Gegenwärtig wird eine Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft festgestellt, die im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit gestiegen sein soll. Aber so ist zu hinterfragen, ob die Qualität oder Quantität der Gewalt damit gemeint ist. Über aggressive Handlungen wurde bis 1950 eher nicht in den Medien bildhaft berichtet. Vor der Erfindung des Fernsehens wurden die Radio, Nachrichten durch Neuigkeiten per Zeitung oder mündlicher Mitteilung weitergeleitet. So wurden auch Berichte über kriminelle Handlungen gar nicht so stark verbreitet. Meistens blieben solche Nachrichten auf die nähere Region beschränkt. So nimmt die Berichterstattung mit Hilfe des Fernsehens einen ganz anderen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft als damals ein. Nun ist auch zu bemerken, wann situativ Gewalt angewendet wird. So kann Gewalt eingesetzt werden, um Konflikte auf schnelle und scheinbar unkomplizierte Art und Weise zu lösen. Aber es ist nun zu hinterfragen, wie die Voraussetzung ist, dass jemand zur vermeintlichen Konfliktlösung in zwischenmenschlichen Beziehungen eine aggressive Handlung wählt. Es gibt ja auch schließlich andere Wege, um eine schwierige Situation zu bewältigen oder bei einer Auseinandersetzung seine eigene Meinung durchzusetzen oder zumindest Kompromisse zu finden. Allerdings liefert das visuelle Angebot und der Medienkonsum in den letzten Jahren auch einen wesentlichen Beitrag zur Gewaltbereitschaft. So ist nun die Aufgabe dieser Hausarbeit Modelle und Thesen über den Zusammenhang von Medienwirkungen der Gewaltpräsentation auf eine durch Zuschauer real nachfolgende aggressive Handlung hin zu erörtern. Wie wirken Gewaltdarstellungen auf den Fernsehkonsumenten? Gibt es weitere Faktoren, die bei der steigenden Rate der aggressiven Handlungen im realen Umfeld eine wesentliche Rolle spielen, zu berücksichtigen? Welche psychologischen Modelle sowie aufgestellte Thesen über die Medienwirkung sind bei der Beantwortung dieser oben gestellten Fragen aussagekräftig?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motivation zum Thema
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Gewalt und Aggression
2.1. Gewalt
2.2. Aggression
3 Medienwirkungen
3.1. Vier Annahmen
3.2. Wirkungsmodelle
3.2.1. Stimulus-Response-Modell (Kanonentheorie)
3.2.1.1. Payne Fund Studies
3.2.1.2. Kritik
3.2.2. Trimodales transklassisches Wirkungsmodell
3.2.3. Lernen am Modell
3.3. Wirkung von Mediengewalt
3.3.1. Katharsisthese
3.3.2. Stimulationsthese
3.3.3. Kultivierungsthese
3.3.4. These der Wirkungslosigkeit
3.3.5. These der Ambivalenz
3.4. Persönlichkeitsmodell
3.4.1. Sehr stark gefährdete Persönlichkeit
3.4.2. Weniger stark gefährdete Persönlichkeit.
4. Zusammenfassung wichtiger Punkte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Darstellung von Gewalt in Massenmedien und dem Auftreten realer aggressiver Handlungen durch den Zuschauer. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit psychologische Modelle und Thesen der Medienwirkung als Erklärung für ein steigendes Gewaltpotenzial dienen können.
- Klassische und moderne psychologische Wirkungsmodelle von Medien
- Differenzierung zwischen Gewalt und Aggression
- Thesen zur Medienwirkung (u.a. Katharsis, Kultivierung, Stimulation)
- Einfluss der Persönlichkeitsstruktur auf das Verhalten nach Medienkonsum
- Präventionsmöglichkeiten im sozialen und familiären Umfeld
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Stimulus-Response-Modell (Kanonentheorie)
Das Stimulus-Response-Modell (S-R-Modell) ist ein klassisches Wirkungsmodell, das als Prozess beschrieben wird, der Reiz und Reaktion durch Konditionierung verknüpft. Die Medien beschießen den Rezipienten mit Stimuli. Die Wirkung ist erfolgt, wenn der Rezipient sinnbildlich von den Geschossen der Stimuli wie erlegt wurde. Es steht fest, dass jeder, der sich den Medien ausgesetzt hat, von den Stimuli getroffen wird. Dieses Wirkungsmodell stammte ursprünglich aus der Physik - Gesetz des elastischen Stoßes - und aus der Psychologie - Reiz-Reaktions-Theorie. Dieses physikalische Gesetz und die psychologische Theorie wurde ungeprüft auf die Medienkommunikation übertragen. Es gibt vier Annahmen aus dem S-R-Modell: Die Kausale Struktur führt die Wirkung auf die Ursache der Kommunikation zurück.
Die zweite Annahme bezieht sich auf die Proportionalität, die zeigt, dass die Stärke des Stimulus mit der Stärke der Wirkung steigt. Als Nächstes ist dann die Transitivität zu erwähnen, die den Transfer vom Kommunikator zum Rezipienten darstellt. Bei der letzten Annahme handelt es sich um die Nomologie, die sich darauf bezieht, dass diese Kanonentheorie unabhängig von Zeit und Raum sei. So kann im Kontext der vier Annahmen geschlossen werden, dass die Wirkung der Kommunikation durch den Stimulus alleine bestimmt wird. (Vlg. Merten, 1999)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Motivation zur Untersuchung von Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Gewalt und Aggression: Definiert die zentralen Begriffe Gewalt und Aggression unter Berücksichtigung verschiedener sozialwissenschaftlicher Perspektiven.
3 Medienwirkungen: Analysiert verschiedene theoretische Wirkungsmodelle, darunter das Stimulus-Response-Modell und das Lernen am Modell, sowie diverse Medienthesen.
4. Zusammenfassung wichtiger Punkte: Fasst die zentralen Thesen und Modelle der Medienwirkungsforschung zusammen und reflektiert deren Bedeutung für die Prävention.
Schlüsselwörter
Gewalt, Aggression, Medienwirkung, Stimulus-Response-Modell, Katharsisthese, Stimulationsthese, Kultivierungsthese, Persönlichkeitsmodell, Fernsehkonsum, Sozialisation, Medienkompetenz, Konfliktlösung, Imitationslernen, Gewaltprävention, Medienmacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den theoretischen und praktischen Zusammenhang zwischen dem Konsum von fiktiven Mediengewaltdarstellungen und der nachfolgenden Ausübung realer aggressiver Handlungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Abgrenzung von Gewalt und Aggression, der Darstellung wissenschaftlicher Wirkungsmodelle sowie der Bedeutung individueller Persönlichkeitsmerkmale für den Medienkonsum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie psychologische Modelle und Medienthesen dazu beitragen können, die Wirkungsweise von Gewaltdarstellungen in Medien auf den Menschen zu erklären.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse von Fachliteratur und psychologischen Konzepten, um den Stand der Wirkungsforschung kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Wirkungsmodellen (Stimulus-Response, trimodales Modell, Lernen am Modell) sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Medienthesen wie der Katharsis- oder Kultivierungsthese.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Medienwirkung, Aggressionsneigung, Stimulus-Response-Modell, Kultivierungsthese sowie Persönlichkeitsstrukturen.
Welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Zuschauers?
Die Arbeit betont, dass nicht jeder Rezipient gleichermaßen auf Medieninhalte reagiert; insbesondere labile Persönlichkeiten oder Menschen mit mangelnder Affektkontrolle sind stärker durch mediale Gewalt gefährdet.
Was bedeutet das "Lernen am Modell" im Kontext dieser Arbeit?
Es beschreibt den Prozess, bei dem Zuschauer durch Beobachtung von Filmhelden Verhaltensweisen übernehmen, wobei Gewalt oft als ein erfolgreiches Mittel zur Konfliktlösung wahrgenommen wird.
- Arbeit zitieren
- M. A. ; Dipl. (postgrad.) Isolde A. Kretzschmar (Autor:in), 2006, Gewalt und Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127068