Inhaltsverzeichnis
I NA
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.............................................................................................. I
Abbildungsverzeichnis.................................................................................... III
Abkürzungsverzeichnis IV
1 NA
Einleitung 1
1.1 NA
Problemstellung 1
1.2 NA
Gang der Untersuchung 2
2 NA
Erläuterung grundlegender Begriffe 4
2.1 NA
Das Rating 4
2.1.1 Begriffsbestimmung des Rating 4
2.1.2 Abgrenzung des externen vom internen Rating 5
2.1.3 Methoden der Ratingerstellung 7
2.2 NA
Banken und das Bankensystem in Deutschland 9
2.2.1 Definition der Bank 9
2.2.2 Das Bankensystem 10
2.3 NA
Der Bankkredit 10
2.3.1 Einordnung des Bankkredits in Fremdfinanzierungsformen 11
2.3.2 Definition des Bankkredits 11
2.4 NA
Lösungsansätze für Probleme aus Informationsasymmetrien 12
2.4.1 Unvollkommene Informationen als besondere Problematik
in der Gläubiger-Schuldner-Beziehung 12
2.4.2 Agency-Theorie im Rahmen des neoinstitutionalistischen
Ansatzes 12
2.5 NA
Instrumentarien der Bankenaufsicht 15
3 NA
Ziele und Anforderungen an das Rating aus ökonomischer
Perspektive 16
3.1 NA
Ziel und Anreizeffekte zur Durchführung eines Rating aus
ökonomischer Perspektive verschiedener Interessengruppen 16
3.1.1 Aus Sicht der Banken 17
3.1.2 Aus Sicht der Kreditnehmer 20
3.1.3 Aus Sicht der Ratingagenturen 22
Inhaltsverzeichnis
II NA
3.1.4 Aus Sicht der Bankenaufsicht 22
3.2 NA
Anforderungen an Ratings aus ökonomischer Perspektive der
verschiedenen Interessengruppen 23
3.3 NA
Differenzierung der Anforderungen an externes und
internes Rating 28
4 NA
Ziele und Anforderungen an das Rating aus aufsichtlicher
Perspektive 29
4.1 NA
Ziele aus aufsichtlicher Perspektive 29
4.1.1 Allgemeine Ziele der Bankenaufsicht 29
4.1.2 Spezifische Ziele der Bankenaufsicht durch Ratings 30
4.2 NA
Die Anforderungen an Ratings durch das Basler
Konsultationspapier 31
4.2.1 Veränderungen der Anforderungen: Von Basel 1 zu Basel 2............31
4.2.2 Anforderungen an externes Rating durch das
Standardverfahren 33 NA
4.2.3 Anforderungen an die auf internen Ratings basierenden
Ansätze 34
4.2.4 Zusätzliche Anforderungen für den fortgeschrittenen
IRB-Ansatz 37
4.3 NA
Grundsätze ordnungsgemäßen Ratings 37
5 NA
Abgleich von ökonomischen mit aufsichtlichen Anforderungen
an Ratings 41
5.1 NA
Gemeinsame Ziele und Zielkonflikte zwischen Aufsicht
Banken Kreditnehmer und Ratingagenturen 41
5.2 NA
Auswirkungen der spezifischen Zielsetzungen der
Interessengruppen auf die Anforderungen an Ratings 47
5.3 NA
Praktikabilität und Grenzen des externen und internen
Ratings im Vergleich.........................................................................55
6 NA
Schlussbemerkung 61
Literaturverzeichnis 62 NA
Abbildungsverzeichnis
III NA
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Definition klassischer Ratingskalen 5
Abb 2: Rating criteria of agencies and banks 9
Abkürzungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AG Aktiengesellschaft
BAK Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen
Bd. Band
bzw. beziehungsweise
D.h./d.h. das heißt
DV Datenverarbeitung
EAD Exposure at Default
ECAI External Credit Assessment Institution
etc. et cetera
f. folgende
ff. fortfolgende
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
GARP Generally Accepted Rating Principles
Hrsg. Herausgeber
i.e.S. im eigentlichen Sinne
IRB Internal Rating Based
i.w.S. im weiteren Sinne
Jg. Jahrgang
KWG Gesetz über das Kreditwesen
LGD Loss given Default
o. oder/oben
o.J. ohne Jahresangabe
o.V. ohne Verfasserangabe
PD Probability of Default
P&L Profit and Loss
S. Seite
S&P Standard & Poor`s
sog. sogenannt
Tab. Tabelle
Vgl./vgl. vergleiche
Vol. Volume
z.B. zum Beispiel
Einleitung 1
1 Einleitung 1.1 Problemstellung
Nach dem neuen Basler Abkommen, das voraussichtlich Anfang 2005 in Kraft treten wird, soll die Bonität der Schuldner zukünftig die Grundlage für die Hö- he der Eigenkapitalhinterlegung der Banken für Kredite bilden. Derzeit gelten noch die Regelungen vom ersten Basler Eigenkapitalakkord von 1988, nach dem die Banken Kredite an Unternehmen mit 8 % des Kreditvolumens durch Eigenkapital unterlegen müssen, ohne die Bonität des Schuldners dabei zu be- rücksichtigen. 1 Die Eigenkapitalvereinbarung von 1988 wird durch das zweite Basler Konsultationspapier abgelöst werden mit dem Ziel, eine den Risiken angepasstere Eigenkapitalhinterlegung zu schaffen, um die Sicherheit, Solidität und Effizienz des gesamten Finanzsystems zu erhöhen. 2 Dadurch ent steht eine neue Ausgangslage für die Risikobeurteilung der Kreditnehmer. Der zunächst favorisierte Vorschlag vom Basler Ausschuss zur Bestimmung des Risikos von Krediten war die ausschließliche Verwendung externer Ra- tings. 3 Für die amerikanische Wirtschaft wäre dieser Vorschlag ohne größere Anpassungsprobleme relativ einfach und schnell zu realisieren, da dort ohnehin die meisten Unternehmen über ein externes Rating verfügen. Zudem spielt dort die Finanzierung über den Kapitalmarkt eine wesentlich größere Rolle. 4 Die deutschen Banken und Wirtschaftsinteressenverbände haben jedoch die Aner- kennung von internen Ratingverfahren durch den Basler Ausschuss nach zähen Verhandlungen durchgesetzt. Durch die in Deutschland bestehende Ra- tinglücke wurden für die meisten deutschen Banken jahrelang erhebliche Wett- bewerbsnachteile befürchtet, wenn die Feststellung der Kreditnehmerbonität ausschließlich durch externe Ratings erlaubt worden wäre. 5 Durch die Ane r- kennung der internen Ratingverfahren durch den Basler Ausschuss stellt dieser neben den Anforderungen an externes Rating entsprechend auch Anfor- derungen an internes Rating.
Externes als auch internes Rating gewinnt durch die neuen Zielvorstellungen des Basler Ausschusses erheblich an Bedeutung, da es zukünftig die Basis für
1
Vgl. Schmittmann, 2001, S. 38
2
Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2001b, S. 2
3
Vgl. Kirstein, 2000, S. 3
4
Vgl. Hübner, 1999, S. 131 ff.
5 Vgl. Sanio, 2001, S. 2
Einleitung 2
die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung von Banken bildet. Unabhängig von dieser aufsichtlichen Perspektive hat sich in jüngster Vergangenheit aber auch aus rein ökonomischen Gründen der Einfluss des Unternehmensratings als Bo- nitätsmaßstab für die Einschätzung von Kreditrisiken verstärkt. 6
Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern die vom Basler Ausschuss formulierten aufsichtlichen Anforderungen zur Einrichtung von Ratings auch aus rein öko- nomischer Sicht als geeignet erscheinen. Im Rahmen dieser Fragestellung un- tersucht die vorliegende Arbeit insbesondere, ob die sich aus der ökonomi- schen Perspektive ergebenden Anforderungen durch die im Entwurf zu Basel 2 formulierten, regulatorischen Richtlinien an internes und externes Rating er- füllt werden bzw. in welcher Form sich Potenziale für einen ökonomischen Effizienzgewinn ergeben.
Dabei ist zunächst die grundsätzliche Tauglichkeit eines externen und internen Ratings als Instrument zur Reduzierung von Informationsasymmetrien in der Gläubiger-Schuldner-Beziehung zu untersuchen. Nur wenn ein Rating die Agency-Problematik zwischen Gläubiger und Schuldner lösen kann, bildet es eine geeignete Grundlage für eine risikoadäquate Eigenkapitalhinterlegung der Banken. Hierbei ist eine differenzierte Betrachtung nach internem und exter- nem Rating sinnvoll. Es ist zu untersuchen, ob ein internes Rating bei der Beurteilung der Bonität eines Unternehmens zu anderen Ergebnissen kommt als ein externes Rating bzw. ob eventuell das eine Instrument dem anderen überlegen ist. Zudem erscheint im Hinblick auf die praktische Umsetzung eine Beurteilung der einzelnen Ratinginstrumente hinsichtlich ihrer Eignung aus der Perspektive der beteiligten Interessengruppen sinnvoll.
1.2 Gang der Untersuchung
Die Untersuchung der Aufgabenstellung, die Anforderungen an internes und
externes Rating für Kredite deutscher Banken aus ökonomischer und aufsicht- licher Perspektive zu betrachten, wird neben Kapitel 1, der Einführung, und Kapitel 6, der Schlussbetrachtung, in vier weitere Kapitel unterteilt.
Einleitung 3
In Kapitel 2 werden zunächst die grundlegenden Begriffe, die für diese Arbeit relevant sind, erläutert und definiert. Des Weiteren wird darauf eingegangen, warum das Rating als ein geeignetes Instrument erscheint, um Informations a- symmetrien in der Gläubiger-Schuldner-Beziehung zu reduzieren. Hierbei wird insbesondere auf die Agency-Theorie eingegangen, da sie für den weiteren Verlauf der Arbeit von grundlegender Bedeutung ist.
In Kapitel 3 wird zunächst auf die ökonomische Perspektive der vorliegenden Problemstellung eingegangen. Dazu werden die Ziele der am Rating beteiligten Interessengruppen festgestellt. Aus diesen werden dann die Anforderungen an das Rating aus ökonomischer Perspektive der beteiligten Interessengruppen abgeleitet. Die Differenzierung nach externen und internen Ratings wird erst vorgenommen, nachdem die gemeinsamen Anforderungen interner und exter- ner Ratings aufgezeigt worden sind.
Anschließend wird in Kapitel 4 die aufsichtliche Perspektive auf die Rating- Problematik behandelt. Aus den Zielen der Bankenaufsicht werden zunächst die resultierenden Anforderungen abgeleitet. Dabei ist bereits an dieser Stelle eine Differenzierung nach externen und internen Ratings notwendig, um den Richtlinien des Basler Auschusses gerecht zu werden. Zuvor erfolgt eine Ge- genüberstellung der wesentlichen inhaltlichen Änderungen des neuen Basler Konsultationspapiers im Vergleich zu den alten Basler Eigenkapitalrichtlinien von 1988. Abschließend wird auf die GARP eingegangen, die einen Kriterien- katalog mit Richtlinien zur Entwicklung und Verbesserung von Ra- tingsystemen bilden, und somit sowohl auf die ökonomische als auch die auf- sichtliche Perspektive eingeht.
In Kapitel 5 erfolgt aufbauend auf den gelegten Grundlagen die Behandlung der Kernfragestellung. Das Analyseraster besteht aus drei Teilen. Dabei wer- den zunächst die gemeinsamen Ziele und Zielkonflikte der beteiligten Interes- sengruppen in einer direkten Gegenüberstellung herausgearbeitet. Anschlie- ßend werden die aus den Zielsetzungen der unterschiedlichen Interessengrup- pen resultierenden Auswirkungen auf die Anforderungen untersucht. Abschlie- ßend werden die Zielumsetzungsmöglichkeiten durch interne und externe Ra- tinginstrumente im Vergleich diskutiert und Grenzen von Ratings als Instru- mente zur Reduzierung von Informationsasymmetrien aufgezeigt.
Erläuterung grundlegender Begriffe 4
2 Erläuterung grundlegender Begriffe 2.1 Rating 2.1.1 Begriffsbestimmung des Rating
Als erstes ist die Wortbedeutung des Rating näher zu erläutern. Das Verb „to rate“ stammt aus dem Englischen und kann mit bewerten bzw. abschätzen ü- bersetzt werden. 7 Ein Rating ist demnach eine Methode zur Bewertung der Bonität eines bestimmten Objekts. Ziel ist eine Klassifikation von Finanztiteln und den dahinterstehenden Emittenten nach qualitativen und quantitativen Maßstäben. 8 Durch ein Rating werden Unternehmen, Länder, Anleihen, Aktien und sogar einzelne Projekte nach ihrer Ertragskraft, Zahlungsfähigkeit und Sicherheit bewertet. 9 Das Ergebnis des Ratingprozesses verdichtet die komple- xen Zusammenhänge der Bonitätsbeurteilung zu einer einzelnen Kennzahl. 10 Die bekanntesten Skalen sind die von Moody´s Investor Service und der Stan- dard & Poor´s Corp., die sich sehr ähneln. Die Standard & Poor´s Skala reicht von der sog. „Triple A-Adresse“ mit zweifelsfreier Bonität bis zum „D“ als einer Adresse im Zahlungsverzug. 11 Dadurch werden Emissionen bzw. Emit- tenten in klar erkennbare und vordefinierte Kategorien eingeordnet. 12 Diese Arbeit konzentriert sich insbesondere auf das Kredit-Rating, welches die Beurteilung von Kreditrisiken umfasst. Es misst die Eignung des Schuldners, seine Verbindlichkeiten in vollem Umfang fristgerecht abzugelten. 13 Es besteht eine enge Verbindung zur herkömmlichen persönlichen und materiellen Kre- ditwürdigkeitsprüfung der Banken, die jedoch qualitative Aspekte, im Unter- schied zum Kredit-Rating, nur unzureichend berücksichtigt. 14 Ratings verarbei- ten einerseits qualitative Informationen, die sich aus den Managementfähig- keiten ergeben und quantitative Informationen, die sich aus der Analyse von Jahresabschlüssen und Finanzplänen ableiten lassen.
Neben dem Kredit-Rating besteht das Emittentenrating, das sich nicht auf ei- nen einzelnen Finanztitel bzw. Kredite konzentriert, sondern auf die Bonität
7
Vgl. Munsch/Weiß 2001, S. 11
8
Vgl. Steiner 1992, S. 509
9
Vgl. Steiner 1992, S. 509
10
Vgl. Munsch/Weiß 2001, S. 11
11
Vgl. Abb. 1, S. 5
12
Vgl. Mattern 1984, S. 374
13
Vgl. Munsch/Weiß 2001, S. 11
14
Vgl. Müller, 1996, S. 332
Erläuterung grundlegender Begriffe 5
der gesamten wirtschaftlichen Einheit bezieht. 15 Ausgestaltung und Besiche-
rungen der einzelnen Emissionen eines Emittenten werden hier nicht beach-
tet. 16 Das Emissionsrating beurteilt einen genau definierten Finanztitel eines
Emittenten, deren Bewertung aufgrund von vor- und nachrangigen Ver-
bindlichkeiten unterschiedlich ausfallen kann. 17 Zudem ist das Aktienrating zu
erwähnen, das auf die Bewertung von Eigenkapital ausgerichtet is t. Die Ana-
lyse einer Aktie oder eines Investmentfonds beurteilt die Kurspotenziale und
Renditeaussichten für den Anleger. Hier stehen die Chancen des Aktionärs im
Vordergrund, mehr als die drohenden Ausfallrisiken für den Gläubiger eines
Kredits oder eine r Anleihe. 18
Abb. 1: Definition klassischer Ratingskalen 19
2.1.2 Abgrenzung des externen vom internen Rating
Die Erstellung eines Rating erfolgt entweder durch eine unabhängige Rating-
agentur oder durch eine Bank. Die Motive unterscheiden sich jedoch wesent-
lich. Eine Ratingagentur hat sich auf die Durchführung externer Ratings spe-
zialisiert, zumeist für Darlehensnehmer der öffentlichen Hand und fremdfinan-
zierte Unternehmen. Die Agentur ist dabei nicht in den Prozess des Under-
15 Vgl. Everling, 1999, S. 249
16 Vgl. Everling, 1991a, S. 151
17 Vgl. Everling, 1991a, S. 151
18 Vgl. Munsch/Weis, 2001, S. 25
19 in Anlehnung an Munsch/Weiß, 2001, S. 15
Erläuterung grundlegender Begriffe 6
writing verwickelt und trägt somit nicht das Risiko eines Zahlungsausfalls. Das Ratingergebnis wird der Öffentlichkeit publik gemacht, wobei der Ratingpro- zess an sich verschlossen bleibt. 20 Der Auftrag zur Durchführung eines Rating durch eine Ratingagentur erfolgt bei Schuldtiteln beinahe ausschließlich durch den Emittenten 21 gegen Bezahlung. In den USA haben „anerkannte“ 22 Rating- agenturen eine lange Tradition, die bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahr- hunderts ihre ersten Ratings veröffentlichten. 23 In Europa hingegen ist erst in den letzten Jahren ein Markt für Ratingagenturen entstanden. Die stark regle- mentierten Finanzmärkte und unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften ließen in Europa ein einheitliches Ratingsystem zunächst nicht zu. Im Zuge des europäischen Integrationsprozesses mit der Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion sind speziell in Deutschland einige unabhängige Agenturen entstanden, die sich insbesondere auf das Rating von kleinen und mittelständi- schen Unternehmen konze ntrieren. 24 Davor haben Ratings in Deutschland nur bei internationalen Konzernen, die sich ihre Mittel über die internationalen Kapitalmärkte beschaffen, an Bedeutung erlangt. Die drei r enommiertesten Ratingagenturen Moody´s, Standard & Poor´s und Fitch IBCA stammen alle aus den USA. 25 Die Bonitätsprüfung bei kleinen und mittelständischen Unternehmen erfolgt in Deutschland zumeist durch den Gläubiger selbst. Es handelt sich dabei um ein internes Rating der Banken. 26 Interne Ratings messen das Risiko, welches die Banken als Kreditgeber eingehen. Die Informationen, die eine Bank durch die Erstellung eines internen Rating erhält, betrachtet sie als ihr Eigentum und werden in der Regel nicht veröffentlicht. 27 Dem Kreditnehmer entstehen dem- nach keine direkten Kosten für die Beurteilung seiner Bonität. Der Aufwand für die Bereitstellung interner Ratingverfahren wird auf alle Kreditnehmer um- gerechnet. 28
20
Vgl. Krahnen/Weber, 2001, S. 5 f.
21 Vgl. Steiner, 1992, S. 511 22 als „anerkannte Agentur bezeichnet man solche Institutionen, die von der S.E.C als „nationally recognized statistical rating organisation“, NRSRO, bezeichnet werden, vgl. Müller, 1996, S. 329 o. Leffers, 1996, S. 354 23 Vgl. Everling, 1991a, S. 151 24 Vg l. Munsch/Weiß, 2001, S. 67 25 Vgl. Munsch/Weiß, 2001, S. 67 26 Vgl. Munsch/Weiß, 2001, S. 7 27 Vgl. Treacy, 1998, S. 897 28 Vgl. Stöer, 2001, S. 16
Erläuterung grundlegender Begriffe 7
Während sich die Wissenschaft mit der Gültigkeit und Zuverlässigkeit von externen Ratingverfahren seit langer Zeit beschäftigt, gibt es zu der Methodo- logie interner Ratings bisher nur vereinzelt veröffentlichte Literatur. 29
2.1.3 Methoden der Ratingerstellung
Ausschlaggebend für die Qualität eines Ratingurteils sind die Methodik und die Informationen, die einer Bonitätsbeurteilung zugrunde liegen. 30 In der Pra- xis existiert eine Vielzahl von Verfahren, um ein Ratingergebnis zu erhalten 31 , d.h., die Wahrscheinlichkeit für das Adressausfallrisiko abzuleiten sowie die Höhe des Verlustes bei Ausfall zu bestimmen. 32 Der grundlegende Unterschied liegt im Grad der Objektivität eines Ratings. Subjektive Verfahren sind vom spezifischen Know- how des Ratinganalysten geprägt 33 und damit nur schwer für Außenstehende nachvollziehbar bzw. überprüfbar. Die objektiven Rating- verfahren gelangen über mathematische/statistische Verfahren zur Klassifika- tion eines bestimmten Analyseobjekts, sind dabei jedoch auf quantitative In- fo rmationen beschränkt. 34 Wicht igste Kriterien hierbei sind die Vergleichbar- keit sowie die Nachvollziehbarkeit der Herleitung der Ergebnisse. Faktisch sind im Prozess der Ergebnisfindung objektive Elemente mit subjektiven ver- mischt. 35 Je nach zu bewertendem Objekt scheinen unterschiedliche Ratingverfahren und Informationen erforderlich zu sein. Dies wird deutlich, wenn man sich die un- terschiedlichen Risikodeterminanten einzelner Underlyings vor Augen hält. Bei der Bewertung von Staatskrediten spielen makroökonomische und politi- sche Faktoren eine übergeordnete Rolle, bei Krediten an Unternehmen hinge- gen sind die Investitionsprojekte und Managementfähigkeit entscheidend. 36 Das typische heute angewandte Verfahren ist die sog. „Scoring Methode“. Sie vertraut auf einem genau definierten Kriterienkatalog, bei dem jeder Punkt einzeln bewertet wird. Die einzelnen Punkte werden gewichtet und anschlie-
29
Vgl. Krahnen/Weber, 2001, S. 6
30
Vgl. Munsch/Weis, 2001, S. 43
30
Vgl. Krahnen/Weber, 2001, S. 8
32
Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2001a, S. 20
33
Vgl. Munsch/Weiß, 2001, S. 55
34
Vgl. Munsch/Weiß, 2001, S. 55
35
Vgl. Hirsch, 1996, S. 659
36
Vgl. Elsas/Krahnen, 2001, S. 299
Erläuterung grundlegender Begriffe 8
ßend aufaddiert, um die Gesamtpunktzahl zu erhalten. Das Ergebnis wird dann der entsprechenden Ratingklasse zugeordnet. 37 Auch die internen Ra- tingsysteme der Banken verwenden „Scoring Methoden“ zur Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten. Gleichung 1 definiert dieses Modell. Spezifiziert wird eine Anzahl unterschiedlicher Kriterien ai, eine gleiche An- zahl von Wertfunktionen vi und eine typischerweise lineare Aggregationsregel mit dem Gewicht ki.
v(a) = Summe ki vi (ai ) (1)
Unterscheidungen zwischen den einzelnen Banken existieren hinsichtlich der Gewichtung einzelner Kriterien, insbesondere den qualitativen Kriterien. Das umfasst die Abschätzung der Managementqualität sowie die Zukunftsaussich- ten eines Unternehmens in einem bestimmten Markt. 38 Die Verfahren der einzelnen Banken und der externen Ratingagenturen unter- scheiden sich hinsichtlich der verwendeten Ratingkriterien bzw. der eingesetz- ten Informationen nur unwesentlich. Siehe dazu die folgende Abbildung 39 , in der die verwendeten Ratingkriterien von S&P, Moody`s und typischen Banken verglichen werden.
37
Vgl. Krahnen/Weber, 2001, S. 8
38
Vgl. Krahnen/Weber, 2001, S. 9
39
Vgl. Abb. 2, S. 9
Erläuterung grundlegender Begriffe 9
Abb. 2: Rating criteria of agencies and banks 40
2.2 Banken und das Bankensystem in Deutschland
2.2.1 Definition der Bank
Eine Bank ist ein „Unternehmen, das durch Verknüpfung der bankbetrieb-
lichen Produktionsfaktoren geld- oder kreditbezogene Dienstleistungen er-
stellt“. 41 Banken haben sowohl volkswirtschaftliche als auch einzelwirtschaft-
liche Funktionen zu erfüllen.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht schaffen sie einen „Liquiditätsausgleich inner-
halb des dem Wertestrom der Sachgüter und Dienstleistungen entgegengerich-
teten Geldstroms durch Losgrößen-, Fristen- und Risikotransformation.“ 42 Eine
kreditgebende Bank ist ein Vermittler zwischen Investoren und Kreditneh-
mern, indem sie langfristige Einlagen in kurzfristige Kredite und umgekehrt
40 vgl. Krahnen/Weber, 2001, S. 10
41 Hadeler/Winter/Arentzen, 2000, S. 318 f.
42 Hadeler/Winter/Arentzen, 2000, S. 318 f.
Erläuterung grundlegender Begriffe 10
transformieren.
43
Im Rahmen der Globalisierung des Finanzsektors und der zunehmenden Konkurrenz durch ausländische Banken hat sich der Druck auf die Renditen erhöht, weswegen Banken neben ihrer traditionellen Rolle als Fi - nanzintermediär zunehmend eine Funktion als Risikointermediär einnehmen. Innovative Finanzinstrumente machen es den Banken möglich, die verschie- densten Risiken ihrer Kunden zu übernehmen mit dem Ziel, diese weiterzulei- ten oder zu optimieren.
44
Die einzelwirtschaftlichen Funktionen sind die Umtauschfunktion, die Depot- funktion, die Transportfunktion sowie die Finanzierungsfunktion.
45
Eine L e- galdefinition für Kreditinstitute findet sich im § 1 KWG wieder.
46
2.2.2 Das Bankensystem
Das in Deutschland vorherrschende Bankensystem ist das sog. Universalban- kensystem. Dieses ist von dem Trennbankensystem der angelsächsischen Län- der zu unterscheiden. Universalbanken bleibt es überlassen, welche Bank- dienstleistungen sie anbieten möchten. Im Gegensatz dazu werden in den USA das Einlagen- und Kreditgeschäft vom Effektengeschäft institutionell getrennt, um eventuellen Interessenkonflikten vorzubeugen. 47 Gliedert man anhand der rechtlichen Organisationsformen, dann lassen sich die Universalbanken in Deutschland in Kreditbanken, öffentlich-rechtliche Banken und genossen- schaftliche Banken unterscheiden. Daneben stehen noch Spezialbanken, die nur Teilbereiche der Bankgeschäfte ausführen. Beispielshalber sind hier die Hypothekenbanken und Bausparkassen zu nennen. 48 Wenngleich sich all diese Banken mit ihren Organisationsformen, Rechtsformen und Aufgabenstellungen beträchtlich voneinander unterscheiden, so stehen sie mit der Bonitätsprüfung ihrer Schuldner alle vor dem Problem der Überwindung der Informations- asymmetrien.
43
Vgl. Dichtl/Issing, 1987a, S. 1104
44
Vgl. Krumnow, 2000, S. 685
45
Vgl. Hadeler/Winter/Arentzen, 2000, S. 318 f.
46 Vgl. Booz/Fischer/Schulte-Mattler, 2000, S. 121 f.
47 Vgl. Büschgen, 1971, S. 38 48 Vgl. Büschgen, 1998, S. 98 ff.
Erläuterung grundlegender Begriffe 11
2.3 Der Bankkredit 2.3.1 Einordnung des Bankkredits in Fremdfinanzierungsformen
Die Einordnung des Bankkredits in die verschiedenen Arten der Fremdfinan- zierung lässt sich durch die Bestimmung der Herkunft des Kapitals vornehmen. Dabei sind die Kreditgeber, die über den Leistungsprozess mit dem Schuldner in Verbindung stehen, von denen abzugrenzen, die ohne eine Verbindung zum Leistungsprozess Fremdkapital zur Verfügung stellen. Die an erster Stelle ge- nannten sind die Lieferanten und Kunden, die in Form von Lieferantenkrediten und Anzahlungen dem Unternehmen einen Kredit gewähren. Die an zweiter Stelle genannten Finanzkreditgeber schließen die Banken mit ein, die die Wirt- schaft mit Krediten unterschiedlichster Ausprägung versorgen. Dazu gehören Kontokorrentkredite, Diskontkredite, Akzeptkredite, Lombardkredite und Dar- lehen. 49
2.3.2 Definition des Bankkredits
Ein Kredit ist „i.e.S. die Überlassung von Kapital bzw. Kaufkraft auf Zeit“ und „i.w.S. das Vertrauen in die Fähigkeit und Bereitschaft, Schuldverpflichtungen zu erfüllen“. 50 Für die Überlassung eines Kredits ist in der Regel ein Zins zu zahlen. Dies beruht auf der Einschätzung, dass der gegenwärtige Besitz von Geld höher eingeschätzt wird als der zukünftige. 51 Der Kreditgeber wird für die Nutzeneinbuße der zeitweisen Überlassung des Geldes durch den Zins ent- schädigt. 52 Zudem sollte im Zinssatz ein Risikoaufschlag enthalten sein, der das Kreditausfallrisiko ausdrückt, d.h. die Gefahr für den Kreditgeber, dass der Schuldner den vertraglich vereinbarten Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr oder nur noch teilweise nachkommen kann. 53 Um das Kreditausfallrisiko adäquat bestimmen zu können, müssen die Informationsasymmetrien zwischen Gläubiger und Schuldner aufgedeckt werden.
49
Vgl. Wöhe/Bilstein, 1998, S.150 f.
50 Hadeler/Winter/Arentzen, 2000, S. 1867 51 Dies ist die Grundannahme der Agiotheorie, vgl. Dichtl/Issing, 1987a, S. 32 52 Vgl. Dichtl/Issing, 1987a, S. 1104 53 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 2000, S. 1875
Quote paper:
Mark Oliver Pohl, 2002, Anforderungen an internes und externes Rating für Kredite deutscher Banken aus ökonomischer und aufsichtlicher Perspektive, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Aufsichtsrechtliche Anforderungen an Verfahren zur Ermittlung des Kred...
Darstellung und Analyse
Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Diploma Thesis, 73 Pages
Immobilienpreisblasen als wirtschaftspolitisches Problem - Der Fall Sp...
Business economics - Investment and Finance
Diploma Thesis, 105 Pages
Mark Oliver Pohl has published the text Anforderungen an internes und externes Rating für Kredite deutscher Banken aus ökonomischer und aufsichtlicher Perspektive
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