Mergers & Acquisitions. Unternehmensbewertung, konjunktureller Einfluss und Risiken


Bachelorarbeit, 2018

56 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung
1.1 Einführung und Relevanz des Themas
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2 Grundlagen und Verfahren der Unternehmensbewertung
2.1 Bewertungsmethoden
2.2 Discounted Cashflow-Methode
2.2.1 Der Free Cashflow
2.2.2 Weighted Average Cost of Capital nach dem CAPM
2.2.3 Ermittlung des Marktwertes des Gesamtkapitals
2.2.4 Der Terminal Value
2.2.5 Finale Ermittlung des Unternehmenswertes
2.2.6 Kritische Würdigung der DCF-Methode
2.3 Das Multiplikatorverfahren

3 Die Rolle und Bedeutung von Mergers & Acquisitions
3.1 Der M&A Markt und seine Entwicklung
3.2 Gründe für die Marktentwicklung im Zusammenhang zur Konjunktur und den Wellen
3.2.1 Die M&A-Welle von 1993-2000
3.2.2 Die Fusionswelle von 2002-2007
3.2.3 Auswirkungen der Finanzkrise auf Unternehmensaufkäufe sowie der zeitliche Verlauf bis 2017
3.2.4 Schlussfolgerung der Wellen
3.3 Auswirkungen der Leitzinsen auf die wesentlichen Parameter der Unternehmensbewertung
3.3.1 Auswirkungen auf die Eigenkapitalkosten
3.3.2 Auswirkungen auf die Fremdkapitalkosten
3.3.3 Resümee der Auswirkungen von Konjunktur und Zinspolitik auf die Kapitalkosten und die Unternehmensbewertung

4 Motive für eine Unternehmensakquisition
4.1 Synergieeffekte von Unternehmenszusammenführungen
4.2 Der Synergieeffekt
4.2.1 Kostensynergien
4.2.2 Marktsynergien
4.2.3 Finanzwirtschaftliche Synergien
4.3 Persönliche Motive
4.4 Marktmacht Motive

5 Häufige Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren von M&A
5.1 Erfolgsfaktoren für eine Unternehmensakquisition
5.2 Misserfolgsfaktoren von Unternehmensakquisitionen
5.3 Ein aktuelles Fallbeispiel für die Risiken einer Übernahme

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Verfahren zur Unternehmensbewertung

Abb. 2: Ermittlung des Free Cashflow

Abb. 3: Kapitalkosten nach WACC

Abb. 4: Formel für den Marktwert des Gesamtkapitals

Abb. 5: Formel Terminal Value

Abb. 6: Formel zur Ermittlung des Unternehmenswertes mit Terminal Value

Abb. 7: Formel zu der Wertermittlung nach Multiplikatorverfahren

Abb. 8: Anzahl und Volumen der weltweiten M&A-Deals von 1985 – 2017

Abb. 9: Leitzins der Europäischen Zentralbank

Abb. 10: Durchschnittlich verwendete Marktrisikoprämie in Deutschland

Abb. 11: Durchschnittliche verwendete Fremdkapitalkosten

Abb. 12: Ungleichgewicht für Mitarbeiter durch Unternehmensübernahmen

Abb. 13: Aktienchart der Bayer AG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

1.1 Einführung und Relevanz des Themas

„Da werden große Unternehmen im Handumdrehen gekauft und verkauft, als handelt es sich um Gebrauchtwagen.“ 1

Dieses Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt aus einem Vortrag im Jahr 1998 ist in Zeiten von der Globalisierung, rasantem technologischen Fortschritt und immer dynamischer werdenden Märkten aktueller denn je.2 So treiben niedrige Zinsen, internationaler Gütertransfer, steigender Preisdruck und wirtschaftlicher Aufschwung die Unternehmen bei wechselnden Umwelt- und Wettbewerbsbedingungen zu ständigen Strukturveränderungen.

Unternehmensakquisitionen und Fusionen gehören seit Jahren zu den primären Wachstumsstrategien von Unternehmen. Mergers & Acquisitions (M&A) stellen hochkomplexe Projekte dar, bei denen eine genaue Unternehmensbewertung und Umweltanalyse Voraussetzung ist. Die Durchführung der Unternehmensbewertung in der Praxis kann als eine Synthese des theoretisch Richtigen mit dem praktisch Möglichen beschrieben werden.3

Obwohl die weltweiten M&A-Aktivitäten in Transaktionen und Volumina immer weiter ansteigen entwickelt sich fast jede zweite Transaktion zu einem Misserfolg und scheitert.4 Die Gründe für den Erfolg einer Akquisition sind universell und für jeden Fall neu zu erörtern. Nichtsdestotrotz lassen sich die Chancen für eine erfolgreiche Transaktion durch eine ausführliche Vorbereitung und eine routinierte Durchführung steigern. Die mit einem Misserfolg verbundenen Risiken sind nicht zu unterschätzen.

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Diese Arbeit thematisiert die Unternehmensbewertung anhand unterschiedlicher Verfahren mit Schwerpunkt auf der Discounted Cashflow (DCF)-Methode. Betrachtet werden hierbei die aus der Vergangenheit ermittelten Fusionswellen in Zusammenhang mit den jeweiligen konjunkturellen Zyklen. Weiterhin werden Korrelationen von Zinspolitik mit Auswirkungen auf die Kapitalkosten und dem Wert der Unternehmen geschlossen. Die Motive für ein M&A-Projekt sowie die Erfolgs- & Misserfolgsfaktoren werden thematisiert und anhand eines Fallbeispiels verdeutlicht.

Zu Beginn werden die Grundlagen der Unternehmensbewertung erläutert und eine allgemeine Übersicht über die wichtigsten Verfahren gegeben. Daraus wird primär die DCF-Methode ausführlich thematisiert und kritisch hinterfragt sowie einen Einblick in das Multiplikatorverfahren geboten.

Der zweite Schwerpunkt erläutert die Entwicklung des M&A-Marktes. Diesbezüglich werden die Auswirkungen von konjunkturellen und zinspolitischen Veränderungen auf die Unternehmensbewertung sowie -aufkäufe dargestellt.

Ein weiteres Kapitel befasst sich mit den Motiven einer Unternehmensakquisition. Dazu werden die am häufigsten erhofften Synergieeffekte von Unternehmenszusammenführungen veranschaulicht sowie persönliche Motive kritisch betrachtet.

Der letzte Schwerpunkt der Arbeit greift die Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren einer Akquisition auf. Zu diesem Zweck werden anhand eines aktuellen Beispiels die Risiken und Auswirkungen einer schwierigen Übernahme auf die Bewertung und den Aktienkurs einer Gesellschaft verdeutlicht.

2 Grundlagen und Verfahren der Unternehmensbewertung

2.1 Bewertungsmethoden

Gründe für eine Unternehmensbewertung sind mannigfaltig. Dabei lässt sich sagen, dass eine „Kaufpreisverhandlung auf der Grundlage einer methodisch fundierten Unternehmensbewertung erfolgen“5 sollte.

Im Laufe der vergangenen Jahre sind somit eine Vielzahl von Bewertungsmethoden entstanden. Diese Vielfalt resultiert dabei zum einen aus dem Interesse, welches mit der jeweiligen Bewertung verfolgt wird, und zum anderen aus dem damit verbundenen Aufwand. Der Kauf und Verkauf von Unternehmen oder Beteiligung spielt hierbei eine zentrale Rolle.6 Ein Börsengang, die Aufnahme oder das Ausscheiden von Gesellschaftern sowie eine Fusion sind weitere Anwendungsbereiche der Unternehmensbewertung.

Die Verfahren zur Unternehmensbewertung für diese Vielfältigkeit der Anlässe lassen sich wie folgt systematisieren. Es werden vier Bewertungsverfahren zur Wertermittlung genannt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verfahren zur Unternehmensbewertung

In Anlehnung an: Ballwieser, Hachmeister, Unternehmensbewertung. Prozess, Methoden und Probleme. 2013, S. 8.

Bei den Einzelbewertungsverfahren werden alle Vermögensgegenstände und Schulden isoliert betrachtet, welche in Summe den Unternehmenswert widerspiegeln.7 Dabei ist ein Liquidationswert, welcher auf der Veräußerung des Unternehmens beruht, von dem Substanzwert mit der Going-Concern-Prämisse, zu unterscheiden.8

Der Substanzwert auf Basis von Vollreproduktionswerten ergibt sich aus der Summe sämtlicher Wiederbeschaffungswerte der materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände zuzüglich des Liquidationswertes des nicht betriebsnotwendigen Vermögens abzüglich der Schulden.9

Der Hintergrund des Substanzwertverfahrens ist es, den Wert zu erhalten, der auf dem Markt benötigt würde, um das Unternehmen fiktiv wieder zu errichten. Durch die Berücksichtigung von immateriellen Vermögensgegenständen wie zum Beispiel selbst erstellte Patente oder Marken, stellt diese Methode keine rein objektive Bewertung dar. Ein weiterer Kritikpunkt dieser Methode ist, dass nur das investierte Kapital bewertet wird und nicht die zukünftig zu erwartenden Erträge, die das Unternehmen erwirtschaften kann.

Der Liquidationswert wird bei der Auflösung des Unternehmens durch Addition sämtlicher realisierter Liquidationswerte des Vermögens abzüglich der Schulden des Unternehmens ermittelt. Dabei muss im jeweiligen Einzelfall berücksichtigt werden, ob es sich um eine Zerschlagung, welche einer Liquidation unter hohem Zeitdruck entspricht, oder um eine Auflösung unter normalen Voraussetzungen handelt. Bei ersteren entstehen erhöhte Kosten durch z.B. verfrühte Kündigung eines Darlehensvertrages, welche von den Veräußerungserlösen abzuziehen sind.10 Stellt der Liquidationswert des Unternehmens die werthaltige Alternative gegenüber der Unternehmensfortführung dar, so ist nicht von der Going-Concern-Prämisse auszugehen sondern der Substanzwert auf Basis des Liquidationswertes anzusetzen.

Der Liquidationswert stellt somit gemäß dem Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) die Wertuntergrenze des Unternehmens dar und ist damit der kritische Wert für den Veräußerer.11

Die Gesamtbewertungsverfahren betrachten das Unternehmen als eine Einheit, welche durch das Zusammenwirken aller Bereiche funktioniert, und daher als ein Investitionsobjekt gehandelt wird. Der Wert des Unternehmens ergibt sich dabei aus zukünftigen Mittelzuflüssen, welche auf den Bewertungsstichtag diskontiert werden.12 Zu diesen zukunftserfolgsorientierten Verfahren zählen die Ertragswertmethode und das Discounted-Cashflow (DCF)-Verfahren.

2.2 Discounted Cashflow-Methode

Das DCF-Verfahren stellt in der Praxis im Rahmen von Unternehmenskäufen und -verkäufen aufgrund der Transparenz und Vielseitigkeit in der Anpassung die am weitesten verbreitete Bewertungsmethode dar. Nach einer empirischen Untersuchung von Michael Lorenz, in der die 400 größten deutschen börsennotierten Unternehmen als Untersuchungsobjekt gewählt wurden, ist das DCF-Verfahren dominierend in Deutschland. Es wurde herausgefunden, dass ca. 77 % aller befragten Unternehmen das DCF-Verfahren für die Unternehmensbewertung einsetzen.13 Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit das DCF-Verfahren ausführlich thematisiert.

Das DCF-Verfahren ermittelt den Wert eines Unternehmens mittels der Diskontierung der zukünftig zu erwartenden Cashflows auf den Bewertungszeitpunkt.14

Bei der Anwendung der DCF-Methode unterscheidet man zwischen dem Bruttoverfahren (Entity Approach) und dem Nettoverfahren (Equity Approach).15

Das Entity-Konzept ist geprägt durch die zweistufige Berechnung des Unternehmenswertes. In Schritt eins wird der Wert durch die Diskontierung der einzelnen für die Planperiode anfallenden Free Cashflows kalkuliert.

Der Unternehmenswert ist dabei unabhängig von der Kapitalstruktur des Unternehmens (Verhältnis von Eigenkapital (EK) zu Fremdkapital (FK)) und repräsentiert die Zahlungsansprüche sowohl an die Eigenkapital- als auch an die Fremdkapitalgeber. Dagegen bewertet der Equity-Ansatz die direkt auf die Eigenkapitalgeber fließende Zahlungsströme.16

Um den Marktwert des Eigenkapitals zu ermitteln wird anschließend in Schritt zwei der Marktwert des Fremdkapitals von dem Unternehmenswert abgezogen. Methoden der Bruttokapitalisierung sind der Weighted Average Cost of Capital (WACC)-Ansatz sowie der Adjusted Present Value (APV)-Ansatz.17 Aufgrund der Bedeutung für die Praxis wird in diesem Kapitel der Entity-Approach mit WACC und Free Cashflow ausführlich behandelt und anschließend werden kurz die Unterschiede zum Equity-Verfahren aufgezeigt.

2.2.1 Der Free Cashflow

Der Free Cashflow (FCF) ergibt sich aus der Summe von operativem Cashflow und Cashflow aus Investitionstätigkeiten, bei fingierter vollständiger Eigenfinanzierung und enthält man diejenigen Mittel, welche allen Anteilseigner des Unternehmens zur Verfügung stehen.18 Diese beinhalten weder Zinsaufwendungen noch Dividenden oder andere finanzierungsbezogene Zahlungsströme.

Der FCF kann wie folgt dargestellt, und vom operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ermittelt werden. Dabei wird das EBIT um die Steuern und um nicht zahlungswirksame Vorfälle, wie Ab-/ Zuschreibung, Veränderung von Rückstellungen und Verluste/Gewinne aus dem Sachanlagevermögen bereinigt. Daraus erhält man den operativen Cashflow, von dem man die Investitionen ins Anlage- und Nettoumlaufvermögen (Working Capital) korrigiert um den FCF zu erhalten.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an: Ernst/Schneider/Thielen, Unternehmensbewertungen erstellen und verstehen. Ein Praxisleitfaden. 2010, S.32.

Das Nettoumlaufvermögen ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Der aus der tatsächlichen Kapitalstruktur resultierende Steuervorteil (Tax Shield) wird bei dieser Cashflow-Ermittlung nicht berücksichtigt, dafür aber bei dem Diskontierungssatz.20 Aus dem Free Cashflow lässt sich schon ein Problem der DCF-Methode erkennen. So sind die Cashflows zukunftsorientiert und von vielen Umweltzustände abhängig. Da diese nur schwer bzw. unmöglich sind zu prognostizieren stellen diese Cashflows eine deutliche Unsicherheit für die Unternehmensbewertung dar.

2.2.2 Weighted Average Cost of Capital nach dem CAPM

Der Kapitalkostensatz WACC repräsentiert den durchschnittlichen Gesamtkapitalkostensatz, welcher sich aus den zu Marktwerten gewichteten Eigen- und Fremdkapitalkosten des Unternehmens zusammensetzen. Dieser Diskontierungssatz soll somit die Opportunitätskosten der verschiedenen Kapitalgeber abbilden welche mit ihren Anteilen am gesamten investierten Kapital des Unternehmens gewichtet werden.21

2.2.2.1 Die Eigenkapitalkosten

Die Herleitung des Eigenkapitalkostensatzes findet auf Basis des Capital Asset Pricing Models (CAPM) statt und geht von einem vollkommenen Kapitalmarkt aus. Daraus folgt, dass sich das Risiko und die Rendite eines Unternehmens gänzlich im Aktienkurs widerspiegelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Kapitalkosten nach WACC

In Anlehnung an: Joos, Controlling, Kostenrechnung und Kostenmanagement. 2014, S.81.

Im ersten Schritt geht man wie im Schaubild dargestellt von einem risikofreien Zinssatz aus. Dieser entspricht der möglichen Rendite einer ausfallsicheren Geldanlage wie z.B. Staatsanleihen und ergibt damit den Zeitwert des Geldes. Anschließend wird der Beta-Faktor (ß) mit der Marktrisikoprämie multipliziert und dem risikofreien Zinssatz hinzuaddiert. Als Vergleichswert für die Marktrendite dient im Allgemeinen die langfristige Rendite eines repräsentativen Portfolios aus branchenspezifischen Unternehmen welche zu dem Bewertungsobjekt passen. Diese können aus einem Index wie dem Deutschen Aktien Index (DAX) entnommen werden.22

Die Marktrisikoprämie ergibt sich dabei aus der Marktrendite des Eigenkapitals subtrahiert von dem risikofreien Zinssatz. Sie deckt damit das systematische Risiko ab. Dieses Risiko enthält alle Faktoren, die nur schwer seitens des Unternehmens beeinflussbar sind, da sie das gesamtwirtschaftliche und politische Umfeld der Gesellschaft betreffen. Dazu zählen Wechselkursveränderungen volatile Rohstoffpreise, Konjunkturschwankungen oder technologische Entwicklungen.23

Für die Bewertung eines Unternehmens ist jedoch nicht die allgemeine Marktrisikoprämie, sondern die für das Bewertungsobjekt geforderte spezifische Risikoprämie von Bedeutung. Diese individuelle Risikoprämie ist das Produkt aus Beta-Faktor und Marktrisikoprämie.24

Der Beta-Faktor ist ein Maß für das systematische Risiko eines Unternehmens. Er beschreibt die Volatilität der Anlage zu der Schwankung des Marktportfolios.

Mathematisch errechnet sich der Beta-Faktor aus der Kovarianz zwischen der Rendite des Wertpapiers und des Marktportfolios, dividiert durch die Varianz des Marktportfolios.25

Ein Beta-Faktor = 1 bedeutet die Volatilität unserer Anlage entspricht der Schwankung des Gesamtmarktes. Der Gesamtmarkt wird in der Regel durch einen möglichst breit gestreuten Aktienindex dargestellt. Bei einem nicht börsennotierten Bewertungsunternehmen wird als Alternative durch eine Peer Group auf das zu bewertende Unternehmen geschlossen. Die Peer Group beinhaltet dabei eine Auswahl von börsennotierten Unternehmen, welche zu dem Bewertungsobjekt hinsichtlich des Tätigkeitsspektrums als auch seiner Chancen- und Risikostruktur ein ähnliches Profil aufweist. Dabei muss der Beta-Faktor des Vergleichsunternehmens an die Kapitalstruktur des Bewertungsobjekts angepasst werden. Ist der Beta-Faktor > 1, reagiert die Investition im Verhältnis zum Gesamtmaß überproportional. Bei einem Beta-Faktor < 1 ist die Veränderung der Rendite aus der Investition schwächer als die Marktrendite.

Der Beta-Faktor wird neben der Marktrendite durch den Verschuldungsgrad eines Unternehmens beeinflusst. Umso höher die Schulden des Objektes, desto größer ist das Risiko und damit auch der Beta-Faktor. Da der Investor diese Risiken tragen muss erhält er dafür eine gewisse Entschädigung welche sich im Beta-Faktor widerspiegelt.26

2.2.2.2 Die Fremdkapitalkosten

Der Fremdkapitalkostensatz ergibt sich aus dem Produkt von Marktzinsen für das Fremdkapital und der Steuerersparnis. Aufgrund von hoher Fremdfinanzierung bei einigen Gesellschaften sind die Fremdkapitalkosten ein wesentlicher Parameter welcher nicht unterschätzt werden sollte.27

Der Entity Approach berücksichtigt als Besonderheit den Vorteil der Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen als Betriebsausgaben. Da im Zuge des WACC-Ansatzes im FCF der Tax Shield nicht berücksichtigt wurde, werden die Fremdkapitalkosten um den Steuervorteil reduziert.28 Aufgrund verschiedenster Arten von Fremdkapital, welche nach Mittelherkunft (Innen oder Außenfinanzierung) oder nach der Laufzeit (lang- und kurzfristig) unterteilt werden können, stellt sich die Frage, welcher Fremdkapitalzinssatz zu verwenden ist.29

In der Praxis wird dabei oft aus Vereinfachungsgründen der durchschnittlich durch das Unternehmen zu zahlende Zinssatz verwendet. Ebenfalls wird nicht der Marktwert sondern der Buchwert des Fremdkapitals angesetzt.30 Der Zinssatz für das Fremdkapital ergibt sich aus den zwei folgenden Parametern: Dem Risikozuschlag und dem risikolosen Zinssatz, welcher bei den Kapitalkosten schon thematisiert wurde. Der Risikozuschlag ist von der Zahlungsfähigkeit bzw. Kreditwürdigkeit, der sogenannten Bonität des Schuldners, abhängig. Um den Risikozuschlag zu ermitteln empfiehlt es sich die Umlaufrenditen von z.B. Industrieanleihen, welche man bei der Deutschen Bundesbank finden kann, anzuschauen.

In diesen Anleihen ist der Risikozuschlag bereits enthalten. Dabei ist zu beachten, dass die Marktrendite von der Rendite vergleichbaren börsengehandelten Anleihen abgeleitet wird.31

2.2.2.3 Ermittlung der gewogenen Gesamtkapitalkosten nach WACC

Nach Ermittlung des Eigen- und Fremdkapitalkostensatzes werden diese mit der jeweiligen Kapitalquote multipliziert um die Eigen- und Fremdkapitalkosten zu erhalten. Daraus ergeben sich dann additiv die gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten.

Daraus wird ein Problem des FCF-Ansatzes deutlich, da mit der Diskontierung der FCF der Unternehmenswert bzw. der Wert des Eigenkapitals berechnet wird. Dieser Wert wird jedoch bereits zur Berechnung des WACC benötigt.

In der Fachliteratur wird diese Problematik der Selbstbezüglichkeit als Zirkularitätsproblem bezeichnet, welches in der Praxis durch eine atmende Finanzierung umgangen wird.32 Eine atmende oder auch als unternehmenswertorientierte bezeichnete Finanzierung stellt eine Koppelung der Entwicklung von Eigen- und Fremdkapital dar, wodurch sie nicht autonom geplant werden kann und der zukünftige Verschuldungsgrad schon im Bewertungszeitpunkt bekannt ist.33 Diese Problematik wird jedoch aufgrund eines anderen Schwerpunktes in dieser Arbeit nicht weiter thematisiert.

2.2.3 Ermittlung des Marktwertes des Gesamtkapitals

Der Marktwert des Gesamtkapitals wird ermittelt, indem die zukünftigen periodenspezifischen FCF mit dem durchschnittlichen Kapitalkostensatz aus dem WACC diskontiert und die Summe mit dem nicht betriebsnotwendigen Vermögen hinzuaddiert wird. Aufgrund dessen, dass die nicht betriebsnotwendigen Vermögensgegenstände, wie zum Beispiel Wertpapiere des Umlaufvermögens, nicht in den Barwerten enthalten sind, werden die Cashflows lediglich durch das operative Ergebnis aus betriebsnotwendigem Kapital erzielt.34

Daraus ergibt sich folgende Formel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Formel für den Marktwert des Gesamtkapitals

In Anlehnung an: Stober, Multiplikatoren als vergleichswertorientierte Methode der Unternehmensbewertung. 2008, S.14f.

Um nun zum Unternehmenswert als Marktwert vom Eigenkapital zu gelangen muss man den Marktwert des verzinslichen Fremdkapitals abziehen.35 In der Praxis sind Cashflows nur schwer unendlich prognostizierbar, daher werden diese in der Regel nur für drei bis fünf Jahren bestimmt.

Für die folgende Fortführungsphase wird von einer konstanten Unternehmensentwicklung ausgegangen, welche durch einen Endwert wie der ewigen Rente oder dem Terminal Value (TV), dargestellt wird.36

Im Equity Approach erfolgt eine einstufige Berechnung, in welcher der EK-Wert direkt und nicht erst über den Unternehmensgesamtwert ermittelt wird. In diesem Zusammenhang werden hingegen die Cashflows berechnet, welche ausschließlich den Eigenkapitalgebern zustehen und nicht die operativen Free Cashflows. Im Gegensatz zum Entity Approach kommen nicht die gewogenen Gesamtkapitalkosten als Diskontierungsfaktor zum Einsatz, sondern lediglich die anhand des CAPMs ermittelten Eigenkapitalkosten.37 Dank der geringeren Komplexität ist der Equity-Approach leichter erklärbar und flexibler in der Handhabung.38

[...]


1 Jansen (2016), S. 52.

2 Vgl. Dreher (2014), S. 5.

3 Vgl. WP Handbuch 2014, S. 1.

4 Vgl. Jansen (2016), S. 277.

5 Copeland/Koller/Murrin (2002), S. 7.

6 Vgl. Kuhner/Maltry (2016), S. 1.

7 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 2.

8 Vgl. Ballwieser/Hachmeister (2013), S. 10.

9 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 3.

10 Vgl. WP Handbuch (2014), S. 221.

11 Vgl. WP Handbuch (2014), S. 59 ff.

12 Vgl. Ballwieser/Hachmeister (2013), S. 8.

13 Vgl. Lorenz (2009), S. 12 f.

14 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 8.

15 Vgl. Ballwieser/Hachmeister (2013), S. 140.

16 Vgl. Nowak (2000), S. 27.

17 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), 27 ff.

18 Vgl. Behringer (2008), S. 153.

19 Vgl. WP Handbuch (2014), S.97 f.

20 Vgl. Copeland/Koller/Murrin (2002), S. 189.

21 Vgl. Copeland/Koller/Murrin (2002), S. 174.

22 Vgl. Vogel (2002) S. 187.

23 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 56.

24 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 59 f.

25 Vgl. Britzelmaier (2009), S. 81.

26 Vgl. Ziemer (2015), S. 140 ff.

27 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 74.

28 Vgl. WP Handbuch (2014), S. 54.

29 Vgl. Britzelmaier (2009), S. 74.

30 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 75.

31 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 75.

32 Vgl. Kuhner/Maltry (2016), S. 282.

33 Vgl. Ziemer (2015), S. 116.

34 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 80.

35 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 28 f.

36 Vgl. Dachwitz (2011), S. 19.

37 Vgl. Dachwitz (2011), S. 19.

38 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2010), S. 31.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Mergers & Acquisitions. Unternehmensbewertung, konjunktureller Einfluss und Risiken
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
56
Katalognummer
V541920
ISBN (eBook)
9783346163943
ISBN (Buch)
9783346163950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
M&A, Unternehmensbewertung, Mergers & Acquisitions
Arbeit zitieren
Dustin Krießler (Autor), 2018, Mergers & Acquisitions. Unternehmensbewertung, konjunktureller Einfluss und Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541920

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