Vorbemerkungen
Irgendwann hört wohl leider bei jeden Menschen die Illusion, die Utopie der Kindheit auf, die besagt, dass man in der Lage wäre, mit einem weltumspannenden, unbefangenen Idealismus die Probleme und Schwierigkeiten der Menschheit mit nur einem einzigen simplen, plausiblen und doch zugleich pazifistischen Schlag liquidieren zu können. Irgendwann kommt für jeden von uns der Augenblick, von dem an man mit der Realität und der Tatsache konfrontiert wird, dass es ziemlich naiv war zu glauben, die Dinge lägen so einfach, dass man die Welt in Gute und Böse klassifizieren könnte, ohne dabei spezifisch zu differenzieren, und selber das Recht, die Legitimation besäße, die bestehenden Übel und Missstände dieser Welt auf moralische Insuffizienz anderer, auf ihren bösen Willen, auf ihr dekadentes Verhalten oder ähnliches, zurückführen zu können. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, von dem an wir es uns abgewöhnen, mit Vorwürfen und Anschuldigungen die Welt korrigieren zu wollen, und beginnen müssen, zunächst einmal hinter die Daten, die oftmals sehr vielschichtigen, latenten Ursachen nachzuvollziehen und nicht zu urteilen oder gar zu verurteilen, ehe wir nicht wirklich verstanden und von innen heraus mitvollzogen haben, woher etwas kommt und warum es so ist. Erst jetzt realisiert man schmerzhaft, dass es für jeden der lacht, einen gibt, der weint. Später kommt die Zeit der Abgeklärtheit, der Aufgeklärtheit, der Moment, von dem an ein jeder von uns lernt mit Sekundanz seines eigenes Verstandes, seines Denkens die Dinge, die Angelegenheiten dieser Welt, die nicht nur objektiv, sondern auch durchaus subjektiv betrachtet, zu einigen Ungeklärtheiten, zwischenmenschlichen Diskrepanzen oder gar zu unaufhebbaren sozialen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen sowie politischen Missständen führen, rational zu erfassen und durchaus einschließlich mit ihren oftmals überaus komplexen Kausalzusammenhang zu verstehen.
Die Soziale Arbeit, eine professionell ausgeübte Tätigkeit der personenbezogenen Dienstleistungen, stellt sich der Aufgabe der Bearbeitung von Problemlagen, interveniert aktiv in normative Diskurse und ermöglicht somit Menschen an unser Gesellschaftssystem und seinen Ressourcen zu partizipieren, sowie sie
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in demokratischen Verfahren inaugurieren zu können. Des weiteren setzt sie sich für die rechtschaffende Aushandlung von Interessen und die Kreierung von strukturellen Modalitäten ein, unter denen sich Menschen korrelativ achten. Soziale Arbeit versucht somit, sei es auch nur ansatzweise, die Probleme, Schwierigkeiten und Komplikationen der betroffenen Personen, zu dezimieren oder bestmöglich zu eliminieren und dadurch den Klienten eine Partie an Lebensqualität zurückgeben zu können.
Das Leitziel professioneller Sozialer Arbeit lässt sich dahingehend erklären, dass einzelne Menschen oder gewisse Gruppierungen, insbesondere benachteiligte, unprivilegierte ihr Leben sowie ihr zwischenmenschliches Zusammenleben im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Menschenrechtskonvention zunehmend mehr autonom bestimmen und in solidarischen Beziehungen bewältigen sollen.
Die Achtung des Lebensrechtes, sowie der Würde des Menschen, der Selbstbestimmung des Einzelnen und von Gemeinschaften insbesondere im Blick auf ihre Werteorientierung, die Zuversicht in die positive Veränderbarkeit sozialer Verhältnisse und das Vertrauen in die Kraft und den Willen von Menschen, belastende Lebensverhältnisse bei geeigneter Unterstützung selbst anzugehen, sind oberste Maxime im professionellen Handeln und genießen höchste Priorität.
Völlig subjektiv vollviert erachte ich jene oben genannten Aufgaben, Ziele und auch Leitmaxime der Sozialen Arbeit aus ethischen, religiösen sowie moralischen Gesichtspunkten betrachtet für durchaus elementar und notwendig, jedoch können solche Zielsetzungen selbstverständlich nicht völlig ohne die Hilfe eines vielschichtigen Methodenkomplexes gewährleistet werden. Die Arbeitsmethoden der Sozialen Arbeit haben sich ausgehend von reflektiertem Erfahrungswissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt und unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung, um klientengerecht, zielorientiert sowie erfolgreich agieren zu können. Aufgrund dieser Erkenntnis werde ich mich folgend intensiver mit der Methodendiskussion Sozialer Arbeit, explizit
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mit dem Methodendisput ausgehend von der Studentenrevolte in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, auseinandersetzen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Methodenüberblick Sozialer Arbeit. 2
2.1 Begriffsdefinition. 2
2.2 Zur Geschichte des Methodenbegriffs. 3
2.3 Vorstellung der klassischen Methoden Sozialer Arbeit. 5
3. Historischer Einblick in die Studentenbewegung. 9
4. Methodenkritik im Zuge der Studentenbewegung. 12
4.1 Auswirkungen der Studentenbewegung für die Soziale Arbeit. 17
4.2 Exkurs in die aktuelle Methodendiskussion. 19
5. Fazit. 21
6. Literaturverzeichnis. 23
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- 1 - 1Einleitung
Mit Hilfe der hier vorliegenden, von mir persönlich angefertigten Hausarbeit „Methodenkritik der Sozialen Arbeit im Wandel der Studentenbewegung“ möchte ich mich einerseits konzentrierter mit den historischen Aspekten der studentischen Protestbewegung von 1968 und andererseits mit der damit ver-bundenen Kritik an den drei klassischen Methoden der Sozialen Arbeit, sowie deren Auswirkungen und den daraus resultierenden neuen Diversifikationen in der Sozialen Arbeit auseinandersetzen und näher beleuchten. Neben einer Präsentation und kritischen Hinterfragungen der traditionellen Methoden Sozialer Arbeit infolge der Studentenrevolte sollen Ergebnisse, Veränderungen dieser Methodendiskussion vorgestellt werden sowie ein Einblick in die aktuelle Methodendebatte gewährleistet werden.
Die Geschichte der Methodendiskussion in der Sozialen Arbeit ist so antiquarisch wie die Soziale Arbeit selbst. Dennoch beschäftigt diese Thematik heute immer noch eine Vielzahl von Menschen, die sich für Theorien, Methoden und Konzepten Sozialer Arbeit interessieren. Dieser Prozess wird auch niemals abbrechen, es handelt sich hierbei um einen rotierenden Vorgang, da dieser Methodenstreit einer ständigen Veränderungen sowie Anpassung an das Gesellschaftssystem, die Ökonomie, die Politik, unterliegt, um zweifellos erfolgreich intervenieren zu können.
Mich persönlich tangiert dieses Thema „Methodenkritik der Sozialen Arbeit im Wandel der Studentenbewegung“ im speziellen Maße, aufgrund dessen, dass ich ein gewisses Interesse für historische Ereignisse, wie die Studentenbewegung in den sechziger Jahren, vorzuweisen habe. Fasziniert bin ich besonders von der Ideologie, von dem Einsatz der Menschen, die für diese Protestbewegung und somit ebenfalls für ihre Überzeugungen, ihre Ideale gekämpft und sogar ihr Leben gelassen haben. Die studentische Protestbewegung hat die Welt wachgerüttelt und zu vielen positiven Veränderungen, Neustrukturierun- gen sowie Erkenntnissen maßgebend beigetragen - auch in der Sozialen Arbeit.
- 2 - 2Methodenüberblick Sozialer Arbeit
2.1 Begriffsdefinition
Zunächst sollte der Begriff der Methode geklärt werden, um anschließend eine Übersicht über die Methoden der Sozialen Arbeit aufzeigen zu können. Als Methode deklariert man allgemein das planmäßige Vorgehen, um theoretische sowie praktische Ziele in Wissenschaft und Forschung, aber auch im alltäglichen Leben verlässlich und bestmöglich zu erreichen. In der Sozialen Arbeit stellen die Methoden ein Bindeglied zwischen Praxis und Wissenschaft dar. Sie sollen in einem bestimmten Arbeitsfeld, innerhalb von Hilfeprozessen Menschen gezielt dabei sekundieren, ihre sozialen, gesellschaftlichen sowie ökonomischen Probleme zu eliminieren. Methoden sind aus diesem spezifischen Gesichtspunkt betrachtet ein „Kern“ professioneller Sozialarbeit bzw. Sozialpädagogik.
„Methode heißt, strategisch einen Weg zu beschreiten, der nach Zweck und Ziel und nach Lage der Dinge angemessen erscheint“ (Wolf-Rainer Wendt; z. n. Galuske 1998, S. 29).
„Methoden der Sozialen Arbeit thematisieren jene Aspekte im Rahmen sozialpädagogischer/sozialarbeiterischer Konzepte, die auf eine planvolle, nachvollziehbare und damit kontrollierbare Gestaltung von Hilfeprozessen abzielen und die dahingehend zu reflektieren und zu überprüfen sind, inwieweit sie dem Gegenstand, den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, den Interventionszielen, den Erfordernissen des Arbeitsfeldes, der Institution sowie der beteiligten Personen gerecht werden“ (Galuske 1998, S. 25).
Daraus resultieren folglich sechs Aspekte, genauer gesagt sechs Perspektiven, die bei der Reflexion von Methoden Sozialer Arbeit grundsätzlich zu bedenken bzw. zu beachten sind (vgl. ebd., S. 25f.):
- 3 -1. Sachorientierung: Welche Probleme sollen mit der Methode verarbeitet werden? Wird die Methode der Problemlage gerecht? 2. Zielorientierung: Welche Ziele sollen mit der Vorgehensweise verfüg-bar werden? Lassen sich diese Bestrebungen mittels der Methode einlö-sen?
3. Personen- und Interaktionsorientierung: Wird die Methode den betreffenden Personen (Klienten/Sozialarbeiter) und ihrer Interaktion gerecht?
4. Arbeitsfeld- und Institutionsorientierung: Ist die Methode zweckmäßig innerhalb der institutionellen/organisatorischen Rahmenbedingungen anwendbar?
5. Planungsorientierung: Erlaubt die Methode die gezielte Planbarkeit von Hilfekonzepten?
6. Überprüfbarkeit (Evaluation; Controlling): Lassen sich am Ende darüber Enunziationen treffen, ob und in welchem Maße die Methode gewirkt hat?
2.2 Zur Geschichte des Methodenbegriffs
Der Begriff „Methode“ wurde erstmals unter der Autorität des amerikanischen „social work“ - nach dem 2. Weltkrieg - in die deutsche und europäische Sozialarbeit eingeführt. In den fünfziger und sechziger Jahren war dieser Einfluss am intensivsten, sicherlich forciert durch die Tatsache, dass die Fürsorge in Deutschland während der Zeit des Faschismus mehr als nur korrumpiert war. Emigranten kehrten aus den USA zurück, ebenso verbreiteten in den Staaten ausgebildete, fachkompetente Sozialarbeiter sowie Sozialpädagogen die Methodenauffassung des amerikanischen social work in der deutschen Sozialen Arbeit.
Arbeit zitieren:
Ulrike M. S. Röhl, 2005, Methodenkritik der Sozialen Arbeit im Wandel der Studentenbewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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