Inhaltsverzeichnis
Thema Seite
1. Einleitung - Das Thema 1
2. Geschichtliche Hintergründe 2 - 7
2.1. Taylorismus und Fordismus 2
2.2. Elton Mayo und die Wiederentdeckung des Arbeiters als Mensch 4
2.3. Rationalisierung und Automatisierung 4
2.4. Humanisierung der Arbeit 5
2.5. Effizienzsteigerung 6
2.6. Gegenwart 7
3. Eine Fallstudie: Gruppenarbeit in der Mercedes-Benz AG 8 - 13
3.1. Gründe für die Studie 8
3.2. Konzept 8
3.3. Zwischenergebnisse 9
3.4. Bewertung 10
3.5. Bilanz 11
3.6. Ausblick 12
3.7. Fazit 13
4. Mein Fazit 14
5. Literaturverzeichnis 15/16
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1. Einleitung - Das Thema
Das Thema Gruppenarbeit beschäftigt inzwischen seit mehr als 30 Jahren 1 Betriebs- und Industriesoziologie sowie Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Industriebetrieben.
In der Diskussion steht jedoch immer wieder aufs Neue, wo die Grenzen der Gruppenarbeit liegen und welche Widersprüche sich aus ihr ergeben: Denn schließlich werden Argumente der Gewerkschaften und Beschäftigten wie verbesserte Arbeitsbedingungen und mehr
Selbstbestimmung den Ansprüchen der Unternehmensführung nach Effizienz- und Produktivitätssteigerung sowie Rentabilitätsansprüchen gegenüber gestellt.
Fraglich ist immer wieder, wie sehr sich die beiden verschiedenen Zielsetzungen überhaupt miteinander vereinen lassen und welche Auswirkungen der Versuch einer Aussöhnung zwischen „Arbeit und Kapital“, zwischen Arbeitskraft und Arbeitgeber haben kann. Besonders in der mit Massenproduktion arbeitenden
Automobilindustrie wurde das Thema Gruppenarbeit und ihre Grenzen immer wieder erprobt, beurteilt und zweckmäßig eingesetzt. Besonders interessant dabei ist eine zweijährige Studie der SOFI Göttingen in Mercedes Benz-Werken im Jahr 1996, bei der die Ergebnisse große Unterschiede in Akzeptanz und Gestaltungsspielräumen der Gruppenarbeit zeigten. Eine Zusammenfassung dieser Studie wird einige Aufschlüsse über Konsequenzen von Gruppenarbeit geben. Doch auch die geschichtlichen Hintergründe der Forschungen auf dem Gebiet der Arbeitsorganisation sollen hier aufgeführt werden, um die Gründe für die Einführung von Gruppenarbeit verständlich zu machen. Am Ende werde ich in meinem Fazit meine persönliche Meinung einbringen.
1 Vgl. Linde, Klaus: Gruppenarbeit; website von Arbeits- und Sozialrecht innovativ (AuS
innovativ); Juni 2004 im Internet: http://www.aus-innovativ.de/themen/gruppenarbeit.htm;
S.7
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2. Geschichtliche Hintergründe
Auch wenn Gruppenarbeit gern und immer wieder, besonders von Unternehmern, als Schritt zur Humanisierung des Arbeitslebens gesehen wurde, hatte die Einführung in der Vergangenheit überwiegend ökonomische Ziele als Hintergrund.
Doch gehen wir zunächst, wie auch im Unterricht zum Thema, in die Anfänge der betrieblichen Arbeitsforschung zurück:
2.1. Taylorismus und Fordismus
Die als Taylorismus bezeichnete Etappe ab Beginn der 1880er Jahre, begründet durch Frederick W. Taylor in den USA, hatte sich als Oberziel die Verminderung von industriellen Konflikten gesetzt 2 . Wohlstand für alle war das gewünschte Resultat. Taylor wollte durch seine „wissenschaftliche Betriebsführung“ mit einem groß angelegten System von Regeln für Arbeiter und Management den optimalen Weg zur effizienzsteigernden und zufriedenheitsfördernden Arbeitsorganisation finden. Wesentliche Prinzipien seiner Theorien waren
• die Trennung von Hand- und Kopfarbeit / Planung und Ausführung, 3
• eine starke Kontrolle der Arbeiter durch das Management und strenge Vorgaben;
• Geld als Motivator.
Die daraus erwachsenen Vorteile für die Unternehmen waren die Austauschbarkeit der Arbeiter und die Möglichkeit, Arbeitskräfte dadurch einfacher zu ersetzen sowie die Versöhnung von Management und Arbeitern durch die Nutzung von Experten, die den Prozess wissenschaftlich begleiteten und für jede unangenehme Aufgabe eine wissenschaftliche Begründung liefern konnten. Der Taylorismus versprach tatsächlich starke Rationalisierungschancen und Produktivitätssteigerungen. Allerdings ergaben sich auch für die Arbeiter einige Nachteile: Als reine Ausführungsorgane des Managements, deren Arbeit verdichtet wurde und deren Leistung erhöht werden sollte, kam bei den Arbeitern eine Feindseligkeit gegen die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit auf. Es kam zu Demotivation und Mangel an Konzentration. Das reine Leitprinzip Effizienz
2 Vgl. Bendix, Reinhard: Herrschaft und Industriearbeit: Untersuchungen über Liberalismus
und Autokratie in der Geschichte der Industrialisierung, Frankfurt am Main 1960, S.365
3 Vgl. Berghoff, Hartmut: Vorläufer, Aufstieg und Krise des Fordismus, in: Moderne
Unternehmensgeschichte, Paderborn 2004; S.292
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vernachlässigte die sozialen Aspekte, die für zufrieden stellende Arbeit so wichtig sind. 4 Gruppenarbeit war im Taylorismus noch kein Thema, denn die Bedeutung sozialer Aspekte für erfolgreiches Arbeiten wurde unterschätzt. Die Etappe des Fordismus, begründet durch Henry Ford in den Jahren 1908-1913 in den USA, lieferte einen revolutionären Beitrag zu moderner Massenproduktion. Der Fordismus wird auch als konsequente Umsetzung des Taylorismus gesehen - jedoch spielten monetäre Aspekte eine noch stärkere Rolle. Ford wollte durch intensive Nutzung des Fließbandes und finanzielle Anreize für die Beschäftigten die Arbeitseffizienz und damit die Produktivität noch weiter erhöhen. Das Auto sollte „vom Luxusgut zum Massenartikel“ 5 werden, das durch gesteigerte Löhne auch für die Arbeiter eines Tages erschwinglich sein könnte. Durch die Fließbandarbeit kam es zu einer weiteren Steigerung der Arbeitsteiligkeit und zu einer Verschlechterung der Situation der Arbeiter. Anfänglich konnten die Klagen durch Bonuszahlungen und erhöhte Löhne noch ausgeglichen werden. Doch im Laufe der Zeit machten sich steigende Fluktuationsraten, Fehlzeiten und Proteste bemerkbar, ausgelöst durch Fremdbestimmung, Dequalifizierung und die „entfremdete, repetitive Teilarbeit“. 6 Die Unternehmer, die den Maximen Fords gefolgt waren, profitierten hingegen zunächst von der ausgeklügelten Präzision der Ford´schen Fertigung und es gelang eine Steigerung der Jahresproduktion sowie eine deutliche Preisreduktion der Ford-Automobile. 7 Als „Triumph des Fordismus“ 8 werden die Jahre 1914 bis 1922 bezeichnet, in denen die Massenproduktion mit einem für Wirtschaft und Unternehmen erfreulichen Massenkonsum harmonierte.
Ein Wandel der Ansprüche auf dem Absatzmarkt und eine Nachfrage, die sich auf Variantenvielfalt zu richten begann, waren Auslöser für die beginnende „Krise des Fordismus“. 9 Gefragt war nun eine Massenproduktion, die sich flexibel auf Kundenwünsche abstimmen konnte - und darauf war die präzise abgestimmte, normierte Produktion Fords nicht eingestellt.
4 Vgl. Jahoda Marie: Bemerkungen zum Begriff „Arbeit“, in Sozialpsychologie der Politik
und Kultur, Ausgewählte Schriften, hrsg. von Christian Fleck, Graz/Wien 1995, S. 289
5 Berghoff, a.a.O., S. 293
6 Springer, Roland: Das Ende neuer Produktionskonzepte?, in Hirsch-Kreinsen, H.; Wulf,
H.: Arbeit, Gesellschaft, Kritik, Orientierung wider den Zeitgeist“, Berlin 1998, S.31
7 Vgl. Berghoff, a.a.O., S. 294
8 ebd. S. 295
9 ebd., S. 297
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2.2. Elton Mayo und die Wiederentdeckung des Arbeiters als Mensch Ebenfalls zur Zeit der 1920er Jahre und in den 30er Jahren fanden an anderer Stelle schon erste Untersuchungen zur Bedeutung der Rolle der Arbeiter im Produktionsprozess statt. Elton Mayo war einer der
Hauptvertreter der amerikanischen Betriebssoziologie und hatte in seiner wissenschaftlichen Herangehensweise ein zunächst ähnliches Ziel wie zuvor Taylor: Die Verminderung von industriellen Konflikten zwischen diametralen Interessenansätzen von Arbeit und Kapital. Hauptziel war auch hier eine Effizienzsteigerung im Unternehmen, doch Mayos Augenmerk richtete sich auf die persönlichen und sozialen Umstände, die Einfluss auf die Produktivität der Arbeiter hatten.
Er interessierte sich für das Wesen der Menschen und untersuchte Arbeiter, Manager und deren Denkweisen. Wichtigste Erkenntnis war, dass beide Gruppen aus Individuen bestanden, die „von Gefühlen beherrschte Geschöpfe mit unlogischem Denken“ waren. 10 Dass Arbeiter für die gute Ausführung ihrer Arbeit einen Sinn brauchen und dass gesellschaftliche Aspekte bisweilen wichtiger als finanzielle Anreize sind, erkannte er bereits. So können sie als menschliche Träger von Fähigkeiten nur mit einer Überzeugung, die von innen kommt 11 , am meisten für den Betrieb geben. Elton Mayo bemerkte zum Thema Gruppenarbeit bereits, „dass die Gruppe die Arbeitsleistungen ihrer einzelnen Mitglieder indirekt kontrollierte.“ 12 Die Bedeutung der Gruppe wurde schon als wichtig eingeschätzt und Mayo betonte, dass nur eine Gruppe mit innerer Überzeugung wirklich gut arbeiten könne.
2.3. Rationalisierung und Automatisierung
In den Nachkriegsjahren der 1950er und 1960er stand durch den enormen wirtschaftlichen Aufschwung zunächst die Weiterentwicklung der Technik in der Automobilindustrie im Mittelpunkt. Rationalisierung und Automatisierung waren die Prioritäten in der Unternehmensplanung. 13 Ein bis in die Mitte der 1960er Jahre reichender „nahezu ungebremster Nachfrage- und Produktionsboom“ 14 machte die Fließbandarbeit extrem lohnend. Die
10 Bendix, Reinhard, a.a.O., S. 413
11 Vgl. ebd. S. 417
12 ebd. S. 415
13 Vgl. Linde, Klaus a.a.O, S.8
14 Beckenbach, Niels / Treeck, Werner von, Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit, Soziale
Welt, Sonderband 9, Göttingen 1994, S. 40
Arbeit zitieren:
Nicola Schliephake, 2006, Zwischen Humanisierung der Arbeit und neuer Rentabilitätsstrategie - Widersprüche der Gruppenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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