Inhalt:
Einleitung S. 1
Heredit ät 1
Sexualit ät 4
Fazit S. 7
Literaturverzeichnis S 8
Einleitung
Bei der Betrachtung der Diskurse über Sexualität im 19. Jahrhundert sind die Literatur und im Besonderen das zeitgenössische Theater nicht außer Acht zu lassen. Autoren dieser Zeit beschäftigten sich verstärkt mit den Themen der Sexualität in der Gesellschaft sowie der Heredität. Allen voran ist Henrik Ibsen (1828 - 1906) zu nennen, der neben seinen berühmten Werken „Ein Puppenheim“ und „Peter Gynt“ 1881 das Theaterstück „Gespenster“ veröffentlichte. Ibsen galt bereits zu Lebzeiten als gesellschaftskritischer Kämpfer gegen anfechtbare bürgerliche Moral und die Lebenslüge (Spiegel online, 2003). Durch seine Theaterstücke hatte Ibsen häufig die viktorianische Gesellschaft empört und für großes Aufsehen gesorgt. Immer wieder waren dabei Themen der Feminität, Sexualität und Heredität integrale Bestandteile der Dramen. Besonders im angesprochenen Stück, „Gespenster“, tauchen vermehrt Hinweise auf Sexualität und Heredität auf. Die zu ergründende Frage ist: Welche Rolle spielten die Diskurse über Sexualität und Heredität im 19. Jahrhundert und wie wird dies im angesprochenen Stück „Gespenster“ deutlich? Im Folgenden wird zunächst ein Augenmerk auf die Heredität gelegt. Dabei wird zu Beginn umrissen, welche Bedeutung und welchen Hergang diese im 19. Jahrhundert im allgemeinen Diskurs einnimmt. Danach wird die Problematik anhand der Charaktere aus „Gespenster“ erläutert. Im zweiten Teil sollen die Diskurse um Sexualität besprochen werden. Hierzu wird erneut ein kurzer Rahmen der gesellschaftlichen Position dieses Diskurses gegeben, welcher dann von einer Analyse der Symbolik im behandelten Stück gefolgt wird. Der Schluss wird im genaueren die gestellte Frage aufgreifen und versuchen eine Antwort zu geben. Heredität
Heredität ist als „die Beteiligung von Genen an der Ausbildung phänotypischer Eigenschaften (Merkmale), charakterisiert durch ihr statistisch gesetzmäßiges Wiedererscheinen in der Nachkommenschaft“ (Erblichkeit, 1999) definiert. Eine einfachere Definition ist die der Erblichkeit. Im 19. Jahrhundert war die Erblichkeit von Eigenschaften eine der Leitrichtlinien der Gesellschaft. Obwohl die Kirche weiterhin als Instanz für Moral und gesellschaftliches Handeln präsent war, mischten sich nun auch andere, weltlichere Instanzen in die Lebensordnung ein. Zum einen gab es da die Medizin, welche mit immer neuen Theorien immer mehr Macht ausüben konnte. Beispielsweise wurden homosexuelle komplett medizinisch und wissenschaftlich definiert. Dies geht soweit, dass sogar eine gewisse typische Anatomie des homosexuellen erstellt wird (Foucault, 1977). Auch in diesem Zusammenhang
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spielt Heredität eine entscheidende Rolle. So spricht Freud (1905) von einer „angeborenen Inversion“, welche er allerdings nur neben anderen Möglichkeiten der „Inversion“ nennt. In der viktorianischen Gesellschaft herrscht der Glaube vor, dass sich die Sünden der Eltern in den Kindern widerspiegeln. Dies bedeutet nicht nur, dass der Nachwuchs einige physische Ähnlichkeiten mit den Eltern aufweist, sondern vor allem, dass Verhaltensweisen der Eltern auf deren Kinder übertragbar sind. Die Ärzte der Zeit erfanden häufig die Diagnose einer Erbkrankheit und stellten dabei keine Heilungsmöglichkeit in Aussicht. Ferner wurde das ungeschriebene Gesetz der Heredität als gegeben hingenommen, so dass keinerlei Möglichkeit bestand, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Der Kirche kam natürlich gleichermaßen die Möglichkeit gelegen eine Vererblichkeit der Sünden zu stilisieren. Diese Entwicklungslinien innerhalb der Gesellschaft werden auch in der Literatur deutlich. Heredität spielt die vielleicht bedeutendste Rolle unter allen Symbolen in „Gespenster“. Die Gespenster selbst sind das Symbol, welches Ibsen nutzt um die Heredität darzustellen („…sind allesamt Gespenster…was wir von Vater und Mutter geerbt haben…“ in Ibsen, 1881, S.45), welche die Lebensfreude der jüngeren und freieren Generation zerstört. Die Mitglieder dieser Generation, welche im Stück dargestellt werden sind Osvald und Regine. Bereits zu Beginn des Stücks zieht Engstrand eine Parallele zwischen Regine und Ihrer Mutter („Ich habe drei Jahre beim Kammerherrn Alving auf Rosenvold gedient.“ in Ibsen, 1881, S.7). Regine arbeitet ebenfalls als Kammermädchen bei den Alvings und hat bis zum Ende des Stücks keine korrekte Vorstellung Ihrer Herkunft. Selbst ohne dieses Wissen scheint die Heredität dennoch Oberhand zu nehmen. Wie auch Ihre Mutter beginnt Regine ein intimes Verhältnis mit dem Herrn des Hauses. Ihre Mutter hatte mit Herrn Alving auf dessen Drängen ebenfalls ein solches Verhältnis geführt. Das Resultat dieses Verhältnisses ist Regine selbst, die nun wie Ihre Mutter als Dienstmädchen bei den Alvings arbeitet und mit dem eigenen Halbbruder ein Verhältnis führt. Offensichtlich hat auch Regine die so genannte Lebensfreude Ihres Vaters geerbt. Dies wird außerdem daran deutlich, dass Sie am Ende des Stücks in das Bordell Ihres rechtlichen Vaters, Jakob Engstrand, zieht und dies auch mit ihrer Lebensfreude begründet („Und ich, ich habe auch Lebensfreude in mir, gnädige Frau.“ in Ibsen, 1881, S.77). Interessant ist in diesem Fall auch noch, dass Regine kurz vor Ihrer Entscheidung in das Bordell zu ziehen erst entdeckt, dass sie ganz nach ihrer Mutter kommen wird („Mutter war also so eine.“ Ibsen, 1881, S.76 und „Kommt Osvald nach seinem Vater, dann komme ich wohl nach meiner Mutter, schätze ich.“ in Ibsen, 1881, S.77). Heredität
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Arbeit zitieren:
M.A.HSG, MSc ESADE Dennis Krings-Ernst, 2004, Sexualität und Heredität in Ibsens "Gespenster" als Spiegelbild der gesellschaftlichen Leitlinien, München, GRIN Verlag GmbH
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