Vorwort
Die Motivation zur Verfassung dieser Masterthesis erhielt ich während meines Praktikums im Bereich „Finanzen International“ bei der Gesellschaft „Lidl Stiftung & Co. KG“ in Neckarsulm. Die erste Auseinandersetzung mit Fragen der Unternehmensfinanzierung in Kombination mit dem im Rahmen meines Vordiploms geleisteten Vorpraktikum im Bereich „Kreditwürdigkeitsprüfung bei Privat- und Firmenkunden“ bei der „Agrarbank von Griechenland (ATE)“ in Griechenland verstärkte mein Interesse an der Finanzwirtschaft.
Diese Masterthesis, die ein wichtiger Schritt im Bereich der Professionalisierung ist, ist nur dank der Unterstützung von Dritten zustande gekommen.
Aus diesem Grund möchte ich in erster Linie diese Masterthesis meinen Eltern widmen, die mein Weiterstudium in Deutschland nach großen Bemühungen und Schwierigkeiten überhaupt ermöglicht haben.
Ganz besonders bedanke ich mich bei meiner Verlobten Maria Arabatzidou, die während der letzten fünf Jahre auf viel gemeinsame Zeit verzichten musste sowie mich durch ihre starke moralische Unterstützung während der ganzen Studienzeit ermutigte. Letzteres gilt auch für meine Schwiegermutter Chrissoula Arabatzidou, die für mich stets ein offenes Ohr hatte.
An dieser Stelle möchte ich auch bei meinem Professor Dr. Hans-Martin Beyer bedanken, der meine Masterthesis mit viel Engagement und sehr freundlich betreute und unterstützte. Auch gilt mein Dank meiner Professorin Dr. Carmen A. Fink, die sehr freundlich die Mitbetreuung dieser Masterthesis übernahm.
Schließlich geht ein herzlicher Dank an alle weiteren Personen, die mich während der Erstellung dieser Masterthesis unterstützten.
Reutlingen, Juli 2011
Evangelos Chatzigeorgakidis
Inhaltsübersicht
1. Einführung 1-3
2. Der Mittelstand in Deutschland 4-22
3. Die Baseler Eigenkapitalvereinbarungen 23-50
4. Mittelstand und Basel II 51-77
5. Die neue Eigenkapitalvereinbarung Basel III 78-108
6. Handlungsmöglichkeiten für den deutschen Mittelstand 109-139
7. Fazit und Ausblick 140-146
Abstrakt
Bei einer Betrachtung auf die Ursachen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftkrise seit 2007 wird ersichtlich, welche Bedeutung der Solvenz und der damit verbundenen Funktionsfähigkeit der Kreditwirtschaft für die Stabilität von Volkswirtschaften zukommt. Nachdem die Eigenkapitalanforderungen unter Basel II die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise nicht behindern konnten (s. Insolvenz von Lehman Brothers), sollen Banken künftig durch die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften des neuen Reformpakets des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel III) an Stabilität gewinnen und weniger krisenanfällig werden bzw. wirksamer vor Finanzkrisen geschützt werden. 1
Welche Anforderungen haben die neuen Vorschriften an die deutschen Banken und welche Auswirkungen resultieren daraus auf sie? Wird Basel III zu verteuerten Kreditkonditionen oder sogar auch zu einer Kreditklemme bzw. zu einem verändertem Kreditverhalten gegenüber dem deutschen Mittelstand führen? Wie könnte der Mittelstand auf mögliche negative Auswirkungen auf seine Finanzierung durch Bankkredite reagieren? Diese Fragen versucht die vorliegende Masterthesis durch eine inhaltliche Analyse der neuen Eigenkapital- undLiquiditätsvorschriften und deren Zusammenhang mit den einzelnen Faktoren, die für die Kreditvergabe der Banken entscheidend sind, zu beantworten.
1 Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Basel III: Ein globaler Regulierungsrahmen für
widerstandsfähigere Banken und Bankensysteme, Dezember 2010 (rev. Juni 2011), S. 1.
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis i
Tabellenverzeichnis iv
Abk ürzungsverzeichnis v
1. Einführung 1
1.1 Aktueller Anlass und Zielsetzung 1
1.2 Aufbau und Vorgehensweise 2
2. Der Mittelstand in Deutschland 4
2.1 Abgrenzung KMU 4
2.2 Merkmale des Mittelstandes in Deutschland 6
2.3 Finanzwirtschaftliche Situation 6
2.3.1 Leistungsindikatoren 7
2.3.1.1 Ertragslage 7
2.3.1.2 Umsatzrendite 8
2.3.1.3 Eigenkapitalsituation 8
2.3.1.4 Bonität 12
2.3.1.5 Investitionsverhalten 13
2.3.1.6 Insolvenzentwicklung 14
2.3.2 Finanzierung 15
2.3.2.1 Finanzierungsinstrumente 15
2.3.2.2 Bankkredit 16
2.3.3 Fazit über die finanzwirtschaftliche Situation des Mittelstandes 21
3. Die Baseler Eigenkapitalvereinbarungen 23
3.1 Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht 23
3.1.1 Entstehung und Ziele 23
3.1.2 Mitglieder und Struktur 24
3.1.3 Motive und Ziele 25
3.2 Basel I 26
3.2.1 Eigenkapitalunterlegung nach Basel I 26
3.2.2 Anwendung von Basel I 27
3.2.3 Eigenmittel der Banken 28
3.2.3.1 Definition der Eigenmittel 28
3.2.3.2 Zusammensetzung der Eigenmittel 28
3.2.3.2.1 Kernkapital 29
3.2.3.2.2 Ergänzungskapital 30
3.2.3.2.3 Abzugsposten 31
3.2.3.2.4 Drittrangmittel 32
3.2.4 Motive für die Novellierung von Basel I 32
3.3 Basel II. 34
3.3.1 Der Weg von Basel I zu Basel II 34
3.3.2 Inhaltliche Kernpunkte - Das Drei-Säulen-Konzept 36
3.3.2.1 Mindesteigenkapitalanforderungen (Säule 1) 37
3.3.2.1.1 Der Standardansatz (externes Rating) 40
3.3.2.1.2 IRB-Ansatz (Internes Rating) 42
3.3.2.1.3 Internes versus externes Rating 44
3.3.2.1.3.1 Risikogewichte 44
3.3.2.1.3.2 Sicherheiten zur Minderung des Risikos 47
3.3.2.2 Aufsichtliches Überprüfungsverfahren (Säule 2) 49
3.3.2.3 Offenlegungsanforderungen (Säule 3) 50
4. Mittelstand und Basel II 51
4.1 Mittelstandsrating nach Basel II 51
4.1.1 Begriffliche Einordnung 51
4.1.2 Elemente im Ratingprozess. 52
4.1.2.1 Quantitative Faktoren 55
4.1.2.1.1 Vermögenslage 56
4.1.2.1.1.1 Vermögensstrukturanalyse 56
4.1.2.1.1.2 Kapitalstrukturanalyse 56
4.1.2.1.2 Finanzlage 57
4.1.2.1.3 Ertragslage 58
4.1.2.2 Qualitative Faktoren 58
4.1.2.3 Warnsignale 59
4.1.2.4 Haftungsverbünde 59
4.2 Auswirkungen von Basel II auf die Finanzierung von KMU 60
4.2.1 Eigenkapitalunterlegung für Kredite an den Mittelstand 60
4.2.1.1 Retail-Portfolio. 60
4.2.1.2 KMU-Portfolio 63
4.2.1.3 Langfristige Kredite 63
4.2.1.4 Auswirkungen auf die Eigenkapitalunterlegung 64
4.2.1.5 Fazit über die Sonderregelungen für Kredite an KMU 66
4.2.2 Auswirkungen von Basel II auf die Kreditkonditionen 67
4.2.3 Fazit über die Auswirkungen von Basel II auf KMU 75
5. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung Basel III 78
5.1 Motive für die Novellierung von Basel II - Die Subprime-Krise 78
5.2 Zielsetzung von Basel III. 79
5.3 Inhaltliche Kernpunkte 81
5.3.1 Eigenkapitalanforderungen 81
5.3.1.1 Gesamtkapitalquote und Neudefinition der Eigenmittel 81
5.3.1.2 Verschuldungsobergrenze 86
5.3.2 Liquiditätsanforderungen 88
5.3.2.1 Liquidity Coverage Ratio 89
5.3.2.2 Net Stable Funding Ratio 91
5.4 Auswirkungen von Basel III auf das deutsche Bankensystem 92
5.4.1 Eigenkapitalanforderungen 92
5.4.1.1 Gesamtkapitalquote und Neudefinition der Eigenmittel 92
5.4.1.2 Leverage Ratio 94
5.4.2 Liquiditätsanforderungen 95
5.5 Mögliche Auswirkungen von Basel III auf den deutschen Mittelstand 96
5.5.1 Gesamtkapitalquote und Neudefinition der Eigenmittel 96
5.5.1.1 Mögliche Auswirkungen auf die Kreditvergabe 97
5.5.1.2 Mögliche Auswirkungen auf die Kreditkonditionen 99
5.5.2 Leverage Ratio 104
5.5.3 Liquiditätsanforderungen 106
5.5.4 Bankenumfrage zu Basel III 106
6. Handlungsmöglichkeiten für den deutschen Mittelstand 109
6.1 Ausgesuchte Maßnahmen zur Verbesserung des Ratings 109
6.1.1 Vorbereitung auf das Rating 109
6.1.2 Ratingstrategie 112
6.1.2.1 Transparenz und Kommunikation 115
6.1.2.2 Optimierung der Finanzierung 116
6.1.2.3 Chancen und Risikomanagement 117
6.1.2.4 Nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes 117
6.2 Ausgesuchte alternative Finanzierungsinstrumente 118
6.2.1 Beteiligungsfinanzierung 120
6.2.2 Mezzanine-Finanzierung 125
6.2.3 Leasing 132
6.2.4 Factoring 135
7. Fazit und Ausblick 140
Anhang 147
Literatur - und Quellenverzeichnis 187
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: KMU-Anteil in Deutschland .............................................................. 6 Abbildung 2: Entwicklung der Ertragslage der KMU und des Geschäftsklimas .... 7 Abbildung 3: Durchschnittliche Umsatzrenditen des deutschen Mittelstandes nach Beschäftigtenanzahl ............................................................... 8 Abbildung 4: Entwicklung der Eigenkapitalquote der deutschen KMU .................. 9 Abbildung 5: Entwicklung der durchschnittlichen Eigenkapitalquote der deutschen KMU und Großunternehmen ........................................ 10 Abbildung 6: Durchschnittliche Eigenkapitalquote deutscher KMU
im internationalen Vergleich .......................................................... 11 Abbildung 7: Entwicklung des Bonitätsindex deutscher Unternehmen ............... 12 Abbildung 8: Entwicklung der Investitionsbereitschaft der KMU im
Vergleich zum BIP ......................................................................... 13 Abbildung 9: Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich
zum BIP ......................................................................................... 14 Abbildung 10: Anteil von Finanzierungsquellen an den Innovations- sowie den Investitionsaufwendungen ..................................................... 15 Abbildung 11: Finanzierungsinstrumente des deutschen Mittelstandes zur Liquiditätsbeschaffung ................................................................. 16 Abbildung 12: Kreditanträge der Mittelständler nach Finanzierungszweck ......... 17 Abbildung 13: Kreditgewährung und -ablehnung an die Mittelständler nach Finanzierungszweck .................................................................... 17 Abbildung 14: Entwicklung des vergebenen Kreditvolumens im Vergleich
zum BIP ....................................................................................... 18 Abbildung 15: Veränderung der Kreditkonditionen nach Größenklassen. .......... 19 Abbildung 16: Anteil der KMU mit Finanzierungsproblemen anhand ihrer Eigenkapitalquote ........................................................................ 20 Abbildung 17: Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ................................. 25 Abbildung 18: Schuldnerkategorien nach Basel I ............................................... 26 Abbildung 19: Definition der Eigenmittel ............................................................. 29 Abbildung 20: Zusammensetzung des Kernkapitals ........................................... 30 Abbildung 21: Zusammensetzung des Ergänzungskapitals................................ 31
II
Abbildung 22: Beispiele für Abzugskosten
Abbildung 23: Beispiele für Drittrangmittel
Abbildung 24: Das Drei-Säulen-Konzept
Abbildung 25: Übersicht der Ratingansätze
Abbildung 26: Eigenkapitalunterlegung nach dem Standardansatz
Abbildung 27: Risikokomponente und ihre Bestimmung im IRB-Ansatz
Abbildung 28: Einfluss des Ratingverfahrens auf die Risikogewichte
Abbildung 29: Gesamteigenkapitalbedarf für ein Kreditportfolio mit durch-
schnittlichem Risikoprofil
Abbildung 30: Das Ratingverfahren und ihre typische Schwerpunkte
Abbildung 31: Das Sparkassen-Standardrating
Abbildung 32: Typisches Ablaufschema eines Kreditgewährungsverfahrens
Abbildung 33: Struktur der Jahresabschlussanalyse
Abbildung 34: Retail-Risikogewichte im Vergleich
Abbildung 35: Stellenwert der Sonderregelungen nach Basel II für den
deutschen Mittelstand
Abbildung 36: Kreditkonditionen von Basel I und Basel II im Vergleich
Abbildung 37: Typisches Mittelstandsportfolio einer Bank
Abbildung 38: Einfluss der Bonität des Kreditnehmers
auf die Kreditkonditionen.
Abbildung 39: Basel II und Kreditzinsbestandteile
Abbildung 40: Höhe der Kernkapitalquote nach Basel III
Abbildung 41: Höhe der Eigenmittel nach Basel III
Abbildung 42: Übergangsfristen für das harte Kernkapital und
die Kernkapitalquote
Abbildung 43: Gesamteigenkapitalanforderungen nach Basel III
Abbildung 44: Möglicher Einfluss von Basel III auf die
Kreditzinsbestandteile
Abbildung 45: Mögliche Auswirkungen von Basel III auf
die Kreditkonditionen
Abbildung 46: Konzept zur Ratingvorbereitung
Abbildung 47: Ratingvorbereitung und Rating-Prozess
III
Abbildung 48: Erstellung eines Ist-Ratings durch die Identifizierung
kritischer Rating-Kriterien
Abbildung 49: Die Rating-Lücke als Ansatzpunkt für Finanz-Controlling
Abbildung 50: Ablaufplan eines Rating-Projektes
Abbildung 51: Bestandteile einer Rating-Strategie
Abbildung 52: Klassifizierung der Finanzierungsformen
Abbildung 53: Ausgesuchte alternative Finanzierungsformen
Abbildung 54: Abgrenzung Private Equity zum Venture Capital
Abbildung 55: Funktionen von Private Equity
Abbildung 56: Bilanzielle Einordnung von Mezzanine-Kapital
Abbildung 57: Klassifierung von Mezzanine-Finanzierungsinstrumenten in
Equity - und Debt-Mezzanine-Kapital
Abbildung 58: Klassifierung von Mezzanine-Finanzierungsinstrumenten in
standartisiertes und individuelles Mezzanine-Kapital
Abbildung 59: Kosten von standartierten und individuellen Mezzanine-
Produkten
Abbildung 60: Phasen der Mezzanine-Finanzierung
Abbildung 61: Übliche Motive für Mezzanine-Finanzierung
Abbildung 62: Factoringverfahren im offenen Factoring
Abbildung 63: Swot-Analyse von Basel III und Mittelstand
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Quantitative Abgrenzungskriterien des Mittelstandes in Deutschland .. 4 Tabelle 2: Definition und Abgrenzung des deutschen Mittelstandes ..................... 5 Tabelle 3: Nutzung des Bankkredits nach Branchen .......................................... 16 Tabelle 4: Schwierigkeiten des Mittelstandes bei der Aufnahme vom
Fremdkapital durch Bankkredit .......................................................... 21 Tabelle 5: Risikokategorien von Säule 1 ............................................................. 38 Tabelle 6: Beispiel von Risikogewichten je nach ausgewähltem Ratingansatz ... 45 Tabelle 7: Typische Kreditsicherungstechniken nach Basel II ............................ 48 Tabelle 8: Offenlegungsinhalt von Saule 3 ......................................................... 50 Tabelle 9: Eigenkapitalunterlegung für Kredite an KMU im Retailsegment nach dem Standardansatz ................................................................. 61 Tabelle 10: Eigenkapitalunterlegung für Kredite an KMU im Retailsegment nach den IRB-Ansätzen ................................................................... 65 Tabelle 11: Sonderregelungen für Kredite an KMU unter Basel II ...................... 66 Tabelle 12: Kalkulationsschema des Kreditzinssatzes und seine
Einflussfaktoren ............................................................................... 68 Tabelle 13: Berechnungsbeispiel für Kreditkonditionen im Standardansatz
nach Basel II .................................................................................... 70 Tabelle 14: Berechnungsbeispiel für Kreditkonditionen in den IRB-Ansätzen
nach Basel II .................................................................................... 73 Tabelle 15: Berechnungsbeispiel für mögliche Gestaltung der Kreditkonditionen im Standardansatz nach Basel III ...................... 101 Tabelle 16: Berechnungsbeispiel für mögliche Gestaltung der Kreditkonditionen in den IRB-Ansätzen nach Basel III ................... 102 Tabelle 17: Überblick über den Inhalt des Fragebogens................................... 107 Tabelle 18: Vor- und Nachteile von Mezzanine-Kapital .................................... 131 Tabelle 19: Vergleich von Mezzanine-Kapital mit anderen
Finanzierungsformen .................................................................... 132 Tabelle 20: Vor- und Nachteile von Leasing ..................................................... 134 Tabelle 21: Vor- und Nachteile von Factoring ................................................... 138
V
Abkürzungsverzeichnis
A
Abb. Abbildung ABS Asset Backed Securities Abs. Abschnitt AfA Absetzung für Abnutzung AG Aktiengesellschaft ASF Available Stable Funding Art. Artikel
B
BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BAKred Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen BCBS Basel Committee on Banking Supervision BCG Boston Consulting Group BGB Bürgerliches Gesetzbuch BIP Bruttoinlandsprodukt BIZ Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BRD Bundesrepublik Deutschland BSC Balanced Scorecard bspw. beispielsweise bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise
C
CA Canada ca. circa CDO Collateralized Debt Obligations CH Schweiz CP Consultative Paper CRD Capital Requirements Directive
VI
CWG Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftlicher Gesellschaft
D
d.h. das heißt DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag Dr. Doktor
E
EAD Exposure at Default EG Europäische Gemeinschaft EK Eigenkapital ESB European School of Business EStG Einkommensteuergesetz etc. et cetera EU Europäische Union e.V. eingetragener Verein
F
FK Fremdkapital
G
G Gipfel GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts gem. gemäß ggfs. gegebenenfalls GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GuV Gewinn- und Verlustrechnung
H
HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber
VII
J
J Japan
I
i.d.R. in der Regel IfM Institut für Mittelstandsforschung Ifo Institut für Wirtschaftsforschung IFRS International Financial Reporting Standards IHK Industrie- und Handelskammer IHS Institut für höhere Studien i.H.v. in Höhe von IRB Internal Rating Based i.S.d. im Sinne des
K
Kap. Kapitel KD Kreditderivate KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KG Kommanditgesellschaft KMU klein- und mittelständische Unternehmen KWG Kreditwesengesetz
L
LBO Leveraged Buy-Out LCR Liquidity Coverage Ratio LGD Lost Given Default LiqV Liquiditätsverordnung LR Leverage Ratio LuL Lieferungen und Leistungen
VIII
M
M Maturity MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement max. maximal MBG mittelständische Beteiligungsgesellschaften MBI Management Buy-In MBO Management Buy-Out mind. mindestens Mio. Million/-en Mrd. Milliarde/-en
N
No. Number NSFR Net Stable Funding Ratio
O
OECD Organisation for Economic Cooperation and Development o.g. oben genannt(e) OHG Offene Gesellschaft OTC Over The Counter
P
p.a. per annum PD Probability of Default Prof. Professor
Q
QIS Quantitative Impact Study
R
RLZ Restlaufzeit
IX
ROE Return on Equity ROI Return on Investment RSF Reliable Stable Funding RWA Risikogewichtete Aktiva RW Risikogewicht
S
S Size (Jahresumsatz) S. Seite s. siehe s.a. siehe auch s.o. siehe oben sog. so genannt(e) SolvV Solvabilitätsverordnung S&P Standard and Poor‘s SRK Standardrisikokosten s.u. siehe unten SWOT Strengths / Weaknesses / Opportunities / Threats
T
Tab. Tabelle
U
u.a. unter anderem UK United Kingdom USA United States of America US-Gaap United States Generally Accepted Accounting Principles u.U. unter Umständen
V
Vgl. vergleich
X
Vj Vorjahr
W
WP Wertpapiere
Z
z.B. zum Beispiel zzgl. zuzüglich
Einführung
1. Einführung
1.1 Aktueller Anlass und Zielsetzung
„Mittelstand befürchtet schlechtere Kreditkonditionen“ 2 „Folgeschäden für den Mittelstand drohen bei Basel III“ 3 „Mittelstand warnt vor Kreditklemme“ 4 „Die Zeche zahlt der Mittelstand“ 5 „Basel III killt Mittelstand“ 6
Viel diskutiert werden aktuell in der Presse die Auswirkungen der neuen Vorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die unter dem Namen „Basel III“ firmieren, auf die Finanzierung von Unternehmen und insbesondere die des deutschen Mittelstandes, der ein zentrales Element der nationalen Volkswirtschaft und somit des Wirtschaftwachstums darstellt. Basel III wurde zwar für den Bankensektor geschaffen, allerdings beeinflussen diese neuen Regelugen auch die Kreditvergabe der Banken an den deutschen Mittelstand. Aufgrund der Tatsache, dass Mittelständler in Deutschland infolge ihrer niedrigen Eigenkapitalausstattung eine höhere Risikostruktur aufweisen als die Großunternehmen, sind sie stärker auf ein funktionierendes Bankensystem angewiesen als in anderen europäischen Ländern bzw. in den USA. Aus diesem Grund besteht in Deutschland die allgemeine Befürchtung, dass die neuen Anforderungen und insbesondere die Eigenkapitalanforderungen, die Kreditkonditionen und/oder sogar die Kreditvergabe von klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) erheblich benachteiligen bzw. verschlechtern werden.
Um herauszufinden, ob diese Befürchtungen mit der Realität übereinstimmen, d.h. ob und inwieweit diese die deutschen Mittelständler durch die Kreditvergabe
2 Vgl. Online Kredit- und Finanzierungsinfos:
http://www.online-kredit-hilfe.de/nachrichten/kreditnews/kreditklemme-mittelstand.php#resultView , Aufruf
am 14/05/2011.
3 Vgl. Bundesverband mittelständische Wirtschaft:
http://www.bvmw.de/nc/homeseiten/news/artikel/folgeschaeden-fuer-den-mittelstand-drohen-bei-basel-
iii.html , Aufruf am 14/05/2011.
4 Vgl. Manager Magazin: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,717122,00.html ,
Aufruf am 14/05/2011.
5 Vgl. Handwerksblatt: http://www.handwerksblatt.de/Handwerk/Mittelstand/Betrieb/13406.html , Aufruf am
14/05/2011.
6 Vgl. MM News: http://www.mmnews.de/index.php/etc/6377-basel-iii-killt-mittelstand , Aufruf am
14/05/2011.
1
Einführung
der Kreditinstitute beeinträchtigen können, steht im Mittelpunkt der vorliegenden Masterthesis eine inhaltliche Analyse der Kernpunkte der neuen Anforderungen von Basel III. Ziel dieser Arbeit ist es somit, wie der Titel bereits andeutet, zu untersuchen, mit welchen möglichen Auswirkungen der deutsche Mittelstand auf seine Finanzierung durch Bankkredite aufgrund der neuen Vorschriften von Basel III zu rechnen hat und welche Handlungsmöglichkeiten als Gegenmaßnahmen bestehen.
1.2 Aufbau und Vorgehensweise
Um das gesetzte Ziel erreichen zu können, wird die vorliegende Masterthesis in sieben Kapitel gegliedert, wobei jedes einzelne zusätzlich dazu beitragen soll, die Zusammenhänge zwischen der Konjunktur, der finanzwirtschaftlichen Lage des Mittelstandes und den Baseler Eigenkapitalvereinbarungen zu verdeutlichen.
Bevor auf den Inhalt von Basel III eingegangen wird, wird im zweiten Kapitel zunächst der Begriff „Mittelstand“ definiert und abgegrenzt sowie seine Wichtigkeit für die deutsche Volkswirtschaft dargestellt. Anschließend wird die aktuelle finanzwirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstandes sowie ihre Entwicklung in den letzten Jahren einschließlich der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 analysiert. Hier werden insbesondere finanzwirtschaftliche Kennzahlen herangezogen, die mit der Entwicklung der Konjunktur und anderen Wirtschaftsindikatoren verglichen werden.
Das dritte Kapitel beginnt mit einer kurzen Darstellung der Rolle und Funktionen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht sowie anschließend des Inhalts der ersten Eigenkapitalvereinbarungen von Basel I aus dem Jahre 1988, einschließlich der Definition der Eigenmittel der Banken, die mit einer späteren Behandlung der Eigenkapitalanforderungen des neuen Reformpakets (Basel III) zusammenhängt. Im Folgenden wird tiefer u.a. auf den in Zusammenhang mit der Kreditvergabe stehenden wesentlichen Inhalt der derzeit geltenden Eigenkapitalanforderungen von Basel II seit 2007 eingegangen.
Basierend auf den Vorschriften von Basel II folgt im vierten Kapitel eine Analyse anhand zweier Beispiele über die Auswirkungen von Basel II, insbesondere auf den Kreditvergabeprozess und die Gestaltung der Kreditkonditionen, und eine
2
Einführung
entsprechende Schlussfolgerung resultierend aus einem Vergleich des Inhalts von Basel II mit der Entwicklung der Kreditvergabe an den deutschen Mittelstand aus dem zweiten Kapitel.
Im fünften Kapitel, welches den Kern dieser Masterthesis ausmacht, werden zunächst die wesentlichen Änderungen hinsichtlich der Eigenkapital- anforderungensowie die neuen Liquiditätsvorschriften nach Basel III behandelt. Anschließend wird versucht die Auswirkungen von Basel III auf das deutsche Finanzsystem insgesamt anhand ihres aktuellen Eigenkapitalbedarfs zu skizzieren. Basierend zum Teil auf diesen Erkenntnissen wird abschließend versucht herauszufinden, wie die einzelnen neuen Anforderungen von Basel III die Kreditvergabe und die Kreditkonditionen für den deutschen Mittelstand möglicherweise beeinflussen werden.
Das sechste Kapitel beinhaltet empfohlene Handlungsmöglichkeiten für KMU, die in der Lage sind, möglichen künftigen negativen Auswirkungen aus den Vorschriften von Basel III resultierend entgegenzuwirken. Zunächst wird auf die Wichtigkeit der Entwicklung bzw. Verbesserung einer bestehenden Ratingstrategie eingegangen, die das Ratingergebnis und auf diese Weise die Kreditkonditionen für den deutschen Mittelstand erheblich beeinflussen kann. Im zweiten Teil des sechsten Kapitels werden ausgesuchte Finanzierungsformen dargestellt, die sowohl als Mittel zur Verbesserung des Ratingergebnisses als auch als Alternative zum Bankkredit im Falle einer künftigen Verschlechterung der Kreditkonditionen und/oder einer Kreditklemme dienen.
Im siebten und letzten Kapitel werden die Erkenntnisse der Ausführungen dieser Masterthesis zusammengefasst.
3
Der Mittelstand in Deutschland
2. Der Mittelstand in Deutschland
2.1 Abgrenzung KMU
Eine einheitliche Auffassung bzgl. der Definition des Begriffes „Mittelstand“ gibt es in Deutschland weder in der Literatur noch in der Praxis. 7 Um zu einer Definition zu gelangen, werden verschiedene Abgrenzungskriterien verwendet bzw. vorgeschlagen, die sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte berücksichtigen. Auf quantitativer Ebene werden meist der Umsatz und die Mitarbeiteranzahl als Abgrenzungsgrundlage verwendet, jedoch manchmal auch die Bilanzsumme, wobei diese Grenzen jeweils unterschiedlich festgesetzt werden. Nachstehende Tabelle zeigt die jeweiligen angesetzten Größenmaßstäbe nach HBG, EU-Kommission und IfM Bonn und teilt anhand der o.g. Kriterien die Unternehmen in Groß-, Mittel-, Klein- und Kleinstunternehmen auf.
Tabelle 1: Quantitative Abgrenzungskriterien des Mittelstandes in Deutschland Quellen: Eigene Darstellung in Anlehnung an die jeweiligen Abgrenzungskriterien nach:
HGB: § 267, Vgl. a. Fachhochschule Koblenz, Mittelstand:
http://www.fh-koblenz.de/index.php?id=3382 , Aufruf am 03/03/2011.
EU-Kommission: Empfehlung 2003/361/EG. Vgl. a. Europäische Kommission: Die neue KMU
Definition, 2006.
IfM Bonn: KMU Definition seit 2002: http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=89 , Aufruf am
03/03/2011.
In Deutschland findet die quantitative Definition von IfM Bonn die meiste Verbreitung und deshalb wird es als Abgrenzungsgrundlage in dieser Arbeit
7 Vgl. Hundt I. / Neitz B. / Grabau F., 2003, S. 1.
4
Der Mittelstand in Deutschland
verwendet. 8 Der Mittelstand setzt sich somit danach aus allen unabhängigen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und weniger als 50 Mio. Euro Jahresumsatz zusammen. Der Begriff Mittelstand bedeutet dementsprechend nicht nur mittlere Unternehmen sondern schließt auch kleine Unternehmen ein. 9
Zu einer weiteren Abgrenzung des Mittelstandes wird jedoch auch die Berücksichtigung qualitativer Merkmale gefordert. Diese umfassen insbesondere die Betonung der Person des Unternehmers, in der das Eigentum, die Leitung und das unternehmerische Risiko vereinigt sind. 10 Demzufolge handelt es sich laut dieser Kriterien in der überragenden Mehrheit um eigentümergeführte als um managementgeführte Unternehmen. 11 Als weitere qualitative Abgrenzungs- kriteriensind zusätzlich die meist persönliche Beziehung zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern sowie die in aller Regel fehlende Konzernzugehörigkeit anzuführen. 12 Ferner werden diese Kriterien auch über die Rechtsform des Unternehmens erfasst, wobei der deutsche Mittelstand durch Einzelunternehmen geprägt ist. Zusätzlich zählen die GbR, die OHG, die KG, die GmbH & Co. KG und die GmbH zu den gängigen Unternehmensformen. 13 Nachstehende Tabelle fasst die quantitativen und die wesentlichen qualitativen Kriterien der Abgrenzung nach IfM Bonn zusammen. 14
Tabelle 2: Definition und Abgrenzung des deutschen Mittelstandes
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Salge T.-O., 2006, S. 15 und IfM Bonn, KMU Definition:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=89 , Aufruf am 03/03/2011.
8 Vgl. Reinemann H., 2011, S. 3.
9 Vgl. Damit werden in dieser Masterarbeit die Begriffe Mittelstand und klein- und mittelständische
Unternehmen (KMU) als gleichberechtigte Synonyme verwendet.
10 Vgl. Mittelstand Optimierung, qualitative Abgrenzungsmethodik:
http://www.mittelstand-optimierung.de/definition_mittelstand.shtml , Aufruf am 04.03.2011.
11 Für die Rechts- und Führungsstrukturen im deutschen Mittelstand s. Anhang, S. 147.
12 Vgl. Salge T.-O., 2006, S. 14.
13 Vgl. Hofbauer G. / Bergmann S., 2008, S. 22.
14 Für detaillierte qualitative Merkmale über den deutschen Mittelstand s. Anhang, S. 148.
5
Der Mittelstand in Deutschland
2.2 Merkmale des Mittelstandes in Deutschland
Betrachtet man die Struktur des deutschen Mittelstandes, lässt sich schlussfolgern, dass fast jedes deutsche Unternehmen zu dieser Kategorie gezählt wird (Abb. 1): Der Mittelstand hat einen Unternehmensanteil von 99,6% in Deutschland; dies entspricht einem Bestand von ca. 3,62 Mio. Unternehmen. Der deutsche Mittelstand erzielt einen Umsatz i.H.v. 38% und beschäftigt 59,9% der Mitarbeiter aller Unternehmen.
Abbildung 1: KMU-Anteile in Deutschland
Quelle: IfM Bonn: KMU-Anteile 2008 in Deutschland nach KMU-Definition des IfM Bonn:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=959 , Aufruf am 05/03/2011.
Daraus ergibt sich, dass der Mittelstand in Deutschland von besonderer Bedeutung für Wachstum und Beschäftigung ist und somit als Treiber der deutschen Volkswirtschaft angesehen werden kann. 15 Folglich wird ersichtlich, welches Gewicht das Thema „Mittelstand“ auch in Basel-Regelungen hat.
2.3 Finanzwirtschaftliche Situation
In diesem Unterkapitel werden einige Schlüsselindikatoren bzw. finanzwirtschaftlichen Kennzahlen des deutschen Mittelstandes aus den letzten Jahren kurz dargestellt und analysiert, die für die spätere Darstellung der Analyse über die Auswirkungen von den Baseler-Eigenkapitalvereinbarungen von Bedeutung sind. Darüber hinaus werden diese finanzwirtschaftlichen Kennzahlen mit der Entwicklung der Konjunktur und anderen Wirtschaftsindikatoren verglichen, sodass eine nähere Betrachtung der Korrelationen zwischen denen gewährleistet wird.
15 Für weitere Schlüsselzahlen des deutschen Mittelstandes s. Anhang, S. 149.
6
Der Mittelstand in Deutschland
2.3.1 Leistungsindikatoren
2.3.1.1 Ertragslage
Die Ertragslage deutscher KMU, als ein wichtiger Indikator für das erfolgreiche Wirtschaften eines Unternehmens und somit für seine Kreditwürdigkeit bzw. Bonität (s. Kap. 4.1.2.1.3), hat sich grundsätzlich während der letzten 10 Jahre und insbesondere während der Finanz- und Wirtschaftskrise (ab 2007) dem Verlauf des allgemeinen Geschäftsklimas entsprechend entwickelt. So hat sich die Ertragssituation nach einem erheblichen Rückgang ab 2007 bis 2009 wieder im Jahr 2010 verbessert. Fast ein Drittel der KMU (32,6%) berichteten für das Jahr 2010 eine Ertragssteigerung, wobei es im Vorjahr nur ein Fünftel (20,5%) waren. Analog verringerte sich der Anteil der KMU mit einem Gewinnrückgang: von 42,7% im Jahr 2009 auf 22,6% im Jahr 2010. Dementsprechend hat der Saldo aus Ertragssteigerungen und -rückgängen zum ersten Mal nach dem Anfang der Finanz- und Wirtschaftskrise (7,2% im Jahr 2007) bzw. zum zweiten Mal in den letzten 10 Jahren ein positives Vorzeichen aufgewiesen (10,0% im Jahr 2010), wie folgende Abbildung verdeutlicht.
Abbildung 2: Entwicklung der Ertragslage der KMU und des Geschäftsklimas
Entwicklung der Ertragslage der KMU 2001-2010, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2004, S. 19 / Herbst
2010, S. 20.
Entwicklung des Geschäftsklimas 2001-2010, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: Ifo, Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft:
http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/a-winfo/d6zeitreihen/15reihen/_reihenkt ,
Aufruf am 06/03/2011.
7
Der Mittelstand in Deutschland
2.3.1.2 Umsatzrendite
Betrachtet man insgesamt die Entwicklung der Umsatzrentabilität des deutschen Mittelstandes über die vergangenen Jahre, kann man eine nahezu stabile Entwicklung feststellen (Abb. 3). Stabile Umsatzrenditen zeigen sich im Beobachtungszeitraum allerdings nicht nur für den gesamten Mittelstand sondern auch für die einzelnen Größenklassen. So konnten sich KMU mit weniger als 10 Beschäftigten während der Finanz- und Wirtschaftskrise und insbesondre während des Rezessionsjahres 2009 konstant bei 9,4% halten. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch für größere Mittelständler mit einer höheren Beschäftigtenanzahl beobachten, die im gleichen Zeitraum (2007-2009) eine leichte Verschlechterung ihrer Umsatzrendite erfahren haben. Bemerkenswert herbei ist es, dass eine sinkende Beschäftigtenanzahl eine höhere Umsatzrendite ausweist.
Abbildung 3: Durchschnittliche Umsatzrenditen des deutschen Mittelstandes nach
Beschäftigtenanzahl
Entwicklung der Umsatzrendite der KMU 2005-2009 (gewichteter. Mittelwert), Veränderungen zum Vorjahr
in %.
Quelle: KfW-Mittelstandspanel 2010, S. 27-28.
2.3.1.3 Eigenkapitalsituation
Die Eigenkapitalquote, als ein weiterer zentraler Bestandteil der Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens (s. Kap. 4.1.2.1.1), hat sich sowohl während der letzten 10 Jahre als auch während der Krise grundsätzlich positiv
8
Der Mittelstand in Deutschland
entwickelt. Größte Änderungen in die Eigenkapitalsituation der deutschen KMU werden im Zeitraum 2001 bis 2005 betrachtet, insbesondere bei den KMU, deren Eigenkapitalquote unter 30% lag.
Abbildung 4: Entwicklung der Eigenkapitalquote der deutschen KMU
Entwicklung der Eigenkapitalquote der KMU 2001-2010, Veränderungen zum Vorjahr in %. Die
Prozentsätze für KMU mit einer Eigenkapitalquote zwischen 10 und 30% ergeben sich aus der Differenz der
Angaben der KMU mit unter 10% und über 30% Eigenkapitalquote.
Quelle: Modifiziert entnommen aus Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst
2010, S. 24.
Ab dem Jahr 2006 bis 2010 haben sich diese Fluktuationen verringert, wobei eine leichte Verbesserung bzw. Erhöhung der Eigenkapitalquote zu beobachten ist. So lag die Eigenkapitalquote der KMU im Jahr 2010, die unter 10% Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme aufweisen, bei 31% (Vorjahr: 33,1%). Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch bei den KMU mit einer Eigenkapitalquote zwischen 10% und 30% beobachten. Demgegenüber, nahm parallel stark der Anteil der KMU zu, deren Eigenkapitalquote über 30% lag: 27,1% im Jahr 2010 (Vorjahr: 24,5%). Hier kann die Entwicklung der Eigenkapitalquote der KMU insgesamt positiv angesehen werden, da sich der Anteil der KMU mit einer Eigenkapitalquote unter 30% verringert und parallel der Anteil der KMU mit einer Eigenkapitalquote über 30% erhöht hat. Bei einer Betrachtung der Entwicklung der durchschnittlichen Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstandes, lässt sich ebenso eine ständige Verbesserung seit
9
Der Mittelstand in Deutschland
2001 beobachten. Diese lag im Jahre 2008 bei 19,2% im Verhältnis zu 9,9% im Jahre 2001, wie folgendes Diagramm verdeutlicht. 16
Abbildung 5: Entwicklung der durchschnittlichen Eigenkapitalquote der deutschen KMU und
Großunternehmen
Durchschnittliche Eigenkapitalquoten der KMU und Großunternehmen für den Zeitraum 2001 bis 2008,
Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: IfM Bonn (auf Basis der Daten der Deutschen Bundesbank), durchschnittliche Eigenkapitalquote der
KMU und Großunternehmen für den Zeitraum 1997-2008:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=560 , Aufruf am 07/03/2010.
Einer der wichtigsten Gründe für diese Verbesserung der Eigenkapitalsituation bzw. -quote der KMU über die letzten Jahren, stellte die nahezu stabile Entwicklung der Umsatzrendite und folglich der Gewinne der Mehrheit der KMU, die ihnen die Thesaurierung von Gewinnen ermöglicht haben 17 (s. a. Abb. 3). Vergleicht man allerdings die durchschnittliche Eigenkapitalquote der KMU mit derjenigen der Großunternehmen, kommt man zum Entschluss, dass trotz der Verbesserung der Eigenkapitalquote der KMU, immer noch Differenzen in der Eigenkapitalausstattung 18 bestehen.
16 Für die Betrachtung der Entwicklung der Eigenkapitalquote der KMU und Großunternehmen werden die
aktuellstmöglichen Daten der deutschen Bundesbank verwendet. Allerdings liegen Daten bis zum Jahre
2008 vor. 2009 und 2010 werden aus diesem Grund nicht berücksichtigt.
17 Vgl. IfM Bonn, Mittelstandsmonitor 2010, S. 158.
18 Das deutsche Kreditwesengesetz (KWG) spricht im Zusammenhang mit dem Begriff Eigenkapital von
der Eigenkapital- und Eigenmittelausstattung. Diese Begriffe werden in dieser Abreit als
gleichberechtigte Synonyme verwendet. Vgl. a. Deloitte & Touche, White Paper No. 14, Einführung in
Basel II, 2003, S. 1.
10
Der Mittelstand in Deutschland
Ferner, im Vergleich zu anderen Industrieländern weisen deutsche KMU eine sehr geringe Ausstattung mit Eigenkapital auf (Abb. 6). Die durchschnittliche Eigenkapitalquote deutscher KMU befindet sich auf dem letzten Platz mit ca. 20%, wobei den Spitzenreiter die amerikanischen KMU mit 45% darstellen. Es folgen Spanien und England mit 41% und 40% entsprechend.
Abbildung 6: Durchschnittliche Eigenkapitalquote deutscher KMU im internationalen Vergleich Durchschnittliche Eigenkapitalquoten der KMU von Industrieländern 2008, Angaben in %.
Quelle: Private Equity GmbH: Eigenkapital oder Mezzanine - Der Einzelfall ist entscheidend,
Wirtschaftsforum Mannheim, 2008: www.l-bank.de/allg/dokarchiv/103677 , S. 5.
Aus der Grafik kann entnommen werden, dass die deutschen Mittelständler im internationalen Vergleich stärker auf Fremdkapital angewiesen sind. Diese Unterschiede resultieren daraus, dass das deutsche Finanzsystem seit Jahrzehnten grundsätzlich die Kreditaufnahme in Deutschland erleichtert hat. Steuerliche Benachteiligungen der Eigenkapitalfinanzierung gegenüber der Fremdfinanzierung geben den Mittelständlern einen Anreiz dafür, den klassischen Bankkredit gegenüber anderen alternativen Finanzierungsformen zu bevorzugen. 19 Hinzu kommt, dass den deutschen KMU und insbesondere den kleinen Unternehmen aufgrund ihrer Größe keine direkte Finanzierung über den freien Kapitalmarkt ermöglicht wird und deswegen der überwiegende Anteil der Unternehmensfinanzierung mit den Banken abgewickelt wird. Grund dafür ist der typische deutsche Hausbankcharakter, der aus langfristigen und
19 Vgl. McKinsey&Company, die Zukunft der Mittelstandsfinanzierung, 2003, S. 10.
11
Der Mittelstand in Deutschland
vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen zwischen Banken und KMU besteht. Deshalb wird in Deutschland vom „Hausbankprinzip“ gesprochen. Die Hausbank bietet in diesem Fall u.a. das ganze Spektrum der Finanzierung. 20
2.3.1.4 Bonität
Während der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde die Bonität der deutschen KMU erheblich beeinträchtigt. Gute Bonitätsnoten wurden seltener vergeben, wobei sich entsprechend die schlechten Noten erhöht haben, wie im nachstehenden Diagramm ersichtlich wird.
Abbildung 7: Entwicklung des Bonitätsindex deutscher Unternehmen
Entwicklung der Bonitätsindex deutscher Unternehmen 2007-2010, Veränderungen zum Vorquartal in %.
Quelle: Creditreform, Die Krise als Stresstest zur Bonität deutscher Unternehmen, 2010, S. 22.
Allerdings, im Vergleich zu der Entwicklung des Bonitätsindex der Großunternehmen im 1. Quartal 2009 (Höhepunkt der Rezession in Deutschland, s. BIP-Werte), der sich um 3,8% gegenüber dem Vorquartal verschlechtert hat, erwiesen sich die KMU als stabilisierendes Moment: hier haben sich die Bonitätsnoten nur um 1,3% verschlechtert. Erst nach der teilweisen Erholung der Konjunktur mit Beginn des Jahres 2010 begann sich der
20 Als Hausbanken fungieren z.B. Sparkassen, Raiffeisen- und Volksbanken, Privatbanken etc.
Vgl. Finanzierungsratgeber, Hausbankprinzip und Hausbankverfahren:
http://www.fit-in-finanzen.de/index.php?id=1787 , Aufruf am 24/03/2011.
12
Der Mittelstand in Deutschland
Trend zu drehen, wobei sich beide Unternehmenskategorien besser bewertet wurden als in den Vorquartalen.
2.3.1.5 Investitionsverhalten
Die Investitionsbereitschaft des deutschen Mittelstandes ist ab 2002 bis 2006 stetig gestiegen. Nach dem Eintritt der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 und weiterhin bis zum Jahr 2009 lässt sich beobachten, dass der Mittestand schrittweise weniger investieren wollte, wie Abbildung 7 verdeutlicht.
Abbildung 8: Entwicklung der Investitionsbereitschaft der KMU im Vergleich zum BIP
Entwicklung der Investitionsbereitschaft der KMU 2001-2010, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Angaben für die nicht-investierbereiten KMU ergeben sich als Saldo aus denjenigen KMU, die
investieren wollten und der Gesamtheit der KMU (100%).
Quelle: Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2010, S. 18.
Entwicklung der BIP-Werte 2001-2010, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: CRP, Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts:
http://www.crp-infotec.de/01deu/wirtschaft/grafs/bip_vgl_jahre.gif , Aufruf am 01/04/2011.
Nachdem sich die Konjunktur im Jahr 2010 sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich erholt hatte, hat sich auch die Investitionsbereitschaft des deutschen Mittelstandes erhöht, welche im Jahr 2010 47,4% betrug. Dieser Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr (40,9%) um 6,5 Prozentpunkte erhöht. Aus dem deutlichen Anstieg der Investitionsbereitschaft, im Vergleich zu den BIP-Werten von 2001 bis 2010, lässt sich erkennen, wie stark der Mittelstand von der Konjunkturentwicklung abhängig ist.
13
Der Mittelstand in Deutschland
2.3.1.6 Insolvenzentwicklung
Betrachtet man die Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland 21 und vergleicht sie mit der Entwicklung der Konjunktur, lässt sich auch hier ein paralleler Lauf zwischen beiden Entwicklungen vermuten (Abb. 9). Steigende BIP-Werte haben demnach weniger Insolvenzen zur Folge und umgekehrt.
Abbildung 9: Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum BIP
Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland 2001-2009, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: IfM Bonn, Insolvenzen von Unternehmen in Deutschland (1991-2009).
Entwicklung der BIP-Werte 2001-2009, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: CRP, Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts:
http://www.crp-infotec.de/01deu/wirtschaft/grafs/bip_vgl_jahre.gif , Aufruf am 01/04/2011.
Ab dem Jahr 2002 bis einschließlich 2007 lässt sich ein stabiler Trend zu sinkenden Insolvenzen beobachten, wobei auch die Entwicklung der Konjunktur grundsätzlich als positiv bezeichnet werden könnte. Bemerkenswert ist die starke Veränderung des Verlaufs der Insolvenzkurve ab 2008 und insbesondere während des Konjunktureinbruchs im Jahre 2009. Innerhalb dieser zwei Jahre stiegen die Insolvenzen von -14,6% (2007) auf 11,6% (2009).
Insolvenzstatistik des Statistischen Bundesamtes nicht möglich. Die amtliche Insolvenzstatistik weist zwar
Unternehmensinsolvenzen nach Beschäftigungsgrößenklassen aus, aber nur für Größenklassen, aus
denen sich keine Angaben für die Gesamtzahl der KMU ableiten lassen. Nach Schätzungen von
Creditreform haben KMU (Unternehmen mit bis zu 50 Mio. € Jahresumsatz) an den
Unternehmensinsolvenzen einen Anteil von 99,4%. Vgl. IfM Bonn, Insolvenzen:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=621 , Aufruf am 15/03/2011.
14
Der Mittelstand in Deutschland
2.3.2 Finanzierung
2.3.2.1 Finanzierungsinstrumente
Für die Finanzierung von Investitionen und Innovationen der deutschen Mittelständler kommt Fremdmitteln, nach den Eigenmitteln, eine erhebliche Bedeutung zu, wobei der klassische Bankkredit und die Fördermittel die wichtigsten Fremdfinanzierungsquellen darstellen. Folgendes Diagramm bildet die Höhe der Eigen-, Fremd- sowie sonstige Finanzierungsquellen, wenn es um innovierende oder investierende KMU handelt.
Abbildung 10: Anteil von Finanzierungsquellen an den Innovations- sowie den Investitions-
aufwendungen
Finanzierungsquellen deutscher KMU 2008, Anteile in %.
Quelle: KfW-Mittelstandspanel, 2008, S. 47.
Wie aus der obigen Abbildung ersichtlich wird, stellen die Eigenmittel die dominierende Finanzierungsquelle des Mittelstandes für sowohl Innovationen als auch Investitionen dar. So finanzieren 71% der Mittelständler ihre Innovationen und 48% ihre Investitionen durch Eigenmittel. Die Fremdmittel (hier: Bankkredite + Fördermittel) folgen als zweite wichtige Finanzierungsquelle mit 19% und 43% entsprechend.
Betrachtet man allerdings die Finanzierungsquellen der Mittelständler zum Zwecke der Liquiditätsdeckung in der Abbildung 11, stellen Bankkredite die wichtigste Finanzierungsquelle dar und es folgen die Eigenmittel und sonstige Finanzierungsinstrumente, d.h. die Verwendung von Eigen-und
Fremdfinanzierungsquellen bzw. Bankkrediten unterscheidet sich erheblich je nach dem Zweck der zu beschaffenden Gelder.
15
Der Mittelstand in Deutschland
Abbildung 11: Finanzierungsinstrumente des deutschen Mittelstandes zur Liquiditätsbeschaffung Finanzierungsquellen, die deutsche KMU hauptsächlich zur Liquiditätsdeckung verwenden 8/2007.
Quelle: VISAVIS Finanzmagazin, Nachhaltiges Investment, 8/2007, S. 31.
2.3.2.2 Bankkredit
In Bezug auf die Finanzierungsquellen vom Fremdkapital, zeigt eine Studie von Creditreform, dass der Bankkredit hauptsächlich die wichtigste Fremd- finanzierungsquellefür den Mittelstand darstellt (Stand 2010). Wie folgende Tabelle zeigt, bevorzugt fast jedes zweite Unternehmen aller Branchen (48,2%) diese Finanzierungsform zur Deckung seines Kapitalbedarfs.
Tabelle 3: Nutzung des Bankkredits nach Branchen
Quelle: Creditreform, Unternehmensfinanzierung in Zeiten der Krise; Faktoren für den erfolgreichen
Kreditantrag, 2010, S. 3.
Zweck der beantragten Kredite war in erster Linie die Finanzierung von Investitionsvorhaben (44,5%). Fast jeder dritte Mittelständler (32,4%) hat einen Betriebsmittelkredit und 11% einen Kredit zur Warenfinanzierung beantragt.
16
Der Mittelstand in Deutschland
Schließlich wollte fast jeder zahnte Mittelständler (10,3%) Umschuldungs- maßnahmen durchden Kredit ergreifen. Folgende Abbildung fasst die o.g. Zwecke des beantragten Kredits zusammen.
Abbildung 12: Kreditanträge der Mittelständler nach Finanzierungszweck
Quelle: Creditreform: Unternehmensfinanzierung in Zeiten der Krise; Faktoren für den erfolgreichen
Kreditantrag, August 2010, S. 2.
Die Gewährung des Kreditantrags variiert erheblich je nach dem Zweck der zu beschaffenden Gelder: fast 9 von 10 der beantragten Kredite zum Zwecke der Investition wurden gewährt. Es folgen Betriebsmittelkredite (78,2%) und Kredite für Umschuldungsnahmen (76,2%). Noch weniger wurden Kredite zur Finanzierung von Waren eingeräumt (69,9%), wie in der folgenden Abbildung zu sehen ist:
Abbildung 13: Kreditgewährung und -ablehnung an die Mittelständler nach Finanzierungszweck Die Prozentsätze der Kreditablehnungen ergeben sich daraus, indem die Prozentsätze der
Kreditgewährungen von 100% abgezogen werden.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Creditreform: Unternehmensfinanzierung in Zeiten der Krise;
Faktoren für den erfolgreichen Kreditantrag, August 2010, S. 3.
17
Der Mittelstand in Deutschland
Im Rahmen der Laufzeit bzw. Fristigkeit der nachgefragten Bankkredite in der Krise (2008), handelte es sich bei der Mehrheit der Kredite (47,3%) um einen mittelfristigen Bankkredit (Laufzeit: zwei bis fünf Jahre). Es folgten langfristige Bankkredite mit 27,2% (Laufzeit: über fünf Jahre) und kurzfristige Kredite mit 23,8% (Laufzeit: bis zu einem Jahr). 22
Bezüglich der Entwicklung des vergebenen Kreditvolumens an inländische Unternehmen und Privatpersonen lässt sich seit 2001 eine ähnliche Entwicklung mit derer der BIP-Werte beobachten, wie Abbildung 14 zeigt. Das geringste Kreditvolumen von 2009 könnte somit mit dem Tiefpunkt der letzten Krise (2009) zusammenhängen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist es, dass sich Veränderungen der BIP-Werte nicht sofort, sondern erst im darauffolgenden Jahr auswirken. Dies wird insbesondere im Jahr 2008 ersichtlich, wobei die BIP-Werte sanken, aber trotzdem das Kreditvolumen hoch blieb. Erst im Jahr 2009 lassen sich die ersten Auswirkungen auf das Kreditvolumen beobachten.
Abbildung 14: Entwicklung des vergebenen Kreditvolumens im Vergleich zum BIP
Entwicklung des vergebenen Kreditvolumens an inländische Unternehmen und Privatpersonen
2001-2010, relative Differenz zum Vorjahr in %.
Quelle: Deutsche Bundesbank,
http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?open=banken&func=row&tr=PQ3001&
year=2011 , Aufruf 01/04/2011.
Entwicklung der BIP-Werte 2001-2010, Veränderungen zum Vorjahr in %.
Quelle: CRP, Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts:
http://www.crp-infotec.de/01deu/wirtschaft/grafs/bip_vgl_jahre.gif , Aufruf: 01/04/2011.
22 Vgl. Creditreform: Unternehmensfinanzierung in Zeiten der Krise; Faktoren für den erfolgreichen
Kreditantrag, 8/2010, S. 2.
18
Der Mittelstand in Deutschland
Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entwicklung des vergebenen Kreditvolumens und der häufig damit verbundenen Investitionsbereitschaft der KMU ab 2007 bis 2009 (s. Abb. 8) stellte auch die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen dar. Dies betraf insbesondere bonitätsschwache KMU, die im Verlauf der Krise mit restriktiven Kreditkonditionen rechnen mussten. 23 Dies bestätigen auch die Ergebnisse einer Umfrage von DIHK aus dem Jahr 2010, nach denen sich die Finanzierungskonditionen für deutsche Unternehmen und insbesondere für KMU während des Höhepunktes der Krise (2008-2009) verschlechtert hatten. Mit der ersten Erholung der Konjunktur im Jahre 2010, verbesserten sich auch die Kreditkonditionen, wie in der nachstehenden Grafik deutlich wird.
Abbildung 15: Veränderung der Kreditkonditionen nach Größenklassen
- Saldo aus „verbessert“ - minus „schlechter und abgelehnt“ - Meldungen in %.
KMU Abgrenzungskriterium: nach IfM Bonn (s. Kap. 2.1): Unternehmen mit unter 500 Beschäftigten.
Quelle: DIHK, Wirtschaftslage und Erwartungen - Sonderauswertung „Kreditkonditionen“, Frühsommer
2010, S. 4.
Ferner ergibt sich aus der gleichen Umfrage, dass die Probleme bei den Kredit-verhandlungen mit zunehmender Größe des Unternehmens abnehmen, da tendenziell größere Unternehmen höhere und werthaltigere Sicherheiten und insbesondere eine bessere Eigenkapitalausstattung besitzen (s.a. Abb. 5).
In Bezug auf die Kreditvergabe zeigt eine andere Studie, dass die Situation bzgl. der Kreditvergabe sich, im Vergleich zu dem Zeitraum 2007-2009, im Jahre 2010
23 Vgl. Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2010, S. 25.
19
Der Mittelstand in Deutschland
deutlich verbessert hat: Nur 29,5% der KMU bezeichneten die Kreditvergabe der Banken als restriktiv (44,2% im Jahre 2009). Dennoch weisen KMU mit einer niedrigen Eigenkapitalquote immer noch Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Investitionsprojekten auf: 24,6% der KMU mit einer Eigenkapitalquote unter 10% konnten ihre Investitionsvorhaben mangels Fremdfinanzierung von Banken nicht verwirklichen. Demgegenüber lag dieser Anteil bei KMU mit einer Eigenkapitalquote über 30% bei 4,8% (Abb. 16). Folglich ziehen diejenigen Mittelständler Vorteile daraus, die eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen.
Abbildung 16: Anteil der KMU mit Finanzierungsproblemen anhand ihrer Eigenkapitalquote Anteil der KMU mit Finanzierungsproblemen anhand ihrer Eigenkapitalquote in %.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand,
Hier kann festgestellt werden, wie viel Wert die Kreditinstitute auf das Eigenkapital der KMU als Sicherheit für den zu vergebenden Kredit legen, insbesondere bei Krisenzeiten, bei denen ihre Risikostruktur hinsichtlich der Eigenkapitalquote höher ist als bei den Großunternehmen. Ähnliche Schlussfolgerungen können auch aus der Umfrage von Creditreform gezogen werden, nach der die Banken höhere Sicherheiten im Frühjahr 2010 als im 2008 verlangten, d.h. die Banken vergaben keinen Kredit ohne ausreichende Sicherheiten mehr. Tabelle 4 bildet die Schwierigkeiten ab, die die Mittelständler bei der Aufnahme von Fremdkapital durch einen Bankkredit hatten.
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