Training exekutiver Funktionen in kleinen und großen Sportspielen. Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit


Bachelorarbeit, 2018

35 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Probanden/Material und Methoden
2.1 Probanden
2.2 Studienablauf
2.3 Training zur Förderung exekutiver Funktionen
2.4 Analyse der Konzentrationsfähigkeit
2.5 Statistik

3 Ergebnisse

4 Diskussion und Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Konzentrationsleistung der Kontroll- und Experimentalgruppe im Prä- und Posttest

Abb. 2. Stundenverlaufsskizze

Tabellenverzeichnis

Tab. 1. Stundenübersicht der Interventionsphase; (Walk, 2013, S. 50-89)

Tab. 2. Auswertung d2-R Test und Probanden Informationen

Tab. 3. Explorative Datenanalyse

Tab. 4. Deskriptive Statistik und T-Test für verbundene Stichproben für den Vergleich Prä-Post bei Gruppe

Tab. 5. T-Test für verbundene Stichproben für den Vergleich Prä- Post bei Gruppe 2

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Förderung exekutiver Funktionen gerät immer mehr in den Fokus der Forschung. Besonders im Hinblick auf erfolgreiches Lernen wird ihnen eine Schlüsselfunktion zugesprochen. Es ist jedoch unklar, ob die Förderung exekutiver Funktionen im Sportunterricht positive Auswirkungen auf die Konzentrationsleistung von Schülerinnen und Schülern hat. Das Ziel der Studie war, herauszufinden, ob die Förderung exekutiver Funktion durch kleine und große Sportspiele im Sportunterricht positive Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit von Kindern zwischen 6-9 Jahren hat.

Probanden/Material und Methoden: Die Studie umfasst 18 Grundschülerinnen und -schüler (Geschlecht: 11 Mädchen, 7 Jungen; Alter: 6-9 Jahre). Die insgesamt 18 Probanden teilen sich in eine Testgruppe und eine Kontrollgruppe auf. In der Interventionsphase wurden im Sportunterricht der Testgruppe über drei Wochen in 5 Sportstunden ausschließlich Bewegungsspiele zur Förderung exekutiver Funktionen nach Walk und Evers unterrichtet (Walk, 2013). Die Kontrollgruppe wurde in dieser Zeit weiterhin regulär unterrichtet ohne spezielle Förderung. Die Aufmerksamkeitsfähigkeit beider Gruppen wurde vor und nach der Interventionsphase mit dem d2-R-Test (Brickenkamp, Schmidt-Atzert, & Liepmann, 2010) ermittelt.

Ergebnisse: Sowohl die Interventionsgruppe als auch die Kontrollgruppe haben ihre Konzentrationsleistung nach der Interventionsphase signifikant verbessert. Die Steigerung der Konzentrationsleistung der Interventionsgruppe deutet darauf hin, dass die Förderung exekutiver Funktionen offensichtlich eine Steigerung der Konzentrationsleistung und somit der Aufmerksamkeit bewirkt hat. Das Ergebnis kann, aufgrund bestehender Diskrepanz zwischen der Probandengruppe und der Auswertung des d2-R Tests, nicht als vollständig valide bewertet werden.

Schlussfolgerung: Die durchgeführte Studie gibt zwar erste Hinweise über den positiven Einfluss der Förderung exekutiver Funktionen auf die Aufmerksamkeit/Konzentrationsfähigkeit im Sportunterricht, allerdings müssen diese ersten Erkenntnisse zukünftig noch mit einer anderen Methodik bzw. Testverfahren ausreichend belegt werden. Die Forschung in diesem Themengebiet muss aufgrund der hohen Relevanz, des Potentials und der Möglichkeiten unbedingt fortgesetzt werden und in die Schule integriert werden.

Abstract

Background: The promotion of executive functions is increasingly becoming a focus of research. Especially with regard to successful learning they are assigned as a key function. However, it is unclear whether the promotion of executive functions in physical education has a positive impact on the concentration performance of students. The aim of the study was to find out whether promoting small and large sport games in physical education have a positive effect on the attention of 6-9 years old children.

Participants/Material and Methods: The study involves 18 primary school pupils (gender: 11 girls, 7 boys, age: 6-9 years). The total of 18 subjects are divided into a test group and a control group. During the intervention phase, the group was taught 5 hours of physical activity over three weeks to promote executive functions according to Walk and Evers (Walk, 2013). The control group continued to be taught regularly during this time without special support. The ability to attract attention of both groups was determined before and after the intervention phase with the d2-R test (Brickenkamp, ​​Schmidt-Atzert, & Liepmann, 2010).

Results: Both the intervention group and the control group significantly improved their concentration performance after the intervention phase. The increase of concentration in the intervention group suggests that the promotion of executive functions has apparently increased concentration and thus attention. Due to the existing discrepancy between the group of volunteers and the evaluation of the d2-R test, the result cannot be evaluated as completely valid.

Conclusion: The study gives first indications about the positive influence of the promotion of executive functions on the attention/concentration ability in physical education. However, in the future, these initial findings will have to be sufficiently substantiated by another methodology or test procedure. The research in this area must be continued because of the high relevance, the potential and the possibilities. Furthermore, it should be integrated into school.

1 Einleitung

Der Sportunterricht bzw. die Bewegung haben positive Auswirkungen auf den Menschen. Wenn man an die positiven gesundheitlichen Wirkungen von Sport und Bewegung denkt, wird häufig erst an körperliche Prozesse gedacht, wie z.B. die Reduzierung eines zu hohen Körpergewichts, von Rückenbeschwerden, die Vorbeugung von Gelenkverschleiß oder chronischer Herzinsuffizienz (Kubesch, 2016). Allerdings genießt nicht nur der Körper die positiven Auswirkungen des Sports, auch kognitive Leistungsfähigkeit wird durch Bewegung und Sport positiv beeinflusst (Ratey J., 2013).

Ein aktuell sehr umworbenes Thema, auf das man bei genauerer Recherche stößt, sind die exekutiven Funktionen. Exekutive Funktionen können Erkenntnisse über viele kognitive Prozesse aber auch über spätere Lebensläufe und Verhaltensweisen erklären.

Es wurde beispielsweise festgestellt, dass sich die in der Kindheit schlecht ausgebildeten exekutiven Funktionen später auch schlecht auf das Erwachsenenleben auswirke. So werden höhere Wahrscheinlichkeiten für Suchterkrankungen, mangelnde Gesundheit und Kriminalität aufgrund von mangelnder Selbstkontrolle im Kindesalter prognostiziert (Spitzer, 2016). Mit anderen Worten, je größer die Selbstkontrolle der Teilnehmer einer Studie im Kindesalter gewesen war, desto gesünder sind sie im Erwachsenenalter gewesen (Terrie E. Moffitt, 2011). Eine weitere Untersuchung spiegelte wieder, dass Kinder mit geringer Selbstkontrolle im jugendlichen Alter von 15 Jahren eher Zigaretten rauchen, als Kinder mit einer großen Selbstkontrolle (Terrie E. Moffitt, 2011). Auch ein signifikanter Zusammenhang zwischen mangelnder Selbstkontrolle in der Kindheit und einer erhöhten Straffälligkeit bis zum Alter von 32 Jahren wurde festgestellt (Terrie E. Moffitt, 2011).

Exekutive Funktionen beinhalten viele geistige Fähigkeiten, die über das Handeln und Planen in Situationen bestimmen. Die kognitiven Kontrollprozesse ermöglichen dem Menschen, sein Verhalten auf bestimmte Situationen anzupassen. Die exekutiven Funktionen bilden zusammengefasst ein System, welches im Frontalhirn (präfrontaler Kortex) beheimatet ist. Es ist die Steuerzentrale unseres Gehirns (Walk, 2013).

Exekutive Funktionen bilden die Grundlage für folgende Kompetenzen nach Walk (2013, S.9):

„ - Impulskontrolle und Frustrationstoleranz
- Emotionsregulation
- Planvolles und vorausschauendes Handeln
- Logisches Denken und Problemlösen
- Aufmerksamkeitslenkung und Fokussierung
- Flexibles und adaptives Verhalten [...] “

Die exekutiven Funktionen sind somit von hoher Bedeutung für das Sozialverhalten und die Basis für erfolgreiches Lernen (Walk, 2013).

Die exekutiven Funktionen lassen sich in drei Teilkomponenten aufteilen, die nicht abhängig voneinander sind, allerdings in ihrer Funktionsweise eng miteinander zusammenarbeiten: das Arbeitsgedächtnis, die Inhibition, und die kognitive Flexibilität (Miyake A, 2000).

Das Arbeitsgedächtnis ist für die Speicherung und Verarbeitung von Informationen zuständig. Es ist letztlich wie eine Notizablage im Kopf (Walk, 2013). Das Arbeitsgedächtnis hält dem Menschen eine begrenzte Menge von Informationen, etwa sieben Elemente, kurzzeitig für weitere kognitive Operationen bereit. Es kooperiert dabei mit situativen Reizen und dem Langzeitgedächtnis, damit die kognitiven Operationen gedanklich gelenkt werden können (Boriss, 2015). Das Arbeitsgedächtnis lässt es beispielsweise zu, sich an eigene oder Instruktionen anderer Personen zu erinnern (Diamond, 2006).

Das Arbeitsgedächtnis wird verwendet, um kognitive Leistungen wie Sprache oder mathematisches Denken mit der aktiven Aufrechterhaltung von Informationen zu bewerkstelligen (Walk, 2013). Das Arbeitsgedächtnis wird unter anderem beim Kopfrechnen benötigt. Bei Kopfrechenaufgaben wie 8+2-1+2 muss es sich, während man 8 plus 2 rechnet, merken, dass von der errechneten Summe später noch 1 subtrahiert und im letzten Schritt noch die 2 addiert wird. Darüber hinaus bedient es sich des Wissens an langfristig abgespeicherten Strukturen, wie das des Addierens (Walk, 2013). Das Fassung-/Leistungsvermögen des Arbeitsgedächtnisses ist sehr wichtig für den kurz- und langfristigen Lernerfolg (Kyllonen, 1996).

„Die Inhibition dient der Impulskontrolle und Regulation eigener Gefühle und unterstützt dadurch situationsangemessenes Verhalten. Mit einer guten Inhibition beziehungsweise kontrollierten Verhaltenshemmung und Aufmerksamkeitslenkung können Reaktionen und Aktivitäten, die einem angestrebten Ziel entgegenstehen, leichter unterdrückt werden“ (Walk, 2013, S.14). Die Inhibitionsfähigkeit eines Kindes wird z.B. gebraucht, wenn der Lehrer eine Aufgabe stellt und das Kind sich auf die Bearbeitung dieser konzentriert, statt sich von dem Sitznachbar oder anderen Dingen um sich herum ablenken zu lassen. Im Sport braucht ein Fußballspieler ebenfalls Inhibitionsfähigkeit, um sich bei einem Freistoß auf das Schussziel zu fokussieren und nicht von den Zuschauern um ihn herum abgelenkt zu werden.

Kognitive Flexibilität wird benötigt um Verhaltensänderungen vorzunehmen, wenn zwischen verschiedenen Anforderungen gewechselt wird. Sie ermöglicht Perspektivwechsel bzw. verschiedene Perspektiven einzunehmen (Walk, 2013).

Angenommen die Arbeitsanweisung der Lehrkraft ändert sich abrupt, so ermöglicht die kognitive Flexibilität sich auf die neue Anweisung einzulassen, ohne an der Alten festzuhalten und/oder über mögliche Alternativlösungen nachzudenken/auszuwählen. In der Schule ist die kognitive Flexibilität also für die Entwicklung von Problemlösestrategien wie die Entscheidungsfindung oder Handlungsplanung wichtig (Kubesch, 2008).

Die Förderung exekutiver Funktionen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise entwickeln sich die exekutiven Funktionen im Alter zwischen 3-6 sowie zwischen 8-11 Jahren in einer besonders hohen Geschwindigkeit (Walk, 2013). Sie lassen sich daher in diesen Zeiträumen gut fördern. Die Förderung kann auf unterschiedlichstem Wege vollzogen werden.

Zum Einen natürlich durch eine kognitive Förderung, wie z.B. beim Training mit altersgerechten Computerspielen von CogMed (Pearson Education, Upper Saddle River, NJ), bei denen die Ansprüche an das Arbeitsgedächtnis stufenweise erhöht werden (Diamond & Lee, Interventions shown to Aid Executive Function Development in Children 4–12 Years Old, 2011). Allerdings gibt es auch Studien, die belegen, dass körperlich fittere Kinder besser ausgeprägte exekutive Funktionen aufweisen (Piek JP, 2004) (Buck SM, 2008). Zum Einen wurde diesbezüglich herausgefunden, dass die motorischen Fähigkeiten der Probanden die Leistungen in verschiedenen Tests zu exekutiven Funktionen vorwegnehmen können (Piek JP, 2004). Zum Anderen wurde in einer Studie festgestellt, dass die Testpersonen mit besseren körperlichen Fitnesswerten auch bessere Ergebnisse in den Stroop-Tests zur Messung exekutiver Funktionen in drei Fällen hatten (Buck SM, 2008).

Die Grundlage des schulischen Erfolgs eines jeden Kindes basiert auf der Ausprägung/Förderung ihrer exekutiven Funktionen. Können sie ihre Matheaufgaben bearbeiten, obwohl es in der Klasse sehr laut ist? Können sie einen Vortrag abhalten, obwohl einige Kinder sie mit witzigen Grimassen ablenken? Kann sich ein Kind bei Situations- und Aufgabenwechsel schnell auf die neue Situation einstellen? Exekutive Funktionen gelten daher als leistungsdeterminierender Faktor des Erfolgs in der Schule (Walk & Evers, 2013). Der Intelligenzquotient eines Kindes ist zum Zeitpunkt der Einschulung weniger relevant für die Leseleistung und mathematischen Fähigkeiten, also die zukünftige schulische Leistungsfähigkeit, als die exekutiven Funktionen (Diamond, Barnett, Thomas, & Munro, 2007).

Es gibt viele mögliche Gründe, die ein schlechtes Lernverhalten unvermeidlich machen. So werden die Instanzen Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit häufig als wichtig für den schulischen Erfolg eines jeden Kindes angesehen.

Konzentration ist die Fähigkeit eines Individuums, eine Selektion von verschiedenen Reizen vorzunehmen und gleichzeitig die Fokussierung auf bestimmte Reize, welche andauernd und richtig innerhalb kurzer Zeit erkannt werden (Brickenkamp, 2002). Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit werden in der Wissenschaft meist nicht eindeutig voneinander differenziert. Die Aufmerksamkeit wird eher der Wahrnehmung zugeordnet und die Konzentration bezieht sich auf den Arbeitsprozess (Pierangela Diadori, 2004). Da die Unterscheidung von Konzentration und Aufmerksamkeit in der folgenden Arbeit nicht relevant ist, werden diese Begriffe nachfolgend synonym behandelt.

Lehrkräfte beobachten häufig, dass Kinder heutzutage sehr geringe aktive Bewegungsphasen über den Tag haben, dafür ist der mediale Reiz von Smartphones, Computern etc. viel zu groß. Sie beobachten ebenfalls erhöhte Nervosität und Konzentrationsmangel. All diese Faktoren wirken sich natürlich resultierend schlecht auf das Lernverhalten der Schülerinnen und Schüler aus (Budde H. V.-R., 2008). Da sich die Kinder nur noch sehr erschwert auf den Unterricht fokussieren, werden sie schnell abgelenkt und haben einen dementsprechend kleinen Lernerfolg. Dies belegt ebenfalls eine Studie von Schenk: eine hohe Konzentrationsleistung beeinflusst die schulische Leistung von Kindern positiv (Schenk, 1992).

Konzentrationsfähigkeit oder Aufmerksamkeit steht somit in Verbindung mit der schulischen Leistung. Die Definition von Konzentration beinhaltet Faktoren die in enger Verbindung mit exekutiven Funktionen stehen. Bei der Gegenüberstellung einzelner Komponenten exekutiver Funktionen mit der Konzentration können Zusammenhänge festgestellt werden.

Inhibition ist z.B. auf eine zielgerichtete Konzentrationsteuerung angewiesen und kognitive Flexibilität nutzt die Konzentration um zwischen diversen Bezugsquellen zu rotieren (Kubesch, 2008). Die Aufmerksamkeit wurde schon häufig auf einen Zusammenhang mit dem Arbeitsgedächtnis untersucht. Daher werden in psychologischen Arbeitsgedächtnismodellen Kontrollfunktionen als kontrollierte Aufmerksamkeit bezeichnet (Engle R. W., 1999).

Es besteht also eine gewisse Verbindung zwischen exekutiven Funktionen und Aufmerksamkeit/Konzentrationsfähigkeit.

So kann ADS, ADHS und mangelnde Konzentration das Resultat von wenig ausgeprägten exekutiven Funktionen sein (Karr, 2016). Diese Menschen zeichnen sich häufig durch Unterentwicklungen und unvollständige Reifungsprozesse des präfrontalen Kortex aus (Karr, 2016). Die Förderung exekutiver Funktionen, insbesondere des Arbeitsgedächtnisses, ermöglicht beispielsweise die Aufrechterhaltung von Gedanken in variierenden Situationen, also der Konzentration und verringert das gedankliche Abschweifen (Kane, et al., 2007).

In diesem Kontext ergibt sich eine große Chance für den Sportunterricht, die schulische Leistung von Kindern positiv zu beeinflussen. Es gibt sowohl Beispiele für die Förderung exekutiver Funktionen als auch der Konzentration durch körperliche Aktivität. Ein Artikel von Diamond im Science Magazin berichtet über kognitive sowie körperliche Fördermöglichkeiten, die nachweislich positive Effekte auf die Ausbildung der exekutiven Funktionen haben (Diamond, Lee, 2011). Auch durch computerbasiertes kognitives Training können Kinder zwischen 4-6 Jahren gefördert werden (Posner & Rothbarth, 2007). Allerdings ist diese Art der exekutiven Förderung, unter der Berücksichtigung der tendenziell schlechten sportmotorischen Leistungsentwicklung von Kindern und Jugendlichen (Rusch & Irrgang, 2002) (Budde, Voelcker-Rehage, Pietrassyk-Kendziorra, Ribeiro, & Tidow, 2008), nicht zu empfehlen.

Anders als zwischen exekutiven Funktionen und sportlicher Aktivität, erscheinen die Forschungsergebnisse bezüglich Konzentration und Bewegung noch etwas ungeklärt. Klinische Daten lassen vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Konzentrationsleistung und sportlicher Aktivität gibt (Hollmann, 2003). Aus einer gezielten Literaturrecherche in mehreren Datenbänken (Pubmed, Web of Science etc.) ergaben sich bis jetzt jedoch noch keine hinreichenden Ergebnisse über mögliche Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit durch die Förderung exekutiver Funktionen durch Bewegung/Sport im Sportunterricht. Die Wissenschaft geht allerdings theoretisch davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen exekutiven Funktionen und der Konzentrationsleistung gibt (Diamond, 2006).

Im deutschen Bildungssystem ist die beachtliche Bedeutung und die optimale Förderung exekutiver Funktionen noch reichlich unbekannt (Kubesch & Walk, 2009). Kubesch und Walk begründen die enorme Relevanz von neurowissenschaftlichen Forschungsergebnissen für die Bildungsforschung mit der Erkenntnis, dass die exekutiven Funktionen sowohl mit der Lernleistung als auch mit Verhalten von Kindern in Verbindung steht (Kubesch & Walk, 2009).

Es gibt verschiedenste Programme um exekutive Funktionen zu fördern. Ein sehr passendes Spiel- und Lernkonzept für den Sportunterricht bietet die Ausarbeitung „Fex Förderung exekutiver Funktionen – Wissenschaft – Praxis – Förderspiele“ des ZNL Transfer Zentrum für Neurowissenschaften (Walk, 2013). In diesem Buch werden kleine und große Sportspiele vorgestellt, die sich besonders für die Förderung exekutiver Funktionen im Sportunterricht eignen. Um eine Förderung exekutiver Funktionen im regulären Sportunterricht zu ermöglichen, bietet sich das oben genannte Förderprogramm von Walk und Evers an.

Es stellt sich anschließend die Frage, ob sich die Konzentrationsfähigkeit von Grundschülern im Alter von 6-9 Jahren durch die Förderung von exekutiven Funktionen im Sportunterricht durch kleine und große Sportspiele nach dem Programm von Walk (2013) beeinflussen lässt.

Auf Grund der theoretischen Hintergründe und der Beziehung exekutiver Funktionen und Konzentrationsfähigkeit zueinander und unter der Voraussetzung, dass der Sportunterricht nach den in der Fragestellung aufgeführten Kriterien strukturiert werden würde, lässt sich die Hypothese aufstellen, dass sich die Förderung exekutiver Funktionen positiv auf die Konzentrations-/Aufmerksamkeitsfähigkeit bzw. später positiv auf das Lernverhalten der Probanden auswirken wird.

2 Probanden/Material und Methoden

2.1 Probanden

Die Studie umfasst 18 gesunde Schülerinnen und Schüler aus der ersten und zweiten Klasse einer Grundschule in Schleswig-Holstein. Die Interventionsgruppe (Geschlecht: 6 Mädchen, 3 Jungen; Alter: 7,4 ± 0,84 Jahre; Größe: 131,3 ± 3,8 cm; Gewicht: 30,8 ± 8,4 kg) und die Kontrollgruppe (Geschlecht: 5 Mädchen, 4 Jungen; Alter: 7,4 ± 0,5 Jahre; Größe: 133,5 ± 4,8 cm; Gewicht: 29,13 ± 6,7 kg) bestanden aus jeweils 9 Personen. Die Kinder wurden mündlich über die Vorgehensweise, Inhalte und Ziele der Studie aufgeklärt. Die Erziehungsberechtigten haben im Vorwege eine schriftliche Probandenaufklärung bekommen und ihr Einverständnis gegeben, ihr Kind an der Studie teilnehmen zu lassen. Die Kinder, welche keinen ausgefüllten Einverständnisbogen vorlegen konnten, haben während der Interventionsphase trotzdem am Sportunterricht teilgenommen, haben jedoch keinen Prä- oder Posttest gemacht. So konnte ein alltagsgerechtes Unterrichtsgeschehen sichergestellt werden.

2.2 Studienablauf

Zu Beginn der Studie wurde die Konzentrationsfähigkeit aller Probanden mit dem d2-r-Prä-Test ermittelt. Danach folgt die Interventionsphase, in der die Testgruppe über einen Zeitraum von 3 Wochen 5 Sportstunden Spiele zur Förderung exekutiver Funktionen nach der Spielesammlung aus fex Förderung exekutiver Funktionen (Walk, 2013) durchführt. Die Kontrollgruppe wird in diesem Zeitraum regulär unterrichtet. Nach der Interventionsphase werden alle Probanden nochmals mit dem d2-r-Post-Test geprüft.

2.3 Training zur Förderung exekutiver Funktionen

Das Training der exekutiven Funktionen erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Wochen. In diesem Zeitraum wurde mit der Interventionsgruppe und den restlichen Kindern dieser Klasse in den insgesamt zwei Sportstunden pro Woche kleine und große Sportspiele zur Förderung exekutiver Funktionen nach dem Programm von Walk und Evers aus „fex Förderung exekutiver Funktionen“ des ZNL TranferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen gespielt (Walk, 2013). Die Intervention wurde unter realen Lernbedingungen durchgeführt, da Forscher davon überzeugt sind, dass die Forschung von Lernprozessen von Kindern so am besten ausgeübt werden kann (Kubesch & Walk, 2009).

Am Anfang jeder Stunde haben die Kinder ca. 5min Zeit für das freie Spielen mit Musik im Hintergrund, um anschließend nach Beendigung der Musik im Kreis zusammenzukommen. Dieses Ritual wurde von der Sportlehrerin der Klasse übernommen und in jeder Unterrichtsstunde genutzt, um die Kinder zu begrüßen und sie über den Verlauf der Stunde aufzuklären (siehe Abbildung 4). Anschließend wurden die Spiele angeleitet.

Die Spiele unterscheiden sich in ihren Anforderungen bezüglich der drei exekutiven Funktionen Inhibition, Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität. Der Schwierigkeitsgrad der Anforderungen wird in einer Skala von null bis drei Punkten für die einzelnen exekutiven Funktionen angegeben. Dabei entspricht null keiner Förderung und drei einer sehr hohen Förderung der jeweiligen exekutiven Funktion. Es gibt bei fast allen Spielen nicht nur einen Förderschwerpunkt. Meistens werden zwei oder drei exekutive Funktionen gleichzeitig gefördert. Jedes Spiel hat nach dem grundsätzlichen Ausgangsspiel zwei bis drei weitere Varianten mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad (Walk, 2013).

Viele Spiele der Interventionsphase haben einen koordinativen Anforderungsbestandteil (siehe Anhang). Bei Musikstopp! müssen die Kinder, nach Beendigung der Musik, auf ein Kommando verschiedene koordinativ anspruchsvolle Körperhaltungen einnehmen (Walk, 2013). Das Lösen von Koordinationsaufgaben aktiviert den präfrontalen Cortex und die Förderung exekutiver Funktionen (Spitzer M., 2002). In jeder Unterrichtsstunde wurde mindestens ein Spiel zur Förderung exekutiver Funktionen gespielt. Damit alle drei exekutiven Funktionen im gleichen Maße gefördert werden, wurden die Spiele aufgrund der Gewichtung ihrer Förderschwerpunkte ausgewählt. So wurden in dieser Einheit insgesamt 34 der oben genannten Punkte für die kognitive Flexibilität, die Inhibition, sowie 30 für das Arbeitsgedächtnis zusammengetragen (siehe Abbildung 2).

2.4 Analyse der Konzentrationsfähigkeit

Um festzustellen, ob und inwiefern sich die Konzentrationsfähigkeit der Probanden verändert, haben die Probanden einen d2-r-Test vor und nach der Interventionsphase durchgeführt, um Veränderungen bezüglich der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung festzustellen.

Der d2-R Aufmerksamkeitstest ist eine überarbeitete Version des d2-Aufmerksamkeitstest (Brickenkamp, 2002).

Der d2-R-Test eignet sich besonders für die Messung von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung und ist unabhängig von speziellen Fähigkeitsvoraussetzungen. Der d2-R-Test ist ausgelegt für ein Alter zwischen 9-60 Jahren. Da dieser Test nur einen Stift, Papier und eine Stoppuhr zur Durchführung benötigt, ist er fast überall ohne großen Aufwand durchführbar.

Im Gegensatz zu dem früheren d2-Test hat der d2-R-Test eine festgelegte Instruktionsanleitung für den Prüfer. Mit ihr kann sichergestellt werden, dass der Test immer gleich ausgeführt wird. Vor Beginn des Tests bekommt jedes Kind einen Beispielbogen, auf dem alle wichtigen Informationen zur erfolgreichen Bearbeitung des Tests aufgeführt sind. Dieser wird mit dem Prüfer vorab gemeinsam bearbeitet und besprochen.

Während des Tests sollen zeilenweise, in einer bestimmten Zeit, möglichst schnell und ohne Fehler, Zeichen markiert werden. In den Zeilen gibt es verschiedene Zeichen. Es gibt entweder den Buchstaben p oder d mit je 1-4 Strichen über oder unterhalb. Die Testpersonen müssen nun alle Buchstaben d mit zwei Strichen von anderen nicht relevanten Zeichen unterscheiden. Wenn sie ein d mit zwei Strichen gefunden haben, streichen sie dieses durch. Es gibt insgesamt 14 Zeilen. In jeder dieser Zeilen gibt es entweder 25 oder 26 handlungsrelevante Stimuli. Jede Zeile darf 20 Sekunden lang bearbeitet werden, dann gibt der Prüfer das Signal „nächste Zeile“. Wenn alle Zeilen bearbeitet wurden, beträgt die Gesamtbearbeitungszeit des Tests somit 4 Minuten und 40 Sekunden.

Bei der Auswertung des Tests werden mit einer Schablone alle richtig bearbeiteten Zeichen (BZO, Anzahl bearbeiteter Zielobjekte), alle Auslassungsfehler (AF, Anzahl ausgelassener Zielobjekte) und die Verwechselungsfehler (Anzahl markierter Distraktionen) zusammengezählt. Für die Berechnung der Konzentrationsleistung (KL) wird von der Anzahl der richtig markierten Zielobjekte die Anzahl der Auslassungsfehler und der Verwechselungsfehler subtrahiert (Brickenkamp, 2002). Die Messparameter sind daher die Gesamtzahl der bearbeiteten Zeichen, die Auslassungsfehler und die Verwechslungsfehler - Konzentrationsleistungswert. Diese Parameter wurden nach Brickenkamp (2002) zur Erfassung der Konzentrationsleistung der Probanden entwickelt.

2007/2008 wurde der d2-R-Test an 4 024 Personen zwischen neun und 60 Jahren normiert. Bei der Normierung wurden Alterseffekte festgestellt, daher sollen die Werte der Konzentrationsleistung nicht als absolute Zahlen genutzt werden, sondern anhand einer Normtabelle mit 7 Altersgruppen von 9-60 Jahren angeglichen werden (Daseking, 2015). Da die Probanden in der aktuellen Studie zu einem großen Teil jünger als 9 Jahre sind, wurde sich dazu entschieden, die Werte der Konzentrationsleistung der Prä- und Posttests beider Gruppen in Form von absoluten Zahlen miteinander zu vergleichen.

Die Konzentrationsleistung setzt sich aus dem von Testperson zu Testperson unterschiedlich gewichteten Einsatz zwischen dem Arbeitstempo, der Qualität und dem zeitlichen Verlauf der Leistung während der Durchführung des Tests zusammen (Brickenkamp, 2002).

Die Gültigkeit sowie die Reliabilität des Tests wurde mit vielen Untersuchungen genügend nachgewiesen (Brickenkamp, 2002).

2.5 Statistik

Die Studie wurde mit einer explorativen Datenanalyse untersucht. Eine Prüfung der Standardnormalverteilung mittels Shapiro-Wilk Test ergab, dass die Konzentrationsleistungswerte der Prä- und Posttests bei der Interventionsgruppe sowie der Kontrollgruppe normalverteilt waren. Zur Bestimmung von Mittelwertsunterschieden des Prä- und Posttests beider Gruppen wurde der T-Test für verbundene Stichproben als parametrisches Verfahren angewendet. Das Signifikanzniveau wurde auf p 0,05 festgelegt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Training exekutiver Funktionen in kleinen und großen Sportspielen. Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V436272
ISBN (eBook)
9783668769687
ISBN (Buch)
9783668769694
Dateigröße
2648 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
exekutive Funktionen, Konzentration, Sport, Sportspiele
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Training exekutiver Funktionen in kleinen und großen Sportspielen. Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436272

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