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Termpaper, 2003, 24 Pages
Author: Susanne Menzel
Subject: History - Non-German
Details
Tags: Uhuru, Tanganyika, Politische, Einflußfaktoren, Unabhängigkeitsprozeß, Tanganjikas
Year: 2003
Pages: 24
Grade: sehr gut (minus)
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34528-6
File size: 160 KB
Bei den Aussagen am Ende der Einleitung zum Kiswahili habe ich mir eine Verkürzung erlaubt, da es nur darum ging, so kurz wie möglich das grundsätzliche Prinzip für jemanden verständlich und nachvollziehbar zu machen, der die Sprache gar nicht kennt. Eine Diskussion der Objektklassen hätte schließlich nicht nur den Rahmen der Arbeit deutlich gesprengt, sondern darin auch thematisch nichts zu suchen gehabt.
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Excerpt (computer-generated)
FernUniversität Hagen
Hauptfach Geschichte
Kurs: 4176, Das Britische Empire im 20. Jahrhundert
12. Fachsemester
"Uhuru kwa Tanganyika!" Politische und ökonomische
Einflußfaktoren im Unabhängigkeitsprozeß Tanganjikas
von: Susanne Menzel
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Wurzeln der Nationalbewegung bis 1954 5
3 Die Ausbreitung der TANU bis 1958 11
4 Die Vorbereitung der Unabhängigkeit 1958/59-1961 17
5 Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
1 Einleitung
Der Übergang Tanganjikas vom Kolonialstaat in die Unabhängigkeit vollzog sich, im Vergleich zu anderen ost- und zentralafrikanischen Ländern, relativ friedlich. Vor allem der Gegensatz zu Kenia, das im Rahmen der Mau-Mau-Bewegung blutige Zusammenstöße erlebte, fällt ins Auge. In der älteren Literatur1 werden dafür überwiegend zwei Punkte verantwortlich gemacht: das Fehlen einer vorherrschenden Ethnie, die die übrigen Bevölkerungsgruppen marginalisieren konnte (wie z. B. die Kikuyu in Kenia), sowie das Vorhandensein einer gemeinsamen, nicht von den Europäern „ererbten“ Sprache, des Kiswahili, das zwar nicht von allen Tanganjikanern, aber doch von einem großen Teil verstanden und gesprochen wurde. Deutsch hat allerdings die hinreichende Erklärungskraft dieser Aspekte in Frage gestellt.2 Seiner Ansicht nach sind die implementierten Formen lokaler Herrschaft in der Kolonialperiode sowie die explizit antitribalistische Ausrichtung der Nationalbewegung die bestimmenden Faktoren. Die Briten benötigten für ihr Konzept der „indirect rule“ durch sog. Native Authorities hierarchisch organisierte Stammesverbände, für die es aber keine historischen Parallelen gab, so daß es häufig zur Konstruktion tribaler Einheiten durch die Afrikaner und einer „Neo-Traditionalisierung“ lokaler Herrschaftsstrukturen kam. Die Reformen der Native Authorities nach dem Zweiten Weltkrieg untergruben die noch nicht über Vererbung stabilisierte Legitimität der Chiefs. Zudem traf diese Entwicklung mit der aufkommenden Nationalbewegung zusammen, deren erste Generation überwiegend Personen mit höherer Schulbildung umfaßte, die viel im Territorium herumkamen und sich nicht an ihrem Heimatort aufhielten, so daß sie keine regional begründete Legitimität vorweisen konnten.
In dieser Hausarbeit wird der Zeitraum etwa vom Ende des Zweiten Weltkrieges (mit nur einzelnen Rückgriffen, soweit sie im Zusammenhang erforderlich sind) bis zur Verkündung der Unabhängigkeit am 9. Dezember 1961 betrachtet. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, warum - entgegen den ursprünglichen Planungen sowohl des Colonial Office wie auch der britischen Verwaltung vor Ort - der Unabhängigkeitsprozeß eine derartige Beschleunigung erhielt, denn die Wahlen von 1958/59 wurden noch unter dem Prinzip der paritätischen Rassenvertretung im Legislativrat durchgeführt. Tanganjika galt als das am wenigsten entwickelte Land unter den britischen ost- und zentralafrikanischen Besitzungen, wurde aber als erstes unabhängig. Diese Entwicklung in nur drei Jahren muß als überstürzt bezeichnet werden. Die Ursachen lassen sich im wesentlichen durch die Betrachtung von zwei Komplexen beschreiben: die Kolonialökonomie mit der Ausbildung eines umfassenden landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens sowie die Kolonialadministration mit ihren häufigen Reformen vor allem der lokalen, autochthonen Behörden. Es wird also zu zeigen sein, daß die Nationalbewegung in diesen Jahren von den zuvor gemachten politischen Fehlern der Kolonialverwaltung profitierte, die sich v. a. in fehlgeschlagenen landwirtschaftlichen Entwicklungsprogrammen und dem lange propagierten Konzept des „multiracialism“ (einer rassenparitätischen Zusammensetzung der Vertretungen und Räte) manifestierten. Nicht zu unterschätzen ist besonders im Falle Tanganjikas auch sein Status als UN-Treuhandterritorium, der den Führern der Nationalbewegung ein zusätzliches Forum öffentlicher Aufmerksamkeit bot.
Bei der Benennung der tanganjikanischen Stämme bzw. der von ihnen bewohnten Regionen halte ich mich an die Kiswahili-Grammatik. Das einzelne Mitglied eines Stammes wird mit dem gebräuchlichen Stammesnamen und dem Objektklassenpräfix M- für eine Einzelperson bezeichnet, also z. B. Msukuma, Mchagga etc. Der gesamte Stamm bzw. eine Gruppe daraus wird mit dem Pluralpräfix Wa- versehen: Waluguru, Wameru usw., die jeweilige Region (sofern ihre Benennung dem Stammesnamen entspricht) erhält das Lokationspräfix U-, also Usukuma, Uluguru usw. Davon abgewichen wird lediglich, wenn es sich um feststehende Bezeichnungen für Organisationen oder Programme handelt, wie beim Sukumaland Development Scheme oder der Kilimanjaro Chagga Citizens Union.
2 Die Wurzeln der Nationalbewegung bis 1954
Die Nationalbewegung Tanganjikas, die in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre unter dem Schlachtruf „uhuru na umoja“ (Freiheit und Einheit) antrat, speiste sich im wesentlichen aus zwei Quellen: der 1929 gegründeten African Association (AA)3 und den landwirtschaftlichen Genossenschaften.4 Die AA hatte ihre erste Basis in den Städten und rekrutierte sich aus dem sich langsam entwickelnden afrikanischen Bürgertum. Von Beginn an gab es hier keine Einschränkungen der Mitgliedschaft auf Grund von tribalen oder religiösen Zugehörigkeiten oder territorialer Herkunft. Der kontinuierliche Ausbau der Ortsgruppenstruktur erfolgte seit etwa 1940. Damit war aber keineswegs bereits eine einheitliche Organisation geschaffen, auch wenn Iliffe richtig bemerkt, daß „(t)he association’s structure eventually provided the framework for a unitary nationalist movement unique in East Africa“.5 Die einzelnen Ortsgruppen waren relativ autonom, da auf Grund der mangelhaften Kommunikationsmöglichkeiten das Büro in Dar es Salaam seinen Führungsanspruch nicht wirklich durchsetzen konnte. Auch das Fehlen einer afrikanischen Presse machte sich hier bemerkbar. Unabhängigkeit und ein Nationalstaat waren zu diesem Zeitpunkt nicht Bestandteil der Agenda, zumal größere Aktionen in dieser Phase noch am niedrigen Organisationsgrad scheiterten. Zwar wurden bis 1950 die meisten der gebildeten Afrikaner Mitglied der TAA, aber erst mit zunehmender Integration anderer Vereinigungen, besonders der „tribal unions“, erlangte die Association eine breitere Basis. Pels betont, daß die sich entwickelnde Nationalbewegung auch deswegen so erfolgreich im gesamten Territorium Fuß fassen konnte, weil sie es verstand, an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepaßte Kommunikationswege zu nutzen. 6
[...]
1 Vgl. dazu z. B. Maguire, G. Andrew: Uhuru. Tanzanias Weg in die Unabhängigkeit, München 1971 (Afrika-Studien 68), S. 19 f. sowie Listowel, Judith: The Making of Tanganyika, London 1965, S. 168. Listowel betont zusätzlich noch die im ostafrikanischen Vergleich geringe Anzahl von Nichtafrikanern im Territorium, Nyereres Herkunft aus einem der kleinsten Stämme und seine tiefen christlichen Überzeugungen.
2 Deutsch, Jan-Georg: Vom Bezirksamtmann zum Mehrparteiensystem - Transformationen politischer Herrschaft im kolonialen und nachkolonialen Tanzania, in: Ulrich van der Heyden/Achim von Oppen (Hg.): Tanzania: Koloniale Vergangenheit und neuer Aufbruch, Münster 1996 (Afrikanische Studien 7), S. 21-46, hier v. a. S. 31 ff.
3 Auf Kiswahili nannte sich die Organisation „Chama cha Umoja wa Watu wa Afrika“ (Partei der Einheit der Völker Afrikas). Die Trennung von ihrem sansibarischen Zweig führte im Mai 1948 zur Umbenennung in Tanganyika African Association (TAA).
4 Dazu kamen noch, allerdings im Vergleich zu den Bauern in kleiner Zahl, die Arbeiter in den Städten, die mit Streiks gemeinsame Aktionsformen einübten (z. B. durch den großen Generalstreik vom 6. bis 15. September 1947). Dazu v. a. Herzog, Jürgen: Geschichte Tansanias. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Berlin (Ost) 1986, S. 128 ff.
5 Iliffe, John: A modern history of Tanganyika, Cambridge 1979 (African studies series 25), S. 405
6 Pels, Peter: Creolisation in Secret: The Birth of Nationalism in Late Colonial Uluguru, Tanzania, in: Africa 72 (1), 2002, S. 1-28, hier S. 23
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