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Die Darstellung der bäuerlichen Lebensart in Čechovs Erzählungen „Мужики“ und „С... close

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Die Darstellung der bäuerlichen Lebensart in Čechovs Erzählungen „Мужики“ und „Степь“

Termpaper, 2006, 25 Pages
Author: Eliza Kikvadze
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Event: HS: Das russische Dorf (1): Im Zeichen von Leibeigenschaft und Bauernbefreiung
Institution/College: Ruhr-University of Bochum
Tags: Darstellung, Lebensart, Erzählungen, Dorf, Zeichen, Leibeigenschaft, Bauernbefreiung
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V122867
ISBN (E-book): 978-3-640-27393-5
ISBN (Book): 978-3-640-27401-7

Abstract

1 Einleitung In seinen Werken versucht Čechov die Lebensbedingungen der russischen Menschen im 19. Jahrhundert sowohl in seinen negativen als auch in seinen positiven Seiten zu beschreiben. Die sozial-politische Situation seiner Zeit bedrückte Čechov sehr und mit seinen Werken versucht er, einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten und das russische Bürgertum auf die Situation der armen Landbevölkerung und die damit verbundene soziale Frage seiner Zeit aufmerksam zu machen. Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung der bäuerlichen Lebensart in Čechovs Werken „Мужики“ (1897) und „Степь“ (1888). Zunächst erfolgt eine kurze biografische Darstellung des Lebens von Čechov und eine Beschreibung der historischen Hintergründe bezogen auf die gegebene Fragestellung. Der Hauptteil enthält eine kurze, auf die Aufgabenstellung fokussierte Inhaltsangabe und daran anschließend eine Analyse der Beschreibung der Rahmenbedingungen des dörflichen sowie des familiären Lebens (zwischen den Ehegatten, zwischen Eltern und Kindern, zwischen den Generationen) bzw. der Art des menschlichen Miteinanders. Abschließend wird auf den Aspekt der religiösen Besonderheit der russischen ländlichen Bevölkerung eingegangen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum

Seminar für Slavistik / Lotman-Institut

WS 06/07

HS: Das russische Dorf (1): Im Zeichen von Leibeigenschaft und

Bauernbefreiung

Das Thema:

Die Darstellung der bäuerlichen Lebensart in Cechovs Erzählungen

,," und ,,"

Eliza Kikvadze

B.A Germanistik, Slavistik, 8. Semester


1. Einleitung 2

2. Historische Einordnung 2

2.1 Der Autor und sein literarisches Schaffen 2

2.2 Die Lage der russischen Bauern im 19. Jahrhundert 4

2.3 Merkmale des bäuerlichen Lebens 5

2.4 Die Mentalität der russischen Bauern 7

3. Die Darstellung des bäuerlichen Lebens in den Erzählungen ""

und "

" 8

3.1 Inhaltsangabe ,," 8

3.2 Inhaltsangabe ,," 10

3.3 Rahmenbedingungen des dörflichen Lebens 12

3.4 Aspekte des familiären Lebens / des menschlichen Miteinanders 15

3.5 Religiosität / passive Einstellung der Bauern zum Leben 19

4. Fazit 21

5. Literaturverzeichnis 23

1


1 Einleitung

In seinen Werken versucht Cechov die Lebensbedingungen der russischen

Menschen im 19. Jahrhundert sowohl in seinen negativen als auch in seinen

positiven Seiten zu beschreiben. Die sozial-politische Situation seiner Zeit

bedrückte Cechov sehr und mit seinen Werken versucht er, einen Beitrag zur

Aufklärung zu leisten und das russische Bürgertum auf die Situation der armen

Landbevölkerung und die damit verbundene soziale Frage seiner Zeit

aufmerksam zu machen.

Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung der bäuerlichen Lebensart

in Cechovs Werken ,," (1897) und ,," (1888). Zunächst erfolgt eine

kurze biografische Darstellung des Lebens von Cechov und eine Beschreibung

der historischen Hintergründe bezogen auf die gegebene Fragestellung.

Der Hauptteil enthält eine kurze, auf die Aufgabenstellung fokussierte

Inhaltsangabe und daran anschließend eine Analyse der Beschreibung der

Rahmenbedingungen des dörflichen sowie des familiären Lebens (zwischen

den Ehegatten, zwischen Eltern und Kindern, zwischen den Generationen) bzw.

der Art des menschlichen Miteinanders. Abschließend wird auf den Aspekt der

religiösen Besonderheit der russischen ländlichen Bevölkerung eingegangen.

2. Historische

Einordnung

2.1

Der Autor und sein literarisches Schaffen

Cechov wurde am 29.Januar 1860 in Taganrog, einer Kleinstadt in

Südrussland geboren.1 Sein Vater war Kaufmann, der ein Laden in Taganrog

besaß, in dem Cechov und seine Geschwister oft mithelfen mussten. Die

Annahme, die Kinder sollen in der Furcht vor dem Vater erzogen worden sein,

wie es Reiner Scheck zu demonstrieren versucht2, darf teilweise widerlegt

werden. Zwar haben sie keine einfache Kindheit gehabt, auch gelegentlich die

1 Frank Rainer Scheck: Anton Cechov

.

München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004. S. 7.

2 Ebd., S. 10.

2


Prügel von dem Vater abbekommen, aber ihn als Tyrann zu bezeichnen, ist

falsch.3

Nach der Schulausbildung ging Cechov nach Moskau, um dort Medizin

zu studieren. Während der ersten Jahre seines Studiums schrieb Cechov unter

dem Pseudonym ,,Cechonte" für einige Zeitschriften humoristische Texte. Seine

Motivation für sein literarisches Schaffen war ausschließlich darin begründet,

dass er das Geld für seinen Lebensunterhalt als Student verdienen musste und

darüber hinaus auch noch seine Familie finanziell unterstütze, da der Vater als

Kaufmann nicht mehr erfolgreich war.

Seine erste ,,Arbeit" erschien 1880 in der Zeitschrift ,,".4 All seine

Werke, die zwischen 1880-1886 entstanden, wurden unter verschiedenen

Künstlernamen veröffentlicht. Das Jahr 1886 markierte Cechovs neue

künstlerische Entwicklung, denn er wendete sich in seinen Texten von den

humoristischen und satirischen Themen ab und begann die existentielle

Themen seiner Zeit zu behandeln.5 Seine Werke bekamen einen scharfen

Unterton, in dem er Kritik an den trostlosen gesellschaftlichen Zuständen seiner

Epoche übte.6

1884 schließt Cechov das Medizinstudium erfolgreich ab. 1892 kaufte er

sich das Landgut Melichovo südlich von Moskau, wo er mit seiner Familie

zusammenlebte und einige glückliche Jahre verbrachte. Der größte Teil seiner

bedeutendsten Kurzgeschichten schrieb Cechov während seiner Lebenszeit in

Melichovo.7 Insbesondere während seiner Lebenszeit auf dem Land hatte

Cechov unmittelbaren Einblick in das Leben der einfachen Bauern, zumal er sie

kostenlos behandelte und so ihr Vertrauen erwerben konnte.8

1898 muss er das von ihm geliebte Landgut verlassen und aufgrund

seiner Krankheit (Lungentuberkulose) nach Jalta umsiedeln. Während seines

Aufenthalts in Jalta verbesserte sich seine Gesundheit kaum. Im Jahre 1901

heiratete er die Schauspielerin Olga Knipper in Moskau, die ihn bis zu seinem

3 Maria Tschechowa: Mein Bruder Anton Tschechow. Kindler Verlag, 2004. S. 7-8.

4 Hielscher, Karla: Tschechow. Artemis Verlag München und Zürich. 1987. S. 26.

5 Ebd., S. 47-48.

6 Bauer, Gerhard: "Lichtstrahl aus Scherben".

Cechov

.

Frankfurt am Main u. a.: Stroemfeld

Verlag, 2000. S. 28-29.

7 Bartlett, Rosamund: Anton Cechov. Eine Biographie

.

Wien: Zsolnay, 2004. S. 267

8 Ebd., S. 270.

3


Tode begleitet hat. 1904 fuhr er, begleitet von seiner Frau in den Kurort

Badenweiler nach Deutschland, wo er dann gestorben ist.

2.2

Die Lage der russischen Bauern im 19. Jahrhundert

Die seit Mitte des 17. Jahrhunderts bestehende Leibeigenschaft wurde in

Russland 1861 aufgehoben. Die Tatsache, dass die Bauern frei von der

Herrschaft des Grundbesitzers waren, änderte jedoch nicht viel an der

wirtschaftlichen und sozialen Situation; Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen

den Bauern und den Gutsbesitzern bestand weiter. Denn für ihre Freiheit

mussten sie an den Grundbesitzer eine festgelegte Kaufsumme in Form von

,,Ablösungszahlungen" zahlen.9 Außerdem blieben die Bauern in der

Landgemeinde (,,Mir") eingebunden. Die Beibehaltung der Landgemeinde

hatte zweierlei Gründe: Der Staat konnte dadurch die soziale Stabilität und die

Steuereinnahmen sichern.

Das rasante Wachstum der Landbevölkerung in den Jahren zwischen

1861- 1897 hatte zur Folge, dass das Land für den Bauern knapp wurde.10

Aus diesem Grund waren die russischen Bauern oft darauf angewiesen, vom

Grundbesitzer zusätzliches Land zu pachten. Dabei lag der Pachtzins höher,

als der Boden selbst überhaupt wert war. Dazu kamen noch die

Ablösungszahlungen neben den üblichen Steuern, so dass die Bauern

sozusagen in Ruin getrieben wurden.

Auch reichte die Ernte, die sie auf ihrem Land einholen konnten nicht

aus, um sie und ihre Familien ausreichend zu ernähren, zumal sie einen Teil

ihrer landwirtschaftlichen Produkte um jeden Preis verkaufen mussten, um

ergänzende Nahrungsmittel oder andere Haushaltswaren auf dem Markt zu

kaufen und die Abgaben an den Staat erbringen zu können.11

9 Pipes, Richard: Russland vor der Revolution: Staat und Gesellschaft im Zarenreich. C.H.

Beck Verlag, München,1977. S. 170.

10 Figes, Orlando: Die Tragödie eines Volkes : die Epoche der russischen Revolution

1891 bis 1924. Berlin-Verlag, Berlin. 1998. Ebd., S. 119.

11 Goehrke, Carsten: Russischer Alltag. Auf dem Weg in die Moderne. Bd.2, Chronos Verlag,

Zürich, 2003. S.223.

4


Im Ergebnis mussten die meisten Bauern zusätzlich Geld verdienen, viele von

ihnen gingen als (Wander-) Arbeiter in die Städte oder sie versuchten ihren

Lebensunterhalt durch das ortsübliche Gewerbe wie Weben, Schuhmacherei

etc. zu verdienen.12

2.3

Merkmale des bäuerlichen Lebens

Der bäuerliche Haushalt bestand meistens aus drei Generationen, das

heißt, die Eltern und die verheirateten Söhne mit ihren Ehefrauen und deren

Kinder wohnten unter einem Dach, insgesamt lebten sieben bis zwölf Personen

zusammen. Der älteste Mann war immer das Familienoberhaupt, in der

Rangliste folgte seine Frau. Alle Familienangehörigen mussten den

Anweisungen des Oberhauptes Folge leisten und ihm stets mit Respekt

begegnen.13

In der Bauernfamilie waren die Rollen der Angehörigen klar verteilt.

Frauen hatten meistens eine untergeordnete Stellung. Während die Männer von

den Frauen Respekt verlangten, gingen sie selbst mit ihren Frauen respektlos

um, was sich u. a. daran zeigte, dass die Frau entweder mit ihrem Vornamen

angesprochen oder als ,,Weib" bezeichnet wurde.14 Am Ende der Hierarchie der

Großfamilie standen die Schwiegertöchter, sie wurden wie kleine Kinder

behandelt, denen man keine Beachtung schenkte. Sie müssten die

Anweisungen der Autoritätspersonen befolgen und sich gehorsam zeigen.

Der Umgang der Ehepartner miteinander war nicht besonders ,,liebevoll".

Die Gefühle und die Zuneigung hatten in der Beziehung keinen Platz. Nicht

selten blieb das Bedürfnis der Frau ungeachtet. Der Ehemann zeigte Respekt

gegenüber seiner Frau nur ansatzweise.

Die russische Bauernfamilie lebte in kleinen Holzhütten. Das kleine ,,Haus",

genannt ,,Izba", bestand meistens aus einem einzigen Raum. Generell war die

Inneneinrichtung der Isba sehr dürftig. Von dem Möbel besaß die arme

12 Vgl., Figes, Die Tragödie eines Volkes, S.122.

13 Vgl., Goehrke, Russischer Alltag, S.199.

14 Ebd., S. 200.

5



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