Die Ausarbeitung zum Thema "Partizipkomposita" befasst sich zum einen mit einer Definition von Partizipkomposita, zum anderen mit der Literatur zur Thematik (die bislang rar gesät ist).
Insgesamt fiel mir besonders die hohe Produktivität der Komposita auf. Diese spiegelt sich zum Beispiel in den Ad-hoc-Wortbildungen, der Unberechenbarkeit der einzelnen Komposita sowie der schwierig bis gar nicht zu klassifizierenden Erstgliedern wider.
Darüber hinaus habe ich den Eindruck gewonnen, dass Partizipkomposita dazu in der Lage sind, besonders wohlklingende Worte zu erzeugen, die sich beispielsweise für den lyrischen Bereich gut eignen könnten. Beispiele hierfür bilden Komposita wie „sturmumtost“, „wellenumbrandet“ und „sternenübersät“. Auch in der Fachsprache finden sich einige Kompositionen dieser Art, da sich die Nutzung von Wortkombinationen hier besonders anbietet. So kann in einem Wort explizit ausgedrückt werden, was gemeint ist. Beispiele hierfür bilden Worte wie „handbearbeitet“, „cembalobegleitet“ sowie „bastumwickelt“. Zusammenfassend bin ich der Ansicht, dass Partizikomposita noch viele weitere Felder beinhalten, auf die ich aus Gründen der Kürze meiner Arbeit hier leider keine Rücksicht nehmen konnte. Deshalb bin ich gespannt, ob sich im weiteren Verlauf mehr Sprachwissenschaftler mit dieser Thematik auseinandersetzen werden um die momentan noch klaffende Lücke zu füllen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Definition von Partizipkomposita
1.2 Literatur zu Partizipkomposita
1.3 Gründe für die Beschäftigung mit Partizipkomposita
2. Reihenbildende Partizipkomposita
3. Nicht reihenbildende Partizipkomposita
4. Semantische Klassen von Nomina als Erstglieder von Partizipkomposita
4.1 Partizipkomposita auf „-umzingelt“
4.2 Partizipkomposita auf „-umspielt“
4.3 Partizipkomposita auf „-umsäuselt“
4.4 Partizipkomposita auf „-bekleidet“
5. Partizipkomposita auf „-belegt“ - verschiedene Lesarten
6. Fazit
Zielsetzung und Thematische Schwerpunkte
Die Arbeit widmet sich der morphologischen Untersuchung von Partizipkomposita, einem in der Forschung bisher weitgehend unerforschten Phänomen, um deren Struktur, Bildung, Anwendung und Funktion anhand von Beispielen aus Alltag und Literatur zu analysieren.
- Definition und morphologische Einordnung von Partizipkomposita
- Unterscheidung zwischen reihenbildenden und nicht reihenbildenden Bildungen
- Analyse semantischer Klassen von Erstgliedern bei ausgewählten Partizipformen
- Untersuchung verschiedener Lesarten bei Partizipkomposita auf „-belegt“
- Reflektion der Produktivität und des ästhetischen Potenzials dieser Wortbildungen
Auszug aus dem Buch
4.1 Partizipkomposita auf „-umzingelt“
Die Partizipkomposita auf „-umzingelt“ finden ihren Ursprung im Verb „umzingeln“. Der Partikel „-um-“ entsteht hierbei jedoch nicht durch das Kompositum, sondern ist bereits im ursprünglichen Verb enthalten.
Beispiele für dieses Kompositum bilden „keulenumzingelt“, „flammenumzingelt“, „insektenumzingelt“ sowie „gesetzesumzingelt“.
Auf letzteres Partizipkompositum möchte ich ein wenig näher eingehen. Paraphrasiert man das Kompositum „gesetzesumzingelt“ würde dies bedeuten, dass das Nomen, in diesem Fall die Gesetze, jemanden umzingeln. Dies wäre die direkte Bedeutung. Versteht man dies jedoch im übertragenen Sinne, ließe es sich so verstehen, dass man nicht von den Gesetzen, sondern vielmehr von ihren Hütern umzingelt sei. Hier kann man also deutlich erkennen, dass es bei Partizipkomposita oft die Möglichkeit gibt, eine direkte Bedeutung zu finden, die manchmal wenig sinnvoll erscheint, weshalb man (zum Teil nahezu automatisch) auf eine übertragene Bedeutung zurückgreift, die das Kompositum verdeutlicht.
Auch bei dem Partizipkompositum „keulenumzingelt“ muss man auf eine übertragene Bedeutung zurückgreifen, da hier nicht die Keulen selbst jemanden umzingeln, sondern vielmehr Menschen, welche diese Keulen halten. So lassen sich die von mir angeführten vier Beispiele bereits hinsichtlich semantischer Klassen kategorisieren: während für die Komposita „keulenumzingelt“ und „gesetzesumzingelt“ also eine übertragene Bedeutung verknüpft wird und somit eine Herausforderung des Lesers beziehungsweise Zuhörers geleistet werden muss, sind die Komposita „flammenumzingelt“ und „insektenumzingelt“ direkt verständlich, da beide Nomen dazu in der Lage sind, aktiv jemanden zu umzingeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Gegenstandsbereich der Partizipkomposita und stellt den bisherigen Forschungsstand sowie die Motivation für die Untersuchung dar.
2. Reihenbildende Partizipkomposita: Erläutert die Kategorisierung von Komposita anhand der Produktivität des enthaltenen Verbs und gibt Beispiele für hochproduktive Bildungen.
3. Nicht reihenbildende Partizipkomposita: Behandelt spezifische, wenig produktive Wortbildungen und unterstreicht deren Einzigartigkeit.
4. Semantische Klassen von Nomina als Erstglieder von Partizipkomposita: Analysiert anhand spezifischer Verb-Partizip-Endungen (z.B. -umzingelt, -umspielt) die semantische Struktur und Übertragbarkeit der Bedeutung.
5. Partizipkomposita auf „-belegt“ - verschiedene Lesarten: Untersucht die Polysemie von Bildungen auf „-belegt“ und kategorisiert diese in verschiedene Bedeutungsnuancen.
6. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont das Potential von Partizipkomposita für wohlklingende und prägnante Ausdrucksweisen in Literatur und Fachsprache.
Schlüsselwörter
Partizipkomposita, Morphologie, Wortbildung, Sprachgebrauch, Linguistik, Verb im Partizip, reihenbildende Komposita, semantische Klassen, Ad-hoc-Wortbildungen, Produktivität, Sprachanalyse, Literatur, deutsche Wortbildung, Wortbildungsmorphem, Lesarten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse eines bislang wenig erforschten Phänomens der deutschen Morphologie: den sogenannten Partizipkomposita.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition, die strukturelle Analyse, die Produktivität sowie die semantische Einordnung dieser spezifischen Wortzusammensetzungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bildung, Anwendung und Funktion von Partizipkomposita zu durchleuchten und durch eine Vielzahl an Beispielen aus dem Alltag und der Literatur zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine morphologische Analyse vorgenommen, ergänzt durch die Auswertung von Korpora, digitalen Wörterbüchern und eine reflektierte eigenständige Theoriebildung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Unterscheidung zwischen reihenbildenden und nicht reihenbildenden Komposita sowie die tiefgehende Analyse semantischer Klassen ausgewählter Partizipformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Morphologie, Wortbildung, Partizipkomposita, Produktivität und semantische Klassen.
Welche besondere Bedeutung kommt dem Verb „belegen“ in der Untersuchung zu?
Das Verb „belegen“ dient als Fallbeispiel für eine ausgeprägte Polysemie, wobei die Autorin sechs verschiedene Lesarten identifiziert, die von physischem Auslegen bis hin zu abstrakten Zuständen reichen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen direkter und übertragener Bedeutung eine so große Rolle?
Die Autorin verdeutlicht, dass Partizipkomposita oft eine Brücke zwischen wörtlicher und übertragener Semantik schlagen, was für den Leser eine kognitive Herausforderung darstellt und neue Ausdrucksmöglichkeiten schafft.
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- Viktoria Mey (Autor), 2013, Partizipkomposita und ihre Anwendung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279591