarzmarkt und ein Absinken des allgemeinen Lebensstandards (Nohlen/Hildenbrand 1992, S. 26).
Im Juli 1959 wurde ein weitreichender Stabilisierungsplan von der spanischen Regierung verabschiedet. Der Schwerpunkt des Plans lag auf strukturellen Maßnahmen, die auf Drängen des IWF in das Programm aufgenommen worden waren. Er enthielt:
- die Abwertung der Peseta zur Exportunterstützung,
- die Gewährung von Devisenfreiheit,
- die Lockerung von Importbeschränkungen,
- die Freiheit des Gewinntransfers und damit die Förderung von Auslandsinvestitionen.
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Arbeit zitieren:
Markus Lueske, 2003, Der ökonomische Strukturwandel Spaniens und seine Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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