1. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit greifen wir das Thema „Geselligkeit von Salons und weibliche Freiheitsbestrebungen im Signum der Romantik (Berliner Salons)“ auf.
Dafür geben wir zunächst eine kurze Einführung in die Geschehnisse der Epoche der Romantik, welche sich in die Zeit zwischen 1798 und 1835 einreihen lässt. Hier gehen wir speziell auf die charakteristischen Motive der damaligen Zeit ein, die sich später in den nachfolgenden Biografien der beiden populären Saloniéren, Henriette Herz und Rahel Varnhagen von Ense, wieder finden lassen. Anschließend werden die Begriffe der Geselligkeit und des Salons im Allgemeinen näher erläutert. Gleichzeitig werden die Salons in die Epoche der Romantik eingebunden. Im weiteren Verlauf wird die historische Entwicklung der Salonkultur, sowie die Entstehung der Berliner Salons darlegt. Von besonderer Bedeutung für die Salonkultur sind auch die Klientel und die Diskussionsthemen, die typisch für die Epoche der Romantik waren. Das Ende der ruhmreichen Salonkultur läuteten schließlich die napoleonischen Kriege ein, auf die im Verlauf der Hausarbeit näher eingegangen wird.
Bei unseren Vorüberlegungen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir die Biografie der Henriette Herz aufzeigen werden, da sie in der deutschen Salonkultur die erste Initiatorin eines solchen Salons war. Sie profitierte vom Reichtum und der gesellschaftlichen Stellung ihres Mannes, was typisch war für die Berliner Salons dieser Zeit. Doch was allerdings die emanzipierte Freiheitsbestrebung bei ihr ausmachte, wird im Anschluss durch das Kapitel 'die Bedeutung der Henriette Herz für die damalige Zeit’ geklärt. Eine andere bedeutende Saloniére ist Rahel Varnhagen von Ense, die wohl den bedeutendsten Salon in Berlin führte. Sie war die erste Frau, die es schaffte aus eigener Kraft einen ruhmreichen Salon aufzubauen. Zum Schluss beantworten wir mit unserem Fazit, die von uns gewählte Fragestellung: „Welche Bedeutung haben die Salons für die
Freiheitsbestrebungen der Frau?“.
2
2. Die Epoche der Romantik
(Nina Dany)
Die Epoche der Romantik war eine kulturrevolutionäre Bewegung 1 , die durch einen auffälligen Mentalitätswandel Ende des 18.Jhds eingeläutet wurde 2 . Eingrenzen lässt sie sich etwa von 1798 bis um 1830. 3 Der Vernunftglaube und das Konzept der Aufklärung wurden kritisiert und infrage gestellt. Die französische Revolution, die napoleonischen Kriege und die Widerherstellung des absolutistischen Systems in Europa nach dem Sturz von Napoleon, ließen die Hoffnung auf neu gestaltete Verhältnisse, basierend auf den Ideen der Aufklärung schwinden 4 .
Wo die Aufklärung das Individuum zweckgebunden in ein soziales Kollektiv eingeflochten hatte, das die Besonderheit des Menschen auslöschte, ordnete die Romantik das Individuum in ein höheres Ganzes ein und ließ ihm damit Individualität. 5
Kunst, Musik und Literatur wurden besonders von der Romantik geprägt 6 . Casper David Friedrich, Robert Schumann und Joseph Eichendorff waren zeitgenössische Dichter, Denker, Maler und Komponisten. Besonders interessant ist, dass nun auch das erste Mal Frauen als Autorinnen und Lyrikerinnen bekannt wurden und auch öffentlich in Erscheinung traten, wie zum Beispiel Bettina von Arnim. 7 Die Auseinandersetzung mit diesen Künsten, Künstlern und ihren Werken fanden in literarischen Salons, literarischen Zeitschriften, Essays, Vorlesungen, Briefen und in der Diskussion mit internationalen Kontakten statt 8 . Auch die Saloniére Henriette Herz und Rahel Varnhagen von Ense unterhielten viele solcher internationalen Kontakte und blieben mit diesen, und auch mit anderen Freunden und Besuchern ihrer Salons, in einer Vielzahl von Briefen in Verbindung. Die Romantik lässt sich in Früh-, Hoch- und Spätromantik unterteilen. Eine genaue zeitliche Eingrenzung ist jedoch nicht möglich, da es in verschiedenen
1 Habicht, Werner/Lange, Wolf-Dieter (Hrsg.): Der Literatur-Brockhaus. Band 3. Mannheim 1988.
S.220.
2 Biermann, Heinrich/Schurf, Bernd (Hrsg.): Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die
Oberstufe. [1.Auflg.] Berlin 1999. S.254.
3 Gudemann, Wolf Eckhard: Bertelsmann Universal Lexikon. Gütersloh 1996. S.759
4 Ebd. S.254.
5 Groh, Andrea: Die Gesellschaftskritik der Politischen Romantik. Eine Neubewertung ihrer
Auseinandersetzung mit den Vorboten von Industrialisierung und Modernisierung. Bochum 2004.
S.32.
6 Habicht, Werner/Lange, Wolf-Dieter (Hrsg.): Der Literatur-Brockhaus. S.221.
7 Biermann, Heinrich/Schurf, Bernd (Hrsg.): Texte, Themen und Strukturen. S.255.
8 Habicht, Werner/Lange, Wolf-Dieter (Hrsg.): Der Literatur-Brockhaus. S.221.
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Künsten verschiedene Eingrenzungen gibt. Zudem sind die Übergänge wie in anderen Epochen fließend. Deswegen kann man nur ungefähre Einteilungen vornehmen.
Die erste Stufe war die Frühromantik, die sich etwa von 1797-1804 belief 9 . Hier wurden theoretische Grundlagen der Epoche gelegt, und die Geselligkeit der Empfindsamkeit 10 tritt nun in den Vordergrund. Auch die literarischen Salons kann man in diese Zeit einordnen.
Von 1804 bis 1815 lässt sich die Hochromantik, auch Nationalromantik genannt einteilen. 11 Hier wurde nach den verlorenen napoleonischen Kriegen, viel Wert auf eine Erneuerung des nationalen Bewusstseins gelegt.
Die Spätromantik verläuft von 1815 bis 1830 12 . In den verschiedenen Werken ist eine starke Hinwendung, fast schon Sehnsucht nach dem Mittelalter zu finden. Sie wird als idyllisches Gegenbild zu der als hart und unnatürlich empfundenen Wirklichkeit entworfen.
Die Epoche der Romantik wird von verschiedenen Motiven geprägt, welche man auch immer wieder in den Briefen, Werken und ebenfalls in den Persönlichkeiten von Henriette Herz und Rahel Varnhagen findet.
Ein Motiv war die Aufwertung des Gefühls. 13 Anders als in der Aufklärung ging es nicht mehr allein um den Verstand und die Vernunft. Fantasie und Intuition wurden der Ratio an die Seite gestellt. Die Erkenntnismethode war nicht mehr analytisch, sondern ganzheitlich. 14
Ebenfalls treten nun das erste Mal Individualismustendenzen in den Vordergrund. Allerdings wurde Selbstverwirklichung als etwas angesehen, was man nur außerhalb der Gesellschaft erreichen konnte. Der Dichter sah sich als Außenseiter, der in seinen literarischen Werken die Sehnsucht nach einer verklärten, ursprünglichen, natürlichen Welt und des idyllischen Lebens thematisierte. Die Sehnsucht war ein sehr zentrales Gefühl der Romantik. Sie hat
9 Gudemann, Wolf Eckhard: Bertelsmann Universal Lexikon. Gütersloh 1996. S.759.
10 Empfindsamkeit: Literarische Bewegung des 18. Jhds. Die gegen die Verstandeskälte der
Aufklärung gerichtet war. Gefühlseindrücke und Erlebnisse wurden besonders dargestellt und
standen im Mittelpunkt. Vertreter waren unter Anderen: F. G. Klopstock und Goethe mit seinem
Werk „Werthers Leiden“ (Gudemann, Wolf Eckhard: Bertelsmann Universal Lexikon. S.227.)
11 Gudemann, Wolf Eckhard: Bertelsmann Universal Lexikon. Gütersloh 1996. S.759.
12 Ebd. S.759.
13 Biermann, Heinrich/Schurf, Bernd (Hrsg.): Texte, Themen und Strukturen S.254.
14 Groh, Andreas: Die Gesellschaftskritik der Politischen Romantik. S.22.
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kein Motiv wie andere Gefühle und kann so ganz ohne Ziel hingebungsvoll und dauerhaft genossen werden. 15
Ein weiteres Thema ist der Gegensatz von Gut und Böse. Gut veranschaulichen lässt sich dies am Beispiel der Darstellung der Frau. Sie ist entweder das mütterliche, reine Wesen oder die teuflische Verführerin. Diese konträren Darstellungen findet man sehr häufig in literarischen Werken, wie zum Beispiel in Joseph Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“.
Auch das Motiv der Reise, als eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung und der eigenen Weiterentwicklung, ist in der Romantik zu finden. Nicht nur in der Kunst, sondern auch in der realen bürgerlichen Lebenswelt ist die Reise sehr wichtig. Dies kann man anhand der beiden noch folgenden Biografien nachvollziehen. Ebenfalls ist ein zentrales Thema die Natur. Dies bezeugt die Abkehr von der Industrialisierung und dem Moloch der Großstadt. Sie wird nicht mehr vom Menschen beherrscht dargestellt und angesehen, wie es noch in den Zeiten des Barocks üblich war, sondern als ursprünglich und unzähmbar. Sie ist ein Ausdruck von Gott, der in und durch seine von ihm geschaffene Natur waltet.
3. Begriffliche Klärung zur Geselligkeit und zu Salons
(Agathe Holesch)
Allgemein genommen ist es recht schwierig eine exakte Definition des Salons zu finden. Dies kann zum einen darin begründet werden, dass sich die Art der Zusammenkünfte erheblich voneinander unterschied und zum anderen, weil es sich um gesellschaftliche und interkulturelle Ereignisse handelte, die als solche stets eine gewisse Eigendynamik führten. In einigen Salons herrschte beispielsweise eine rege Arbeitsatmosphäre mit einer strengen Tagesordnung, andere Salons hingegen waren populär für ihre große Gesprächskultur und die musikalischen Darbietungen 16 . Deborah Herz gibt in ihrem Buch Die jüdischen Salons im alten Berlin folgende idealtypische Definition: „Salons sind häusliche Zusammenkünfte, die von einer (wohlhabenden) Frau geleitet wurden und in denen intellektuelle Gespräche vorherrschten“ 17 . Definieren ließ sich der Salon dadurch, dass die Gäste aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen stammen und dass zu diesem Treffen keine gesonderten
15 Biermann, Heinrich/Schurf, Bernd (Hrsg.): Texte, Themen und Strukturen. S.254.
16 Hertz, Deborah: Die jüdischen Salons im alten Berlin. Frankfurt/M. 1991.S.32f.
17 Ebd. S. 149f.
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Einladungen verschickt wurden. Den Idealfall stellte der Salon dar, welcher sich durch eine zweckfreie, zwanglose Geselligkeitsform auszeichnete. Es galt letzten Endes die Idee eines offenen Hauses, in dessen Zentrum eine Frau stand. Wie zuvor bereits erwähnt, sind als eine wichtige Besonderheit der Salons die regelmäßigen Gäste zu nennen, die verschiedenen Gesellschaftsschichten und Lebenskreisen entstammen und auch außerhalb der Salons miteinander befreundet waren 18 . Die Salons verkörperten im Allgemeinen das eben zu dieser Zeit sehr heftig diskutierte universale Bildungsideal. Demnach schloss Bildung neben dem reinen Bücherwissen auch Erziehung, Verfeinerung der Umgangsformen und charakterliche Entwicklung mit ein. In diesem revolutionären Denken entstand die Idee des ´Schrankenabbaus´. Bildung galt als Motor, mit Hilfe dessen der bürgerliche Mann geistigen Adel erlangen und z.B. Juden Christen ähnlicher werden konnten 19 . „Im Idealfall wurde der Salonabend zu einem improvisierten Kunstwerk der Geselligkeit, zu einem Gesamtkunstwerk menschlichen Lebens und menschlicher Gesellschaft“ 20 .
Es lässt sich festhalten, dass das Wort Salon, wie auch das Vorbild für die Berliner Geselligkeiten, aus dem Französischen kommt. Bekannt sind die Salons auch unter den Begriffen Dachstube, Zirkel oder Teetisch. Diese Wortabgrenzung kann hier bereits als ein erster Hinweis auf die aufgebauten Vorbehalte gegenüber Napoleons Frankreich, aber auch als Ausdruck der Vielfalt und der Besonderheit jeder einzelnen Gesellschaft, verstanden werden. 21
3.1 Genese der Salonkultur
Die Anfänge der Salonkultur lassen sich in der italienischen Renaissance finden, also etwa im 15. Jahrhundert. In Venedig und Florenz entstehen zu dieser Zeit die ersten Geselligkeitsformen solcher Art. Als regelmäßige Zusammenkünfte interkultureller Kreise werden die stark politisch-philosophisch geprägten Salons in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Frankreich eingeführt und haben ihren Höhepunkt im 17./18. Jahrhundert. In Deutschland treten Salons jedoch erst im
18 Heyden-Rynsch, Verena von der: Europäische Salons. Höhepunkte einer versunkenen
weiblichen Kultur. München 1992. S.16ff.
19 Hertz, Deborah: Die jüdischen Salons im alten Berlin. S. 17.
20 Wilhelmy-Dollinger, Petra: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert. Berlin 1989, S. 20.
21 Schultz, Hartwig: Salons der Romantik, Beiträge eines Wippersdorfer Kolloquiums zur Theorie
und Geschichte der Salons. Berlin 1997. S. 84f.
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Arbeit zitieren:
A. Holesch, 2008, Geselligkeit von Salons und weibliche Freiheitsbestrebungen im Signum der Romantik, München, GRIN Verlag GmbH
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